scheinbares und reales Gesichtsfeld Ferngläser

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hanz

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Hallo,

hierüber hat sich im thread "Olympus 8x42" vor einigen Tagen eine intensive Diskussion angesponnen, die ich lieber in einem eigenen thread weiterführen will, da das Thema (das sicher viele hier interessiert) sonst einfach verloren geht. Hier noch der link:
http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/showflat.php/Cat/0/Number/347514/an/0/page/0#347514

Ausgangssituation: bei allen mir bekannten Fernglasdatenblättern wird das scheinbare Gesichtsfeld (oder ist Sehfeld inzwischen der offizielle Ausdruck? auf englisch halt "field of view") so angegeben, wie es sich durch die Multiplikation "Vergrößerung x reales Gesichtsfeld in Grad" ergibt. (Holger: ich habe jetzt nochmal alles durchgeguckt, was ich so auf dem Rechner hatte, ist selbst bei Leica so üblich (wenn die überhaupt eine Angabe machen, was sie zum Beispiel in den Prospekten für das 12x50 und das 10x32 Trinovid tun).
Da viele Ferngläser mit einer Verzerrung zur Korrektur des "Globuseffekts" konstruiert sind (s. threads vor so ca 1/2 Jahr hier, höhere Vergrößerung am Rand als in der Mitte ergibt kissenförmige Verzerrung), ergibt sich eine Situation ähnlich wie bei den Telekop-Weitwinkelokularen, allerdings eher umgekehrt: während die Teleskop-Okulare mit ihren großen scheinbaren Gesichtsfeldern bis >90° beworben werden und dort dann das reale Gesichtsfeld oft viel kleiner ist als sich aus der Formel "reales Gesichtsfeld = scheinbares Gesichtsfeld / Vergrößerung" ergibt, sind bei den Ferngläsern wohl die verläßlichen Angaben eher die realen Gesichtsfelder, die üblicherweise in m/100m angegeben werden und sich über den arctan in ° umrechnen lassen.
Holger Merlitz hat hierzu verschiedene Formeln für verschiedene Korrekturen (Verzerrungen) von orthoskopisch (unverzerrt) bis ziemlich stark korrigiert im oben erwähnten Olympus-thread vorgegeben, die allerdings dann nicht zu dem passen, was die Hersteller (lineare Formel)für ihre Gläser angeben.
Was wirklich stimmt, kann man (wie Frank Schäfer schon ausgeführt hat) einfach durch Anpeilen z.B. eines großen Kreises aus verschiedenen Entfernungen selbst ermitteln (ein Auge peilt durchs Fernglas und das andere direkt), damit läßt sich der Sehwinkel, unter dem der Gesichtsfeldrand im Okular erscheint, ganz gut näherungsweise bestimmen, wenn man sich die Projektion des Sehfeldes auf den Hintergrund merkt und durch Peilen über ein Geodreieck den Winkel zwischen diesen Punkten bestimmt.

Erstaunlicherweise habe ich dabei eigentlich nur die Werte der Hersteller bestätigt gefunden. Stimmt also das reale Gesichtsfeld nicht? Auch das läßt sich (noch leichter) ermitteln, indem man aus 100m senkrecht z.B einen Strassenrand anpeilt und die Markierungen nachmißt.

Ich fand dabei bisher seltsamerweise keine Fehler in den Herstellerangaben.

Holger, Frank und ihr anderen draußen: habt ihr das auch schon gemacht und wie erklärt ihr euch das? der Einfluß der Verzeichnung müßte deutlich größer sein, und wenn die realen Gesichtsfelder stimmen, müßten dann die scheinbaren wegen der Verzerrung größer sein, als die lineare Formel vorhersagt! Kann mir das eigentlich nur so erklären, daß ich bisher keine stark verzeichnenden Gläser habe, da ich die nicht mag.

Gruß

PS: gerade ist mir noch eigefallen, daß ja die angegebene Vergrößerung "gemittelt" sein könnte, dann würde alles wieder stimmen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: scheinbares und reales Gesichtsfeld Ferngläse

>>>>der Einfluß der Verzeichnung müßte deutlich größer sein, und wenn die realen Gesichtsfelder stimmen, müßten dann die scheinbaren wegen der Verzerrung größer sein, als die lineare Formel vorhersagt!

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Hallo Hanz,

Du verwechselst das noch immer: Die lineare Formel (Winkelbedingung) gilt bei "maximaler" kissenfoermiger Verzeichnung und liefert das maximale scheinbare Sehfeld. Sieh Dir die Rechenbeispiele noch einmal an! Die Fernglaeser der meisten Hersteller haben weniger Verzeichnung als durch die Winkelbedingung vorgegeben, und daher ein kleineres Sehfeld. Also: Mit Verzeichnung stimmt die Winkelbedingung (Leica-Fall), ohne Verzeichnung ueberschaetzt sie das scheinbare Sehfeld.

Ich habe scheinbare Sehfelder nie gemessen. Aber ich hatte den subjektiven Eindruck, dass die Sehfelder des Nikon SE oder Fujinon FMTR-SX etwas kleiner wirken als "normal". Ich erinnere mich auch an den Test "3 10x50 Fernglaeser der Oberklasse", als wir u.a. das Leica Ultravid dabei hatten. Dessen Sehfeld erschien mir subjektiv recht gross, am Stern habe ich aber festgestellt, dass das reale Sehfeld korrekt war. Damals hielt ich diesen Effekt fuer eine Taeuschung, erzeugt durch einen besonders guten Einblick (wg. der verstellbaren Okularmuscheln), aber jetzt glaube ich, dass es an der staerkeren Verzeichnung liegen koennte. Das Leica war vielleicht das einzige unter den Kandidaten, bei dem die Winkelbedingung wirklich anwendbar war.

Der beobachtbare Effekt ist uebrigens nicht so gross: Die meisten Fernglaeser sind nach der Kreisbedingung korrigiert. Von dort ist es kein weiter Weg mehr zur Winkelbedingung, und man muss schon genau hinsehen, um ein paar Grade mehr oder weniger in einem scheinbaren Sehfeld zu entdecken.

Gruss,
Holger
 
Um das "wirkliche" Feld zu bekommen, musst Du bei
jedem Fernglas selber ausmessen. Da machen die
Hersteller teilweise abenteuerliche Angaben.

Die Methoden sind ja bekannt, und ich habe teilweise
bis 10% Abweichung festgestellt.

Aber letztendlich ist es mir auch völlig egal.
Entweder "guckt" es sich gut oder nicht. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />

Beste Grüße
Dirk
 
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