Hallo Richfield-Freunde,
wie schon oft verfolgt dreht man sich sich bei einem solchem Thema schnell im Kreis, da eigentlich nur bekannte statements und Vorlieben gegenübergestellt werden. Es ist also wirklich Geschmackssache, wenn man sich einen kurzbrennweitigen Achromaten zulegt. Ich bin recht bald auf den Geschmack gekommen und hab mir gleich zwei davon angeschafft als 6" f5 Bino (ausgesuchte und getestete Syntas), also sozusagen einen Doppelfarbfernseher. Nach eineinhalb Jahren Beobachtungen damit stelle ich immer wieder fest, das ist nicht nur Suppe löffeln, sondern ein üppiges Menü genießen.
Natürlich mag Vieles richtig sein, was über die Optik dieser Nicht-Fraunhofer immer wieder geschrieben wird, aber die Beobachtungspraxis ist eben nochmal eine andere Sache.
Die große Stärke dieser Dinger sind selbstverständlich deepsky-Objekte bei relativ niedriger Vergrößerung und in der Bino-Variante eröffnet sich wirklich eine neue Dimension des Sehens. Trotzdem möchte ich der oft aufgestellten Behauptung widersprechen, dass die Kurz-Achromaten zu nichts anderem zu gebrauchen seien als für Richfield.
Eine vernünftige optische Qualität vorausgesetzt sind auch bei mittleren Vergrößerungen (um 100x) im deepsky-Bereich gewinnbringend d.h. ohne auffälligen Kontrastverlust einzusetzen. Und, hört und staunt, ich habe im letzten Jahr mein Doppelfarbrohr immer wieder auf Mond und Planeten gerichtet und dabei mit entsprechenden Vorkehrungen (Abblenden, Fringe-Killer und/oder Graufilter) sehr befriedigende Ergebnisse erzielt. Nun weiß ich durchaus wovon ich spreche, da ich wiederholt mit meinem 10" GSO-Dobson (gut justiert, ausgekühlt) verglichen habe, vor allem am Jupiter, dem anspruchsvollsten Planeten für Detailbeobachtungen:
Dabei musste ich zu meiner Überraschung immer wieder feststellen, dass der Newton nur bei wirklich gutem seeing die detailreicheren Bilder (z.B. Wirbel in den Jupiterbändern, im Bino dann nur als Ausbuchtungen sichtbar)
lieferte. Das war etwa in 1-2 von 10 Beobachtungsnächten der Fall. In der Praxis entscheidet also in den meisten Fällen das seeing über ein Wahrnehmungslimit und selten die optische Leistung eines Geräts.
Die manchmal fast ideologisch geführten Diskussionen gegen die Kurz-Achromaten erwecken besonders beim Einsteiger den Eindruck, als hätten diese Geräte fast keine Daseinsberechtigung.
Meine Beobachtungspraxis hat mich eines Besseren belehrt. Ich möchte mein Richfield-Bino nicht mehr missen und würde es sogar bei Kenntnis um seine optischen Grenzen für denjenigen als Allround-Gerät bezeichnen, der bei deep sky auf hohe Vergrößerungen verzichten kann und an Mond und Planeten viele Details sehen möchte (z.B. Mondkrater- und -rillen ab 2 km Größe, umlaufende Cassini-Teilung), aber nicht höchste Ansprüche hat.
Endlich wieder klare Nächte wünscht
Klaus