schleier zwischen beiden frauenhofer linsen

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Mohr
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Mohr

Aktives Mitglied
Ich habe ein altes Lichtenknecker Teleskop
1300mm BW und 90mm f 14,5 geerbt.

An sich ein FH der besseren Sorte.

Die FH Linsen sind offensichtlich ohne Luftspalt
gefügt (Ölfügung ?).
Am Rand (zwischen) den Linsen ist Luft oder Feuchtigkeit eingetreten sodass sich ein ca 1 - 2 cm breiter Rand gebildet hat (sieht aus wie ein Wolkenmuster).
Frage:
1. Wer kann so etwas korrigieren (Linsen trennen und neu fügen)?
Der Linsensatz ist justierbar gefasst und kann so leicht versand werden.
2. U.U. konnte bei der Gelegenheit auch eine neue Vergütung aufgedampft werden.

Das Teleskop ist mir von der Bauart (teilbar), Helical OAZ, eigentlich zu schade für die Kiste. Siehe Bild.

Wer kann helfen
Danke im Voraus
Hans
 

Anhänge

  • DSC03098 kleiner.jpg
    DSC03098 kleiner.jpg
    78,7 KB · Aufrufe: 826
  • DSC03099 kleiner.jpg
    DSC03099 kleiner.jpg
    44 KB · Aufrufe: 829
Servus Hans-Georg,
frage doch mal bei Wolfgang Grzybowski in Nürtingen an, ein sehr kompetenter Mann.

Gruß
Ralf
 
Hallo Hans,

leider hat der gute Lichtenknecker, ein Sche.. altes Kanadabalsam für die Fügung der AK Objektive verwendet, der auskristallisiert und vom Rand her diese Erscheinung zeigt!
Bei meinen 125 / 1300mm AK ist auch eine kleine Stelle zu sehen und stört aber noch nicht.

Vielleicht findet sich ja hier ja Jemand der es sich zutraut so was neu zu Fügen?
http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/ubbthreads.php/topics/1160230/Objektiv_neu_verkitten

Das ginge auch mit Immersionsöl, man muss es aber erst trennen, dazu vorher aber die Linsen - Lage + Position in der Fassung markieren ( für den späteren Zusammenbau wichtig ) . Genau nachschauen ob die Linsen selbst schon am Rand markiert ist, wenn nicht dort mit einem Bleistift ( HB ) die gegenseitige Lage markieren!


Gruß Günter
 
Kanadabalsam kann man mit Alskohol lösen. Es ist auch nicht allzuschwer, wieder selbst zu kitten. Kanadabalsam wird von den Mikroskopikern (Hauptabnehmer) kaum noch verwendet. Dennoch würde ich versuchen, welches zu bekommen und es wieder damit machen. Die synthetischen Harze lassen sich schlechter bis gar nicht wieder lösen. Bei Kanadabalsam kann man so lange üben, bis es klappt.

Frank Ziegenhein - ich kenne ihn aus unserer Leipziger Beobachtergruppe - zeigt, wies geht:

http://www.stern-freund.de/index.php?id=38
 
Hallo,
da ich hier explizit genannt werde, möchte ich auch meinen Senf dazugeben. Ich besitze selbst ein LK-Objektiv mit 125mm Durchmesser, dass einen Kittfehler hatte. Ich habe das Ding etwa ein dreiviertel Jahr in Isopropanol (ist billiger als gewöhnlicher Alkohol, es gibt auch bessere Lösungsmittel für Kanadabalsam, die sind aber gesundheitsschädlich) gelegt, bis sich die Kittschicht gelöst hat. Gefügt habe ich das Objektiv dann mit Öl. Zunächst habe ich gewöhnliches Salatöl verwendet, das hat nicht funktioniert (optisch ging das, es ist aber ausgelaufen). Dann habe ich Immersionsöl verwendet, das hält seit über 3 Jahren. Allerdings muss ich das Objektiv nochmal auseinanderbauen, da es Öffnungsfehler hat (nein, dünne Kittschichten haben keinen Einfluß auf die Korrektur des Objektivs, bevor das jetzt diskutiert wird). Da ich den Öffnungsfehler durch Abstandsvergrößerung nicht korrigieren kann, muss ich die inneren Radien noch verändern.
Das Objektiv würde ich nicht wieder verkitten. Zur Zeit von Kanadabalsam galt in der optischen Industrie, dass Optik bis 80mm Durchmesser problemlos kittbar ist (wie die Erfahrung mit LK-Objektiven zeigt, war das wahrscheinlich auch richtig). Ein weiteres, wesentliches Problem beim Verkitten sehe ich darin, die beiden Teillinsen exakt zu positionieren. Zweilinsige Achromate sind sehr empfindlich gegen Dezentrierung. Bei einem ölgefügten Objektiv kann man beide Linsen einzeln durch jeweils 3 Schrauben fixieren, und dann justieren. Die Chinesen machen das jetzt bei Objektiven so, ich habe so ein Chinagerät. Früher habe ich Chinaobjektiven eine neue Fassung verpassen müssen, das Chinagerät mit Linsenjustiermöglichkeit ist optisch hervorragend, es gibt – zumindest an der Optik – nichts zu meckern (die Mechanik ist für den Preis ganz o.k., ich war da aber nicht zufrieden). Justieren kann man das Objektiv dann am Stern (Polarstern, wenn der zu hell ist, gibt genug Sterne in Polnähe), oder am künstlichen Stern (zum künstlichen Stern kann Uwe Dir was sagen). Beim künstlichen Stern braucht man auf einen großen Abstand nicht zu achten, das ist zum Justieren von Asymmetrien unerheblich, wenn man ein Begungsscheibchen sieht, kann man justieren.
Nochmal ein Wort zum Begriff „Fraunhoferobjektiv“. Als Objektiv Fraunhoferscher Bauart wurden immer zweilinsige Achromate mit kleinem Luftabstand (es gibt auch Objektivdesigns mit relativ großem Luftabstand, z.B. die größeren amerikanischen Objektive, bei den Originalobjektiven vom großen Meister berührten sich übrigens die inneren Linsen, die dadurch entstehenden Newtonringe nutzte Fraunhofer zum Justieren) und unterschiedlichen inneren Radien bezeichnet, wobei die Linsen mit dünnen Zinnplättchen auf Abstand gehalten werden. So wurde das in der Optik immer klassifiziert, Bezeichnungen wie Farbhofel, Chinahofel, u.a. sind neueren Datums, und haben sich in seriöser optischer Literatur noch nicht durchgesetzt (kann aber noch kommen, wenn Wissenschaft noch mehr auf den Hund kommt).

