Relative Fernglasleistung bei 7fach am größten?

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas deboc
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

deboc

Aktives Mitglied
Hallo,

gerade bin ich über folgenden Artikel aus dem Jahr 2002 gestolpert, der vielleicht auch für andere interessant sein könnte: Viel hilft viel? Eine Untersuchung zur Leistung von Ferngläsern beim Tagessehen. Bei allen Mängeln, die diese Untersuchung hat, stimmt sie doch mit den oft geäußerten Erfahrungen überein: "optimale" Vergrößerungen für Tagesbeobachtungen liegen bei 7 oder 8fach, falls freihändig gehalten wird (der Wert für das 6fach-Glas ist allerdings für die Tonne, da mit einem Monokular ermittelt).

Leider wurden hier (bestenfalls-)Mittelklasse-FGs mit einem Zeiss-Topmodell verglichen. Ein Vergleich der aktuellen Zeiss-, Leica-, Nikon- und Canon-Topmodelle wäre mal was. Ohne und mit Stabi, falls vorhanden. So könnte man auch mal etwas genaueres über die Wirkung der Bildstabilisierung sagen, die sich hier im Test beim Zeiss 20x60S deutlich zeigt.
 
Re: Relative Fernglasleistung bei 7fach am größten

An den Messwerten erkennt man auch, dass es eine relativ starke Streuung (Fehlerbalken) gab. Hier spielt sicher auch die Erfahrung des Probanden eine Rolle. Es mag ja sein, dass fuer den Durchschnittsmenschen die Vergroesserung von 7x optimal ist, aber ein sehr erfahrener Beobachter kann bestimmt auch 10x noch gewinnbringend freihaendig verwenden.

Gruss,
Holger
 
Re: Relative Fernglasleistung bei 7fach am größten

Ja, mehr als eine grobe Richtung kann diese einfache Studie nicht angeben. Erstaunlich fand ich das sehr gute Ergebnis des 20x60S mit eingeschaltetem Stabi.
 
Re: Relative Fernglasleistung bei 7fach am größten

Hallo Holger,

An den Messwerten erkennt man auch, dass es eine relativ starke Streuung (Fehlerbalken) gab. Hier spielt sicher auch die Erfahrung des Probanden eine Rolle. Es mag ja sein, dass fuer den Durchschnittsmenschen die Vergroesserung von 7x optimal ist, aber ein sehr erfahrener Beobachter kann bestimmt auch 10x noch gewinnbringend freihaendig verwenden.

wenn ein Beobachter eine sehr ruhige Hand hat - das hat aber m. E. weniger mit Erfahrung zu tun, sondern ist eine Frage der Übung bzw. Veranlagung - kann er sicherlich mit einer zehnfachen Vergrößerung mehr erkennen als bei 7x.

Man sollte aber auch bedenken, dass die Sehschärfe des Beobachters bei der Vergrößerungswahl eine Rolle spielen könnte. Ich habe mir dazu dies überlegt:

Gerade ein sehr scharfsichtiger Mensch wird mit 7x schon sehr feine Details erkennen können, die "Wackelunschärfe" bei höheren Vergrößerungen wird ihn hingegen schon stören. Umgekehrt braucht ein Fernglasnutzer mit unterdurchschnittlicher Sehschärfe eine höhere Vergößerung, um die gleiche Auflösung zu erreichen, seine Empfindlichkeit gegenüber zitternden Bildern ist reduziert, so dass er die hohe Vergrößerung auch gewinnbringend nutzen kann.

Daher sollte meiner Meinung nach die Sehschärfe ( Visus ) des potentiellen Käufers ermittelt werden, bevor man zum Kauf schreitet. Bei durchschnittlich ruhiger Hand ist dann ein sehr scharfsichtiger Beobachter mit einem 7x-Glas am besten bedient, ein normalscharfes Auge wählt 8x und ein Mensch mit einem Visus von < 0,8 sollte ein 10x-Glas wählen. Bei sehr ruhiger Hand bringt wird natürlich auch das Adlerauge die zehnfache Vergrößerung gewinnbringend nutzen können.

