Schlechte Beobachtungsnacht trotz 6,2Mag-Himmel

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mizar

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Hallo miteinander,

gerade komme ich von meinen Beobachtungen zurück und bin jetzt im Nachhinein von dieser Spechtelnacht etwas enttäuscht. Anhand der Sterne im und um den Kleinen Wagen konnte ich bis zuletzt eine Grenzgrösse von mindestens 6,2 mit dem blossen Auge ausmachen - das müssten eigentlich recht gute Beobachtungsvoraussetzungen sein (Landhimmel, keine Strassenlampen).
Jedoch war die Hintergrundhelligkei viel zu hoch - bei Galaxien und Nebeln waren nur andeutungsweise Schemen zu erkennen. Den Eulennebel habe ich zum ersten Mal gar nicht auffinden können, obwohl er recht hoch steht.
Gestern nacht hingegen stand er toll im Blickfeld.
Wie kommt es, dass bei einem Himmel mit mag 6,2 die diffusen Objekte so schlecht zu sehen sind, und selbst bei Jupiter und Saturn leichte Nebligkeit den Gesamteindruck stört, 6,2 mag-Sterne hingegen mit dem freien Auge gesehen werden können?? Die Spiegel und Okulare waren sauber und frei von Tau, die Optik gut justiert und meine Dunkeladaption nach ca. 2 Stunden sollte auch okay sein. Das Seeing war auch nicht von schlechten Eltern (sehr wenig "Getanze" Intrafokal + Extrafokal).

Clear skies
Mizar
 
Hallo mizar,

eine ähnliche Situation habe ich mal beim Spechteln in den Alpen erlebt. Für's freie Auge beeindruckend, aber im Scope kaum was los. Wir haben uns das mit einem sehr feinen Wolkenschleier erklärt -> teleskopische Grenzgröße kaum besser als freisichtige Grenzgröße. Punktförmige Sterne setzen sich da noch eher durch als flächenhafte Objekte.

Clear skies (diesmal wirklich!),
Tom
 
Hallo,
Du solltest wirklich dich nicht allzusehr von den ganzen "Großbeobachtern" beeinflussen lassen: Ein 6,2er Himmel taugt nicht mehr oder weniger zum Beobachten als ein 4,5erHimmel.
Natürlich siehste bei guten Bedingungen in Gegenden mit 6,2mag "mehr" als mitten in Köln.
aber: die FREUDE am Gesehenem, mal deutlicher-mal undeutlicher- ist das Wichtigste.
Ich halte -je älter ich werde- immer WENIGER vom rein technokratischen Zugang zu einer Himmelsbeobachtung.
Es ist ein absoluter Irrglaube zu denken, nur der derjenige, der diese lachhaften 40km einfache Fahrt zu einem Beobachtungsplatz in Kauf nimmt, sehe wirklich entscheidend mehr als einer, der mitten in Köln, oder aber bei schlechteren Bedingungen beobachtet. Das ist alles Technokratie. Wer dran glaubt, soll seelig werden.
Komme ich heim von des Tages Mühsal, ist mir wurscht, ob ich einen 6,2er Himmel oder einen 1,5er Himmel habe, denn: Wenn ich dann durch mein Scope geguckt habe und diese schönen Dinge am Himmel gesehen,ob deutlicher oder undeulicher ist ZWEITRANGIG! ist mir wohl, und gehe froh zu Bett.
Was will man mehr?
Abr ok; bin halt kein "ernsthafter" Amateurastronom mit Zeichenblock,Diktaphon, Publikationsmanie.

Man sehe es mir nach.

<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Klarinetto

 
Re: Schlechte Beobachtungsnacht trotz 6,2Mag-Himme

>Hallo,
>Du solltest wirklich dich nicht allzusehr von den ganzen >"Großbeobachtern" beeinflussen lassen: Ein 6,2er Himmel >taugt nicht mehr oder weniger zum Beobachten als ein >4,5erHimmel.

Das kommt darauf an was man beobachten möchte. Was soll in diesem Zusammenhang ein "Großbeobachter" sein?

>Natürlich siehste bei guten Bedingungen in Gegenden mit >6,2mag "mehr" als mitten in Köln.

Ja was denn nun?


>aber: die FREUDE am Gesehenem, mal deutlicher-mal >undeutlicher- ist das Wichtigste.

Zustimmung!


>Es ist ein absoluter Irrglaube zu denken, nur der >derjenige, der diese lachhaften 40km einfache Fahrt zu >einem Beobachtungsplatz in Kauf nimmt, sehe wirklich >entscheidend mehr als einer, der mitten in Köln, oder aber >bei schlechteren Bedingungen beobachtet. Das ist alles >Technokratie.

Hä? Was hat das mit Technokratie zu tun?
Außerdem stimmt der Rest auch nur bedingt. Wenn ich einen Funzelquasar beobachten will, dann geht unter einem Stadthimmel da nichts, außer ich setzte viel Technik und Großteleskope ein und selbst dann wird es schwierig. Wer definiert in diesem Zusammenhang was "entscheidend" ist? Du allein für alle Welt? Etwas bescheidener sollte es vielleicht "für mich entscheidend" heißen.



>Man sehe es mir nach.

Wenn du sagen willst, dass alle Hobbysterngucker, die nicht unter einem Großstadthimmel beobachten möchten, Technokraten sind, dann sehe ich das dir nicht nach. Für mich ist das dann eine Unverschämtheit.

Zum Ausgangsthema: Solche Nächte hat wohl schon jeder Sternfreund mal erlebt. Ich habe auch oft den Verdacht, dass da Cirruswolken und/oder eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit im Spiel sind. Gerade in den letzten Tagen waren hier viele Cirren am Himmel. Auch die persönliche Verfassung spielt sicher eine Rolle. Ist man müde, psychisch angeschlagen oder hat man sehr lange am Bildschirm gearbeitet, dann geht oft einfach nichts. Dann ist es oft besser zusammenzupacken, ein schönes Buch zu lesen und sich auf das nächste Mal zu freuen, als immer mehr Frust anzusammeln.
Gruß Florian
 
Schon wieder ein Glaubenskrieg?

Hallo Klarinetto,

ich glaube ja fast, du bist inzwischen von einem Dogma befallen. Nach dem Start als Händler müssen dir tierisch viele Leute total auf den Senkel gegangen sein. Es sei mal gesagt, dass mir das sehr leidtut für mich! Da musst du doch deinen Frust nun nicht in eine totale Abwehrhaltung einbringen?!

Aber nun eine Ablehnungshaltung gegen jeden zu entwickeln, der eine altbekannte Erfahrungstatsache ausspricht, ist ein wenig an den Haaren herbeigezogen: dass man bei dunkelm Himmel mehr sieht als in der Nähe der Stadt ist doch nichts, was man ernsthaft bestreiten müsste.

Wie du schon sagst kommt es nicht auf das letzte Zehntel Grenzgröße an, aber mir macht es eine riesige Freude, wenn ich mal statt der gewohnten Matschfleckchen spannende oder ästhetisch schöne Details in Objekten wie dem Cirrusnebel oder M17 sehen kann. Auf dem 2003er ITT (Emberger Alm) hatte es einen wahnsinnig dunklen Himmel und plötzlich wurde aus unserem alten, im Köln-Bonner Umfeld recht langweiligen Bekannten eine Sensation: ein Andromedanebel, wie ich ihn nie zuvor gesehen hatte. In keinem großen oder kleinen anderen Fernrohr! Mit Sternwolken in den Spiralarmen, leuchtenden HII-Wölkchen und sogar einzelnen Kugelsternhaufen. Kein Matschfleck sondern eine ganz echte Galaxie zum Anfassen! Keineswegs mit einem Hyperultramonsterbinokulardobson auf einer acht Meterfuffzich hohen Leiter sondern mit meinem bodenständigen 14,5"er. Auch in NGC 6946 klar erkennbare Spiralarme und ein Cirrusnebel zum Heulen schön.

Um alles das bringst du dich, wenn du in der Stadt bleibst. Du kannst darauf gerne aus ideologischen Gründen verzichten, aber ich schreibe diesen Beitrag, damit nun keine Einsteiger denken, die Sache mit dem dunklen Himmel sei völlig an den Haaren herbeigezogen. Wir freuen uns alle über deine selbstauferlegte Bescheidenheit - hätte ich nie mehr als die Matschfleckchen unter Vorstadthimmel gesehen, dann würde ich mich wahrscheinlich längst nicht mehr um Deep Sky kümmern. Deine Haltung ist für mich nur durch eines erklärbar: du hast einfach noch nie unter passablem Himmel mit einem ordentlichen Fernrohr beobachtet.

Bevor ich die "Großbeobachter" der Szene mal persönlich kennengelernt habe, hatte ich eine ganze Menge Vorurteile: ein elitärer Kreis von Technokraten - genau so wie du es siehst. Dann beschloss ich, zur damals noch ganz technokratisch betitelten Deep Sky Tagung zu fahren. Dort waren die ganzen Freaks. Alle total liebe Menschen, sehr humorvoll, haben viele nette Stories erzählt und wir konnten uns über schöne Beobachtungserlebnisse austauschen. Sie benutzen Technik (aber das tut jeder, wenn er nicht ausschließlich mit freiem Auge an den Himmel blickt), sehen sie aber mehrheitlich als Mittel zum Zweck. Auch die ganz harten Jungs beobachten letztlich zum Spaß. Was ist daran verkehrt, mal etwas Ehrgeiz zu entwickeln? Oder bist du einer von denen, die in der Schule immer "Streber, Streber!" gerufen haben?

