SC -Spiegelshifting / Warum noch nicht gelöst?

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Hallo Gerd,

na, der Spielball ist wohl angekommen. Da Explosionen immer was Divergentes an sich haben und dann hier auch Bröckchen aus tieferen Gesteinsschichten zum Vorschien kommen, ist wohl so.

Was immer Du als Privatforum bezeichnest: Was stört mich mein Geschwätz von Gestern :-). Fazit ist aber auch: Ich arbeite nicht nur am Teleskop, sondern ach mit dem Teleskop. Richtig, ich arbeite noch nicht mit Zemax.

Es gibt Meinungen, mit denen kann man leben.

Servus :-)


 
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Hallo Jochem,

zu Deinen letzten Ausführungen kann ich aus Erfahrung sagen: Das Spiegelshifting meines 8" ACF nervt! Es ist ja nicht nur das Shifting selbst, sondern auch die schwergängige und zähe Fokussierung. Mein früheres C8 (orange, 70er Jahre) war da wesentlich entspannter. Trotzdem bin ich von dem ACF sehr angetan, habe mir deshalb sofort einen Crayford-Auszug mit 8:1 Untersetzung und Feststellung von Moonlite Instruments (USA)gekauft. Alternativ wäre noch ein Feathertouch in Frage gekommen, aber das Moonlite-Modell sagte mir gleich zu. Bei Direktbestellung aus den Staaten (Händler, bitte weghören)kannst Du zwischen mehreren Ausführungen mit unterschiedlichen Längen (z.B. für den Gebrauch mit Reducern von Meade oder AstroPhysics) sowie verschiedenen Farben wählen. Die mechanische Qualität ist super, Fokussieren ist ein Traum (bei mir war heute Premiere an Mond und Jupiter, bis die Wolken kamen). Kostet natürlich nicht gerade wenig, das Teil, aber das ACF wird zu einem ganz anderen Teleskop.

Grüße
Jürgen
 
Hi Jürgen,

Moonlight müßte auch einen Focuser haben, wo man direkt nen Reducer anbringen kann. Das ist recht sinnvoll, wenn man knippsen möchte mit dem Gerät.

Grüße,
Gerrit
 
Hallo Gerrit,

@Karsten: Zu Deinen Beobachtungen habe ich eine Frage: Wieviel Tubusseeing war im SCT nach dem Auskühlen noch zu erkennen? -> Ich sehe da eigentlich den Hauptgrund für das "Weichzeichnen".
Dann spielt für die reinvisuelle Beobachtung noch die Obstruktion eine Rolle?

das was in der Summe hinten raus kommt ist entscheidend.
Hört sich blöd an, ist aber so.
Das Problem ist daß es ziemlich schwierig ist allein Anhand
der visuellen Beobachtung zu sagen an genau welcher Ursache
ein im Teleskop A gegenüber Teleskop B kontrastärmer erscheinender
Jupiter festzumachen ist. Der Sterntest kann da helfen.
Aber auch der ist nicht ganz so trivial und es gibt ja Leute
die sehen da die abenteuerlichsten Dinge.

Anhand der BEobachtung würde ich sagen daß das 230mm SC
tatsächlich auch nach 3 Stunden immer noch unter erkennbar
stärkerem Tubusseeing litt als der 200mm f/6 ATM Newton.

Daß die 15% mehr Öffnung des SC zu 200% mehr atmosphärischem Seeing
führten glaube ich nämlich nicht. Beim fokussieren mußte ich
immer mehrfach hin und her fokussieren um beim SC zum besten Fokus
zu finden. Das lag an zwei Gründen:

Erstens an der Unruhe der Abbildung (wohl Aufgrund des Tubusseeeing).
Zweitens am Spiegelshifting. Beim hin-und-her fokussieren
kippte der Spiegel immer um einen gewissen Betrag.
Nach meiner Beobachtung war es besser den Spiegel nach vorne
in Richtung Fangspiegel zu schieben als in der anderen Richtung.
Bei hoher Vergrößerung sah der Stern besser aus.

