Gelöschte Mitglieder 487
Hallo Leute.
Der Abschluss der Bergsaison stand an. 31.10.: Die letzte Beobachtungsnacht auf dem Berg für 2013, Ab Montag fährt keine Seilbahn mehr.
Kein Mond, vorhergesagte Wolkenlosigkeit, 60% Feuchte und vergleichsweise wenig Wind – so die Vorhersage für mein anvisiertes Ziel: mein Platz am Nebelhorn, 2070 m ü.n.n.
Die Planung lief am 30.10. auf Hochtouren: diverse Superthin-Galaxien von 14-15 mag habe ich mir in den neuen Deepskyatlas eingezeichnet. Lediglich eine von den Dutzend Galaxien war von Hause aus eingetragen – trotz der enormen Objektfülle, die den Skyatlas 2000 von Tirion bei weitem übertrifft (welchen ich bisher hatte).
On the (rail)way
2,5 Stunden Zugfahrt nach Oberstdorf standen mit meinem 12"er an und die Anfahrt verlief wie erwartet im grauen Dunst, der sich in Oberstdorf in Sonnenschein verwandelte... Es waren einige Wolken am Himmel, aber den Nebel habe ich in Form einer dunkelgrauen Bank hinter mir gelassen, wie der Blick zurück aus dem Zugfenster zeigte.
In der Berggondel gen Nebelhorn konnte man schon eine Schichtung in der Atmosphäre erkennen – ein gutes Zeichen. Es ging schwebend durch das Tal, welches ich bereits zu Fuß zum Gipfel hin (ohne Scope natürlich) durchquert habe.
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/9fc48b-1383349913.jpg
Von einem Abstieg desselben Weges rät hier jeder ab - Steigungen von 36% auf erodierendem Asphalt bzw. Schotter sind kein Zuckerschlecken, auch eine Wanderkarte weist diesen Weg praktisch mit einem Totenkopf aus, was den Abstieg angeht. Nun denn, ich hatte es vor zwei Jahren ganz gut überlebt ;-)
Ich schwebte an Felsen vorbei, die zunehmend weißlich erschienen. Auf 1930 m Höhe angekommen stieg ich aus. Da ich die Gegend schon vor einem Jahr besuchte und die Sonne schon verdächtig nah zum Horizont neigte, machte ich mich ohne Umschweife an den Aufstieg. Immerhin 140 Höhenmeter waren noch zu bewältigen – um Längen anstrengender als die Treppen am Wendelstein, welche auch 100 Höhenmeter bedeuten.
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/749e3c-1383349580.jpg
Hier war es einfach fies steil. Die dünne Luft war spürbar - ich konnte kaum tief einatmen. Aber die Vorfreude verleiht Flügel: ich erreichte in ca. 25 Minuten meinen Platz, den ich vor einem guten Jahr das letzte mal besucht hatte.
Endlich wieder da - am "Gornergrat für Arme"
Ein wahrlich herrliches Panorama von Ost nach West. Oben angekommen baute ich ohne Verzögerung auf. Es war mit 5 Grad schon recht frisch, ich musste mich bald umziehen, aber Justage im Hellen ging vor. Jedoch blieb Zeit für ein Beweisphoto - wie im letzten Bericht angekündigt, wäre beim nächsten mal bestimmt wieder ein Murmeltier dabei – so war es dann auch...
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/a88cf0-1383347997.jpg
:biggrin:
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/4ec08c-1383348221.jpg
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/30f814-1383348401.jpg
Die Dämmerung nahte sehr schnell. Erstaunlich, wie früh es jetzt schon dunkel wird. Bis ich fertig aufgebaut, justiert, mich umgezogen und gegessen habe, war die Dämmerung fast vorüber.
Die Wolken schienen sich mit zunehmender Dämmerung nach Osten zu verziehen, der Westen gab einen herrlich klaren Horizont und Himmel frei. Ich freute mich, es schien mit einer hervorragenden Nacht zu klappen.
