NGC4711
Mitglied
Hallo zusammen,
ich möchte Euch ein etwas seltenes und möglicherweise auch verwegenes Projekt vorstellen, welches ich zurzeit bei uns in der Firma durchziehe:
Restaurierung eines schweren britischen 8“ Newton (es muss nicht immer ein ladenneues Instrument sein).
Ich hatte das Glück, dieses Prachtstück im November in einem Antiquitätenladen aufzustöbern und es war „Liebe auf den ersten Blick“.
Selten sieht man außerhalb von Sammlungen oder Museen ein altes Instrument, welches mit derart vielen - aus der Beobachtungspraxis stammenden - Details ausgerüstet ist und bei seinen 270 kg Gesamtmasse letztendlich recht erschwinglich war (lediglich € 2,78 für’s Kilo Newton).
Netterweise wurde es sogar für nur € 7,00 (!!) auf 2 Euro-Paletten durch eine Spedition frei Haus geliefert; es gibt doch noch gute Menschen…
Hier einige Bilder dieses kleinen Monstrums (viel schweres Metall unter Hammerschlaglack bzw. massive Messingteile). Allein der 70 cm lange Arm für die Feineinstellung in Deklination bringt stolze 4,4 kg auf die Waage.
Link zur Grafik: https://picasaweb.google.com/103015931503362381504/8ZollNewton#5694207823074506274
Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man annehmen, dass es sich bei all den Vernietungen und massiven Bauteilen um ein Instrument aus einem klassischen Jules Verne Roman handelt….
Link zur Grafik: https://picasaweb.google.com/103015931503362381504/8ZollNewton#5694207824970009042
Link zur Grafik: https://picasaweb.google.com/103015931503362381504/8ZollNewton#5694207824983841330
Bei diesen Abbildungen darf man sich nicht durch die Stellung des Suchers verwirren lassen; dieses Teleskop ist leider kein Kutter.
Optische Daten:
- Öffnung: 8“
- Brennweite: 68“
- Öffnungsverhältnis: 8,6
- Spiegelmaterial: Pyrex
Auf der Rückseite des Primärspiegels befindet sich eine eingravierte Inschrift mit weiteren Spiegeldaten, die aber noch von Verschmutzungen befreit werden muss.
MechanischeDaten:
- Spiegelhalterung: Mit Samt belegte Zelle mit 3 radial wirkenden langen gerundeten Backen, welche den Spiegel zentrieren und unverrückbar festhalten.
- Die gesamte Spiegelzelle kann bei Bedarf über Fernwellen nachjustiert werden.
- Säule: Stahl (Schwingungennoch nicht bekannt; bei Bedarf: Sandfüllung)
- Parallaktische Montierung mit beidseitigem Handbetrieb (typisch britische Ausführung; also etwas gewöhnungsbedürftig)
- Langbrennweitige Lupe zum Ablesen der Skala auf der Stundenachse
- Masse der Säule samt Montierung: ca. 150 kg
- Vier verschiebbare Ausgleichsgewichte (je ca. 300 g) entlang des Tubus
- Antrieb der Stundenachse: Schnecke mit manuell einstellbarem Andruck an das Schneckenrad
- Oberes Ende des Tubus via Schnellverschlüsse abnehmbar (Reinigung des Sekundärspiegels)
- Sucher (fast ein Hauptinstrument): 680 x 50 mm Refraktor mit 30-facher Vergrößerung (Gravur am Okularauszug: „H&G 30 X“); dieser wird wiederum bei der Grobausrichtung durch einen Mini-Sucher unterstützt.
Bei diesem Teleskop handelt es sich um eine wahrhaftig britische Eigenkonstruktion (keine einzige metrische Schraube vorhanden), was aber sicht allzu tragisch ist, da man bei http://www.schrauben-preisinger.de jede nur erdenkliche Schraube zu einem fairen Preis erhält.
Bis zum „First Light“ gibt es aber noch allerhand zu tun, was ich ab der nächsten Woche in loser Folge durchgeben werde.
Anstehende Restaurierungsarbeiten:
- Wechsel der Zugfeder in der Feineinstellung der Deklination
- Entfernen alter Schmierstoffe in allen Lagern und Antrieben -- Reinigung der optischen Oberflächen
- Neulackierung der Säule (dunkler Hammerschlaglack)
- Neulackierung des 22 kg (!!) Gegengewichtes und des Getriebegehäuses (schwarzer Schrumpflack)
- Festigkeitsüberprüfung aller Klemmungen und Schraubungen
Geplante Verbesserungen:
- Neuer Okularauszug (der Alte war leider nicht mehr vorhanden)
- Elektrischer Antrieb der Stundenachse durch einen entsprechend stark untersetzten Schrittmotor und VCO-Ansteuerung
- Einfügen einer Skala für die Deklinationsachse
- Ausfahrbare Stützen für stabilen Stand und Nivellierung
- Ausbau mit einen 200 mm f/3 Astrographen aus dem Hause Wachter (Spiegel bereits vorhanden)
Soweit der aktuelle Stand der Dinge.
Ab der nächsten Woche werde ich hier im Forum berichten, wie es mit dem dann wieder komplettierten Instrument weitergeht.