Es lag nicht an sphärischer Aberration. In der Beziehung
gab es an diesem 9,25" SC kaum etwas zu meckern.

Die relativ große Obstruktion ist sicher nicht positiv,
wäre aber allein noch kein Killer-Kriterium.

Ich habe bei Kurt Schreckling 3 Teleskope im direkten Vergleich
an Jupiter ausprobieren können:

8" f/6 Newton mit 25% Obstruktion.

10" f/6 ATM Newton mit 17% Obstruktion

12" f/18 ATM Nasmyth-Cassegrain mit damals so um 30% Obstruktion.

Das Ganze bei sehr ruhiger Luft. Der 12" Cassegrain zeigte klar
die meisten Details und den besten Kontrast in den Jupiterbändern.
Und zwar deutlich. Der 10" f/6 Newton hat eine sehr gute Optik.

Wenn ein System leicht schlechter ist als ein anderes, aber die Mechanik so gut ist, daß diese theoretischen Limits erreicht werden, dann halte ich das für das bessere System

Da stimme ich ganz eindeutig zu.
Die Mechanik ist mindestens so wichtig wie die Optik.

MfG,Karsten
 
Hallo Jadran

Zitat von yukons:
Hi Oliver,
Bei ausreichen hohem Kontrast und kurzer Belichtungszeit wie bei Planetenaufnahmen kann man mit der EBV sehr gute Bilder mit SC's machen. Natürlich lassen sich auch bei SC Deepsky Aufnahmen die Sterne im nachhinein verkleinern, die Strukturen Schärfen usw.
Aber ohne diese Kniffe sind die Bilder eben ziemlich weichgezeichnet.

Die Planetenfotografie beschränkt sich nicht nur auf harte Kontraste, z.B. Wolken auf Jupiter, Venus, Saturn... Letztlich reduziert sich auch die Abbildung von harten linearen Details weit unterhalb des Trennungsminimums nach Dawes oder Rayleigh wie z.B. die der Encketeilung auf die Kontrastübertragung des Teleskops.
Ich halte Fotografien - auch aus dem Deepskybereich - nach wie vor für schwierig zur Beurteilung von Optiken und Optiksystemen, wenn alle Randbedingungen nicht bekannt sind. Die Darstellung von Details am Limit des Auflösungsvermögens gibt sicher einen gewissen Aufschluss über die Qualität eines einzelnen Exemplars, die Verzeichnung über dem dargestellten Feld ist beurteilbar, aber alles weitere hängt an so vielen Parametern wie Nachführung, Seeing, Transparenz, Justage, Fokus, Öffnungsverhältnis, Bearbeitung... da mag ich selbst keine Aussage treffen. Hättest Du konkrete Beispielaufnahmen für den Vergleich eines SCs zu einem anderen System?
Die Planetenaufnahmen im von Andreas verlinkten Artikel zu den Kletsovsystemen würden mich z.B. als subopimale Beispiele eher abschrecken, die Kletsovs können mehr, wie von einigen auch hier gezeigt wurde.
Nur zur Klarstellung: SCs sind auch für mich ein Kompromiss, aber oft zu Unrecht schlechter gemacht, als sie wirklich sind. Wenn ich in den nächsten Jahren mal mehr Zeit habe, würde ich gerne ein 14" Newtonprojekt angehen, aber bis dahin ist für mich ein SC ein guter Kompromiss aus Montierbarkeit und Leistung. Die Ausführung der gängigen Exemplare am Markt könnte durchaus einige Verbesserungen vertragen, die einige Unzulänglichkeiten reduzieren - was eigentlich wohl Thema dieses Threads war - aber mit etwas Wissen bei der Handhabung komme ich auch so passabel klar.