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/a53692-1383348460.jpg
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/c975e7-1383348642.jpg
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/f8bcab-1383348769.jpg
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/ff6320-1383348846.jpg
Die Nacht
Es zeichnete sich aber ein permanenter oder zumindest häufig aufböender Wind ab. Ich überlegte, ob ich besser in den Windschatten einer Hütte bzw. Station (undefinierbares Teil für Skibetrieb o.ä.) gehen sollte, welche 100 m von meinem Platz entfernt liegt – glücklicherweise auf fast gleicher Höhe. Ich entschied mich dafür und nach dem Entscheidungsprozess war es dann schon dunkel. Eine wunderbare Transparenz zeigte sich und das Seeing schien – abseits vom zeitweiligen Wind – recht gut zu sein. Zu Zeit verfolge ich ja das Projekt „Zentralstern im Ringnebel mit 12“. So peilte ich zum Einstieg in die Nacht in die Leier. Geschätzte 30 Minuten verbrachte ich am Ringnebel mit 340facher Vergrößerung. Hin und wieder wurde das Teleskop etwas gerüttelt – mit Windschatten war nicht viel, da die Richtung häufiger wechselte. Dennoch schien ein paar mal etwas gaaanz schwach aufzublitzen. Einmal schien sich der Zentralstern für den BRUCHteil einer Sekunde regelrecht in meine Pupille überdeutlich zu bohren. Ich kann mir diesen Effekt nicht erklären. Einmal schien ich ihn indirekt für 1,5 s halten zu können. Ich versuchte, die Sichtung des ZS mehrfach zu reproduzieren, gelang aber zu keinem mich so recht zufriedenstellenden Ergebnis. Aber ich war nah dran! Als erste neue Deepsky-Herausforderung mit 12“ wählte ich IC 1296 bei M 57. Ich hatte mir im Vorhinein eine Skizze angefertigtm wo die Lage eingetragen war. Es war auch nach einigen Minuten nichts zu erkennen, was über die üblichen Fehlleitungen des Auges hinausging. Ich meinte etwas zu erkennen, aber nichts, wo ich ruhigen Gewissens sagen könnte, dass dies tatsächlich die Gx war. Vermutlich war mein Gesehenes unter dem „Hintergrundrauschen“ zu verbuchen, welches dem visuellen Beobachter manchmal einen Streich spielt – kennt ihr das?
Es zog eine hohe Schleierbewölkung herein – Zeit für einen Snack. Aus dem zunächst kurzzeitig anmutenden Schleierintermezzo wurde eine komplette Bewölkung von einer guten Stunde. Was sollte das nun werden?
Ein stetiger Wechsel von klar anmutenden Stellen am Himmel mit durchziehenden Schleierfetzen und teils ganzen Wolken. An den Wolken im Osten konnte man aber die potenzielle Güte des Standorts erkennen: eine längliche, relativ scharf abgegrenzte Wolke zog sich wie ein Tintenfisch parallel entlang des Horizonts. Nicht die Spur einer Aufhellung – einfach eine nahezu schwarze tiefdunkle Silouhette vor klarem aber hellem Sternenhimmel. Als es vielversprechende klare Lücken gab, versuchte ich mich erneut an IC 10, der Zwerggaalaxie in Cas, die ich letztens auf dem Wendelstein bei mäßiger Transparenz schon besuchte. Hier zeigte sich jedoch das gleiche Bild: ein gemessen an der angegebenen Helligkeit sehr schwaches Fleckchen größerer Ausdehnung ohne klare Kontur. Erstaunlich schwierig wie ich finde.
Ich versuchte mich an ein paar „Superthins“, den extremen Edge-On-Galaxien. Da ich schnell sein musste wie der Blitz, da sich die Wolken ständig weiterbewegten, viel eine hinreichende Dokumentation leider aus. An eine Gx kann ich mich jedoch entsinnen, welche ich definitiv probierte: UGC 485 mit ca. 15 mag – ein offenbar zu übermütiger Versuch. Zwei weitere Gx, welche sich mit der UGC-Beschreibung kleiden, hatte ich versucht, jedoch vergeblich. Die hellste meine von mir notierten Ziele war hier mit 14 mag angegeben... Es war schwierig, für die Art der Nacht einen Plan zu formulieren und umzusetzen. Die schweren Galaxien waren praktisch unmöglich in Anbetracht der ständigen Gefahr, einen Nebelschleier über dem Areal zu haben und mit dem Wind ebenso wenig in ihrer Sichtbarkeit gefördert wurden. Es gestaltete sich die gesamte Nacht so, dass es in Sekundenschnelle irgendwo aufklarte - Panik setzte ein: „Was jetzt da guckn?“ Hierfür ist der DeepskyAtlas prinzipell ein klasse Instrument. Aber auch der kann nicht zaubern _ kaum habe ich hierin ein Objekt gefunden und wollte es ansteuern, zog das betreffende Areal zu. Es war zum Auswachsen. Die ganze Szenerie wurde von einem penetranten Wind begleitet, von dessen Böen man ständig befürchten musste, dass das Teleskop nach unten geschlagen wird. So buxierte ich das Teleskop mehrfach in ein windgeschütztes Eckchen, dann wieder heraus, um festzustellen, dass es kurz nach dem Aufstellen doch wieder zuzog. Das ganze Spiel vollzog ich ein gefühltes Dutzend mal. Zwischendurch legte ich mich immer wieder mal auf die Isomatte., mit Kapuze über dem und Fleecepulli als Nackenstütze unter dem Kopf. Es war eine extremst zerfahrene Nacht. Nicht EIN neues Objekt habe ich erfolgreich beobachten können. Jedenfalls fällt mir gerade keines ein. Um zumindest etwas zu beobachten, peilte ich immer mal wieder in den Orionnebel oder auf M 1. Unterhalb von Sirius schien es mal schön klar zu sein und ich peilte auf eine ESO-Galaxie, welche im Atlas als sichtbar verzeichnet war für mein Gerät: Leider nix zu sehen, kurz darauf zog es auch hier wieder dicht. Zu allen Schwierigkeiten kam noch die eigene Unfähigkeit – Den Encke-Kometen hab ich ums Verrecken nicht gefunden.
Outro
Während ich am Wendelstein wenigstens noch schöne Beobachtungen vom Sonnensystem machen konnte, fiel auch dies dieses mal flach. Weder Seeing noch Wolkenlosigkeit hatten in den Morgenstunden ein Einsehen. In der frühesten Morgendämmerung ertönten Laute einer fremden Tierwelt – war dass Gegurgel ein Frosch? In dieser Höhe? Oder eine Gemse beim Zähneputzen?
Als die Sonne aufging, kam eine Dohle vorbei, welche sich ein paar Krumen erhoffte. In Nähe der Seilbahnstation wohl anderes gewohnt, quittierte sie das erfolglos bleibende Betteln mit einem seltsamen Ton - einer Mischung aus Zischen, Pfeifen und Räuspern. Nach einem morgendlichen Panorama ...
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/c7d075-1383348910.jpg
...blieb auch mir nix anderes übrig, als mit einem innerlichen Zischen abzupfeifen und auf die Frage nach dem Aufwand/Nutzen-Verhältnis der ganzen Aktion trocken zu räuspern.
Grüße in die wettergeplagte Runde
Norman
But: "I´ll be back!"
Der Abschluss der Bergsaison stand an. 31.10.: Die letzte Beobachtungsnacht auf dem Berg für 2013, Ab Montag fährt keine Seilbahn mehr.
Kein Mond, vorhergesagte Wolkenlosigkeit, 60% Feuchte und vergleichsweise wenig Wind – so die Vorhersage für mein anvisiertes Ziel: mein Platz am Nebelhorn, 2070 m ü.n.n.
Die Planung lief am 30.10. auf Hochtouren: diverse Superthin-Galaxien von 14-15 mag habe ich mir in den neuen Deepskyatlas eingezeichnet. Lediglich eine von den Dutzend Galaxien war von Hause aus eingetragen – trotz der enormen Objektfülle, die den Skyatlas 2000 von Tirion bei weitem übertrifft (welchen ich bisher hatte).
On the (rail)way
2,5 Stunden Zugfahrt nach Oberstdorf standen mit meinem 12"er an und die Anfahrt verlief wie erwartet im grauen Dunst, der sich in Oberstdorf in Sonnenschein verwandelte... Es waren einige Wolken am Himmel, aber den Nebel habe ich in Form einer dunkelgrauen Bank hinter mir gelassen, wie der Blick zurück aus dem Zugfenster zeigte.
In der Berggondel gen Nebelhorn konnte man schon eine Schichtung in der Atmosphäre erkennen – ein gutes Zeichen. Es ging schwebend durch das Tal, welches ich bereits zu Fuß zum Gipfel hin (ohne Scope natürlich) durchquert habe.
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/9fc48b-1383349913.jpg
Von einem Abstieg desselben Weges rät hier jeder ab - Steigungen von 36% auf erodierendem Asphalt bzw. Schotter sind kein Zuckerschlecken, auch eine Wanderkarte weist diesen Weg praktisch mit einem Totenkopf aus, was den Abstieg angeht. Nun denn, ich hatte es vor zwei Jahren ganz gut überlebt ;-)
Ich schwebte an Felsen vorbei, die zunehmend weißlich erschienen. Auf 1930 m Höhe angekommen stieg ich aus. Da ich die Gegend schon vor einem Jahr besuchte und die Sonne schon verdächtig nah zum Horizont neigte, machte ich mich ohne Umschweife an den Aufstieg. Immerhin 140 Höhenmeter waren noch zu bewältigen – um Längen anstrengender als die Treppen am Wendelstein, welche auch 100 Höhenmeter bedeuten.
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/749e3c-1383349580.jpg
Hier war es einfach fies steil. Die dünne Luft war spürbar - ich konnte kaum tief einatmen. Aber die Vorfreude verleiht Flügel: ich erreichte in ca. 25 Minuten meinen Platz, den ich vor einem guten Jahr das letzte mal besucht hatte.
Endlich wieder da - am "Gornergrat für Arme"
Ein wahrlich herrliches Panorama von Ost nach West. Oben angekommen baute ich ohne Verzögerung auf. Es war mit 5 Grad schon recht frisch, ich musste mich bald umziehen, aber Justage im Hellen ging vor. Jedoch blieb Zeit für ein Beweisphoto - wie im letzten Bericht angekündigt, wäre beim nächsten mal bestimmt wieder ein Murmeltier dabei – so war es dann auch...
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/a88cf0-1383347997.jpg
:biggrin:
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/4ec08c-1383348221.jpg
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Die Dämmerung nahte sehr schnell. Erstaunlich, wie früh es jetzt schon dunkel wird. Bis ich fertig aufgebaut, justiert, mich umgezogen und gegessen habe, war die Dämmerung fast vorüber.
Die Wolken schienen sich mit zunehmender Dämmerung nach Osten zu verziehen, der Westen gab einen herrlich klaren Horizont und Himmel frei. Ich freute mich, es schien mit einer hervorragenden Nacht zu klappen.
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Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/c975e7-1383348642.jpg
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/f8bcab-1383348769.jpg
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/ff6320-1383348846.jpg
Die Nacht
Es zeichnete sich aber ein permanenter oder zumindest häufig aufböender Wind ab. Ich überlegte, ob ich besser in den Windschatten einer Hütte bzw. Station (undefinierbares Teil für Skibetrieb o.ä.) gehen sollte, welche 100 m von meinem Platz entfernt liegt – glücklicherweise auf fast gleicher Höhe. Ich entschied mich dafür und nach dem Entscheidungsprozess war es dann schon dunkel. Eine wunderbare Transparenz zeigte sich und das Seeing schien – abseits vom zeitweiligen Wind – recht gut zu sein. Zu Zeit verfolge ich ja das Projekt „Zentralstern im Ringnebel mit 12“. So peilte ich zum Einstieg in die Nacht in die Leier. Geschätzte 30 Minuten verbrachte ich am Ringnebel mit 340facher Vergrößerung. Hin und wieder wurde das Teleskop etwas gerüttelt – mit Windschatten war nicht viel, da die Richtung häufiger wechselte. Dennoch schien ein paar mal etwas gaaanz schwach aufzublitzen. Einmal schien sich der Zentralstern für den BRUCHteil einer Sekunde regelrecht in meine Pupille überdeutlich zu bohren. Ich kann mir diesen Effekt nicht erklären. Einmal schien ich ihn indirekt für 1,5 s halten zu können. Ich versuchte, die Sichtung des ZS mehrfach zu reproduzieren, gelang aber zu keinem mich so recht zufriedenstellenden Ergebnis. Aber ich war nah dran! Als erste neue Deepsky-Herausforderung mit 12“ wählte ich IC 1296 bei M 57. Ich hatte mir im Vorhinein eine Skizze angefertigtm wo die Lage eingetragen war. Es war auch nach einigen Minuten nichts zu erkennen, was über die üblichen Fehlleitungen des Auges hinausging. Ich meinte etwas zu erkennen, aber nichts, wo ich ruhigen Gewissens sagen könnte, dass dies tatsächlich die Gx war. Vermutlich war mein Gesehenes unter dem „Hintergrundrauschen“ zu verbuchen, welches dem visuellen Beobachter manchmal einen Streich spielt – kennt ihr das?
Es zog eine hohe Schleierbewölkung herein – Zeit für einen Snack. Aus dem zunächst kurzzeitig anmutenden Schleierintermezzo wurde eine komplette Bewölkung von einer guten Stunde. Was sollte das nun werden?
