Schatten in der Mittagssonne

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blue_scape

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Hallo,

in der Nacht zu Freitag (12. Mai) habe ich mich mal wieder etwas intensiver mit dem Mond beschäftigt, da sich mittlerweile die beiden hellen Teile von Schwassmann-Wachmann 3 im Schwan befanden und dieser zu tief im Osten stand. Schon im März wandte ich mich interessiert dem Mond 48 Stunden vor Vollmond bzw. vor der Halbschattenfinsternis zu ("Ein herrlicher Fastvollmond"), und diesmal waren es nur noch rund 34 Stunden. Nur in 2,1% der weißen Mondscheibe war noch Nacht. Schlag 10 ging's raus und ich beobachtete Luna anderthalb Stunden lang. Es war die zweite Nacht für meinen Galaxy D8.

Ein Überblick

Zuerst verschaffte ich mir mit 30 und 32mm Okularen einen Überblick. Ganz leicht machte sich hier schon die Luftunruhe bemerkbar, z.B. bewegte sich ein paar Mal der Mond kaum wahrnehmbar wie eine Fahne im Wind.

Der Anblick war altbekannt: Die helle Mondoberfläche war übersät von weißen, punktartigen Kratern und auf den dunkleren Böden der Maria zeigten sich ausgedehnte und helle Strukturen, wie etwa das Gebiet um Montes Recti und Montes Teneriffe, welches wie Treibholz an den nördlichen Ufern des Mare Imbrium (Regenmeer) wirkte. Nebenbei waren auch wieder weiße, runde Kraterringe mit ihren Zentralbergen zu sehen, von denen Godin sofort ins Auge stach. Ein anderer kreideweißer Krater fiel mir deshalb auf, da sich eine helle Fläche in seinem Innern befand und zwar nicht in der Mitte, sondern nah am Rand. Ich tippe auf den Krater Sheepshanks.

Bei dieser niedrigen Vergrößerung war bereits eine Aufhellung in der südwestlichen Ecke von Plato sichtbar, später bemerkte ich noch erstmalig Anaxagoras' Strahlen. Anaxagoras ist ein 51 Kilometer großer Strahlenkrater bei 73,4° nördlicher Breite. Ob der Terminator die Wallebene Eddington oder doch schon die Struve/Russell-Region durchzog, kann ich im Nachhinein nicht mit Bestimmtheit sagen.

Bailly und Umgebung / Schatten am Südpol I

Mit Erhöhung der Vergrößerung wurde die Beeinträchtigung durch das Seeing deutlicher, dennoch ging ich immerhin bis zu 6mm (200-fache Vergrößerung) und es ließen sich noch einige Strukturen gut erkennen. Mein Hauptanliegen war wieder die Suche nach schattigen Plätzchen zur Mittagszeit. Wo wurde es zum fast vollen Mond nicht mehr hell?

Besonders sehenswert war der Blick auf Bailly. Das Spiel aus Licht und Schatten war hier eindrucksvoll am Werk. Der beginnende Mondtag formte hier eine fast vollständig geschlossene, dunkle Ellipse um die Wallebene. Wie ein dünner schwarzer Faden wand sich der Schatten fast einmal komplett um Baillys Umfang. Auch zwischendrin war der Schatten an einigen Stellen unterbrochen, was mich an Baillys Perlenschnur bei einer totalen Sonnenfinsternis erinnerte - nur jetzt ins Gegenteil verkehrt. Weitere gut erkennbare Schatten bildeten kleinere Strukturen, wie kleine Krater oder andere Erhebungen, auf dem Boden der 303 Kilometer großen Wallebene, schmale Schatten waren auch in Bailly A und B zu erkennen.

Durch die Seitenansicht und das beeindruckende Schattenspiel erhielt man einen wunderbaren plastischen Eindruck von Bailly. So auch direkt am Mondrand der Südpolregion, wo sich neben der "welligen" Gestalt des Randes auch regelrecht Berge abzeichneten. Dies waren bestimmt Kämme von Kraterwällen, nur ließen sie sich mit dem Rükl nicht zuordnen.

