Resümee der ersten Nacht mit meinem Dobsen

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

RedFaction

Aktives Mitglied
Erst mal guten Morgen,

ich möchte kurz meine Erfahrungen des gestriegen Abends und heutigen Morgen wiedergeben und gleich im Anschluss mit ein paar Fragen kommen.

Nach dem wir endlich wieder mal ne sternklare Nacht haben, hab ich meine Sommertour von DeepSky Brothers ausgedruckt und bin vors Haus verschmunden. Im Gepäck, mein Dobson ne selbstbemalte rote Lampe, meine selbstgebastelte Drebare Sternenkarte und ein Liegestuhl damit ich mir beim Sternzeichen aufsuchen keinen steifen Nacken hole :-)

Als erstes muss ich sagen, dass das auffinden von Sternzeichen gar nicht mal so einfach ist wie ich es mir vorgestellt habe. Je länger man nach oben schaut, desto mehr Sterne kommen zum Vorschein.

Ein paar Objekte aus dieser Tour habe ich dann sogar doch noch gefunden. Es war echt ne spannende Sache sich langsam von einem Stern zum anderen zu hangeln und dann zu guter letzt einen Doppelstern im Schwan zu sehen oder einen Planetarischen Nebel oberhalb vom Pfeil. Nebenbei gab es noch ein paar Sternschnuppen und ein paar Satelliten und jede mänge Flugzeuge.

Was ich noch ins Visier genommen habe war der vierfach Stern im Leier. Wobei ich hier nur ein doppelstern wahrgenommen habe.

Und hier würde ich gern auf meine Fragen kommen.

Kann es sein das bei einem 8" Dobson und einer 120 fachen Vergrößerung, dieser Vierfachstern nicht ganz aufgelöst wird?
Desweiteren habe ich M2 anvisiert und hier hatte ich auch nur einen verschwommenen Fleck der nicht wirklich wie ein Kugelsternhaufen aussah. Ist mein Teleskop zu klein um M2 bis in die Mitte rein Aufzulösen, oder sind meine Okulare Schrott?
Beide Okulare sind Kellner Okulare.

Und jetzt sorry, ich habe aber noch eine Frage. Ich habe gemerkt das das Teleskop am Tubus im Laufe der Nacht Feucht wurde. In wie fern verschlechtert sich das beobachten, wenn die umgebung so feucht ist?


Alles in einem war das eine schöne Nacht.

Danke Euch jetzt schon für die Antworten und Sorry wenn ich löchere :-)

Gruß

Giuseppe
 
Zitat von RedFaction:
... dann zu guter letzt einen Doppelstern im Schwan zu sehen oder einen Planetarischen Nebel oberhalb vom Pfeil.
Das waren Albireo und M 27.

Zitat von RedFaction:
Kann es sein das bei einem 8" Dobson und einer 120 fachen Vergrößerung, dieser Vierfachstern nicht ganz aufgelöst wird?

Die Komponenten stehen dichter zusammen, als du vermutest. ich habe recht scharfe Augen und habe die Sterne schon mit 60x aufgelöst. Mit 120x muss es auf jeden Fall gehen: Sieh' noch mal hin! Wenn die Luft unruhig ist, hast du freilich keine Chance.


Zitat von RedFaction:
Desweiteren habe ich M2 anvisiert und hier hatte ich auch nur einen verschwommenen Fleck der nicht wirklich wie ein Kugelsternhaufen aussah.

Hier heißt die Parole: vergrößern. 250x sind nicht zuviel. Dann wird der Himmelshintergrund dunkler und in den Randbereichen kommen die Sterne heraus. Ganz so prächtig wie auf Fotos erscheint so etwas erst mal nicht. Auch hier : Mal eine Weile durchs Okular blicken und versuchen, Einzelheiten zu erfassen.


Zitat von RedFaction:
Ich habe gemerkt das das Teleskop am Tubus im Laufe der Nacht Feucht wurde. In wie fern verschlechtert sich das beobachten, wenn die umgebung so feucht ist?

Solange die optischen Komponenten trocken bleiben, hat das keine Auswirkung. Tau ist normal, die Fernrohre leiden darunter nicht.
 
Hi Giuseppe,

Kann es sein das bei einem 8" Dobson und einer 120 fachen Vergrößerung, dieser Vierfachstern nicht ganz aufgelöst wird?
Nein ist sie nicht, das geht schon ab ca. 90x, aber das Seeing und etwas Erfahrung ist von nöten. Probiere mal auf 150x-200x zu vergrößern.

Das mit M2 lag wohl daran, dass dein Himmel nicht dunkel genug war. M2 lässt sich mit 8" am Rand auflösen, aber 6m Himmel ist schon von nöten. Eine Auflösung bis in die Mitte ist alerdings mit 8" nicht möglich.

OK, da hast Kellner Okulare, die müssen nicht umbedingt schlecht sein, vor über 25 Jahren waren sie sogar das Non plus Ultra bei den Hobbyastronomen. Aber wahrscheinlich hast du "billig" Kellner, gerade in den unteren Brennweitenbericht 15mm und weniger taugen die nicht sow viel.

Trotzdem für die Erste Nachr, Respekt, du hast eine Menge gesehen.

Gruß
Lots
 
Danke Euch für das Feedback.

Also mit dem Vierfachstern habe ich es noch mal versucht. Also selbst bei 102x muss ich sagen das ich nicht wirklich vier Sterne gesehen habe. Also ich könnte es mir einreden aber sicher bin ich nicht. War ich eigentlich richtg? Die Sternpaare selbst stehen recht deutlich ausernander, oder?

Noch mehr vergrößern geht jetzt nicht, hab keine Barlow.


Was die Okulare angeht, ist es also richtig das ein Kellner nicht immer ein Kellner ist?

Und eine andere Frage, mit einem hochwärtigeren Okular, ist da die Auflösung bzw. was man sieht zu guter letzt besser? Wie stark ist da der Unterschied zwieschen einem billigen und einem teuren Okular?

Grüße

Giuseppe
 
Zitat von RedFaction:
Danke Euch für das Feedback.

Also mit dem Vierfachstern habe ich es noch mal versucht. Also selbst bei 102x muss ich sagen das ich nicht wirklich vier Sterne gesehen habe. Also ich könnte es mir einreden aber sicher bin ich nicht. War ich eigentlich richtg? Die Sternpaare selbst stehen recht deutlich ausernander, oder?

Die beiden Sternenpaare stehn schon recht weit auseinander.
Ansonsten braucht man für die "Doppeldoppelsterne" schon ziemlich gutes Seeing. Ich hatte heute nen ziemlich wabrigen Himmel, selbst bei 100fach hat das schön rumgewackelt (genauso wie mein Dobson, da wir grad ziemlich viel Wind haben :( ). Die 4 Sterne konnt ich nur kurz in ruhigen Phasen auseinaderhalten (und das auch grad so).

Was Kugelsternhaufen angeht: Versuchs doch mal mit M13, der steht in der frühen Nacht eigentlich recht günstig am Himmel und ist ein sehr schönes Paradebeispiel fürn Kugelsternhaufen (wobei auch hier schlechtes Seeing bzw Lichtverschmutzung das Ergebnis schmälern kann).
 
Zitat von RedFaction:
Danke Euch für das Feedback.

Also mit dem Vierfachstern habe ich es noch mal versucht. Also selbst bei 102x muss ich sagen das ich nicht wirklich vier Sterne gesehen habe. Also ich könnte es mir einreden aber sicher bin ich nicht. War ich eigentlich richtg? Die Sternpaare selbst stehen recht deutlich ausernander, oder?

Für einen Anfänger stehen die Sternpaare bei 102x sehr, sehr dicht zusammen. Du musst schon sehr genau hinsehen, um dies wahrnehmen zu können. Und natürlich auch auf den Punkt scharfstllen. Das Sternenpaar, was du zu trennen versuchst, muss in der Mitte des Bildfeldes stehen, am Rand machen sich optische Fehler breit.
 
Ja, OK. Ich werde mal Eure Ratschläge mir zu Herzen nehmen und umsetzen.

Bin auch mal auf M13 gespannt.

Lichtverschmutzung habe ich auch etwas durch angenzendes Industriegebiet.

Mal schauen, eventuell nen UHC Filter kaufen, kann man den Grundsätzlich nutzen oder gibt es Objekte wo der nicht angeraten wird.

Danke

Giuseppe
 
Ein UHC ist ein Nebel-Filter, der nur bei Emissionsnebeln, also selbst leuchtenden Nebeln etwas bringt. Jetzt im Sommer sind der Nordamerikanebel, der Cirrs-nebel und der Crescent-Nebel Paradebeispiel dafür.
An anderen Objekten ist der Filter sinnlos.
 
Ich habe gelesen, dass so ein UHC Filter auch geignet ist um Lichtverschmutzung entgegen zu wirken.


CS
 
Hallo Giuseppe,
jain: der UHC läßt halt nur bestimmte Bereiche des sichtbaren Spektrums durch und filtert den Rest heraus.
Das hilft gegen Licht urbanen Ursprungs, klaut Dir aber auch Licht von Objekten am Himmel, die im gesamten Spektrum strahlen (Sterne, Sternhaufen, Galaxien, Reflexionsnebel etc.) - sie werden dann einfach dunkler.

Das ist wenig sinnvoll, von daher ist er nur an den von Uwe genannten Objekten zu nutzen.
Gegen Lichtverschmutzung hilft nur Mobilität.
 
ok, allein gegen Lichtverschmutzung ist es nicht sinnvoll mit Filtern zu arbeiten?

Da ist es nur ratsam aufs land zu fahren?