C.S. Frank

p.s. die von Uwe verlinkte Methode zum Verkitten ist eine Bastellösung, in der Industrie wurde (nicht ohne Grund) warm gekittet, das würde jetzt aber zu weit führen, habe jetzt auch keine weitere Zeit - nochmal mein Rat - Ölfügung
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Erst mal vielen Dank für die ausführlichen Tips.
Ich werde versuchen die Linsen nach Markierung zu trennen (Isoprop) und dann nit Immersionsöl (wo bekommt man so etwas; gehr auch Silikonöl?). zusammenfügen.
Die Optik ist gottseidank voll justierbar.
Ich versuche mein Glück!

beste Grüße vom Bodensee
Hans

HP: hans-georg.mohr@web.de

PS: die Salatöllösung ist irgendwie schon heiß.
 
Hallo Hans,

hier
Immersionsöl
Immersionsöl, kann man dann immer wieder tauschen, bei Selikonölen bin ich mir nicht sicher, ob die ohne spezielle Lösungsmittel wieder runtergehen!


Gruß Günter
 
Ich denke der Brechungsindex des Öls ist entscheidend, deshalb meiner Meinung nach unbedingt Immersionsöl nehmen.

Grüsse Jochen
 
Hallo,
der Brechungsindex des Fügemittels ist ziemlich wurscht. Das Fügemittel bildet praktisch einen ultradünnen Meniskus (wie eine Uhrglasschale, nur dünner). Dieser ändert die Korrektur nicht messbar. Es kann also jedes, im dünnen Film praktisch nicht Licht absorbierendes, Öl verwendet werden, welches nicht zwischen den Linsen rauskriecht.
Immersionsöl und Isopropanol gibt es günstig bei eBay.

C.S. Frank

@Uwe: Salatöl habe ich ja gerade nicht empfohlen - ist aber klar, was Du meinst :super: . Dann bis bald mal beim Stammtisch :huhu:
Frank

 
Hallo Thommy,
ölgefügte (wie auch verkittete) Flächen haben praktisch keine Reflexionsverluste, ein Luftspalt schon.


C.S. Frank

p.s. zur Klarstellung: natürlich erzeugt nicht der Luftspalt die Reflexionsverluste, sondern die Übergänge zwischen Glas/Luft und Luft/Glas
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Thommy,
ich habe gestern aufgrund fehlender Zeit etwas kurz geantwortet, deshalb hier noch einige Ergänzungen. Du kannst die Linsen natürlich auch ohne Fügemittel einfach nur aufeinanderlegen. Früher wurde das bei Handfernrohren so gemacht. Hier: http://www.stern-freund.de/index.php?id=31 habe ich so ein Fernrohr beschrieben. Dort habe ich noch vermutet, dass das Objektiv mal verkittet war. Inzwischen hat mir ein Sammlerkollege (der sich mit Fernrohren des 19. Jahrhundert besser auskennt als ich) bestätigt, dass es bei Auszugsfernrohren im 19.J.h. - auch bei renomierten Firmen - durchaus üblich war, die Objektive mit gleichen Radien ohne Verkittung aufeinander zu legen.
Wer nicht mit Öl panschen will, kann also die beiden Einzellinsen auch einfach aufeinander legen. Ich kann auch nicht sicher behaupten, dass dabei ein Luftspalt entsteht, der zu Reflexverlusten und evtl. zu störenden Reflexen führt. Wenn ich mich recht erinnere, gibt es beim Übergang eines Wellenfeldes Nahfeldeffekte. Ich bin aber in Feldtheorie nicht mehr fit (mein Physikstudium liegt schon ein paar Jahrzehnte zurück), und habe jetzt auch nicht Zeit und Muße, mich hier nochmal einzuarbeiten, vielleicht liest hier aber ein Kollege mit, der dazu was sagen kann.
Mit einer Ölfügung umgeht man da aber jedes Risiko. Immersionsöl ist nicht teuer, das Fügen ist technologisch nicht aufwändig (man muss nur darauf achten, dass nicht zu viele Blasen etstehen, ganz wird man das nicht hinbekommen, verbleibende Blasen verschwinden aber mit der Zeit). Mein Objektiv werde ich nach Umschliff wieder Ölfügen, schon aus dem einfachen Grund, dass ich die am Öl anliegenden Flächen nicht so sorgfältig polieren muss.
Für viel wichtiger als die Art der Fügung ist meiner Meinung nach die Zentrierung der Linsen, da die Zentrierung die Abbildungsgüte stark beinflusst.

C.S. Frank

 
Hallo Frank,

danke für die Informationen, jetzt sehe ich dieses Thema deutlich besser :-)

Ich verwende am Mikroskop Immersionsöl zusammen mit hochauflösenden Objektiven (Öl zwischen Frontlinse und Präparat) und dabei ist der Brechungsindex natürlich nicht "wurscht". Das ist aber eine ganz andere Baustelle ...
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben