Richfielder unter Stadthimmel

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Sternenjaeger

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Hallo zusammen,

allen an dieser Stelle noch ein gesundes, glückliches und klares neues Jahr! :)

Klaren Himmel hatte ich seit den Weihnachtsfeiertagen leider nicht mehr, genug Zeit um im Internet zu stöbern und sich für neue Ausrüstung zu interessieren. :P Bei meinem (fast) täglichen Gang durch die „Biete-Anzeigen“ bin ich dann auf einen „Richfielder“ gestoßen und hab mich diesbezüglich dann auch mal nach den Preisen und Variationen bei den großen Händlern informiert und einfach mal eine Art „Bummel im Onlineshop“ begangen.

Ich bin ja noch immer in der Lernphase, gerade was die Eignung verschiedener Teleskop unter diversen Himmeln angeht.

Die Frage die sich mir jetzt gestellt hat: Wäre so ein kleiner, feiner „Richfielder“ (in die Richtung 80/400 oder 80/480 oä.) auch etwas für den hellen Frankfurter Stadthimmel?

Wenn ich mich da bisher richtig informiert habe, ist gerade bei mittleren und hohen Vergrößerungen ein deutlicher Farbfehler zu sehen. Diesen könnte man ggf. mit einem gewissen Filter schmälern bzw. aushebeln. Bei kleinen Vergrößerungen fällt dieser Farbfehler nicht so ins Gewicht, und man kann mit großem Gesichtsfeld in klaren Nächten einen tolle Wanderung am Sternenhimmel vornehmen. Gerade für großflächige Objekte (mir schweben da offene Sternenhaufen und besonders M45 im Sinn) muss solch ein Gerät doch fantastische Ausblicke und Beobachtungen bieten. So stelle ich es mir zumindest gerade vor meinem geistigen Auge vor. :)

So ein kleines Gerät ist ja auch schnell mal eingepackt und mitgenommen. Dafür ist ja mein kleiner MAK 102/1350 gedacht, der allerdings das genaue Gegenteil eines „Richfielder“ ist. Mit einem Refraktor habe ich, bis auf meine Kindheitserinnerungen, auch noch keine Erfahrung: Brauch das System ähnlich lange zum Auskühlen, oder ist es für das Schnellspechteln (Aufbauen, Raustellen, Spaßhaben) eher geeignet, weil schneller Einsatzfähig?

Würde mich freuen wenn ich an dieser Stelle wieder etwas mehr lernen darf! Das Forum hat mir bisher immer gut geholfen, alleine vom Mitlesen einiger Threads. :)
 
Hallo Sascha,

Nebel und Galaxien sind unter Stadthimmel nur schwer zu beobachten. Für Emissionsnebel braucht man meist einen Nebelfilter.

Offene Sternhaufen sind auch unter Stadthimmel lohnende Objekte. Sie sind in einem solchen Teleskop sehr eindrucksvoll zu beobachten. Die Auskühlzeit eines solchen FH's mit kleiner Öffnung ist vernachlässigbar. Bei Dreilinsern sieht die Sache schon wieder anders aus.

Die Sonne lässt sich auch passabel beobachten, da hier seeingbedingt nur selten wirklich stark vergrößert werden kann.

Bei so einem kleinen Teleskop überwindet man auch öfters den "inneren Schweinehund", es zu transportieren: Es passt nebst okularseitigem Zubehör in einen mittelgroßen Alu-Fotokoffer.

Einen schönen Erfahrungsbericht findest du hier:
http://uranotopia.npage.de/optikvergleiche-und-tests-streng-subjektiv.html

Alles in allem ist es ein durchaus gutes Zweit- und Schnellspechtelteleskop.

VG Christian
 
Hallo Sascha,

das "Richfield"-Konzept geht in eine bestimmte Richtung: große Felder, in denen man prominente Objekte orten kann, auch ohne sie auflösen zu können. Dafür sind die kleinen, leicht transportablen Refraktörchen gut zu gebrauchen. Dieses Konzept steht zum "Stadthimmel" aber im Widerspruch (auch wenn es einen Unterschied macht, ob wir in Deinem Fall von Innenstadt oder von Nieder-Eschbach, Nieder-Erlenbach, Seckbach, Bergen-Enkheim reden).

Offene Sternhaufen, die man dann auch auflösen kann und die hoch genug überm Horizont stehen, dass sie nicht in Dunst und Streulicht absaufen, sind für so kleine Instrumente nicht so furchtbar zahlreich, und kaum einer ist darin "fantastisch". M 34, 35, 38, 44, 48, h+chi Per, vielleicht noch NGC 752, und dann wird es auch schon eng. Das sind alles Dinge, die sich von Plejaden mit den fünf hellsten Sternen bei 4m deutlich unterscheiden. Die allermeisten OH verlangen sowieso nach einem gewissen Auflösungsvermögen, sehr kompakte auch nach Vergrößerung, was Dir alles Dein Newton bietet.

Der Richfielder verlangt in Deinem Fall genauso nach Mobilität, die er aber, zugegeben, leichter ermöglicht. Ich würde dafür übrigens den Osten oder Nordosten des Stadtgebiets bevorzugen, möglichst weit weg vom Flughafen.

Farbfehler sind im "Richfield"-Segment m.E. kein Ausschlusskriterium. So kleine Instrumente sollten nicht oder nicht wesentlich über 50x hinaus strapaziert werden, und da ist das nicht wirklich relevant. Unter Stadthimmel gibt es ganz andere Ärgernisse.

Für den Stadthimmel an Ort und Stelle bringt Dir der Richfielder keinen Vorteil. Zum schnellen Rausfahren schon, aber nicht einen fantastischen. Richtig gut sind diese Teile, wenn man sie dorthin mitnehmen kann wo's richtig finster ist, auch auf Reisen. Meinen alten 80/400er Billigheimer hatte ich schon einmal an der Algarve dabei. Auf einer Klippe über dem Meer, mit einem Fotostativ drunter die Milchstraße abfahren, das hatte was.

Grüße,

Klaus
 
Hallo Sascha,

Klaus hat recht. Ich habe einen 102/500 hier, aber in der Stadt (außer für Sonne) verwende ich den nicht. Der ist für große APs und große GFs. Cirrus ganz im Blickfeld zu haben hat schon was. Auch Galaxien kann er gut knacken - aber unter dunklem (!) Himmel. Sonst siehst Du durch den kleinen Purzel nicht viel. Auch offene Sternhaufen in der Stadt, denen ein größeres GF gut steht, sind bei weitem nicht so eindrucksvoll. Nimm den Mak für die Stadt und den Richfielder für den Urlaub oder in dunkle Gegenden, das ist Artgerecht.

Grüße
Matthias
 
Artgerechte Teleskophaltung, das gefällt mir :totlach2:
 
Hi!
Zitat von kapees:
Für den Stadthimmel an Ort und Stelle bringt Dir der Richfielder keinen Vorteil.
Jein. Er hat den Vorteil einer großen möglichen AP und bietet dadurch die Möglichkeit, sehr schmalbandige Linienfilter einsetzen zu können. Ein Baader-[O III] am Mak dürfte an den meisten Orten die meisten Nebel als "Magerkohle auf Anthrazit" zeigen, der Richfielder läßt sie bei einer Kombination dieses Filters mit einem passende Okular erkennbar werden.

Meinen alten 80/400er Billigheimer hatte ich schon einmal an der Algarve dabei. Auf einer Klippe über dem Meer, mit einem Fotostativ drunter die Milchstraße abfahren, das hatte was.
Wow - das muß fast mystisch gewesen sein!

Grüße

fquadrat
 
Hallo zusammen,

vielen Dank für eure Beiträge.

@ Christian,

Der Link ist wirklich hilfreich. Hat Spaß gemacht die Berichte zu lesen. Meine Idee war auch, sofern ich mich da nicht übernehme, sowohl den MAK wie auch einen (dann noch zu erwerbenden) "Richfielder" in einem Rucksack oder einer Tasche nebst passendes Stativ samt Montierung das beide im Wechsel, oder falls so etwas mal in meiner Reichweite kommt, beide tragen kann, um auch unterwegs in den Genuss der praktischen Astronomie zu kommen. :)

Meine Idee, dann für (fast) alles gewappnet zu sein: Sowohl ein großes Gesichtsfeld für einen tollen "Überblick" wie auch für höhere Vergrößerung wenn sich ein Planet in meine Blickrichtung verirrt. ;)


@ Klaus

In meinem Fall ist mein Hauptbeobachtungsort in Rödelheim, als eher (Nord) Mitte-West. Von unserem Balkon aus blicke ich nach Süd-Ost und vom Hinterhof Nord-West mit Blick auf den Feldberg. Keine optimalen Bedingungen, aber für Frankfurter Verhältnisse ganz passabel. :)

@ Matthias

Ich hab ja noch meinen treuen Dobson. Der Dobson macht mir zuhause auch soviel Freude, dass ich diesen wohl baw. als Hauptgerät nutzen werde. Er ist nur mit Bus und Bahn sehr lästig zu transportieren. ;) Darum hatte ich mir ja den kleinen MAK gegönnt, um diesen schnell und leicht von A nach B transportieren zu können.

Da es mir mittlerweile aber Sternhaufen angetan haben, ist der MAK dafür ja nur bedingt geeignet, soweit meine Erfahrung bisher. Ich experimentiere ja noch ein wenig rum.