Viele Grüße,
Oliver
 
Zitat von JBeisser:
zu Deinen letzten Ausführungen kann ich aus Erfahrung sagen: Das Spiegelshifting meines 8" ACF nervt! Es ist ja nicht nur das Shifting selbst, sondern auch die schwergängige und zähe Fokussierung. ... aber das ACF wird zu einem ganz anderen Teleskop.

Das kann ich so nur bestätigen! Ich habe zwar keinen Moonlite sondern einen Monorail von TS, aber das was Jürgen schreibt passt auch bei meinem Setup... lediglich zur Verwendung von Reducern kann ich nichts sagen, denke aber das wird beim TS-Auszug eher nix.


Gruß Markus
 
Hallo *,

was man tun kann, wird hier ja schon gemacht. So gehe ich vor:

* Einen guten, stabilen Okularauszug ans Gerät anbringen. Den kann man falls justierbar mit einem Chesire einstellen. Dazu kann man sich am Blendrohr orientieren. (Hilft auch, erste Beurteilungen zu machen, wie gut der Fangspiegel im System zentriert ist, aber nur eine grobe Beurteilung) -> Sichere Kollimation im Nachgang, gleichmäßige Vignettierung herstellen

* Vorab schonmal in einen Fokusbereich von +/- 15 mm bringen (idealerweise so, daß man bei ca. 7" Backfocus landet, genaueres dürfte ein Ronchi-Okular liefern -> hängt vom Exemplar ab, die Toleranzen werden auf +/- 0,5 Zoll geschätzt, dazu muß das System aber erstmal sauber kollimiert sein -> Teufelskreis)

* Dann den Hauptspiegel entgegen der Schwerkraft grob in den Fokus bringen und dann (falls vorhanden) den Mirrorlock aktivieren und dann über den OAZ die Feinfokussierung machen.

* In dieser Stellung evtl. das Teleskop kollimieren.
Was bleibt ist das Verkippen / Mirror-Flop des Hauptspiegels, damit muß man leben (wenn man schon so ein Gerät hat) und da hilft nur die Kollimation (Wenn man das Wort bequem überhaupt verwenden darf, dann wäre die Software Metaguide und eine Webcam eine gute Möglichkeit, damit kann man dem Seeing etwas bei kommen und dennoch die Kollimation bei höheren Vergrößerungen einstellen)

Bei der Kollimation idealerweise einen Grünfilter verwenden.

Und last but not least: Die Goto-Geschwindigkeit reduzieren. Die SCT's sind selbst im konezeptionellen Alter von mehr als 40 Jahren noch ziemlich wackelig auf den Beinen (Mirror-Flop, mit einem leichten Spiegel schlimmer, Trägheit).

Ist schon ein ziemlicher Kult, den man da treiben kann. Wurden die Geräte stark dezentriert ausgeliefert und besteht noch Garantie , dann würde ich das reklamieren. Dann soll der Hersteller mal den Nachweis erbringen, daß dieses Exemplar arbeitet wie versprochen. Vielleicht hilft es auch, einen Testzeitraum zu vereinbaren, damit man ein Rückgaberecht von mehr als 14 Tagen hat.

Es gibt in dem Bereich immer noch Werbung, in denen neuere SCT's nicht explizit als "beugungsbegrenzt" angeworben werden. In diesem Falle würde ich mir das vor dem Kauf schriftlich geben lassen und ein Meßprotokoll einfordern.
Gibt es das nicht : Finger weg von den Geräten.

Man muß einfach jetzt mal hergehen, die Kosten für mangelhafte Qualität dem Service zu überlassen, damit sich mal was in der Entwicklung tut.

Viele Grüße,
Gerrit
 
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Hallo Hans-Peter,

im Thread ging es um Spiegelshifting, nicht darum, wer das beste System hat. Wenn Du stolz auf Dein Teleskop bist, bitte. Viel Spaß damit. Ich hatte auch viel Spaß in den letzten 20 Jahren mit SC und ACF.

