Riesen "Spiegel" in Vakuumtechnik

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas slyv
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

slyv

Aktives Mitglied
Hallo, Freunde der leicht gebauten, grossen Teleskope
und der ausseregewöhnlichen Ideen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />


Mein "innerer McGuyver" hatte wiedermal eine Idee, als ich gerade über die LMT's* (Liquid Mirror Telescope) grübelte...

Wie wäre's denn mit VMT ? Vakuum-Mirror-Telescope.

Man nehme eine Pauke mit etwa 1m Durchmesser, und spanne anstelle des "Felles" eine grosse Astrosolar-Folie von Baader auf (die kommt sehr viel günstiger, als ein optisch gutes, oberflächenverspiegeltes, dünnes Planglas, und reflektiert sehr gut)

Dann wird mit einer (sehr genau regulierbaren!! Ausgleichsbehälter notwendig!) Vakumpumpe der innenraum der Pauke vakumiert, bis die Astrosolar-folie das gewünschte F/x von etwa 4...5 aufweist. Fokusiert wird ggf. sgar durch verändern des f/x -

Ebenfalls denkbar: langer Fokusierschlitten, durch verändern des F/x wird gezoomt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" /> und mit dem Schlitten nachfokusiert.

Oder, wie wäre's mit Bino? Dann verlängerst Du die Primärbrennweite einfach entsprechend dem zusätzlichen Weg, der für's Bino nötig ist... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" />

Frage ist: wird das wohl funktionieren? Wenigstens ansatzweise?

Versuche mit einer Schlagzeugtrommel (anstelle der Pauke) könnten Aufschluss geben. Klar, der Strehlwert des Spiegels wäre nicht besonders - aber das Lichtsammelvermögen wäre enorm, also ein "Lichteimer". Dessen F/x könnte aber auch bei >6 liegen..

Was meint Ihr, könnte es sich lohnen, in diese Richrung zu experimentieren - oder gibt es Gründe, die einen Erfolg von Anfang an klar ausschliessen?

 
Hi Slyv,

schon gedacht, schon gemacht. Siehe 'Unusual Telescopes' von Peter L. Manly, Seite 16.

Gruss,
Chris
 
slyv schrieb:

>Wie wäre's denn mit VMT ? Vakuum-Mirror-Telescope.
>
>Man nehme eine Pauke mit etwa 1m Durchmesser, und spanne >anstelle des "Felles" eine grosse Astrosolar-Folie von >Baader auf (die kommt sehr viel günstiger, als ein optisch >gutes, oberflächenverspiegeltes, dünnes Planglas, und >reflektiert sehr gut)
>
>Dann wird mit einer (sehr genau regulierbaren!! >Ausgleichsbehälter notwendig!) Vakumpumpe der innenraum der >Pauke vakumiert, bis die Astrosolar-folie das gewünschte >F/x von etwa 4...5 aufweist. Fokusiert wird ggf. sgar durch >verändern des f/x -
...
>Frage ist: wird das wohl funktionieren? Wenigstens
>ansatzweise?
>
>Was meint Ihr, könnte es sich lohnen, in diese Richrung zu
>experimentieren - oder gibt es Gründe, die einen Erfolg von
>Anfang an klar ausschliessen?

Ja und Nein! Die NASA probiert das seit Jahrzehnten.
Es gibt leider etliche Probleme dabei.

1. ist Mylar kein isotroper Stoff sondern besitzt in
unterschiedlichen Richtungen ein unterschiedliches
Elastizitätsmodul. Mylarfolien biegen sich daher
nicht symmetrisch.

2. Biegt sich eine Folie als sog. Membran näherungsweise nach der sog. Hencky-Formel. Das ist leider keineswegs
eine exakte Parabel sondern eine Fläche, die mehr
sphärische Aberration als ein Kugelspiegel erzeugt.

3. werden an den Halter hohe Anforderungen gestellt.

4. ist die Oberflächengenauigkeit von 10-12 um Mylar
schlecht.

5. würde ein solcher Spiegel störende Mikrophonie-Effekte zeigen.

All das sind grosse Probleme.
 
Danke.

Hallo Leute!

Danke für Eure AW's.

