Schadstoffe in Ferngläsern, Carl Zeiss Jena Deltrintem 8x30, Hensoldt Ferngläser

ottochen

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

ich bin neu hier im Forum (auch wenn ich schon viele Foreneinträge gelesen habe) und möchte gleich mit drei Fragen beginnen (ich hoffe, das ist ok so!?):

1. Es gibt zwei Testberichte von Stiftung Warentest, die auf erhebliche Schadstoffegehalte in Ferngläsern hinweisen. Was denkt ihr dazu?

2. Ich möchte mir gerne ein CZJ 8x30 Deltrintem für Naturbeobachtungen kaufen. Ich bin kein Fernglasexperte und habe mal versucht, mich dazu etwas einzulesen. Wenn ich es richtig erfasst habe, sind die Gläser mit der Seriennummer zwischen 24xxxxx und 37xxxxx (oder so ähnlich) qualitativ die besten. Ist das korrekt? Ich habe auch gelesen, dass die mehrfachvergüteten gar nicht unbedingt besser sind. Kann mir das vielleicht jemand mit einfachen Worten nochmal erklären? Und dann wäre meine Frage noch, ob die Produktqualität bzw. die Materialien beim 8x30 Deltrintem im Laufe der Zeit geändert wurden. Also gab es beispielsweise bei späteren Modellen mehr Plastik? Und welche Unterschiede gibt es zwischen dem Deltrintem und dem Jenoptem?

3. Welche Qualität haben die Hensoldt Ferngläser? Also zum Beispiel das Hensoldt Hellso 8x30 im Vergleich zum Deltrintem?

Ok, das waren jetzt deutlich mehr als drei Fragen, ich würde mich aber trotzdem sehr über Antworten freuen? Viele Grüße und vielen Dank!
 
PS: Gerade habe ich entdeckt, dass es zur ersten Frage praktisch schon einen Eintrag gibt – die muss hier dann nicht mehr diskutiert werden.
 
zuerst mal, willkommen im Forum.

Zu 1
Solange du dein Fernglas nicht isst oder annuckelst oder daran herum leckst, sollte das egal sein

zu 2
keine Ahnung zu dem Glas und erst recht habe ich mich nich nie mit Seriennummern beschäftigt, aber Mehrfachvergütungen kommen auf 0,5-0,2% Restreflexion herunter, während Einfachvergütungen wie MgF2 immernich bei 1,5-2% liegen. Auch wichtig, ob ausdrücklich ALLE Glas-Luft Flächen vergütet sind.

zu 3
kenne ich nicht

Viele Optiker haben auch eine Astro/Vogel/Fernglasecke, da kann man oft sehr viele verschiedene Gläser ausprobieren und auch ausleihen, teils sogar nicht örtlich vorhandene zur Probe in die Filiale bestellen lassen.
Sowas sollte man unbedingt vorher in Anspruch nehmen, denn gerade solche Dinge wie Verzeichnung muss man selber gesehen haben, um zu wissen, was man mag und was nicht.

LG
Olli
 
Hallo Olli, vielen Dank! Aber ich interessiere mich aus verschiedenen Gründen für die oben erwähnten Gläser und die Frage wie es dort mit den Unterschieden bei der Vergütung steht. Da gab es jeweils Vorteile und Nachteile bei den einfach bzw. mehrfach vergüteten – was ich aber bisher nicht so ganz verstanden habe. Daher würde mich interessieren, ob jemand etwas dazu sagen, der diese Fernglasmodelle kennt.
 
Hallo Otto?,

ein Deltrintem 8x30 habe ich seit vielen Jahren. Ich benutze es gerne als Fernglas im Gelände, wenn ich vermute, dass es etwas zu beobachten gibt. Mit der optischen Leistung bin ich voll zufrieden, auch wenn heutige Spitzengläser vielleicht etwas überlegen sind. Schön finde ich die Tasche, die bei Tierbeobachtungen einen schnellen Zugriff ermöglicht und das Glas bei Bedarf zuverlässig schützt. Wie die meisten älteren Gläser hat es harte Augenmuscheln; meine Brillen tragenden Freundinnen müssen da immer vorsichtig sein. Wenn die mit von der Partie sind, nehme ich deshalb lieber ein Fernglas mit umstülpbaren Augenmuscheln mit.