Clear skies

Tassilo
 
Hallo Jochem,

das System ist auf die Verwendung eines Mikrofokussierers ausgelegt. Ohne Mikrofokussierer nervt das, ganz klar. Optisch mußt Du Dir keine Sorgen machen - mit Deinen Angaben kommt man auf einen Sprung in der Bildebene von unter 1mm. Innerhalb dieses Bereichs ändert sich die Bildgüte bei einem derartig hochkorrigierten System nicht merkbar. Was für eine Version hast Du denn? Beim LX200 ist der Fokussierer ja mit dabei, und beim Kauf eines Einzeltubus war ein Crayford mit 10:1bis 31.01.2012 auch im Lieferumfang.

Clear skies

Tassilo
 
Hallo alle,

ich besitze zwar kein SCT, bin aber auch vom "Spiegelshifting" betroffen. Sehr sogar, aber auf keine technischen Weise, sondern mehr von der Wortwahl. Was für ein denglisches Wort im schlechtesten Sinn! :erschreck: Schaut man mal auf eine englische Seite,stellt man fest, dass die Amerikaner anscheinend gar nicht "mirror shifting" sagen oder schreiben, sondern "mirror flop" oder mirror shift".
Warum also sollten wir dazu "Spiegelshifting" sagen?
Es wird langsam Zeit, dass das Problem technisch endlich gelöst wird, dann brauchen wir dieses Wortmonster gar nicht mehr...

CS Mike
 
Hallo Mike,

"Es wird langsam Zeit, dass das Problem technisch endlich gelöst wird, dann brauchen wir dieses Wortmonster gar nicht mehr" - Amen. Aber bei der Lösung des Problems sind wir hier ja auch nicht weitergekommen. Ist halt leider doch nicht ganz so einfach.

Clear skies

Tassilo
 
Hallo Tassilo,

wer ist wir? Bevor ich das Mißverständnis auf die neuen ACF übertrage: Ich dachte doch, daß bei den neuen Tuben das Problem gelöst ist?

Wäre doch nett!

Beste Grüße,

Gerrit
 
Hallo Tassilo,

ich habe nur den OTA gekauft,
ein Ausstellungsstück zum Sonderpreis.
Ein Mikrofokussierer war nicht dabei.
Das mit dem Shift hat sich gbessert, nachdem ich die Fokussierung ein paar mal von Anschlag zu Anschlag gedreht habe (1,5x Jupiter).
Komme jetzt auch wieder schneller in den Fokus zurück, wenn ich darüber hinaus war.

Nach penibler Kollimation bei >400x am Stern hat sich auch die Abbildungsqualität erstaunlich verbessert.
Mit der riesigen Auswirkungen einer nur mäßig schlechten Kollimierung am AFC hatte ich wirklich nicht gerechnet.
Ich hatte die Abbildungsqualität in meinem Beitrag auch gar nicht erwähnt, weil ich nicht sicher war, wo es hängt.

Bevor das Teil nicht perfekt kollimiert ist, braucht man erst gar nicht über die große Obstruktion oder sonstige Abbildungsfehler diskutieren.

Die Einstellung des Sekundärspiegels funktioniert sehr sensibel, Rändelschrauben statt Inbus wären natürlich im Dunkeln leichter zu handhaben! Ein kleines Detail, was einiges erleichtern würde.

Ein extra Fokussierer ist für mich trotz allem unvermeidlich, zumal wenn ich ab und zu mit der DSLR oder Webcam arbeiten möchte.

Jetzt brauche ich erst mal ein paar Beobachtungsnächte, um einen Vergleich zu meinem 200/f6 Selbstbaudobson zu machen.

Grüße
Jochem
 
Hallo Gerrit,

wir ist der Kreis der hier mitdiskutierenden. Ob bei den neuen LX800 Tuben das gelöst ist, werden wir sehen wenn die ersten ausgeliefert werden.

