Hallo,
da ich hier explizit genannt werde, möchte ich auch meinen Senf dazugeben. Ich besitze selbst ein LK-Objektiv mit 125mm Durchmesser, dass einen Kittfehler hatte. Ich habe das Ding etwa ein dreiviertel Jahr in Isopropanol (ist billiger als gewöhnlicher Alkohol, es gibt auch bessere Lösungsmittel für Kanadabalsam, die sind aber gesundheitsschädlich) gelegt, bis sich die Kittschicht gelöst hat. Gefügt habe ich das Objektiv dann mit Öl. Zunächst habe ich gewöhnliches Salatöl verwendet, das hat nicht funktioniert (optisch ging das, es ist aber ausgelaufen). Dann habe ich Immersionsöl verwendet, das hält seit über 3 Jahren. Allerdings muss ich das Objektiv nochmal auseinanderbauen, da es Öffnungsfehler hat (nein, dünne Kittschichten haben keinen Einfluß auf die Korrektur des Objektivs, bevor das jetzt diskutiert wird). Da ich den Öffnungsfehler durch Abstandsvergrößerung nicht korrigieren kann, muss ich die inneren Radien noch verändern.
Das Objektiv würde ich nicht wieder verkitten. Zur Zeit von Kanadabalsam galt in der optischen Industrie, dass Optik bis 80mm Durchmesser problemlos kittbar ist (wie die Erfahrung mit LK-Objektiven zeigt, war das wahrscheinlich auch richtig). Ein weiteres, wesentliches Problem beim Verkitten sehe ich darin, die beiden Teillinsen exakt zu positionieren. Zweilinsige Achromate sind sehr empfindlich gegen Dezentrierung. Bei einem ölgefügten Objektiv kann man beide Linsen einzeln durch jeweils 3 Schrauben fixieren, und dann justieren. Die Chinesen machen das jetzt bei Objektiven so, ich habe so ein Chinagerät. Früher habe ich Chinaobjektiven eine neue Fassung verpassen müssen, das Chinagerät mit Linsenjustiermöglichkeit ist optisch hervorragend, es gibt – zumindest an der Optik – nichts zu meckern (die Mechanik ist für den Preis ganz o.k., ich war da aber nicht zufrieden). Justieren kann man das Objektiv dann am Stern (Polarstern, wenn der zu hell ist, gibt genug Sterne in Polnähe), oder am künstlichen Stern (zum künstlichen Stern kann Uwe Dir was sagen). Beim künstlichen Stern braucht man auf einen großen Abstand nicht zu achten, das ist zum Justieren von Asymmetrien unerheblich, wenn man ein Begungsscheibchen sieht, kann man justieren.
Nochmal ein Wort zum Begriff „Fraunhoferobjektiv“. Als Objektiv Fraunhoferscher Bauart wurden immer zweilinsige Achromate mit kleinem Luftabstand (es gibt auch Objektivdesigns mit relativ großem Luftabstand, z.B. die größeren amerikanischen Objektive, bei den Originalobjektiven vom großen Meister berührten sich übrigens die inneren Linsen, die dadurch entstehenden Newtonringe nutzte Fraunhofer zum Justieren) und unterschiedlichen inneren Radien bezeichnet, wobei die Linsen mit dünnen Zinnplättchen auf Abstand gehalten werden. So wurde das in der Optik immer klassifiziert, Bezeichnungen wie Farbhofel, Chinahofel, u.a. sind neueren Datums, und haben sich in seriöser optischer Literatur noch nicht durchgesetzt (kann aber noch kommen, wenn Wissenschaft noch mehr auf den Hund kommt).
C.S. Frank
p.s. die von Uwe verlinkte Methode zum Verkitten ist eine Bastellösung, in der Industrie wurde (nicht ohne Grund) warm gekittet, das würde jetzt aber zu weit führen, habe jetzt auch keine weitere Zeit - nochmal mein Rat - Ölfügung