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Schlechtes Wetter

HarKriDe

Mitglied
Moin moin liebes Forum,
Ich hoffe, dass ich hier richtig bin...
Ich habe vor gar nicht all zu langer Zeit mit der visuellen Beobachtung des Nachthimmels begonnen und bin somit Neuling in der Hobbysstronomie. Ich hatte schon die eine oder andere Nacht, wo ich einige Beobachtungen machen konnte, aber des Öfteren ist das Wetter in Deutschland.... naja sagen wir mal "nicht geeignet" zum beobachten. Was macht ihr, wenn das Wetter nicht gut genug zum gucken ist? Gibt es eine Möglichkeit trotzdem einen Beitrag vllt sogar zur astroforschung beizutragen?

Mit freundlichen Grüßen
Andre
 

Wombat1964

Mitglied
Ich kann mir kaum vorstellen, dass man als normaler Amateur einen Beitrag zur Astroforschung leisten kann. Vor 30 Jahren wäre das eher möglich gewesen. Möglicherweise sollte man sich ein Thema suchen, welches die Profis nicht so intensiv bearbeiten.... ich kann da aber keine Vorschläge machen. Perioden-Abweichungen bei veränderlichen Sternen? Langjährige Sonnenflecken-Studien?
Für mich ist die zufällige Entdeckung einer Super-Nova (kommt ja jedes Jahrzehnt mal vor, dass das einem Amateur gelingt) für mich kein echter Beitrag zur astronomischen Forschung sonder lediglich die Ehre, etwas zuerst gesehen zu haben. Mit der Forschung an Novas hat das nichts zu tun.

Du solltest auch (ich zitiere da mal indirekt einen sehr schönen Passus aus dem legendären "Handbuch für den Planetenbeobachter") vor Augen haben, dass Forschung ein sehr intensives, professionelles und vor allem extrem systematisches Arbeiten an einem Thema ist. Diejenigen Amateure, die Beiträge z.B. zur Planetenforschung geleistet haben haben ganz überwiegend einen beruflichen Hintergrund mit anderweitiger Forschung gehabt und waren sich bewusst, wie man zielgerichtet und voll fokussiert an einem Thema so arbeitet, das man akademisch verwertbare Erkenntnisse erzielt. Mit 20 oder 40 Mal hinter dem Teleskop zu sitzen ist es da bei weitem nicht getan. Und die Grenzen der Profis haben sich monströs durch die heute verfügbare Technologie nach vorne und "außen" verschoben.

Zum schlechten Wetter in Deutschland. Das ist wirklich gar nicht so schlecht! Wenn ich in mein ausfürhliches Beobachtungstagebuch schaue, dann habe ich in 2020 insgesamt 121 mal beobachtet. Dies teilt sich ungefähr gleich auf in Sonnenbeobachtung am Tage und nächtliche Beobachtungen der üblichen Objekte. Man kann also durchschnittlich mehr als jeden 3. Tag am Fernrohr sitzen. Damit fängt schon das systematische Arbeiten an. Jedes mal exakt zu notieren: Wann, welches Wetter (Frontendurchzug, Bewölkung...), welche Durchsicht, welches Seeing, Temperatur, welches Teleskop, welche Okulare, welche Objekte. Ich mache mir in der Regel einen detaillierten Beobachtungsplan und notiere auch, aus welchen Gründen ich ein Objekt nicht gesehen habe (Mondlicht, Fremdlicht, Obstruktion durch Gegenstände usw...)

Natürlich waren die letzten 20 Tage sehr mau, aber am Samstag und Sonntag kommen ja wieder klare Abende...

Guido
 
Zuletzt bearbeitet:

HarKriDe

Mitglied
Schade eigentlich, dass man nichts wirklich relevantes tun kann..., aber natürlich ist es gleichzeitig auch schön zu wissen, dass unsere Wissenschaft schon so weit voran geschritten ist, dass die großen und nicht mehr brauchen :p naja SETI ist ja auch „vorbei“ da kann man zuhause auch keinen Beitrag mehr leisten, indem man nur den PC laufen lässt. Vielleicht gibt es in naher Zukunft ja mal wieder was in dem Ausmaß auch für Hobbyastronomen.
Das mit dem genauen datieren etc. werde ich dann mal versuchen am Wochenende durchzuführen und ab diesem Jahr einen schönen Astronomie Ordner anzufertigen. Und einen Sonnenfilter für schlechte Nächte :)
Vielen Dank für die Antwort

Andre
 

Rayman33

Mitglied
endlich 3 gute Nachrichten:
1. die Weihnachtbeleuchtungen werden langsam angebaut
2. ab Sonntag ist die "Wolken-Wartezeit" :regen: endlich vorbei... (letzter Nachtspaziergang war 18.12.2020 ...
wetter.png

3. und wir haben quasi Neumond am WE ..

Das sind doch nun endlich schöne Aussichten für's WE
:)
viele Grüße
Rayman
 

axelm

Mitglied
Hallo Andre,

das mit den besseren Wetteraussichten für das WE haben ja bereits andere geklärt. :p

ich möchte daher mal etwas mehr auf Deine letzte Frage

Gibt es eine Möglichkeit trotzdem einen Beitrag vllt sogar zur astroforschung beizutragen?

eingehen.

So pessimistisch wie Guido, sehe ich das nicht:

Es gibt auch heute noch einige Gebiete, auf denen man als Amateur durchaus relevante Beiträge zur Forschung leisten kann!

Wie Guido aber auch schon schreibt, ist Forschung ein sehr intensives und vor allem extrem systematisches Arbeiten an einem Thema. ...und ja, viele Amateure, die so etwas in ihrer Freizeit machen, haben einen beruflichen Hintergrund mit anderweitiger Forschung und sind sich bewusst, wie man zielgerichtet und voll fokussiert an einem Thema so arbeitet, das man akademisch verwertbare Erkenntnisse erzielt.

Mal "ebenso nebenbei" wissenschaftliche Daten sammeln wird in der Regel auch nicht funktionieren. Wenn macht man oftmals nur das und nichts anderes. Die meisten mir bekannten "ernsthaften Amateurforscher" habe ihre Ausrüstung dementsprechend auch auf ihr spezielles Betätigungsfeld hin optimiert und bauen ihr Setup auch nur selten um.

Da Du schreibst, dass Du ein hauptsächlich visuell beobachtender Neuling bist, muss ich aber leider auch sagen, dass so gut wie alle wissenschaftlichen Arbeiten in der Amateurastronomie heute auf fotografischem Wege und dann meist auch mit Computerunsterstützung erfolgen. Fast immer werden dabei gekühlte CCD- oder CMOS-Kamera eingesetzt. In den einfachsten Fällen kann aber auch bereits eine Videokamera oder DSLR ausreichen. Je nach Arbeitsgebiet kann es aber sogar sein, dass neben der Kamera auch noch weiteres Spezialzubehör benötigt wird. Besondere optische Filter und eine Möglichkeit zur genauen Zeiterfassung im (Sub-) Sekundenbereich sind hier noch das einfachste und preiswerteste - es kann bis hin zu komplexen Spektrometern oder gar Spezialteleskopen gehen.

Das hört sich jetzt alles erst einmal recht kompliziert und teurer an, wenn Du aber wirklich Interesse an solchen Beobachtungen hast, ist vieles auch bereits mit kleinem Equipment und teilweise sogar auch unter lichtverschmutztem Himmel möglich. Man muss sich halt nur die entsprechende Nische suchen...

Was mir jetzt so spontan einfällt (ohne irgendeine Wertung) sind:
  1. Periodenbestimmung an veränderlichen Sternen
  2. Heliigkeits- und (Koma-) Durchmesserbestimmung an Kometen
  3. Beobachtungen von Sternbedeckungen durch Objekte unseres Sonnensystems (Mond, Planeten, Plantenmonde oder Kleinplaneten)
  4. Lichtkurvenbestimmung von Kleinplaneten
  5. Lichtkurvenbestimmung von Novae und Supernovae
  6. Positionsbestimmung von Kleinplaneten (hier sind heute aber eigentlich nur noch die neu entdecktn Objekte interessant, deren Bahnen so aussehen, als ob sie der Erde in Zukunft gefährlich nahe kommen könnten, die sog. NEOs)
  7. (Langzeit-) Überwachung von eruptiven veränderlichen Sternen
  8. spektroskopische Überwachung von sehr engen Doppelsternen mit Masseaustausch
  9. photometrische Beobachtung von Exoplanet-Transiten
  10. für diejenigen, die Interesse an der DeepSky-Fotografie haben, gibt es noch die Möglichkeit bisher unbekannte Sternströme auf sehr tief belichteten Galaxienbildern zu entdecken
Dabei sind die Punkte 1,2 und 3 teilweise auch visuell möglich. Je nach Helligkeit der beobachteten Objekte sind einige der Punkte auch mit kleinen Teleskopen bearbeitbar. In der Regel sollte man aber schon größere Geräte (> 20cm Durchmesser) einsetzen. Für (10) sind sogar kleine weitwinklige Geräte durchaus vorteilhaft.

Was heute IMO keinen großen Sinn mehr macht, aber noch in vielen älteren Astronomiebüchern zu finden ist, sind solche Sachen wie die gezielte Suche nach neuen Kometen, Kleinplaneten, Novae oder Supernovae. Da sind die Profis mit ihren teilweise automatisch arbeitenden (Groß-) Geräten deutlich im Vorteil. Aber vielleicht man ja auch Glück und man macht einen Zufallsfund ... es soll ja hin- und wieder auch heute noch mal passieren. Wobei die meisten dieser Funde sich im Bereich jenseits der 20. Größenklasse bewegen. :(

Das alles war jetzt nur im visuellen bereich des Spektrums. Was im Bereich der Radioastronomie für Amateure wissenschaftlich machbar ist, kann ich leider nicht beurteilen...

Viele Grüße,
Axel
 

AstroRider

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Hi,
nicht das was Du hören möchtest, aber ich persönlich habe ein wetterfestes Alternativhobby begonnen, statt immer den Wetterfrust durchleben zu müssen.

CS
Volker
 

Jan-Fre

Mitglied
Hi!

Das Wetter nervt dieses Jahr! Seit September habe ich insgesamt 6h lang die Plejaden (in zwei Nächten) ablichten können und in einer Nacht Justage an meinen Newton betrieben. Das war es auch schon! Ansonsten nur grauer Himmel.

Dinge, die ich in dieser Zeit sonst gemacht habe / gerade mache:

1) Backlash meiner Montierung verbessert (Riemen zu locker).
2) Eine AllSky-Kamera gebastelt und an der Schaukel meiner Tochter moniert.
3) Stromversorgung im Garten optimiert (dauerhafte Leitung). Kein Geprickelt mehr mit Verlängerungsschnüren oder Akkus.
4) WLAN in Haus und Garten verbessert (Outdoor- und Indoor- Access Points, Bereich für statische IPs, alle Rechner für Astro per Remote steuerbar)
5) Nächste Anschaffungen für Astro-Hobby geplant (und einen Schlussstrich gesetzt).
6) Am Newton-HS eine Ringblende angebracht.
7) Das Catseye-Collimationsystem zur Justage meines Newtons beschafft. Erste Versuche zur Indoor-Kollimierung werden am Wochenende durchgeführt.
8) Aufgeräumt
9) Sich dagegen wehren, ein zweites Stativ zu kaufen, um in den wenigen guten Nächten die doppelte Ausbeute zu erzielen. Eisern bleiben. Es wäre schrecklich, eine zweite Rig zu haben, die dann auch noch Zeit verschlingt. Wenn es jetzt aber noch einen oder zwei Monate so weitergehen sollte, kann ich nicht garantieren, dass die zweite Rig nicht doch irgendwann kommt..... grrrr......

Und natürlich am Wichtigsten: Sich um die Familie gekümmert :)

Viele Grüße
Jan
 

klawipo

Mitglied
Hallo Andre,

viele werden ja Bastler. Ich fummle auch immer mal wieder hier und da an Dobson oder Montierungen rum. Auf einem Niveau allerdings, wo am Ende das Wichtigste ist, dass alle Finger noch dran sind...

Wenn ich mich nicht ganz täusche ist Radioastronomie recht unabhängig von Bewölkung möglich? Kann aber auch sein, dass ich das falsch verstanden habe. Wird jedenfalls auch von Einigen hier im Forum betrieben.

Ansonsten kann man andauernden nächtlichen Freizeit-Überschuss auch sehr gut mit der Gründung einer Familie kompensieren. Nur Spaß...


VG
Klaus
 

Wombat1964

Mitglied
Genau Klaus,
deshalb habe ich 2020 genutzt und nun endlich die Amateurfunk-Lizenz gemacht! Und zwar die amerikanischen Lizenzen technican, general und amateur extra und dann wurde die direkt in die deutsche A umgeschrieben. Nun funke ich um die Welt auf HF, VHF und UHF und überlege, in die Radio-Astronomie einzusteigen....
Guido
 

HarKriDe

Mitglied
Wow vielen Dank an alle! Das man als kleiner Hobby Astronom keinen wirklichen Beitrag leisten kann dachte ich mir ja bereits. Ich dachte nur, dass es Seiten im Internet gibt, wo man den großen Astronomie vielleicht helfen könnte. Naja ich habe manchmal einfach so gehirngespinste. Dann muss ich wohl dabei bleiben und meine Wetter unabhängigen Hobbies weiter verfolgen, wenn das Wetter schlecht ist. Und mir mal Gedanken machen in naher Zukunft in die Astrofotografie einzusteigen. Trotzdem vielen Dank noch mal!!

Viele Grüße
Andre
 

funastro63

Mitglied
Wow vielen Dank an alle! Das man als kleiner Hobby Astronom keinen wirklichen Beitrag leisten kann dachte ich mir ja bereits. Ich dachte nur, dass es Seiten im Internet gibt, wo man den großen Astronomie vielleicht helfen könnte. Naja ich habe manchmal einfach so gehirngespinste.
Hallo,

ich sehe das auch nicht so krass wie mein Namensvetter. Wie schon beschrieben gibt es Bereiche, in denen man kleine Beiträge leisten kann. Ein gutes Feld dafür ist immer noch die Beobachtung veränderlicher Sterne. Die BAV gibt da auf ihrer Internetseite genügend Input. Auch die Kleinplaneten- wie auch Kometenbeobachter sind sehr aktiv und liefern durch Messdaten Beiträge für die Profis. In der Vergangenheit gab es auch online verschiedene Programme, wie Galaxy Zoo ( u.a. Galaxien-Klassifizierung), TNO ( hier wurde ein Folgeobjekt für die New Horizons-Sonde gesucht) und die Auswertung von „Kepler“-Daten (Exoplaneten). Hier nutzen die Profis gerne die Amateure für die Auswertung von großen Datenmengen. Das ist aber nicht unumstritten, da es anderen die Arbeit nimmt. Ich gebe aber recht, wenn man daran erinnert, dass wir im wesentlichen keine Forschung in dem Sinne machen.

Viele Grüße und klaren Himmel
Guido (2)
 
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