Clear skies

Tassilo
 
Hallo Tassilo,

vor wie nach dem Thread: Spiegelshifting ist kein Problem. Hat eine Konstruktion ein Problem, kann man es lösen. Man muss es nur tun - und sich bezahlen lassen können. Darauf reduziert es sich.

Clear Skies
Sven
 
Sven,

ich glaube Tassilo hätte dieses Problem schon sehr gerne selbst seit Jahrzehnten gelöst gesehen, jedoch steht Meade mit Celestron im Preiskampf und ich denke mal das die Firmen Manager denken, wenn Sie dieses Problem lösen und mehr Geld dafür verlangen, das der andere der es belässt und günstiger bleibt, trotzdem mehr verkauft.

Ob dem wirklich so ist, ist hier die große Frage

Persönlich glaube ich das die Firma der beiden, die dieses Problem löst der anderen davon ziehen würde, aber das ist meine Meinung und die steht nicht zur Debatte
 
Hallo Markus,

nun, so meine ich es: Derjenige der das angeht und sich bezahlen lässt, steht im Preisnachteil und die Kunden die erst kaufen und danach schimpfen... naja! ;) Jedenfalls ist der Umsatz dann futsch.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Sven,

stimmt, was Du sagst. Man hätte sich erst informieren können. Die Probleme sind beim SCT ja nicht neu. Den Schuh kann sich jeder anziehen. So auch ich. Ich habe auch eine Möglichkeit gefunden, damit klar zu kommen und ich denke, ich habe es ganz gut im Griff..dennoch kann ich mir auch diese routinierte Arbeit angenehmer vorstellen.

Meade hat ein vergleichsweise interessantes Konzept im Köcher. Um es wirklich beurteilen zu können, fehlen Tests udn mehr Details. Beim Konzept von Celestron sehe ich eigentlich im Moment eher Probleme.

Leider zieht das Meade Konzepte nur für Tuben ab 10" aufwärts.

Viele Grüße,
Gerrit

 
Hallo Tassilo und auch alle Astrofreunde, die Bescheid wissen,

Wie funktioniert beim aktuellen Meade 8" ACF die Fokussierung?
Ist die Hauptspiegellagerung wie gehabt eine Gleitlagerung auf dem Blendrohr mit einem fixem Hebel an der Spiegelzelle,
der dann am Ende über die Einstellschraube bewegt wird?
Wie funktioniert die Spiegelfixierung?
Verkippt der Spiegel beim Feststellen?

Bei meinem Gerät verstellt sich der vorher eingestellte Fokus dann etwas, d.h. ohne zusätzlichen Fokussierer eigentlich sinnlos.
Ich kann ja bei festgestelltem Spiegel nicht nachfokussieren.
Laut Betriebsanleitung wird dadurch der Fokussiermechanismus beschädigt.
Ist das bei allen ACF so (das Defokussieren beim Feststellen)?

Versteht mich nicht falsch, ich bin mit dem Teleskop bisher zufrieden (nach 4 Tagen testen un kollimieren),
aber mich interessieren einfach die technischen Details, um zu verstehen, was das Teleskop macht, wenn ich damit arbeite.
Jedes neue Teleskop benötigt seine Einarbeitungszeit
und ich möchte gerne wissen, warum es wie reagiert,
wenn ich es benutze.
Die Meade Betriebsanleitung in Deutsch gibt da wenig Auskunft.

Über weitergehende Infos bin ich sehr dankbar!

Danke im Voraus und Grüße
Jochem

 
Hallo Jochem,

Vorweg: Nie Fokussieren, wenn der Mirrorlock aktiviert wurde! Da kann sich negativ auf die Mechanik auswirken. Du verkippst auch den Spiegel zwangsläufig, da der Fokusarm an einer ganz anderen Stelle ansetzt, wie der Mirrorlock.

ja, wenn man den Mirror-Lock zu fest anzieht, kippt der Spiegel und läuft auch relativ stark aus dem Fokus.

Das wird durch einen Spannring verursacht, der durch ein großes Zahnrad in einen Zwischenraum zwischen Hauptspiegelhalterung und Blendrohr gepresst wird. Durch dieses Anpressen hebt sich die Hauptspiegelhalterung leicht und wenn man den Mirrorlock zu fest zieht, dann defokussiert man das ACF.

Auch kann der Spiegel verkippen! Das wird zwar geringer ausfallen, wie bei einem SCT ohne Mirror-Lock. Aber durch den Mechanismus wird die Hauptspiegelhalterung leicht angehoben, während sie im vorderen Bereich in ihrer Lage bleibt. Dadurch verkippt sie dann zwangsläufig.

Daher würde ich wie folgt mit dem Gerät umgehen:

Visueller Nutzen: Den Mirrorlock erst garnicht betätigen. Sondern den Hauptspiegel entgegen der Schwerkraft fokussieren.

Visueller Nutzen mit OAZ: Mirrorlock betätigen, daß Teleskop kollimieren und dann nur noch über den OAZ arbeiten. Wenn Du zwischen 2" Okularen, Barlows 1,25" Oklularen wechelst, ist es sinnvoll vorher heraus zu finden, wie weit Du mit dem Fokus raus mußt. Dann kann der Mirrorlock permanent drinn bleiben.

Tipp an dieser Stelle: Es gibt Software, die on the fly mehrere Bilder mitteln kann. Diese kannst Du wunderbar verwenden, um Deine Optik in dieser Konfiguration zu kollimieren, auch bei moderatem Seeing.

Beispiele: ICCapture, Metaguide

Du Mittelst während der Kollimation das Seeing etwas raus. Beschaffe Dir für diesen Vorgang auch einen Grünfilter. Für die Kollimation würe ich Dir noch Rändelschrauben oder Bobs Knobs empfehlen. Diese kosten nicht viel. Bei mittlerem Seeing kannst Du so Deine Optik dennoch bei einer Vergrößerung 2,5x die Öffnung kollimieren.

Beispiel aus meine Session von gestern Abend mit ICCapture:
Zeiss Abbe Barlow, DMK41 und ein Grünfilter. Die DMK hat ungefähr das gleiche Gesichtsfeld wie ein 10 mm Okular. Die Kollimation bei ca. 711x Vergrößerung. Das ist zweimal die Öffnung. Das entspricht bei einem 14" ACF einem 5 mm Okluar. Mit einem 10er Okluar an der Barlow war der Gewinn an Schärfe nicht feststellbar -> Seeing. Stellenweise gab es mit der Kamera aber Einblicke am Mond, die scharf waren. Für diese Schwankungen ist das Seeing verantwortlich (auch das Tubusseeing) Das Auge mittelt halt nicht, wie die Kamerasoftware es kann.

Es muß keine teure Kamera sein. Eine Webcam tuts auch, dann kannst Du Metaguide genauso verwenden. Und die Montierung sollte schon sehr gut laufen.
ODer einen Moment abpassen, in der die Montierung gut läuft.

Fotographisch:

Den richtigen Backfocus auswählen, Kamera dort posiionieren und mit dem OAZ soweit vorfokusieren, daß Du noch variieren kannst. Dann den Mirrorlock rein. Das Teleskop mit der Kamera kollimieren und dann fokussieren. Dann mit dem Goto nicht so hastig über den Himmel fahren. Idealerweise prüft man die Kollimation in der nähe des Zielobjektes und fährt dann das Objekt von dort an. Da ist nicht so einfach, wie miteiner Webcam. Geht aber auch ganz gut. Konzentriere dich besonders auf die Bildecken.

Was Du nicht vermeiden kannst ist ein Mirrorflop z.B. nach dem Durchlauf durch den Meridian. Hier kann der Spiegel immer noch leicht kippen. Das sieht man dann an verzogenen Sternen in den Bildecken (asymmetrisch, keine Bildfeldwölbung).

Soviel aus meiner Praxis.

Viele Grüße,
Gerrit
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
So häng mich an Gerrits wirklich guten Beitrag an mit fogendem alten Werbeslogan

"Während in Villa Trallala noch geputzt wird, sind wir schon wieder beim Feiern"

CS Hans-Peter


Tschuldige Tassilo, konnte es mir nicht verkneifen....
 
Hallo Gerrit,

erstmal vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Die Kollimation ist mir zunächst mal ganz gut gelungen.
Ich werde mir jetzt einen vernünftigen 2" Okularauszug besorgen und deine Tipps berücksichtigen, gerade die Kollimation
mit Webcam und den entsprechenden Programmen und die Verwendung des Grünfilters.
Montierungsseitig gibt es erstaunlicherweise keine Probleme.
Die etwas überarbeitete Astro 5 mit meiner im Forum verbotenen LF-Steuerung hält mir gut ausgerichtet das Bild 1h bei 400x im Okular.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, den Mirror Lock verwenden, dann kollimieren und die weitere Fokussierung
über den zusätzlichen OAZ ausführen und den Hauptspiegel soweit möglich festgesetzt belassen?

Grüße
Jochem
 
Also wenn Ihr von stabiler Justierung spricht, wenn Hauptspiegelfokusierung nicht mehr benutzt wird, dann sprecht ihr ja wohl nur von niedriger Vergößerung, oder ?

Jedes Teleskop das ein Kippen des Spiegels zulässt, egal ob viel oder weniger, verkippt wieder wenn Ihr das Teleskop um 90 oder 180° schwenkt, danach mag die Justage noch ok sein, aber nie im Leben so perfekt wie zuvor bei 400 oder 700 Fach eingestellt.

 
Hallo Markus,

verkippt der Spiegel auch noch, wenn er festgestellt ist?
Ich dachte, der Sinn der Spiegelfeststellung besteht darin, genau das zu verhindern?
Das wäre nun wirklich sch....blöd.

Gruß
Jochem
 
Zitat von MLudes:
Also wenn Ihr von stabiler Justierung spricht, wenn Hauptspiegelfokusierung nicht mehr benutzt wird, dann sprecht ihr ja wohl nur von niedriger Vergößerung, oder ?

Jedes Teleskop das ein Kippen des Spiegels zulässt, egal ob viel oder weniger, verkippt wieder wenn Ihr das Teleskop um 90 oder 180° schwenkt, danach mag die Justage noch ok sein, aber nie im Leben so perfekt wie zuvor bei 400 oder 700 Fach eingestellt.

Markus, einfach nochmal lesen, ob die Formulierung so gewählt wurde: Stabile Justierung und "so perfekt".
Die Frage entstellt jegliche Grundlage, da das was Du hinterfragst zumindest in meiner Anleitung nicht steht.

Gruss
 
Zitat von Jochem:
Hallo Markus,

verkippt der Spiegel auch noch, wenn er festgestellt ist?
Ich dachte, der Sinn der Spiegelfeststellung besteht darin, genau das zu verhindern?
Das wäre nun wirklich sch....blöd.

Gruß
Jochem

Hallo Jochen,

ich hatte es in meiner Anleitung schon angedeutet. Natürlich gehören Schwenks durch die Höhe des Zenit und durch den Meridian genau zu den Extrempunkten in denen eine Verkippung erfolgen kann.
Mit der vorgeschlagenen Methode und etwas Übung in der Kollimation kannst Du die Justage jedoch in 5 Minuten wieder herstellen. Vorteil: Du kannst dir Dein Ergebniss direkt auf dem Laptop anschauen und sehen,ob das Begungsbild zentrisch ist. Bei hohen Vergrößerungen nur feine Justagen machen, sonst haut der STern aus dem Bildfeld ab.
Und noch etwas wichtiges: Für die Justage muß der Stern immer hinreichend genau auf der optischen Achse des Systems liegen. Das Beugungsbild verändert sich abseits der Achse! Verfahre mal Dein ACF im kollimierten Zustand langsam in alle Bildecken und Du wirst sehen, daß das Beugungsbild dezentriert ist.
Also: Immer auf der Achse bleiben.
Und: Übung macht den Meister. Ruhig mal ein bißchen Zeit mehr für diese Sache lassen und es wird zur Routine.