Grüße
 
Hallo Giuseppe,
genauso ist es, zumindest bei der visuellen Atronomie.
Es gibt da zwar auch die sogenannten Lightpollution-Filter (Moon-& Skyglow etc.), aber auch die kosten Dich im Endeffekt Licht.
Hier kannst Du gut sehen, welcher Filter was macht: http://www.astroamateur.de/filter/

Hier mal eine Liste mit Beispiel-Objekten, wo sich welcher Filter lohnt: http://www.astro-okulare.de/nebelliste.htm

Bei der DeepSky-Fotografie sieht das natürlich schon wieder ganz anders aus...
 
Hallo Guiseppe,

der UHC-Filter dient wirklich nur der Kontrastverstärkung bei Emissionsnebeln. Sehr bekannt ist hier der Orion-Nebel. Diese emittieren Licht in bestimmten Wellenlängen. Damit der Himmel um diese Objekte herum nun wirklich sackdunkel wird, kann ein UHC-Filter eingesetzt werden. Er lässt nur dass Licht hindurch, welches von den Emissionsnebeln ausgesendet wird. Störendes Fremdlicht in anderen Wellenlängen (z.B. von der Straßenbeleuchtung) wird sehr stark reduziert.
Dadurch werden diese Nebel z.T. überhaupt erst sichtbar (z.B. Nordamerikanebel) oder wesentlich klarer dargestellt (z.B. Orionnebel)

Ein Stern (d.h. auch Galaxien und alle Sternenhaufen) leuchtet aber in einem wesentlich breiteren Lichtspektrum. Darunter auch das Licht, welches vom UHC-Filter geblockt wird. Der Stern wird dadurch dunkler und meistens auch eingefärbt.

Daher, wie schon beschrieben, bringt dieser Filter an diesen Objekten nichts, auch wenn der Himmel nun dunkler ist.

CS,
Stefan
 
Hallo Guiseppe,

der Unterschied zwischen recht einfachen Okularen und teuren Okularen ist fulminant. Zumindestens, wenn du von einem Kellner zu einem Okular ab 150€ wechselst. Der Himmel ist schwarz, der Kontrast bei Deep-Skyobjekten prima und streulicht, sei es durch das Objekt, sei es durch seitlichen Einfall ist kein Thema. Eine Art 'geht immer' - Okular. Für einen z.T. recht happigen Preis, welchen man ohne den nötigen Beweis als Einsteiger nicht so ohne weiteres bereit ist vorzustrecken. Gute Worte sind da meistens nicht genug - selbst wenn man es später mal selbst erlebt.

Das Ausprobieren ist nicht jedem Möglich und so empfehle ich von meiner persönlichen Seite her: Wenn du vom Hobby Astronomie fasziniert bist und seit je her um Teleskope herumschleichst, dann mache mit dem Okular, welches du am meisten verwenden wirst, den Versuch und investiere in ein gutes Teil.

Der vierfach-Stern in der Leier besteht ja aus zwei Doppelsternpärchen. Sie stehen zu 90° versetzt, also das eine Paar übereinander und das andere nebeneinander. Das geht mit 120x, wenn man Erfahrung mitbringt und gutes Seeing vorhanden ist. Eine gute Justage des Newton vorausgesetzt. Aber sicherheitshalber folge den Empfehlungen der anderen Astronomen und gehe etwas höher mit der Vergrößerung, sofern ein solches Okular verfügbar ist. Da du es irgendwann sowieso gebrauchen wirst (z.B. beim Auflösen von Kugelsternhaufen), steht vielleicht die Anschaffung eines kurzbrennweitigeren Okulars bevor.

By the way - wenn die Vergrößerung erhöht wird, dann macht sich eine Dejustage und schlechtes Seeing noch stärker bemerkbar.

Viel Erfolg,
Stefan
 
Zitat von stefand:
der Unterschied zwischen recht einfachen Okularen und teuren Okularen ist fulminant. Zumindestens, wenn du von einem Kellner zu einem Okular ab 150€ wechselst. Der Himmel ist schwarz, der Kontrast bei Deep-Skyobjekten prima und streulicht, sei es durch das Objekt, sei es durch seitlichen Einfall ist kein Thema.

Auch ein Kellner kann bietet schwarzen Himmel und geringes Streulicht bieten. Das hängt nicht mit der Okularkonstruktion zusammen, sondern mit der internen Streulichtabschirmung. Ein Kellner bringt von sich aus sogar noch mehr Kontrast, weil es nur 4 Glas-Luft-Flächen hat.
Schlechter ist das überblickbare Feld und die Eignung für kurzbrennweitige Instrumente.
 
Danke Euch allen noch mal für das Feedback.

ich werde etwas sparen und mir mal ein besseres Okular und ein paar Filter zulegen.

Bis dahin werde ich mich mit dem günstigeren Kellner zufriedengeben müssen.

CS

Giuseppe
 
Hi,

falls sich Eps Lyr nicht trennen lässt, kann das auch an einem dejustierten Teleskop liegen. Am leichtesten geht justieren mit einem Justierlaser. Es geht aber auch ohne. Anleitungen gibt es bei Google: 'Newton Teleskop justieren Sterntest'

Gruss, Peter
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben