Schiefspiegler / Photonewton

soundfan

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Ich hätte mal eine Frage an die Spiegel- und Optikexperten hier:

Ist es möglich, einen Newton Hauptspiegel (12"/f5) durch Schrägstellen (~3-4°) direkt auf eine Kamera auszurichten, die unmittelbar neben der Öffnung angeordnet ist? Also quasi wie in diesem Bild:

1737974706495.png


Ziel ist offensichtlich, die Obstruktion und Beugungseffekte des klassischen Newton zu eliminieren.
Mit welchen Abbildungsfehlern müsste ich rechnen? Astigmatismus und Koma wären die typischen Fehler bei Schiefspieglern, sagt Wiki. Kann ein typischer Komakorrektor auch die Koma einer solchen Anordnung korrigieren?
Oder ist die Idee generell zum Scheitern verurteilt?

Ich freue mich auf jegliche Reaktion, Vorschläge oder Verweise auf ähnliche Versuche.
 
Hallo Mike,

möglich wäre so etwas nur bei sehr langsamen HS und bei Inkaufnahme von Asti und Koma auf der Achse.
Es würde sich dann um ein Herschelteleskop handeln.
Nicht verwechseln mit dem gleichnamigen Weltraumteleskop, es geht um die Bauform die Herschel zu Lebzeiten verwendet hatte.
Das hatte damals auch nur Sinn gemacht weil die damaligen Metallspiegel ein sehr schlechtes Reflexionsvermögen hatten so das es ein beachtlicher Helligkeitsgewinn war einen 2. Spiegel also den FS des Newton zu vermeiden.

Bei F5 ist so etwas aber ohne Korrektur ausgeschlossen, die Fehler wären so extrem das ohne Korrektur keine brauchbare Abbildung zustande käme.

Es gibt 2 Möglichkeiten der Korrektur.

Möglichkeit 1 ist ein off Axis Segment einer Parabel für den HS.
Das Ganze ist dann so als wenn man einen viel größeren Newton off Axis abblendet.



So etwas gab es als CLNAT auch schon mal zu kaufen.


Möglichkeit 2 ist ein Korrektor aus 2 schräg stehenden Linsen.
Das wäre dann der „CHief“ nach Ed Jones.


Wobei hier F5 für beide Varianten auch schon sehr grenzwertig sind.
Sinnvoller wären spürbar langsamere Optiken.

Mit einem Komakorrektor kann man hier nicht arbeiten.
Dieser benötigt eine Fehlerfreie Achse und korrigiert Koma nur symmetrisch abseits der Achse.

Grüße Gerd
 
Ziel ist offensichtlich, die Obstruktion und Beugungseffekte des klassischen Newton zu eliminieren.

Bei den TCT stellt sich mir immer die Frage, was man durch den Aufwand wirklich gewinnt?

Manche TCT bringen Konstruktionsbedingt "nur" Beugungsbegrenzt auf der Achse.
Und wie bei jedem Teleskop spielen auch hier Justage und optische Qualität die entscheidende Rolle, so dass letztlich Kontrastübertragung und Auflösung im obstruierten System in der Praxis besser sein können als im unobstruierten System.

Mit 12" f/5 kommt man durch entsprechende Bauweise locker unter 20%.
Und die Spikes bekommt man mit bestimmten Masken oder Fangspiegelstreben weg, sofern als störend empfunden?

Für die Fotografie spielt meiner Meinung nach Obstruktion so oder so eine eher untergeordnete Rolle.

Daher frage ich mich warum willst du keine Obstruktion?
Oder was erhoffst du dir von einem evtl. umständlichen TCT?
LG
 
@Gerd_Duering : Vielen Dank für deine ausführliche Antwort und die Mühe mit den ganzen Links! Ich habe jetzt mal einiges davon quergelesen und verstehe die Problematik hinter der Idee zumindest ansatzweise.
Der Chief ist aber auf jeden Fall ein interessanter Ansatz, den ich mal genauer studieren werde. Das Wetter verleitet ja gerade dazu, sich da tiefer einzuarbeiten... :sick:
 
Daher frage ich mich warum willst du keine Obstruktion?
Oder was erhoffst du dir von einem evtl. umständlichen TCT?

Hallo,

die Idee hat einen ganz profanen Ursprung: Ich bin stolzer Besitzer eines ES 12" "Ultra Light" Dobson, der aufgrund Interessenverlagerung zur Astrofotografie im Keller einstaubt. Meine Montierung ist eine iOptron CEM70 auf fester Säule mit (visuell) 32kg Tragkraft. Fotografisch möchte ich nicht über die 20kg hinaus und da wird die Luft für 12 Zöller sehr dünn. Aktuell verwende ich einen 10"/f4 Newton und einen 10"/f8 RC, beide knapp bei 17kg voll aufgerüstet. Damit hat die Montierung keinerlei Probleme.

Die "Halt mal mein Bier" Idee war, den HS aus dem Dobson samt Spiegelhalter auf einen ausreichend stabilen Halter zu verpflanzen und die Kamera im passenden Winkel an einem seitlichen Träger zu montieren. Eventuell mit konventionellem OAZ zur Fokussierung, oder mit anderer DIY Methode. Eine einfache Taukappe um den Spiegel herum zur Abschattung und damit ein System um/unter 20kg zu erreichen, das meine Montierung tragen kann. Wenn dabei noch der Fangspiegel prinzipbedingt entfallen kann, hätte ich zudem weniger/keine Obstruktion und keine Spikes (wobei ich die Spikes sowohl beim Newton als auch beim RC sehr gerne mag. Bei meinem Apo fehlt mir da immer was...).
Wie gesagt, war nur eine "Schnapsidee" ;)
 
Hallo Mike,
vielleicht wäre der "Einarm-Newton" ein Lösung?
Da könntest du anstatt Fangspiegel, die Kamera direkt in den Strahlengang einsetzen?

Hier ein paar Ideen:



LG
 
Manche TCT bringen Konstruktionsbedingt "nur" Beugungsbegrenzt auf der Achse.

Na na übertreiben muss man jetzt nicht.
Ein Design das gerade mal Beugungsbegrenzt ist macht doch keiner.
Die einfachen Kutter mit einfachen Sphären haben je nach Auslegung so Strehl 0,9 bis 0,95 wegen geringfügiger Restkoma.
Und das ist schon das „schlechteste“ was so realisiert wird.
Man geht diesen Kompromiss auch nur weil man hier mit einfachen Sphären und ohne Korrekturlinsen auskommt.

Ein Kutter mit Keillinse liegt bei etwa Strehl 0,97 und mit einem 2 Linsingen Korrektor nach Jones bei 0,999.
Ein Yolo liegt bei Strehl 0,999 und das bei vergleichsweise schnellen F12.

Natürlich ist das alles auslegungsabhängig und wer es drauf anlegt der schafft es auch mit entsprechend ungünstiger Auslegung den Strehl in den Keller zu schiecken aber so etwas macht ja kein vernünftiger Mensch.
Da kann man genauso gut einen großen Newton mit F4 und Kugelspiegel betrachten und behaupten Newton seinen sehr schlechte Teleskope.

Grüße Gerd
 
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