 
Hallo Sascha,

wenn ich deinen Fuhrpark ansehe, machst du mit so einem Richfield Refraktor eigentlich nichts falsch. Ich setze meinen azimutal montiert ein und hatte schon viel Spaß mit ihm. Dazu ein 30mm 82° Okular und Du bist für Weitfeldbeobachtungen gerüstet. Wie es in der Stadt bei Dir aussieht musst Du selbst sehen. Mir macht er in der Stadt (auch mit OIII Filter, der kann den schlechten Himmel auch nicht besser machen) aber keinen Spaß. Achja: Photographieren geht damit auch so lala z.B. Sonne und Mond und DS, wenn die Ansprüche nicht so hoch sind: siehe meine bescheidenen Ergebnisse: https://www.astrobin.com/users/astromatthias

Viel Spaß und CS
Matthias
 
Zitat von fquadrat:
Hi!
Er hat den Vorteil einer großen möglichen AP und bietet dadurch die Möglichkeit, sehr schmalbandige Linienfilter einsetzen zu können. Ein Baader-[O III] am Mak dürfte an den meisten Orten die meisten Nebel als "Magerkohle auf Anthrazit" zeigen, der Richfielder läßt sie bei einer Kombination dieses Filters mit einem passende Okular erkennbar werden.

Hallo fquadrat,

Ja, dann muss man die große AP aber auch physiologisch umsetzen können. Auf einem Balkon in Rödelheim habe ich da meine Bedenken. Aber im Prinzip stimmts schon, wenn man ein Stückchen rausfährt.

Grüße,
Klaus
 
Hallo Matthias,

von wegen bescheiden, ich finde die Mondfotos sehr gut gelungen. Diese "Zu-kurz-FH's" sind offenbar doch vielseitiger, als man denkt.

VG Christian
 
Hallo Sascha,

mir fällt auf, dass Du zum 8" f/6 Dobs sehr schnell den 4" MAK gekauft hast, nun soll ein noch kleinerer Richfielder folgen, okay, das sind drei Teleskope, ein netter "Fuhrpark".

Hätte eine Beratung nicht eventuell zu dem Ziel führen können, den Wunsch zu einem hochtransportabeln Teleskop, welches zunächst "Planeten" und nun "Weitfeld" können soll (eine Kombination die sich IMMER aufdrängt, auch menn man es selbst noch nicht weiß) in ein einziges Teleskop münden zu lassen?
Kann alles besser (Öffnung zählt), spart Geld und Transportaufwand.

130/650er PDS Newton z.B.

Gruß
*entfernt*
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Klaus,

zu
Zitat von kapees:
Ja, dann muss man die große AP aber auch physiologisch umsetzen können. Auf einem Balkon in Rödelheim habe ich da meine Bedenken.
wäre zu sagen, daß ich zwar nie in Rödelheim beobachtet habe, aber schon in einer ziemlich großen Stadt bzw. in der Nähe von diversen Straßenleuchten. Das geht, zumal der besagte Baader-Filter schon bei einer AP von etwa 5 mm gut funktioniert (weniger müßte ich noch einmal ausprobieren).

Grüße

fquadrat
 
Hallo Günther,

damit hast Du sicher Recht. Ehrlich gesagt hatte ich auch gar nicht die Absicht (vorerst) noch ein weiteres Teleskop in meinen "Fuhrpark" aufzunehmen. War mehr eine Spontan-Idee die mir durch's Stöbern kam. Wollte aber gern schon mal ein paar Infos sammeln, falls es da mal zu kommt und einfach interessehalber.

Für deinen Tipp bin ich Dir dankbar. :) Den behalte ich im Hinterkopf.
 
Hallo Sascha,

ist ja nie zu spät. Der MAK kann ja auf der Nexstar bleiben, aber für Weitfeld-Deepsky würde ich der Reisemontierung mehr als 80 mm Öffnung geben, völlig egal ob in Rödelheim oder im Taunus.
Da bietet sich halt was an, was auch mal höhere Vergrößerungen kann.
So toll Weitfeld ist, ein Kumpel hatte kürzlich (trotz Warnung) nur seinen 102/500er mit im Urlaub. Er war in Südfrankreich, in einer gaaaanz dunklen Ecke......und hat sich schon in der zweiten Nacht geärgert.
Viele tolle Objekte, viele die hier viel niedriger am Horizont stehen und schon daher schlecht zu beobachten sind. Und dann fehlt es an Auflösung und selbst wo die reichen würde an Vergrößerungsfähigkeit um die Objekte mal wirklich besser zu sehen.

Alternativ würde ich, anstatt zu einem 80/400er Billigrefraktor schon eher zum guten Fernglas schielen.

Gruß
*entfernt*
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo nochmal,

mir fällt auf, dass ich mich mal selbst kritisieren muss (auch weils kein Anderer tut). :pfeif:

Ich schrieb:
Viele tolle Objekte, viele die hier viel niedriger am Horizont stehen und schon daher schlecht zu beobachten sind. Und dann fehlt es an Auflösung und selbst wo die reichen würde an Vergrößerungsfähigkeit um die Objekte mal wirklich besser zu sehen.
Ziemlicher Quatsch.
Ich wollte natürlich auf folgenden Zusammenhang hinaus:
....Und dann fehlt es an Lichtsammelleistung und selbst wo die reichen würde an Auflösung und Vergrößerungsfähigkeit, selbst im Rahmen der gegebenen (in dem Fall im Rahmen der mitgenommenen) Öffnung.

Das war es, was dem Kollegen schon nach kurzer Zeit gar nicht gefiel.

Gruß
*entfernt*
 
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