Bis die Tage also und
viele Grüße
Volker
ich möchte Euch ein etwas seltenes und möglicherweise auch verwegenes Projekt vorstellen, welches ich zurzeit bei uns in der Firma durchziehe:
Restaurierung eines schweren britischen 8“ Newton (es muss nicht immer ein ladenneues Instrument sein).
Ich hatte das Glück, dieses Prachtstück im November in einem Antiquitätenladen aufzustöbern und es war „Liebe auf den ersten Blick“.
Selten sieht man außerhalb von Sammlungen oder Museen ein altes Instrument, welches mit derart vielen - aus der Beobachtungspraxis stammenden - Details ausgerüstet ist und bei seinen 270 kg Gesamtmasse letztendlich recht erschwinglich war (lediglich € 2,78 für’s Kilo Newton).
Netterweise wurde es sogar für nur € 7,00 (!!) auf 2 Euro-Paletten durch eine Spedition frei Haus geliefert; es gibt doch noch gute Menschen…
Hier einige Bilder dieses kleinen Monstrums (viel schweres Metall unter Hammerschlaglack bzw. massive Messingteile). Allein der 70 cm lange Arm für die Feineinstellung in Deklination bringt stolze 4,4 kg auf die Waage.
Link zur Grafik: https://picasaweb.google.com/103015931503362381504/8ZollNewton#5694207823074506274
Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man annehmen, dass es sich bei all den Vernietungen und massiven Bauteilen um ein Instrument aus einem klassischen Jules Verne Roman handelt….
Link zur Grafik: https://picasaweb.google.com/103015931503362381504/8ZollNewton#5694207824970009042
Link zur Grafik: https://picasaweb.google.com/103015931503362381504/8ZollNewton#5694207824983841330
Bei diesen Abbildungen darf man sich nicht durch die Stellung des Suchers verwirren lassen; dieses Teleskop ist leider kein Kutter.
Optische Daten:
- Öffnung: 8“
- Brennweite: 68“
- Öffnungsverhältnis: 8,6
- Spiegelmaterial: Pyrex
Auf der Rückseite des Primärspiegels befindet sich eine eingravierte Inschrift mit weiteren Spiegeldaten, die aber noch von Verschmutzungen befreit werden muss.
MechanischeDaten:
- Spiegelhalterung: Mit Samt belegte Zelle mit 3 radial wirkenden langen gerundeten Backen, welche den Spiegel zentrieren und unverrückbar festhalten.
- Die gesamte Spiegelzelle kann bei Bedarf über Fernwellen nachjustiert werden.
- Säule: Stahl (Schwingungennoch nicht bekannt; bei Bedarf: Sandfüllung)
- Parallaktische Montierung mit beidseitigem Handbetrieb (typisch britische Ausführung; also etwas gewöhnungsbedürftig)
- Langbrennweitige Lupe zum Ablesen der Skala auf der Stundenachse
- Masse der Säule samt Montierung: ca. 150 kg
- Vier verschiebbare Ausgleichsgewichte (je ca. 300 g) entlang des Tubus
- Antrieb der Stundenachse: Schnecke mit manuell einstellbarem Andruck an das Schneckenrad
- Oberes Ende des Tubus via Schnellverschlüsse abnehmbar (Reinigung des Sekundärspiegels)
- Sucher (fast ein Hauptinstrument): 680 x 50 mm Refraktor mit 30-facher Vergrößerung (Gravur am Okularauszug: „H&G 30 X“); dieser wird wiederum bei der Grobausrichtung durch einen Mini-Sucher unterstützt.
Bei diesem Teleskop handelt es sich um eine wahrhaftig britische Eigenkonstruktion (keine einzige metrische Schraube vorhanden), was aber sicht allzu tragisch ist, da man bei http://www.schrauben-preisinger.de jede nur erdenkliche Schraube zu einem fairen Preis erhält.
Bis zum „First Light“ gibt es aber noch allerhand zu tun, was ich ab der nächsten Woche in loser Folge durchgeben werde.
Anstehende Restaurierungsarbeiten:
- Wechsel der Zugfeder in der Feineinstellung der Deklination
- Entfernen alter Schmierstoffe in allen Lagern und Antrieben -- Reinigung der optischen Oberflächen
- Neulackierung der Säule (dunkler Hammerschlaglack)
- Neulackierung des 22 kg (!!) Gegengewichtes und des Getriebegehäuses (schwarzer Schrumpflack)
- Festigkeitsüberprüfung aller Klemmungen und Schraubungen
Geplante Verbesserungen:
- Neuer Okularauszug (der Alte war leider nicht mehr vorhanden)
- Elektrischer Antrieb der Stundenachse durch einen entsprechend stark untersetzten Schrittmotor und VCO-Ansteuerung
- Einfügen einer Skala für die Deklinationsachse
- Ausfahrbare Stützen für stabilen Stand und Nivellierung
- Ausbau mit einen 200 mm f/3 Astrographen aus dem Hause Wachter (Spiegel bereits vorhanden)
Soweit der aktuelle Stand der Dinge.
Ab der nächsten Woche werde ich hier im Forum berichten, wie es mit dem dann wieder komplettierten Instrument weitergeht.
Bis die Tage also und
viele Grüße
Volker