Beste Grüße,
Gerrit
 
Hallo Gerrit,

Ich habe die letzten 2 Tage erstmal mit Auge und Inbus ohne Webcam justiert. Das funktioniert nach ein wenig Übung und Orientierung auch mit gleichzeitiger Beobachtung recht gut.
Habe mich von der groben Justierung bei100x bis 400x am Beugungsbild rangearbeitet. Da sind dannnur noch ganz geringe Korrekturen an den Schrauben erforderlich , um große Effekete ( manchmal zu große) zu erzielen.
Das war dann schon schwieriger zu beurteilen, da die Luft trotz -15C recht unruhig war.
Auf jeden Fall hast du recht , das der defokussierte Stern im Zentrum und am Rand unterschiedlich sind (rel. unabhängig von den verwendeten Okularen).

Noch eine Frage zum Fokussieren:
Welche Drehrichtung ist Richtung innerfokal, welche außerfokal, am Drehknopf.

und:

Kollimierst du mit Zenitspiegel oder direkt am SC-Anschluß?
Und warum?

Danke erst mal.

Gruß
Jochem
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Jochen,

der Fokusknopf bewegt über einen Gewindestift den Fokusarm im Gerät vor und zurück. Es ist ein normales Gewinde. Wenn Du den Fokusknopf

*Mit dem Uhrzeigersinn drehst, dann wird der Abstand Hauptspiegel - Fangspiegel vergrößert (bzw. der Hauptspiegel näher zur Tubusrückseite gebracht). Der Fokuspunkt wander also in Richtung Tubus. Das Okular steht dann extrafokal, wenn Du so über den Fokuspunkt gehst.

* Gegen den Uhrzeigersinn drehst, dann wird der Abstand Hauptspiegel - Fangspiegel verringert, der Fokuspunkt wandert also weiter nach hinten - weg vom Tubus. In diese Richtung wird der Spiegel also entgegen der Schwerkraft bewegt. Das Okular steht dann intrafokal, wenn Du so über den Fokuspunkt gehst.

Ich kollimiere mit OAZ, aber ohne Zenitspiegel. Ich möchte den Fangspiegel so gut es geht zum Hauptspiegel kollimieren. Wenn das stimmt, und es passt dann nicht mehr im Zenitspiegel und das läßt sich sogar reproduzieren, stimmt was mit dem Zenitspiegel nicht. Ich habe aber auch eine relativ hohe Säule und da brauche ich selten einen Zenitspiegel.

Abschließend noch ein Tipp gegen das Tubusseeing. Im Baumarkt gibt es Heizkörperfolie. DAvon würde ich eine Ummantelung für den Tubus fertigen.
Diese Ummantelung hat folgende Vorteile:
1. Der Tubus nimmt nicht soviel Wärme auf
2. Der Temperaturausgleich wird aus dem Tubus raus verlagert
3. Gerade auch bei kälte sorgen Eis und Tau für unterschiedliche Energieniveaus zwischen dem Tubus inneren und der Tubusoberfläche. Läuft quasi auf Punkt 2 hinaus, nur nicht so homogen.

Viele Grüße,
Gerrit
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo,

möchte mich bedanken für die vielen Tipps und Diskussionsbeiträge zum Thema.
Hat mir sehr weitergeholfen und war sehr interessant.

Grüße
Jochem
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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