Es gibt so viele Möglichkeiten, an der Astronomie Freude zu haben. Du solltest aber nicht deinen anspruchslosen Ansatz zum einzig Wahren hochjubeln und jeden veräppeln, der wegen dunklem Himmel rausfährt. Wenn du mir versprichst, dass du dich nicht dauernd über meine technokratische Beobachterei unter Landhimmel und mit meiner Lieblingssoftware auf dem Notebook lustig machst (und mir damit den Spaß verdirbst), dann bist du gerne mal eingeladen zum gemeinsamen Spechteln. Lass' uns mal durch den Virgohaufen surfen oder den Cirrusnebel aufdröseln - das wird sicher auch dir Spaß machen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> Also: das Angebot steht!

Ach ja, hab' ich dich doch noch erwischt: du hast erwähnt, dass du gerne mit GOTO den Vollmond anfährst. Soviel Technik (GOTO) ist bei mir noch nicht im Spiel <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Alle "ernsthaften" Sternfreunde sind auch mir ein Graus, aber was man als "ernsthaft" betrachtet (oder verachtet <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ) ändert sich vielleicht im Lauf der Zeit. Bin ich schon ernsthaft, wenn ich mich freue, auch mal was Spannendes im Okular zu sehen statt nur Matschflecken oder garnix? Bin ich ernsthaft, weil ich eine Sternkarte dabeihabe? Bin ich ernsthaft, wenn ich mir mal was anderes als den ewigen M13 oder M42 angucken will und deswegen sogar so ein unsägliches Buch wie den Deep Sky Reiseführer aufschlage, um nach Anregungen zu suchen? Du hörst oder spielst doch auch nicht immer dieselbe Musik (nehme ich mal an)...

Auf eine Gegeneinladung zum GOTO-gestützten Matschfleckensuchen in der Kölner Innenstadt würde ich aber verzichten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" />

Clear skies (und "Galama, Klarinetto"),
Tom
 
Re: Schon wieder ein Glaubenskrieg?

Hallo Tom
danke für die lange Antwort.
Wir sollten uns mal treffen.
Viele Grüße
Klarinetto

 
Re: Schlechte Beobachtungsnacht trotz 6,2Mag-Himme

@ Mizar

Eine mögliche Erklärung wäre, dass die Grenzgröße in der Polregion zwar tatsächlich 6m2 betrug, jedoch mit zunehemnder Horizontnähe deutlich abnahm. Das kenne ich ebenfalls insbesondere im Herbst und zu dieser Jahreszeit. Der Stichwort lautet: Bodennebel. Ist zumindest eine Möglichkeit...

@ Klarinetto

Richtig ist: Die Faszination ist das Wichtigste!

Falsch ist: Dass ich diese, und ich nehme mal an, ich spreche tatsächlich für 99% aller "Sterngucker", in Köln ebenso empfinde als im namibischen Hochland. Dabei will ich mal den Blick durchs Teleskop außen vor lassen. Es ist aber schon ein Unterschied, ob ich mit dem bloßen Auge 150 oder 15.000 Sterne sehe!!! Diesen Unterschied werden 40km kaum machen... aber wir finden diesen Unterschied wahrscheinlich sogar noch in Mitteleuropa.
Vom Blick durchs Teleskop ganz zu schweigen --> Da bleiben mir in Kölle oder sonstwo (in meinem Fall schon eine paar-tausend-Einwohner-Stadt im Süden) eben zahlreiche Objekte verborgen, die ich unter dunklem Himmel aber schon mit kleinen Optiken sehe.

Aber um ganz ehrlich zu sein: Das sind schon ganz dicke Eulen, die wir hier nach Athen tragen, oder? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
 
Re: Schlechte Beobachtungsnacht trotz 6,2Mag-Himme

Hallo Klarinetto,

>Ein 6,2er Himmel taugt nicht mehr oder weniger zum Beobachten >als ein 4,5erHimmel.
>Natürlich siehste bei guten Bedingungen in Gegenden mit >6,2mag "mehr" als mitten in Köln.

Bitte überdenke doch deine Stellungnahme, denn durch solche Äußerungen können andere Sternfreunde arg verunsichert werden!

Natürlich ist ein 6,2er Himmel mit entsprechender Durchsicht einem aufgehellten 4,5er Himmel vorzuziehen. Wäre es nicht so, würde die Arbeit all jener, die für einen dunklen Nachthimmel kämpfen ad absurdum geführt!

Es geht dabei nicht nur um besser oder schlechter sehen, es ist vielmehr sehen oder nicht sehen , da ein Sternfreund alle Objekte mit geringer Flächenhelligkeit unter aufgehelltem Himmel niemals sehen wird und manche Objektlassen sich ihrer Betrachtung von vorne herein entziehen und die von dir zitierte FREUDE am Gesehenem unmöglich ist!

Dies nur zur Richtigstellung!

clear+dark sies, Jens
 
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