Saturn visuell bei Seeing 10/10

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Engl_Thomas

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Hallo Sternfreunde!

Eigentlich beobachte ich die Planeten sehr selten und meist auch nur so auf die Schnelle. Aber was sich gestern Abend bei uns am Himmel abspielte, das war die Nacht des Lebens. Doch der Reihe nach:
An der Privatsternwarte angekommen, fiel meinem Beobachtungskollegen Jakob und mir auf, daß die Sterne wie festgenagelt am Himmel standen. Das kommt bei uns im Gebirge (Standort auf 1480m) äußerst selten vor.
Also, Saturn in die Mitte gestellt, erstes fokussieren und.... Wahnsinn, nicht die geringste Bewegung am Planeten zu erkennen (verwendetes Gerät war ein C11). Nachdem wir so ein wenig geschaut hatten, war ich aber noch nicht ganz zufrieden. Ich überprüfte die Justage, und siehe da, diese stimmte nicht 100%ig. Rd. 20 Minuten benötigte ich, das Teleskop exakt zu justieren. Nach getaner Arbeit wieder Saturn rein, und dann kippte mir der Unterkiefer wirklich Richtung Boden. Saturn hing bei 200x wie auf einem Foto im Okular. Die Cassinsche Teilung war immer als harter, dunkler Strich zu sehen und wir glaubten es kaum, auch umlaufend um den Ring zu sehen. Ich glaubte zwar erst an einen optischen Effekt, aber mein Kollege hatte dasselbe Erlebnis. Dann vergrößerten wir weiter. Bei 400x traten deutlich blasse Strukturen auf der Planetenoberfläche hervor. Jetzt ließ es uns keine Ruhe und wir vergrößerten 620x. Zu unserem Erstaunen konnten wir immer noch den exakten Fokus finden, obwohl Saturn nicht mehr so "hart" definiert war. Trotzdem konnten alle zuvor gesehenen Details weiterhin ohne jegliche Bewegung erkannt werden. Der Mond Enceladus war zu diesem Zeitpunkt etwa 7 Bogensekunden vom Ring entfernt und konnte ohne großen Schwierigkeiten beobachtet werden. Das Encke Minimum war ebenfalls absolut kein Problem, die Teilung selbst kann ich nicht sagen, da mir dafür einfach die Erfahrung fehlt, was mich aber nicht unglücklich macht. Kann man diese Beobachtungen noch steigern? Man glaubt es kaum, aber das geht...
Der Hammer war Titan. Zwischenzeitlich waren wir mit der Vergrößerung auf 311x zurückgegagen, da die höheren Vergrößerungen keine zusätzlichen Details erkennen ließen. Und bei exaktem Fokus war Titan sehr deutlich als winzige Fläche zu erkennen, die in einem leichten Orangeton leuchtete. GUIDE sagte mir heute, daß Titan derzeit einen Durchmesser von 0,85 Bogensekunden hat und somit tatsächlich im Bereich des Auflösungsvermögen des C11 steht.

Übrigens: Die letzte Nacht mit einem solchen Seeing war am 3.11.2001 bei der Saturnbedeckung durch den Mond.

Auch wenn ich sonst beinahe ausschließlich DS-Objekte betrachte, werde ich diese Nacht wohl nie vergessen.

Grüße aus Innsbruck
Tom
 
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