Ein stetiger Wechsel von klar anmutenden Stellen am Himmel mit durchziehenden Schleierfetzen und teils ganzen Wolken. An den Wolken im Osten konnte man aber die potenzielle Güte des Standorts erkennen: eine längliche, relativ scharf abgegrenzte Wolke zog sich wie ein Tintenfisch parallel entlang des Horizonts. Nicht die Spur einer Aufhellung – einfach eine nahezu schwarze tiefdunkle Silouhette vor klarem aber hellem Sternenhimmel. Als es vielversprechende klare Lücken gab, versuchte ich mich erneut an IC 10, der Zwerggaalaxie in Cas, die ich letztens auf dem Wendelstein bei mäßiger Transparenz schon besuchte. Hier zeigte sich jedoch das gleiche Bild: ein gemessen an der angegebenen Helligkeit sehr schwaches Fleckchen größerer Ausdehnung ohne klare Kontur. Erstaunlich schwierig wie ich finde.
Ich versuchte mich an ein paar „Superthins“, den extremen Edge-On-Galaxien. Da ich schnell sein musste wie der Blitz, da sich die Wolken ständig weiterbewegten, viel eine hinreichende Dokumentation leider aus. An eine Gx kann ich mich jedoch entsinnen, welche ich definitiv probierte: UGC 485 mit ca. 15 mag – ein offenbar zu übermütiger Versuch. Zwei weitere Gx, welche sich mit der UGC-Beschreibung kleiden, hatte ich versucht, jedoch vergeblich. Die hellste meine von mir notierten Ziele war hier mit 14 mag angegeben... Es war schwierig, für die Art der Nacht einen Plan zu formulieren und umzusetzen. Die schweren Galaxien waren praktisch unmöglich in Anbetracht der ständigen Gefahr, einen Nebelschleier über dem Areal zu haben und mit dem Wind ebenso wenig in ihrer Sichtbarkeit gefördert wurden. Es gestaltete sich die gesamte Nacht so, dass es in Sekundenschnelle irgendwo aufklarte - Panik setzte ein: „Was jetzt da guckn?“ Hierfür ist der DeepskyAtlas prinzipell ein klasse Instrument. Aber auch der kann nicht zaubern _ kaum habe ich hierin ein Objekt gefunden und wollte es ansteuern, zog das betreffende Areal zu. Es war zum Auswachsen. Die ganze Szenerie wurde von einem penetranten Wind begleitet, von dessen Böen man ständig befürchten musste, dass das Teleskop nach unten geschlagen wird. So buxierte ich das Teleskop mehrfach in ein windgeschütztes Eckchen, dann wieder heraus, um festzustellen, dass es kurz nach dem Aufstellen doch wieder zuzog. Das ganze Spiel vollzog ich ein gefühltes Dutzend mal. Zwischendurch legte ich mich immer wieder mal auf die Isomatte., mit Kapuze über dem und Fleecepulli als Nackenstütze unter dem Kopf. Es war eine extremst zerfahrene Nacht. Nicht EIN neues Objekt habe ich erfolgreich beobachten können. Jedenfalls fällt mir gerade keines ein. Um zumindest etwas zu beobachten, peilte ich immer mal wieder in den Orionnebel oder auf M 1. Unterhalb von Sirius schien es mal schön klar zu sein und ich peilte auf eine ESO-Galaxie, welche im Atlas als sichtbar verzeichnet war für mein Gerät: Leider nix zu sehen, kurz darauf zog es auch hier wieder dicht. Zu allen Schwierigkeiten kam noch die eigene Unfähigkeit – Den Encke-Kometen hab ich ums Verrecken nicht gefunden.
Outro
Während ich am Wendelstein wenigstens noch schöne Beobachtungen vom Sonnensystem machen konnte, fiel auch dies dieses mal flach. Weder Seeing noch Wolkenlosigkeit hatten in den Morgenstunden ein Einsehen. In der frühesten Morgendämmerung ertönten Laute einer fremden Tierwelt – war dass Gegurgel ein Frosch? In dieser Höhe? Oder eine Gemse beim Zähneputzen?
Als die Sonne aufging, kam eine Dohle vorbei, welche sich ein paar Krumen erhoffte. In Nähe der Seilbahnstation wohl anderes gewohnt, quittierte sie das erfolglos bleibende Betteln mit einem seltsamen Ton - einer Mischung aus Zischen, Pfeifen und Räuspern. Nach einem morgendlichen Panorama ...
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/c7d075-1383348910.jpg
...blieb auch mir nix anderes übrig, als mit einem innerlichen Zischen abzupfeifen und auf die Frage nach dem Aufwand/Nutzen-Verhältnis der ganzen Aktion trocken zu räuspern.
Grüße in die wettergeplagte Runde
Norman
But: "I´ll be back!"
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