Schlechtes Seeing - 76/300 Mini-Newton schlägt sich wacker | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Schlechtes Seeing - 76/300 Mini-Newton schlägt sich wacker

komposer

Mitglied
Hallo,

die letzten beiden Nächte hatte ich wieder meinen Mini Newton Selbstbau im Einsatz. Am Mond macht der wirklich eine gute Figur und der komplette Mond passt auf den kleinen Sensor der Asi120mc.
Es ist also kein aufwendiges Mosaik nötig und auch bei schlechten Bedingungen kommt so auf die Schnelle ein ansehnliches Ergebnis heraus.
Klar, bei einer Öffnung von 76mm mit 300mm Brennweite kann man keine Auflösungswunder erwarten.

Das Seeing ist bei mir zur Zeit wirklich problematisch und die letzten hochauflösenden Mondaufnahmen liegen schon weit zurück.
Unzählige Male habe ich den 12er Dobson schon umsonst aufgebaut.

Am 10.01.2020 war es hier zur Zeit der Halbschattenfinsternis noch bewölkt aber später gegen 23 Uhr waren dann doch noch Aufnahmen möglich.
Zuerst kam mein Selbstbau zum Einsatz.
mini-newton-seite-c.JPG

Das Livebild zeigte selbst bei der geringen Brennweite ein sehr unruhige Luft. Aber dennoch kam noch ein recht gutes Ergebnis heraus:
Vollmond_100120_230315-300mm-2_2c.jpg

Später habe ich den Mond 2 mal mit dem 12" F5 Dobson abgefilmt. Der 2. Durchgang war etwas besser aber das Seeing zeigte sich immer noch gnadenlos.
25 Abschnitte waren nötig für dieses Mosaik: Vollmond am 10.01.20
Man kann zwar schön auf der Oberfläche spazieren gehen aber richtig scharf ist es nicht, eher enttäuschend. Außerdem kam hier sogar die Asi120mm mit RG610 Rotfilter zum Einsatz.

Einen Tag später habe ich wieder mit dem kleinen Newton begonnen und das Livebild zeigte erneut die dürftigen Bedingungen. Da habe ich sogar auf den Aufbau des 12er Dobson verzichtet. Das kommt wirklich selten vor, da ich den dank optimaler Lagerung in 2 Minuten erledigen kann.
Ich habe dann bei ca. 45fps in kurzer Zeit über 3000 Frames gesammelt und nur 20% gestackt.
Hier das Ergebnis:
Moon_110120_225657-300mm-2c.jpg

Fazit: Auch eine kleine Optik hat ihren Reiz und bei den häufig schlechten Bedingungen kann man die dann immer noch ohne größere Einbußen nutzen.

Gruß,
Holger
 

Optikus

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Hallo Holger,

tolle Demo was geht - macht immer wieder Freude Deine Beiträge zu lesen! Die Ergebnisse können sich echt sehen lassen. Ich finde es immer wieder spannend, dass Frau Luna Makeup = Farbe trägt.

CS
Jörg
 

Oreoluna

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Hallo Holger.
Tolles Set und Egebnis! Übrigens: schlechtes Seeing gibt es nicht (höchstens sehr schwieriges), dafür aber massenweise ungeduldige Astronomen ;)
CS Jozef
 

DocHighCo

Mitglied
Hallo Holger,

gutes Ergebnis mit dem "Kleinen"(y). Gerade bei schlechtem Seeing machen die kleinen Brennweiten und Öffnungen Sinn, denn da können die dicken Brummer ihre Vorteile nicht so ausspielen :).

Gruß

Heiko
 

komposer

Mitglied
Danke für Eure Antworten.

Ich bin inzwischen richtig froh, dass ich diesen kleinen Selbstbau mit einer Investition von 50 Euro in den Infinity 76p durchgezogen habe. Der winzige 20mm Fangspiegel sitzt jetzt ziemlich gut und so sind weit über 50% des Bildes scharf und gut verwendbar. Der Mond nimmt hier ja locker diese Fläche ein, ist da nun dennoch an allen Seiten scharf.

Wir haben hier ja hier zur Zeit einige Threads über kleine Einsteigersets am Laufen und bei meinem Mini Dobson habe ich wohl richtig Glück gehabt. Also mit der optischen Leistung bin ich wirklich zufrieden.

Gruß,
Holger
 

joetaiga

Mitglied
Hallo Holger,

auch von mir Glückwunsch. Tolle Bilder, die man sich ohne Probleme als DIN A3 oder sogar DIN A2 Abzug an die Wand hängen kann. Ich mache auch gerne mal eine Mondaufnahme durch meinen 50mm Sucher. Eine davon habe ich mir DIN A3 ausdrucken lassen und das sieht wirklich klasse aus.

Kleine Optiken werden heute irgendwie unterbewertet, finde ich. Früher hatte der ambitionierte Hobbyastronom hierzulande nicht umsonst neben seinem 6" Newton für Deepsky noch seinen 80mm Achromat für Mond- und Planetenbeobachtung. Ich habe mir vor 20 Jahren auch einen 12" gebaut. Die Optik ist wirklich gut, aber ich konnte an meinem Standort visuell die Auflösung noch NIE ausreizen. Ich habe dann mit Masken die Optik abgeblendet um zu testen wie sich das auf die Wahrnehmung auswirkt. Die meisten Details konnte ich fast immer zwischen 90 und 110mm erkennen. Dazu kam noch die Ästhetik des ruhigen Bildes. Deswegen bin ich bis heute konservativ gebliegen hinsichtlich der Öffnung. Man muss sich immer vor Augen führen wo wir und unter welchen Bedingungen leben.

Interessant geworden sind große Öffnungen für solche Zwecke meiner Meinung nach erst wieder durch die Videoastronomie, die so hohe Auflösungen erst ermöglicht. Aber selbst hier kann ich meine 125mm selten ganz ausreizen. 2019 habe ich vielleicht 20 Mondbilder gemacht und davon ist wirklich nur ein einziges voll aufgelöst. Mit größerer Öffnung und IR Filter ginge vermutlich aber mehr. Da gefällt mir aber der Look nicht, selbst Bilder im Rotkanal schaue ich ungern an.

Das erinnert mich mal wieder daran, dass mein 12"er seit einem Jahr zerlegt in der Garage liegt und auf seine Spiegelzellen und EQ Platform wartet...

CS Joachim
 

komposer

Mitglied
Hallo Joachim,

danke für Deinen Kommentar. Die Bedingungen spielen wirklich selten mit. Um so gut wie keine Gelegenheit zu verpassen habe ich ja auch den Aufbau des 12er Dobson so leicht wie möglich gestaltet. Das würde mich später schon ärgern, wenn ich wegen Bequemlichkeit eine der wenigen guten Nächte verpassen würde. Und so baue ich immer wieder auf, kontrolliere die Bedingungen und warte manchmal auch ein wenig ab, um kurze bessere Phasen zu erwischen.
Beim kleinen Newton brauche ich mir darüber keine Gedanken machen. Die geringe Auflösung kann ich auch bei schlechten Bedingungen abrufen. Die Bilder sind dann zwar nicht so groß, haben aber auch Ihren Reiz.

Ich habe aber auch schon einige Male den 8" F6 Dobson mit dem 12" F5 Dobson verglichen. Das Ganze visuell und fotografisch.
Das volle Potential kann wirklich nur bei guten Bedingungen ausgeschöpft werden. Aber im direkten Vergleich lohnt sich die größere Öffnung ab befriedigenden Seeing. Beide Teleskope bleiben dabei dann hinter ihren Möglichkeiten, dennoch liefert mir der 12er phasenweise mehr Details. Es braucht aber mehr Geduld, im Prinzip das Warten auf den guten Moment. Dann tauchen plötzlich wie aus dem Nichts feinste Krater auf und bleiben beim visuellen Beobachten noch länger im Gedächtnis hängen.

Da ist manchmal sogar die visuelle Beobachtung sinnvoller als die Fotografie. Da zählt einfach nur jedes gute Einzelbild. Sind davon zu wenige im Avi wird das alles nichts mehr. Im Gedächtnis wirkt das Einzelbild aber länger nach, dieser Wow-Effekt hat da nicht mit der Anzahl der Bilder zu tun, eines kann schon ausreichen.

Gruß,
Holger
 
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