Hi Thomas,
ich habe da ein wenig Zweifel, ob diese Anschaffung lohnt.
Als Teleobjektiv ist die Russentonne sicher dienlich, wenn Du ihre relative Unhandlichkeit in Kauf nimmst. Die Form Teleobjektiv, mit der man durch die Gegend rennt und fleissig knipst, ist es sicher nicht. Wenn man aber mit Stativ in die Natur geht, dann ist die Russentonne für Tieraufnahmen, etc, sehr gut.
Auch Mond und Sonne (Sonne nur mit
Objektiv-Sonnenfilter) lassen sich mit der Russentonne sehr schön Fotografieren. Mit einer Webcam gelingen auch Planetenfotos.
Für DeepSky-Fotos ist die 100/1000 Russentonne viel zu lichtschwach, man belichtet mindestens 40 Minuten, ehe sich Nebel, etc. Abzeichnen. Ausserdem ist es für den Einstieg viel zu schwer, 1000mm nachzuführen. Ebenso fehlt eine Montierung, die z.B. Russentonne und das vorhandene Mak als Leitrohr tragen kann.
Meine eigentlichen Bedenken aber sind, daß die Russentonne in allen Beziehungen ausser Baugröße/Gewicht dem vorhanden Mak unterlegen ist.
Ich kenne den Mak von der Feldausleuchtung her nicht. Mit meinem 90/1000 Refraktor aber kann ich gut Sonne und Mond bei 2000mm Brennweite ins KB-Format bekommen. Es ist nicht viel Platz, aber es geht. Mit der Webcam wird der 130er Mak zweifellos viel besser Abschneiden. Ebenso bei visueller Beobachtung.
Ich würde zunächst einmal die Kamera an den vorhandenen Mak anschließen und einige Vollmond-Fotos schiessen, um zu schauen, ob der Mond ohne irgendwelche Abschattungen aufs Bild kommt. Wenn der 130er am Rand den Mond abschattet (unscharfe, dunkle "Ausblendung" am Rand des Bildes), dann ist die Tonne eine Alternative.
Die Handhabung der Tonne ist auch nicht gerade einfach. Der Fokussierring ist recht schwergängig und so macht es wenig Spaß, bei 150x scharfzustellen. Das grosse Gewicht und die unschöne Fokussierung lassen ein Foto-Stativ als Mini-Montierung ausscheiden. Es sei denn, man nimmt ein Stativ, das etwa das doppelte wie die Russentonne kostet... Auf der EQ-5 kein Problem.
Ansonsten würde ich Dir eher zur kleinen Tonne 500/5,3 raten. Die ist visuell nicht zu gebrauchen (man kommt mit Zenitspiegel nicht mehr in den Fokus). Sie ist aber wegen f/5,3 viel schneller mit der Belichtungszeit. Schon nach ca. 10-15 Minuten (je nach Himmel) ist das Bild im Kasten. Nimmt man später den 130er als Leitfernrohr, so hat man eine schöne Kombination. Als Einstieg in die Sternenfotografie würde ich das aber immer noch nicht wählen. Da solltest Du ersteinmal mit 50mm und 135mm einsteigen und Dich dann über 300mm (Beroflex Wundertüte) an die 500mm ranarbeiten.
Die 100/1000 Russentonne scheint mir also nur als Teleobjektiv für Dich nützlich zu sein.
Trotzdem will ich noch auf die eigentliche Frage kommen. Um die Russentonne zur Beobachtung zu nutzen braucht man ja noch ein Wenig Zubehor. Zenitspiegel sollte vorhanden sein. Aber eine Adaption vom Gewinde der Russentonne (M42) auf den Okularanschluss wird benötigt. Oft wird die Kombiniert mit einem T2-Adapter für die Kamera. Da so etwas eh ein Fall für den Astrohändler ist, wird man dort auch eine Russentonne bekommen, deren Anschlag für die Fokussierung entfernt ist. Ausserdem sollte der Spiegel entspannt worden sein. "Ab Werk" ist der meist zu fest verschraubt, so daß die Russentonne für astronomische Beobachtungen an Qualität verliert, weil der Spiegel durch den Druck verspannt ist.
Clear Skies
Sven