In der Endzeit der DDR hatte Zeiss Schwierigkeiten mit einigen Rohstoffen. Deshalb gab es da Ferngläser, bei denen die Innenschwärzung weniger gut war. Das zeigt sich bei dieser Generation z.B., wenn man den Vollmond knapp außerhalb des Gesichtsfeldes hat.

CS Gerhard
 
Hallo Gerhard, vielen Dank für die Rückmeldung! Genau, das war das Problem mit der Innenschwärzung – jetzt fällt es mir wieder ein. Bedeutet "harte Augenmuscheln", dass die aus Metall sind? Vielen Dank und viele Grüße!
 
Hallo Otto,

die Augenmuscheln bestehen aus "Hartplaste", wie das in der DDR hieß. Die sind abschraubbar, und die gab es früher auch als Ersatzteile. So befestigten viele Selbstbauer ihr Zusatzfernrohr am Fernglas (sie Brandt - Himmelswunder im Feldstecher).

CS Gerhard
 
Interessant ist, dass dieses Bakelit im wesentliche aus zwei Chemikalien hergestellt wird: Phenol und Formaldehyd. Beide sind hochgiftig. Aber das Endprodukt ist so ausgereift gemacht worden, dass es als Endprodukt nicht mehr giftig war
Gegenstände aus Bakelit dampften das Formaldehyd aus, das dem Kunststoff seine Festigkeit verlieh. Bald fand man heraus, dass Formaldehyd krebserregend ist.
Dazu keine Meinung oder Bewertung meinerseits. Einfach nur Links und Inhalte welche ich zum Werkstoff Bakelit gefunden habe und Bezug haben zu deiner Frage.
 
Hallo,

Bakelit war in der Tat einer der ersten "Kunststoffe". Der gehört aber eher in die Zeit bis zum 2. Weltkrieg. Auch in der DDR gab es sicher andere Duroplaste.

CS Gerhard
 
VEB Plaste und Elaste aus Zschopau... Ja, da gab's alles mögliche.

CS Jörg
 
Hallo liebes Forum,
ich habe eine Frage zu Schadstoffen bei Ferngläsern und möchte daher diese Thema aufgreifen. Ich hoffe das ist in Ordnung.
Als Wunschkandidat kommt ein gebrauchtes Zeiss Dekarem 10x50 bzw. Jena in Betracht. Hinsichtlich der Duroplaste mache ich mir keinen Kopf. Ich habe aber Bedenken vor radioaktiver Strahlung bei den beschichteten Gläsern. Oder was muss ich hier beachten?

Kann mir bitte jemand weiterhelfen?

VG
Tomm
 
Hallo Tom,

in der Tat gab es bei Ferngläsern aus der DDR und UdSSR, die auch militärischen Zwecken dienten, spezielle Gläser. Diese sollten verhindern, dass das Glas durch Gamma Strahlung blind wird. Das Bild bekommt durch diese Gläser einen leichten Gelbstich. Dass die Gläser selbst radioaktiv strahlten, ist mir nicht bekannt.
Quellen von radioaktiver Strahlung können evtl. eingeblendete, selbstleuchtende Strichplatten sein. Auch leuchtende Zifferblätter von Uhren aus der passenden Zeit ließen den Geigerzähler knattern.

CS Gerhard
 
Bei Ferngläsern wurden keine thoriumhaltigen Gläser eingesetzt. Das einzige kommerzielle "Optikstück" aus der DDR war das CZJ/Prakticar 1.4/50. Aber es gibt international gesehen einige "radioaktive" Objektive. Ich habe z.B. noch das 2.4/105 für das P67-System hier liegen.
Ich hatte mal meine Objektive in der Firma mit einem Geigerzähler getestet - nahezu Null Ausschlag. Die Linsen haben nur ein Problem - sie werden im Laufe der Jahre in der Dunkelheit gelblich. Deshalb sollte jene Gläser immer mal ein UV-Bad nehmen dürfen - das kann ja nach Position der Thoriumlinse, den Gelbstich wieder zurückbilden. Aber bei der S/W-Fotografie ist der Gelbstich sogar von Vorteil ;)

viele Grüße - Ronald
 
Hallo Ronald, hallo Gerhard, hallo Jochen,
vielen Dank für Eure sehr kompetenten Antworten! Das hilft mir weiter und ich bin nun beruhigt.
Das wäre das Fernglas:

Viele Grüße
Tomm
 

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Hallo Tom,

ein ordentliches Fernglas, mit dem man astronomisch viel Freude haben kann; viel Spaß damit!

CS Gerhard
 
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