Rimae Hyginus, Triesnecker et al.

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janapier

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Kurzbericht zu Riga Hyginus, Rimae Triesnecker und Rupes Recta

Beobachtungsort: Stuttgart (Bortle 9)
Seeing: Generell Pickering 5-6, kurzzeitig bis 7
Instrument: APM 100 ED 45° Apo Großfernglas

Wer die Rupes Recta als helle statt als dunkle Linie sehen möchte, muss früh aufstehen oder spät ins Bett gehen. Deswegen hat mich um 2:30 die Bettflucht befallen und es ging mit dem Grab’n’Go-Gerät raus in den Garten. Da es aufgebaut im Wohnzimmer steht, musste ich nur die Objektivdeckel abschrauben, die Staubkappen von den Okularen abnehmen und es in den Garten tragen. Dies war in 1 min erledigt. Ansonsten wäre ich wohl auch im Bett geblieben. Auf dem Rasen stand schon ein kleiner Rundtisch, auf dem der noch schnell geholte Okularkoffer platziert wurde. Der Mond hatte sich im Osten gerade über die dort stehenden Bäume erhoben. Der erste Blick mit 12,5 mm Docter UWA verriet schon: das Seeing war äußerst mäßig. Es waberte schon bei 44x gewaltig. Auf ein besseres Bild nach Temperaturangleichung des Instruments hoffend ging ich mir erstmal einen Tee machen. Anschließend wurden die 3,5 mm Pentax XW (157x) in die Auszüge gesteckt und ich ging auf die Suche nach Rupes Recta. Die sah ich auch gleich als helle Linie westlich der großen Einschlagbecken Arzachel und Purbach. Sie zog sich von Thebit D an Birt vorbei bis zu einem flachen Tafelgebirge, dass mit dem Kraterrest Thebit P assoziiert ist. Leider wirkte sich das suboptimale Seeing deutlich aus; trotzdem ging ich auf die Suche nach Rima Birt. Geduldig wartete ich auf den Moment der ruhigen Luft, aber er kam nicht wirklich, und die Rille blieb unsichtbar. Erkennen konnte ich nur eine kleine Region geringerer Albedo dort, wo ich Birt E vermutete, den Krater, von dem aus die Rille Richtung Süden ihren Ausgang nimmt. Sichtbar war der Gebirgszug zwischen Nicollet und Lassel E als helle Linie, sowie die Bodenfalten im Mare Nubium zwischen Birt B und Lippershey N als undeutliche schwarze Linie.

Nachdem ich mir an der Rima Birt die Zähne ausgebissen hatte, schwenkte ich nach Norden zu den Apenninen, und mir sprang beim Betrachten der Region südlich von Manilius plötzlich eine sehr auffällige Rille ins Auge, in deren Mitte sich ein Krater befindet: Rima Hyginus. Diese inspizierte ich dann bei 220x mit meinen Nagler T6 2,5 mm. Anfänglich machte das weniger Spaß, da das Seeing nicht wirklich für 220x geeignet war; später wurde jedoch erneut die erstaunliche Schärfe des Bildes deutlich, nachdem das Seeing sich mit Höhersteigen des Mondes leicht gebessert hatte. Sicherlich wirkte sich auch das allmähliche Erreichen des Temperaturgleichgewichts zwischen Instrument und Atmosphäre positiv auf das Bild aus. Ich nahm mir den Mondatlas, um das Okularbild mit Orbitalaufnahmen zu vergleichen. Die „Kraterserie“ westlich von Hyginus konnte ich erahnen, nachdem ich im Atlas gesehen hatte, wie sie aussieht. Im Grunde war das Seeing aber immer noch zu schlecht. Beim Atlasstudium war mir aber noch das Rillensystem beim Triesnecker aufgefallen. Der Krater selbst war natürlich sofort gefunden, da er nicht weit südwestlich von Hyginus steht. In die Rillen musste ich mich zuerst einsehen. Bei momentan abebbendem Gewaber fiel mir dann zuerst das nach rechts umgefallene „V" unmittelbar östlich von Triesnecker auf: der breiteste und tiefste Teil des Rillensystems. Das Seeing wurde dann noch etwas besser, so dass ich den nach Südosten verlaufenden Schenkel des „V“ bis fast zu Rhaeticus A verfolgen konnte. Mit zunehmendem Einsehen und verbessertem Seeing konnte ich dann auch den anderen Schenkel Richtung Hyginus A bis zu dem Abzweig nach Nordwesten verfolgen, den diese Rille kurz vor dem Krater nimmt. Am Schluss erblickte ich sogar die schwache Rille, die von der Spitze des „V“ zwischen Triesnecker und Triesnecker F direkt nach Norden Richtung Mitte zwischen Ukert K und Hyginus A läuft. Ihr von der „V“-Spitze nach Süden verlaufendes Gegenstück habe ich allerdings nicht erkannt, obwohl es sich wahrscheinlich um eine kontinuierliche, von N nach S durchlaufende Rille handelt. Abschließend konnte ich noch feststellen, dass das Alpental für eine Suche nach seiner Zentralrille scheinbar sehr gut beleuchtet war. Natürlich sind dafür ein anderes Seeing und ein anderes Instrument nötig. Der Boden des Kraters Plato blieb für mich in dieser Nacht glatt wie ein Baby-Popo - Von Kraterlets keine Spur!. Allenfalls geringste aber großflächige Albedounterschiede waren dort zu erahnen. So baute ich dann gegen 3:45 wieder ab, was auch in wenigen Minuten erledigt war. Um 4:00 befand ich mich wieder im Bett, um noch etwas Schlaf zu erwischen. Beim Einschlafen fragte ich mich, welchen Anblick mir beim direkten Vergleich ein 100 mm Nobel-Apo oder ein 100 mm-Binoptic geboten hätten.

CS
 
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