Von Bailly aus fand ich in nördlicher Richtung die Dreiergruppe Zucchius, Bettinus und Kircher. Sie fielen ebenso nur durch ihre schattenwerfenden Nordhänge auf. Jedoch konnte bei ihnen noch einigermaßen die Gesamtform der einzelnen Krater erkannt werden, was beim östlich gelegenen Wilson überhaupt nicht mehr möglich war. Von den bekannteren war Schiller gut zu erkennen, von Clavius war meines Erachtens nur die Kette größerer Krater auf seinem Boden sichtbar.

Bei Moretus / Schatten am Südpol II

Weiter ging es in Richtung Osten. Der nächste auffallende Schattenwurf zeichnete die Trennung von Klaproth und Casatus nach, auch in der Umgebung fanden sich noch schattige Plätzchen. Genauer gesagt zog sich der lange dunkle Schatten an Casatus' Nordhang entlang. In der Nähe eines kleinen schneeweißen Flecks fand ich zwischen 75° und 80° südlicher Breite eine weitere interessante Gegend. Das "Craterhopping" mit dem Mondatlas war hier schwerer, doch beim hellen Fleck wird es sich um die zentrale Erhebung von Moretus gehandelt haben. Durch hellgraue Strukturen waren die drei großen Short-Krater auf der sehr hellen Mondoberfläche auszumachen. Waren dies aber noch Schatten? Ich nehme es an, denn weitere dunkle Streifen waren noch irgendwo weiter östlich zu sehen, jenseits des Nullmeridians.

Die Identifizierung eines grauen Halbkreises war noch schwieriger und nahm schon einiges an Zeit in Anspruch. Soweit es das Seeing zuließ, bestand für mich dieser halbe Kreis aus einer Anordnung von einigen Punkten bzw. kleinen Flecken. Diese interessante Oberflächenformation muss eindeutig zu Newton gehören, nur weiß ich nicht, ob dies nun Schatten von seinen Kraterrändern waren oder nicht. Die wahrgenommene Farbe ging ins Dunkelgrau hinein.

Und so schnell gingen wieder 90 Minuten rum ...

Von der wabernden Luft abgesehen, war es auf alle Fälle wieder eine aufregende Entdeckungstour auf unserem Trabanten, kurz vor dem Maivollmond, dem "Milk Moon".

CS
Gruß - Nico
 
Hallo,

zu meiner Beobachtung möchte ich noch etwas ergänzen.

In der genannten Nacht war bei geringer Vergrößerung nicht nur wieder der Kleinstkrater mittig auf Platos Grund und eine (dreieckige?) Aufhellung im südwestlichen Quadranten sichtbar, sondern einen weiteren kleinen Krater konnte ich auf dem dunklen Boden entdecken. Dieser befand sich zwischen Erstgenanntem und nördlichem Kraterrand.

Später fand ich noch eine weiteres Detail. Ich hatte die Lage genau im Kopf, nur auf Karten und Fotos war dort nichts zu sehen. Die weiße Punktquelle bildete die Spitze der hellen Region im südwestlichen Viertel von Plato. Daher gehe ich mal von einem punktförmigen Helligkeitsunterschied in der hellen Region aus.

Gruß - Nico
 
Hallo Nico,
da wird man ganz schön mondsüchtig !! Nur ein wiiiinziges Detail muss ich anmerken: Bailly hat nix mit dem Perlschnureffekt, Baily's Beads, zu tun. Monsieur Bailly war der erste Bürgermeister von Paris, amateurastronomisch tätig und verlor seinen Kopf in den Revolutionswirren. Ein Engländer namens Baily - also mit einem "l" - war derjenige, der bei der Sonnenfinsternis am 15. Mai 1836 das nach ihm benannte Phänomen beschrieben hat.
Im Rükl Mondatlas ist das tatsächlich auch falsch dargestellt : Sowohl bei Bailly, Karte 71, als auch Baily, Karte 6, steht praktisch der gleich Text. Ist aber auch verwirrend so eine Namens(fast)gleichheit. Vielleicht hat Herr Rükl zu lange in der Mondmittagssonne gesessen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/cool.gif" alt="" />...

Gruß Walter
 
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