Beste Grüße

Manfred
 
Re: Relative Fernglasleistung bei 7fach am größten

Hallo,
ich denke, dass man den Test nicht überbewerten sollte. Im Text wird ja auch eingeräumt, dass die Ergebnisse stark von der Qualität des Glases abhängen, ohne hierauf näher einzugehen. Dass ein Glas aus dem mittleren oder höheren Preissegment stammt, ist eigentlich zur Charakterisierung der Abbildungsgüte nicht ausreichend. Man sollte schon die Gläser exakt bewerten, bevor man hier Messungen vornimmt. Deshalb täuscht der Beitrag meiner Meinung nach eine Exaktheit vor, die so nicht gegeben sein dürfte.
Selbst wenn hier sorgfältiger vorgegangen worden wäre, würden die Ergebnisse auch nur etwas über die mit Landoltringen ermittelte Sehschärfe aussagen. Unter "Fernrohrleistung" bei freihändiger Beobachtung würde ich die Erkennbarkeit von Details mit unterschiedlichen Gläsern bei unterschiedlichen Sichtbedingungen (wobei die Apertur zur besseren Vergleichbarkeit durch die Agenpupille begrenzt werden sollte) verstehen. Sicher ist es schwer, dies objektiv zu messen, da sehr viele Faktoren hier berücksichtigt werden müssen.
Ich selbst habe schon öfter mit Beobachtern aus unterschiedlichen Intressengruppen (z.B. Jäger, Ornis, sonstige Naturfreunde) versucht die Frage zu bewerten, mit welchem Glas man am Tage am meisten sieht (Details erkennt). Dazu haben wir stets klassische Porrogläser von Zeiss-Jena benutzt um Gläser mit vergleichbarer Qualität zu haben (ich besitze selbst mehrere solcher Gläser in verschiedenen Ausführungen). Bei diesen Versuchen haben wir die Detailerkennbarkeit an verschiedenen Objekten (z.B. verschiedene Vögel, Erkennbarkeit Zifferblatt an weit entfernter Kirchturmuhr, Mauerwerk u.s.w.) phänomenologisch geprüft. Das ist zwar keine exakte Messung, bei sorgfältiger Analyse erhält man aber doch recht eindeutige Ergebnisse (wenn etwas zu komplex ist, halte ich diese Schätzmethode durchaus für zielführend). Danach zeigte sich regelmäßig, dass das 10x50 Dekarem (wir haben alle Beobachtungen mit Mitteltriebmodellen 8x30, 7x50, 10x50 und 15x50 gemacht) bei Freihandbeobachtung am Tage am meisten Details zeigte. Lediglich ein Beobachter hat offenbar mit dem 7x50 mehr gesehen als mit den anderen Gläsern (eventuell aufgrund einer größeren Handunruhe).
Eine andere Situation ergibt sich meiner Meinung nach, wenn man von einem Boot aus beobachtet. Hier schneidet meiner Meinung nach das 7x50 im Vergleich zum 10x50 besser ab (ich habe bisher nur diese beiden Gläser verglichen, da ich immer nur diese mitnehme - eigene Gläser deshalb, da die zur Ausrüstung von Charterschiffen gehörenden Gläser regelmäßig grauenhaft sind).
Ich hätte mir allerdings schon gewünscht, dass das 8x30 besser abschneidet, da sich dieses in der Natur besser schleppen läßt, als das 10x50.
Absolut eindeutig zugunsten des 10x50 fällt der Vergleich am Himmel aus. Hier zeigt das 10x50 im DS-Bereich von den Zeiss-Jena-Porros deutlich am meisten. Am besten von meinen Gläsern schneidet hier allerdings ein 12x60 von Meopta ab. Interessant ist, dass das Tento 20x60 relativ helle DS-Objekten meiner Meinung nach wesentlich deutlicher zeigt als das 10x50.
Am Mond sehe ich mit dem 10x50 am meisten Details.

CS. Frank
 
Re: Relative Fernglasleistung bei 7fach am größten

Hallo Manfred und Frank,

meine volle Zustimmung. Bei genauer Betrachtung ist die Fragestellung deutlich komplexer, und der Test kann maximal einen Teilaspekt bewerten. Als Fazit wuerde ich daher sagen, dass die Behauptung "Relative Fernglasleistung bei 7fach am größten" durch diesen simplen Test nicht ausreichend geprueft wurde und daher in dieser Allgemeinheit ungueltig ist. Es gibt genug Situationen, in denen auch 10x freihaendig noch mehr bringt. Davon abgesehen bevorzuge ich selbst als "immer dabei" Fernglas ein 8x, weil es beim Beobachten weniger Stress erzeugt und man eher entspannen kann anstatt sich darauf zu konzentrieren, moeglichst ruhig zu halten.

Viele Gruesse,
Holger
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben