Saturnbeobachtung --> geht da noch mehr?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Caine

Aktives Mitglied
Hallo liebe Sternenfreunde,

ich hab gestern zum ersten Mal mein (erstes) Teleskop ausprobiert, ein 10" Dobson mit 1210 mm Brennweite, einem 10 mm und einem 32 mm Plössel-Okular. Ich hab mich an Saturn versucht, was an sich auch gut geklappt hat. Bin mir aber nicht sicher, ob die Ergebnisse so zu erwarten waren oder ob da noch mehr geht ...

Saturn war als kleine weisse Scheibe zu erkennen, die Ringe als weisses Band aussenrum. Jetzt ist mir natürlich klar, dass man das nicht mit Fotos a la Hubble vergleichen kann, aber ich hatte mir mehr Einzelheiten erhofft. Insbesondere die Cassini-Teilung war überhaupt nicht zu sehen. Lt. Internet sollte die mit einem 10" Dobson durchaus erkennbar sein. Mit den Beispielbildern aus dem Internet, die angeblich die Beobachtung mit einem Dobson zeigen, hatte das noch nicht so viel zu tun...

Jetzt weis ich nicht, liegt es noch an der Ausrüstung (Okulare?), am Seeing (war vermutlich gestern auch nicht das Beste, fehlt mir aber die Erfahrung das zu beur eilen), an was anderem oder ist das, was ich gesehen habe, einfach das, was mit meinem Teleskop möglich ist?

Wie gesagt es war schon eindrucksvoll, aber ich möchte natürlich auch das Beste an Erlebnis aus meinem Teleskop rausholen...

Für eure Meinungen oder Ratschläge bin ich sehr dankbar.

Danke und Clear Sky!

Christian
 
Hi Christian,

in den Abendstunden fällt derzeit die Temperatur kräftig, daher ist das Seeing nicht so prickelnd. Bei besserem Seeing kannst höher vergrößern, dann kommen mehr Details zum Vorschein.

Planetenbeobachtung braucht ein gut justiertes, ausgekühltes Teleskop, eine dem Seeing angepaßte Vergrößerung (bis zu 300 fach sollte mit 10" locker drinn sein) und eben ein gutes, kurzbrennweitiges Okular, was die Vergrößerung bringt. Und Beobachtungserfahrung. Die kommt erst mit der Zeit. Steck mal das 10er Oku in ne Barlow-Linse rein um auf mehr Vergrößerung zu kommen, dann ist auch die Cassiniteilung drinn...
 
Hallo Christian,

Viele Faktoren beeinflussen das Bild das du durch dein Teleskop siehst. Dazu zählen vor allem die Komponenten Qualität des Teleskops mit Zubehör (Okulare), die Atmosphärischen Bedingungen, sehvermögen des Auges (med.), und örtliche und Tageszeitlichen Bedingungen. Einige Bedingungen hat dir Sternenfee123 ja schon genannt.

Visuelles Betrachten astronomischer Objekte muss erst einmal schmerzlich erlernt werden. Dies hab ich auch vor langer Zeit erfahren müssen. Deshalb solltest du dich als wichtigstes durch Rückschläge nicht entmutigen lassen. Diese werden mit Sicherheit auch nicht ausbleiben.

Als Anfänger ist man geneigt, die schönen Hochglanzbilder des Hubble Space Telescopes an seinem eigenen wahrzunehmen und ist dann enttäuscht, wenn man nicht das sieht, was man eigentlich erwartet. Weiss man doch so als Anfänger nicht, dass z.B. das schöne Rot der Nebel in den Bildern Nachts für das Auge überhaupt nicht wahrnehmbar ist, da das Auge Nachts ein Maximum von etwa 510 mn hat. Dies ist im Blau Grünen Bereich des Spektrums. Auch Objektivdurchmesser, Brennweite und Vergrößerung spielen hier eine große Rolle.
Deshalb solltest du dich erst einmal mit freier Öffnung, Brennweite, Vergrößerung etc...deines eigenen Teleskops vertraut machen, damit du weisst, was du überhaupt sehen kannst. Daraus kann man auch schon viel errechnen (Vergrößerung, Gesichtsfeld). Die Umsetzung in die Praxis zeigt dir dann die eigentlichen Grenzen (Atmosphärische Bedingungen) des Teleskopischen sehens. Hier kannst du die meisten Erfahrungen zwischen Theorie und Praxis sammeln.

Ausserdem solltest du bei der Erweiterung deines Equipments vor allem als erstes an Okulare zur feineren Abstufung der Vergrößerung in Verbindung mit einer Barlowlinse denken. Dies kostet vor allem Zeit und auch Geld.

Wenn dies alles geschehen ist, so kann man mal an Farbfilter denken. Gerade bei Planeten kann man mit diesen Filter viele Kontraste herausarbeiten. Man sollte nur wissen, welche Farbe man gerade unterdrückt, und welchen Effekt dies im gerade gesehenen Bild hervorruft.

Sollten Schmalbandfilter im Visuellen zum Einsatz kommen, so solltest du dir Gedanken machen, welche Objekte du betrachten möchtest. Hier tritt die Deep Sky Astronomie zu Tage. Diese lassen nur Licht in einem gewissen Spektralbereich mit einer entsprechenden Halbwertsbreite durch. So können diese bei z.B. bei Planetarischen Nebeln gute Dienste erweisen. Nur solltest du hier auch deren physikalische Zusammensetztung betrachten. Manche strahlen stark in Hβ oder (OIII), während andere verstärkt in Ha oder (SII) Licht emittieren. Letztgenannte wirst du nicht wahrnehmen können, da diese Linien nur fotographisch nachweisen kannst, während die erstereren dir visuell gut nützen.

Deshalb mein guter Rat an dich: Mach dich vor allem mit deinem Teleskop und deiner Ausrüstung vertraut, damit du weisst, was du sehen kannst. Mach dich vertraut mit Zubehör und befass dich mit viel Theorie. Vor allem: lass dir Zeit und lass dich durch Rückschläge nicht entmutigen, dann wirst du mit Sicherheit viel Freude an deinen neuen Hobby haben. Bei mir hielt das seit schon 48 Jahren, trotz vieler Rückschläge.

Always CS
 
Hallo Christian,

Wie schon erwähnt erstmal mit höherer Vergrößerung probieren. Gerät sollte austempariert sein, was bei wohlgemerkt offenem Tubus ein Stündchen dauert. Dann bei 4mm Okular Objekt mindestens zehn Minuten verfolgen. Stellt sich dann auch in mehreren Nächten nicht gelegentlich die Cassini Teilung ein, anderen Standort für nächste Session überlegen. Muss nicht in der Pampa sein, dunklen Himmel braucht es für Saturn nicht. Draußen stehen sollte das Teleskop aber natürlich schon.

Leider ist die Zeit für solche Experimente inzwischen sehr knapp. Wenn es dich beruhigt: Ich konnte mit dem billigsten 4mm Okular das man so kriegt letzten Monat im 8 Zoll f6 Cassini und Wolkenstrukturen sehen. Vom Balkon mitten in Hürth.
 
Hi Christian,

selbst in meinem 16" Zoll bekomme ich keinen schönen Saturn mehr rein, weil er einfach schon zu tief steht, er geht ab von der Bühne und Wetter hin - Seeing her, es ist zu spät für tolle Saturn-Beobachtungen. Leider müssen wir da alle wieder viel Geduld haben und bis nächstes Jahr warten, bis dahin wirst Du mit Deinem Dobson (ein 10ner ist ein tolles Gerät) schon vertrauter sein. Ich hatte meinen 10ner dann mal mit Bullaugen in 2" ausgerüstet, mit so einem 42mm oder 32mm Oku kannste dann einen richtigen Spacewalk machen.

Also bis dahin ab in den Deep Sky....ich wette, wenn du mal ha und chi im Perseus drin hattest wird Dich Dein Dobson nimmer loslassen.

Gruss von Anette
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben