Barlows
Hi Perthy,
da ich meine, für das Thema lohnt eine differenzierte Betrachtung und weil ich grad Zeit hab:
kurz zu den Grundlagen (G) "Rund um die Barlow", dann in Anwendung auf Deine Fragen (A):
(G) - "Rund um die Barlow"
ein Barlowelement bewirkt ein weniger stark konjugierendes Strahlenbündel. Dadurch wird der Ort des virtuellen Bildes (welches dann visuell durchs Oku betrachtet wird) weiter raus verlegt und der Abbildungsmasstab steigt - man kann sagen: die Brennweite wird verlängert. (Weitere oft erwünschte Nebenwirkung: die Bildfeldwölbung wird verringert.)
Das Ausmaß (Barlowfaktor) der Wirkung ist abhängig vom Ort auf der optischen Achse: je okularnäher, umso geringer ist die Wirkung, je okularferner, umso stärker. Wenn man sich die Strahlengänge vorstellt, wird das vielleicht griffiger. Daß der Neuling jetzt nur nicht ins Träumen gerät: näher als ins Oku schrauben geht nicht und allzu weit überwiegen schnell die Fehler. Je okularferner heißt schnell auch: große Barlow (kostspieliger).
Eine Form der unerwünschten Nebenwirkungen ist der Farbfehler (Linsen werden genutzt, Brechung unterschiedlicher Lichtfarben ist unterschiedlich; kann mit aufwendigen mehrlinsigen Designs stark minimiert werden ist dann aber auch kostspielig). Weitere "Nebenwirkungen" sind - wie bei jedem zusätzlichem optischen Element - Fehler durch die Ungenauigkeit der Flächen, Streulicht, Lichtverlust. So besehen führt jede visuelle Barlownutzung "eigentlich unnötige fehlerbehaftete Flächen ein". Auf die Bewertung dieses Sachverhalts gehe ich weiter unten nochmals ein.
Weiter muß beachtet werden, daß die Farbkorrektur (Minimierung des Farbfehlers) für marktgängige niederpreisige Barlowelemente nur für einen spezifizierten Verlängerungsbereich gut funktioniert. Es gibt allerdings - nun verlassen wir schon den Niederpreisbereich - auch stark verlängernde Barlows (z.B. 3x, 4x, 5x). Im Photographischen geht dies dann in den Bereich der Tele-Extender über, da bin ich aber noch nicht so bewandert.
Wenn man nun ein Okular barlowt, dann ändert sich für den Beobachter die Vergrößerung. Der Einblick (Augenabstand) und die Größe des scheinbaren Gesichtsfelds im Oku bleiben aber gleich (angenehm).
Wenn man die großen Zwei-Zoll-Okulare ("nötig" ab 32 mm, will man denn das ganze Feld) barlowen will, ist auch eine große Zwei-Zoll durchmessende Barlow nötig. (Nutze ich selbst und bin zufrieden.) Mit dieser kann man auch 1,25"-Zoll Okus barlowen (Reduzierung), umgekehrt geht das nicht ("großes 2"-Oku" in 1,25"-Barlow passt schlichtweg nicht).
Weitere erwünschte Wirkungen der Barlow können sein (neben der Erhöhung des Abbildungsmaßstabs):
- Reduktion der Flächenhelligkeit (z. B. Mond)
- Realisierung hoher Vergrößerung mit vorhanden Oklaren
- Realisierung hoher Vergrößerung bei angenehmem Einblick (Augenabstand, sGf)
Es gibt Okulare, die bereits ein Barlow-Element eingebaut haben - viele der gebräuchlichen Kurzbrennweiter. Es ist dann davon auszugehen, daß deren eingebaute Barlows bereits optimal für das jeweilige Oku gerechnet sind (Farben, Feld). So können auch kurze Okularbrennweiten niederpreisig große Felder bei angenehmem Einblick darstellen. Bei Zoom-Okularen wird der variable Projektionsabstand und die damit variable Barlowwirkung genutzt.
Gewisse Oku/Barlow-Kombinationen funktionieren ordentlich, andere nur mäßig. Es kann vorkommen, daß neue Reflexionen beispielsweise bei Mondbeobachtung eine Kombination geradezu unbrauchbar erscheinen lassen. Es gibt aber auch Berichtungen von ausgesuchten Kombinationen, die z. B. bei der hochvergrößernden Planetenbeobachtung das Non-Plus-Ultra überhaupt waren. Hier wird viel auf dem Felde unter Sternen probiert und getauscht... Viele Threads hier scheinen mir anzudeuten, daß die Serienstreuung unter Niederpreisbarlows vergleichsweise hoch ist. Äußerliche Grundsätzlichkeiten wie volle Multivergütung und Kantenschwärzung sind da nur Randbedingungen. Planeten-Webcammer setzen oft hochverlängernde Barlows ein, um die nötigen Effektivbrennweiten zu erhalten. Schließlich ist noch die mechanische Wirkung von Barlowelementen zu bedenken: Hebelarme werden verlängert, hängt dahinter ein Cam-Corder wird der OAZ belastet, es kommt zu inkonstanten Verbiegungen, die optische Achse ist evtl. nicht mehr deckungsgleich zur mechanischen Achse... - kurzum ein breites Feld von Herausforderungen.
(A)
Wenn die jeweilig vorgesehenen Projektionsabstände korrekt eingehalten werden und die Werksangabe 2x stimmt, müßte die Gesamtwirkung 4fach sein. Allerdings multiplizieren sich auch alle oben genannten Fehler und das Zusammenspiel mit Okularen ist herauszufinden. So "locker aus der Lameng gesagt"(!) benutzt keiner dauerhaft 2 Barlows hintereinander. In der Regel wird dann wohl eine hochwertige 4x verwendet oder eine andere Kombination Oku/Barlow oder auch nur ein entsprechend kurzbrennweitiges Okular (welches vielleicht eine eingebaute Barlow hat). Fotografen (auch schon die Web-Cammer) können auch Okularprojektion machen.
Ein Wort noch allgemein: ich persönlich habe erlebt, daß ganz am Anfang, wenn man noch kaum Equipment hat, eine Barlow die Möglichkeiten bedeutend erweitert. Im Laufe der Zeit und mit wachsender Okularsammlung werden immer speziellere Kombinationen genutzt und evtl. kann eine Barlow dann "überflüssig" werden. Meine 2"-Barlow nutze ich gern am Achtzöller, die 1,25"-zöllige nur an den Geräten ohne 2"-OAZ. Für Webcammer ist eine Barlow m. E. Pflicht außer an f/20+Spezialgeräten (oder Okularprojektion wenn man entsprechende Adapter hat ...)
Vielleicht hast Du das ein oder andere hilfreich empfunden,
wünsche klare Himmel bei Top-Bedingungen,
Matthias.