Schaer-Refraktor

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Ulli

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Hallo
hat schon mal jemand einen Schaer Refraktor, d.h. einen FH mit gefaltetem Strahlengang gebaut? Gibt es irgendwo Bauanleitungen?
Was haltet Ihr von diesem Teleskopprinzip?

Danke und Gruss
Ulli
 
Hallo!


Ich habe zwar noch nie so einen Schaer live gesehen, finde aber das optische Prinzip äußerst interessant.
Der Teleskoptyp, der dem Schaer am nähesten kommt ist wohl ein Schiefspiegler (Kutter oder Yolo).

Vorteile vom Schaer gegenüber Schiefspiegler:
* geschlossener Tubus, daher weniger Anfälligkeit gegen lokalem Seeing

Nachteile:
* Mehr optische Flächen, vor allem gegenüber dem Yolo. => evtl Justageprobleme und Verschlechterung der Bildqualität
* Bei größeren Öffnungen ab 5" ist Schaer sehr teuer wegen der teuren Planspiegel

Gibt es noch mehr Vor- und Nachteile?


Gruß Harald
 
Der Teleskoptyp, der dem Schaer am nähesten kommt ist wohl ein Schiefspiegler (Kutter oder Yolo).

Hallo,
Ich glaube die Konzepte von Yolo und Schär sind zu unterschiedlich, als daß man die ohne weiteres vergleichen könnte. Beim Yolo ist der zweite Spiegel nicht eben, sondern sphärisch. Da er nicht axial senkrecht im Strahlengang sitzt, verursacht er Astigmatismus, welcher mühsam ausgeglichen werden muß. Beim Schärrefraktor ist das ein Planspiegel, wenn der gut genug ist, dann verursacht er keine Aberrationen.
Ich vergleiche den Schärrefraktor eher mit einem Newton.
Nachteile: Mehr optische Flächen im Strahlengang, chromatische Aberration, wesentlich aufwendigere und teurere Optik.
Vorteile: Bessere Bilddefinition, keine Obstruktion im Strahlengang.
Grüße Martin
 
hallo martin,

die fehlende obstruktion sehe ich nicht als vorteil, denn
ein newton kann problemlos mit so geringer obstruktion gebaut,
daß diese den kontrast nicht mehr sichtbar beeinflußt (obstruktion
unter ca. 15-16%).

der farbfehler des FH mindert den kontrast je nach öffnungsverhältnis
auf jeden fall mehr oder weniger, im idealfall auch nur unmaßgeblich,
aber dazu muß man sich den konkreten fall ansehen.

hauptvorteil des faltrefraktors liegt meiner meinung nach in der
geringeren anfälligkeit für tubusseeing und in der geringeren
auskühlzeit, vor allem dann wenn man auf offene konstruktionen
zurückgreift. bei fixer aufstellung des gerätes geht dieser
vorteil allerdings auch wieder verloren.

rechnet man die kosten und den nutzen für solche geräte gegeneinander
ab, dann kommt man eher zu einem negativen ergebnis.
was hier im vordergrund steht ist daher viel eher die liebe zum
basteln und/oder zu linsenteleskopen generell.

das ist auch der grund, warum sich das gerät im astromarkt nicht
durchgesetzt hat. es ist eben ein spezialdesign für liebhaber.

tom
BINOVIEWER
(Member of Albireo)
 
Hallo Marty!


Ich finde doch, dass man einen Yolo/Kutter mit einem Schaer vergleichen kann. Die optischen Elemente unterscheiden sich zwar recht stark, aber die wichtigsten Kenngrößen von einem Schief und Schaer sind praktisch identisch:

1.) Öffnungsverhältnis sehr klein, also Brennweite sehr groß
2.) Keine Obstruktion
3.) Praktisch farbfehlerfrei bei f/20 bis f/30
4.) Trotz hoher Brennweite relativ kompakte Bauweise

Das sind alles Eigenschaften, die bei der Planetenbeobachtung von Vorteil sind. Ein Newton erfüllt von diesen vier Punkten nur den dritten.

Roth empfiehlt in seinem Buch "Planeten beobachten" daher für die Planetenbeobachtung einen Schiefspiegler oder einen Schaer-Refraktor.


Gruß Harald
 
Hallo Ulli,

ich habe hier ein Buch "Refrator-Selbstbau" von Günter D. Roth. Dort ist eine Bauanleitung für einen 6" f/20 drin, sogar mit genauen Plänen. Das Buch hat die ISBN Nummer 3-87821-134-1 wird aber neu nicht mehr zu bekommen sein.

Solltest Du nirgendwo anders Deine Infos bekommen, so könnte ich Dir das Kapitel kopieren und als PDF zusenden.

Unterschätze nicht die Kosten für die Planspiegel, der Erste zumindest ist recht groß und damit teuer.

Objektive gibt es ja zum Beispiel bei APM von TMB recht günstig.

Kritisch dürfte die Verbindung der beiden Tubusteile sein und die genaue Form der beiden Einschnitte um den Lichtkegel nicht zu vignettieren. Ansonsten sieht es recht einfach aus.

Gruß
Martin
 
Hallo Marty!


Ich finde doch, dass man einen Yolo/Kutter mit einem Schaer vergleichen kann. Die optischen Elemente unterscheiden sich zwar recht stark, aber die wichtigsten Kenngrößen von einem Schief und Schaer sind praktisch identisch:

1.) Öffnungsverhältnis sehr klein, also Brennweite sehr groß
2.) Keine Obstruktion
3.) Praktisch farbfehlerfrei bei f/20 bis f/30
4.) Trotz hoher Brennweite relativ kompakte Bauweise

Das sind alles Eigenschaften, die bei der Planetenbeobachtung von Vorteil sind.

@Harald:
Dann solltest du auch den Schmidt-Newton mit in Betracht ziehen. Der ist zwar ganz anders aufgebaut und hat völlig andere Probleme,ist aber als Planetenrohr bestens geeignet. M.E. ist er sowohl dem Yolo als auch dem Fraunhofer / Schaer vorzuziehen. Du kannst ein Standarddesign mit 10 Zoll Öffnung nehmen und hast praktisch in allen Punkten Vorteile.
Die vorhandene Obstruktion macht sich praktisch nicht negativ bemerkbar und preisgünstiger ist er auch. Ein Yolo mit 10 Zoll ist auch nicht mehr wirklich kompakt.


@tom:
Sehe ich durchaus ähnlich wie Du. Ich leide absolut nicht unter Obstruktionsphobie. Die mangelhafte Abbildungsleistung von Newtons wird häufig auf die Obstruktion geschoben, dabei spielen die Qualität der Optik, der Kollimationszustand und das Tubusseeing eine viel größere Rolle.
Ich baue praktisch ausschließlich Newtons. Das hat aber mehr mit der Einfachheit des Designs zu tun, mit der Beschränkung auf eine Fläche. (Man stelle sich einen transportablen 18" Schärrefraktor mit 60kg Gewicht incl. Montierung vor???)
Man könnte natürlich auch beim Newton die Öffnung mit einer Planplatte versehen und hätte noch lange nicht die Kosten und Probleme eines Schärs. Wenn's ums Seeing geht, dann schlage ich hier noch mal den Schmidt- Newton vor.
Grüße Martin

 
oder statt dem schmidt-newton einen maksutov-newton nehmen.
der hat den vorteil, daß der meniskus einfach zu fertigen ist
und daher auch sehr glatt ist und die gewölbte fläche ist
weniger anfällig für reflexionen. außerdem wird er bis 7" öffnung
in serie hergestellt, was den preis enorm drückt.

nachteil: schwerer und nur bis etwa 12" wirklich unkritisch
was das temperaturverhalten des meniskus betrifft.

interessant wäre mal so ein 12" visueller schmidt-newton.
die herstellung einer 12" schmidt-platte dürfte aber für den
amateur nicht einfach sein und als auftragsarbeit wird das
ganz schön teuer werden.

tom
BINOVIEWER
(Member of Albireo)
 
Hallo Ulli,

hier gab es das interessante Thema schon einmal ausführlich,
viel Spaß beim lesen.

MfG,Karsten
 
hallo Ulli,

und der ist auch interessant.
Das November-Heft - 2000 von STuW


Langbrennweitig aber kurz – der Spiegel-Refraktor. S. 978

Ein Spiegel-Refraktor als Alternative zum Apochromaten. Durch besondere Anortnung des Speigels zum Objektiv und zum Umlenkspiegel (Newtontyp) aber Obtruktionsfrei wird der Farbfehler noch weiter korrigiert.
von Ernie Pfannenschmidt

Gruß Günter
 
Hallo Ulli,
ich habe mir vor 20 Jahren einen Schaer-Refraktor gebaut und viele schöne Beobachtungen damit gemacht.
Der große Vorteile ist eine kleine Baulänge bei langer Brennweite, der Nachteil der zusätzliche "Wirkungsgradverlust" durch die Spiegel.
Mehr dazu auf meiner Homepage unter => Teleskop. Für weitere Fragen bin ich immer offen.
Viele Grüße
Hubert
Privatsternwarte Boker Heide

Link zur Grafik: http://www.privatsternwarte.net/offstwk.jpg
 
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