Dass die Folie sich nicht symmetrisch verziehen wird, und dass die Kurvenform nicht stimmen wird, hätt'ich mir eigentich denken können/sollen.. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />
Naja, im Fernsehen kann Mc.Guyver sogar Funken sprühen lassen, indem er mit seinem Schweizermesser über einen Knochen fährt, dessen Besitzer Bleiverseuchten Schnaps genoss... ER könnte wahrscheinlich so ein Teleskop bauen - ich wohl leider nicht... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />
Naja, die Idee wäre toll gewesen... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" />

In dem Fall kann ich mit die Versuche wohl sparen, mein Astrosparschwein lässt also ebenfalls danken... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
 
Hi Sylv,


auch wenn ich etwas spaet komme - ich habe von 1984 bis 1991 an solcherlei Spiegeln experimentiert. War damals ein Betrag fuer "Jugend forscht" und "Jugend und Technik" ...

1. Ansatz: Scheibe 100mm Durchmesser 1mm stark, Brillenkunststoff. Flanschzelle vom Klempner zusammengeloetet mit mechanischem Kolben fuer Unterdruck. Irrsinnige Verspannungen, der Kolben war nicht dicht, es stellte sich immer wieder eine "Lieblingsbrennweite" ein. Die Zelle steht heute in meinem Privatmuseum <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> . Danke an Befort Wetzlar fuer die kostenlose Verspiegelung.

2. Ansatz: Gedrehte 0.2 m - Aluzelle mit abgerundeten Schmiegflaechen, Folie Hostaflon ET von MAN Technologie GmbH (auch zur Beschichtung von Radioteleskopen verwendet). Zwei Membranen: Eine unverspiegelt, andere verspiegelt, dazwischen Ueberdruck. Es gelang mir eine eindrucksvolle Sonnenprojektion, vom "Strehl" moechte ich aber lieber nicht schreiben ...

3. Ansatz: Verbesserte 0.2 m - Zelle mit verstellbarer Schmiegflaeche, die optisch angeschliffen und unabhaengig von der Einspannung ist. Baader Mylar 12 my - Filterfolie (Vorlaeufer der heutigen AstroSolar-Folie, Danke an Baader Planetarium fuer die kostenlose Zustellung zweier Rollen dieser Folie !). Das VNT (nicht "Vietnamesiches Nationalteleskop" sondern "Vakuum-Newton-Teleskop", dass es auf Teneriffa ein Namenspendant gibt wusste ich damals nicht) konnte nun dank professionellen Drehschiebervakuumpumpenequipments den Fokus einigermassen gut halten. Das Aufloesungsvermoegen entsprach etwa dem des blossen Auges.


Fazit: Als Lichtsammler oder fuer Radiowellen geeignet, nicht jedoch fuer die hohen Anforderungen der optischen Astronomie. Ich stellte mir deswegen damals aufblasbare Radiospiegel vor, auch im Weltraum (auf den 2. Ansatz mit Ueberdruck zurueckgreifend). Aufblasbarre transportable Radiospiegel gibt es inzwischen wirklich, und es gab in den 90ern eine Shuttlemission mit einem aufblasbaren 15m-Radiotestspiegel im Orbit. Ob die NASA meine Jugend-forscht-Arbeit gelesen hat, weiss ich allerdings nicht ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />


<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Noch ein Nachtrag - ein Blick in die Literatur ergab zwei Arbeiten, die in den 70ern in SKY & TELESCOPE publiziert wurden. Ein Kolombianer aus Medellin hatte ein 26cm-Newtonteleskop mit einer duennen Glasscheibe gebaut, die sich im Vakuum durchbog - optischer Erfolg unbekannt. Eine Englaenderin bespannte eine Fahrradfelge mit Mylarfolie und baute so einen Fluss-Sammler, der eine Fotodiode fuetterte. Waehrend der Jugend-forscht-Teilnahme hoerte ich, dass sich auch schon Professor Bauersfeld (Erfinder des Projektionsplanetariums) bei Zeissens den Kopf ueber diese Technik zerbrochen hatte. Eine einzige - indirekte aber erfolgreiche - Anwendung hat die Vakuummethode bei der Anfertiung von Schmidtplatten.


 
Hi Sylvio

Ich habe vor ca. 25 Jahren als Rechner noch teuer waren ein Grafikterminal zur 3D Ausgabe gesehen, das so eine Vakuumtechnik verwendete. Ein "aufblasbarer" Spiegel spiegelte das Bild der Grafik vom Monitor in die Augen des Betrachters. Dabei lies ein Tieftonlautsprecher die Membrane hin und her vibrieren und damit schien das Monitorbild für den Betrachter hin und her zu gehen.

Synchron mit diesem Punpen wurden seht schnell neue Bilder angezeigt und so der Eindruck von Tiefe erzeugt.

Das war damals natürlich grün auf schwarz. Die Frequenz lag bei ca. 50 Hertz.

Also im Prinzip geht das aber ich möchte jetzt keine Strehldiskussion. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben