Saturn am Taghimmel, 3. Juni

Canonist

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Hallo zusammen.

Saturn am Taghimmel. Geht das überhaupt, und macht es Sinn?
Beginnen wir mit der Auffindung. Die ist bei einem derart kontrastschwachen Objekt nicht trivial, sondern funktioniert nur mit Hilfen. GoTo ist ein Weg. Ich bin einen anderen gegangen, zumal Venus als Anker zur Zeit der Beobachtung noch östlich des Merdians stand, Saturn ihn aber bereits passiert hatte.
Also Monti auf Saturn-Deklination eingestellt, an R die Zeit seit dem Durchgang und dann mit dem Digitalsucher nachgeschaut. Der zeigte Saturn nach kurzem Schwenken als ganz schwachen Lichtpunkt. So zentriert, was aber trotzdem noch ein paar Minuten Sucherei im C14 gebraucht hat. Im Okular (nach deer Beobachtung probiert) ist Saturn tatsächlich noch erkennbar, aber so schwach, dass er nur allzu leicht übersehen würde.

Mit der Kamera und IR 685-Filter hingegen sieht man sofort die Planetenscheibe und kann sie auch scharfstellen, wobei der aktuelle Ringschatten ein guter Schärfemesser ist. IR 685 ist ideal im Verhältnis von Auflösung und Kontrast, R-Filter geht aber auch, ich habe beide verwendet.

Das C14 kam nur fokal zum Einsatz, doppelte Brennweite liefert zwar mehr Auflösung, senkt aber auch den Kontrast. Auch so schon stand der Kontrastregler der Kamera bei ca. 22 bei der ASI290MM. Die Farbversion musste noch stärker kontrastiert werden, da hatte ich Gamma 19. Das - bereits geschärfte - Ergebnis lässt erahnen, wie mau der Kontrast dabei trotzdem noch ist. Saturn ist aktuell so hell wie Mars, hat aber eben viel mehr Fläche.

Da die Einstellungen von Gain und Kontrast Rauschen zeigten, habe ich jeweils 50.000 frames mit den Rotfiltern aufgenommen und davon 60% verwendet. Die Ergebnisse müssen dann ja auch nochmal kontrastiert werden, das "Auseinanderziehen" hebt auch den Rauschpegel bei dem niedrigen SNR wieder an. Auch rund 30.000 verwendete frames sind dann immer noch deutlich rauschig. In Kombination dreier Stacks ging es dann schon ganz gut, es hätte aber durchaus noch mehr sein dürfen.

Ich habe zwei Farbvideos aufgenommen, die leicht unterschiedliche Farbeinstellungen hatten. Generell sah alles trotz viel Rotbeimischung noch ziemlich blau aus. Das farb- und kontrastkorrigierte Ergebnis habe ich dann mit dem Rot-Stack als Luminanz "verheiratet", wodurch ein ansehnliches Ergebnis entstanden ist, das aber natürlich deutlich heller daherkommt, als es tatsächlich am Himmel ausgesehen hätte.

Seit dem 6. Mai scheint die Sonne nun zunehmend auch wieder auf die sich bereits öffnende Seite der Ringe. Daher sind diese durchaus auch am Tage aufnehmbar, wenngleich noch schwach leuchtend.
Verwunderlich, aber vermutlich Ergebnis der individuellen Bearbeitung ist, dass sie in den meisten derzeit kursierenden Frühmorgensbeobachtungen (wie auf der Seite der Japan ALPO) noch als extrem dunkel oder gar unsichtbar erscheinen, sodass sie erst durch "starkes Anheben" wieder sichtbar gemacht werden. Das erscheint nach dieser Beobachtung aber gar nicht unbedingt erforderlich.

Fazit: Wer wie ich als geborene "Eule" zu faul ist, sich frühmorgens aus dem Bett zu quälen, beobachtet halt am Tag. Das bringt zwar gewisse Einschränkungen mit sich und erfordert manch Mehraufwand, ist aber durchaus probat.
Und es hätte sicher auch kürzlich gut funktionieren können, als es am Sonnabend, 31. Mai, zu einem weiteren Titan-Schattenwurf kam, der von Europa aus am Taghimmel verfolgbar gewesen wäre. Wenn das Wetter mitgespielt hätte... Aber vielleicht will es am 16. Juni ja noch mal jemand probieren?
CS
Rudolf
 

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