Schmidt-Platte selbst schleifen ?

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ckrull

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Sehr verehrte Astrogemeinde & Freunde der Nacht,

grössere SC's(ab ca. 10 Zoll) sind sehr teuer, daher folgende Frage:
Liesse sich eine grosse Schmidt-Platte für ein SC-Teleskop oder besser noch Schmidt-Kamera genau selbst schleifen ?
Probleme, die ich als Unkundiger sehen würde:
1.) Würde man nach der Original-Methode von Schmidt vorgehen, wie kann man das erforderliche Vakuum und damit die beabsichtigte Krümmung(die mit zunehmender Objektivöffnung zunehmend grösser wird) genau einhalten ?
2.) Eine optisch planparalle Fläche lässt sich nur sehr schwer und damit reuer herstellen, nun ist aber zumindest die Original-Schmidt-Platte auf einer Seite plan.
3.) Ich vermute, dass MEADE die Schmidt-Kurve in das Glas hineinschleift(poliert), jedenfalls muß die Herstellung sich von der von Celestron unterscheiden. Auch haben die MEADE-Schmidt-Platten auf BEIDEN Seiten die Schmidt-Kurve.
4.) Wie aufwändig würdet Ihr die komplette Herstellung(inkl. Vergütung) sehen ? Lohnt sich der Aufwand z.B. für eine 30cm Schmidt-Platte für eine Schmidt-Kamera ?
Vielen Dank im Voraus !

Sternenfreundliche Grüße,
Christian

 
Hallo Christian,

den erforderlichen Unterdruck sollte man evtl. mit einem bis zur Oberkante mit (Hydraulik)-öl gefüllten stabilen Topf erzeugen, Öl ist im Gegensatz zu Luft praktisch nicht kompressibel, dadurch könnte man vielleicht genauer regeln, ausdehnen tut sich beides...Unterdruckpumpen sollten kein Problem sein. Den erforderlichen Unterdruck müßte man mal ausrechnen.

Die mir bekannten Vergütungspreise sind fast schon irre, könnte eine Hürde werden...

Mehr weiß ich dazu auf Anhieb nicht.

Viele Grüße Felix

P.S.: Öl ist auch unter dem Aspekt der Sicherheit anzuraten, bei Luft würde ein Brechen des Glases sich evtl wie eine implodierende Bildröhre abspielen, bei Öl machts nur "knack..." , das wars.

 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Christian,

um eine solche Platte nach der Originalmethode zu schleifen ist wohl ein Drehteller mit der annährend gewollten Form erforderlich.
Am äußeren Rand und in der Mitte um die Fangspiegelbohrung muß ein O-Ring eingearbeitet sein der nur wenig übersteht, aber trotzdem abdichtet. Einige weitere, vieleicht auch sehr viele kleine Bohrungen die dann auf der Unterseite in einer Drehdurchführung enden, weiter zu einer Vakumpumpe.
Was die Vakuumpumpe angeht ist "normales" wohl ausreichend, zb. Unterdruckverdichter mit Graphitlamellen.

Auf jeden Fall erfordert so etwas zu bauen schon einen gewissen Aufwand an Material und Werkstattmitteln sowie auch finanziell.

Ich denke mal ein größeres Refraktorobjektiv zu schleifen ist einfacher und wahrscheinlich auch erfolgreicher. Denn: Spären lassen sich noch mit Amateurmitteln messen bzw.testen, aber wie stelle ich das mit einer Schmidtplatte an. Die zu kontrollieren geht wahrscheinlich nur am kompletten System.

Ich denke das ist zu aufwendig und die Gefahr des Misserfolgs zu groß.
Bessere Info erhältst Du unter Umständen auf dem Astrotreff.

Gruß
Hans


 
Hallo zusammen,

soweit ich weiß ist das die heutige industrielle Methode, für ATMler ist dieser Link interessant: http://www.considine.net/drowesmi/pfaff/pfaff.htm

Die Methode mit dem "Topf" der ja nur eine Vertiefung von ein oder zwei mm haben muß ( es reicht noch weniger, aber dann lohnt sich das drehen kaum...) erfordert halt messen und Druckeinstellen, der Schleifteller nicht. Der hat wiederum den Nachteil das er deutliche Spuren hinterlässt ( Ansaugöffnungen) die der Topf vermeidet.

Viele Grüße Felix
 
Am äußeren Rand und in der Mitte um die Fangspiegelbohrung muß ein O-Ring eingearbeitet sein

Hallo Hans und allerseits,

die Vakuummethode zur Herstellung der Schmidt Korrektorplatte, wie sie auch in dem von Felix angegebenen Link beschrieben wird, wurde ja schon von Berhard Schmidt eingesetzt. Dabei wird bekanntlich die durch Unterdruck gewölbte Glasplatte plan geschliffen, welche dann ohne Unterdruck die gewünschte Form annimmt.

Dazu ist aber erforderlich, dass die Glasplatte nur am Rand (bzw. genauer gesagt auf dem O-Ring dicht an der Peripherie der Platte) ohne restriktive Klemmung frei aufliegt und innerhalb eine elastische Verformung ohne zusätzliche Auflagepunkte oder andere Randbedingungen gewährleistet ist. Unter diesen Bedingungen entsteht dann die gewünschte Form entsprechend einem symmetrischen Polynom vierter Ordnung.

Diese klassische Prozedur setzt aber voraus, dass es sich dabei um eine durchgehende Platte ohne Bohrung für einen SCT Sekundärspiegel handelt. Die Abdichtung einer solchen Öffnung mit einem zusätzlichen O-Ring auf der Innenseite würde jedenfalls der Philosophie der unbehinderten Verformung der Platte im Wege stehen. Insofern ist die Vakuummethode in ihrer klassischen Form nur zum Schleifen von Korrektorplatten ohne Bohrung geeignet, wie sie in den originalen Schmidt Kameras verwendet werden. Mit einem geeigneten Werkzeug und mit entsprechenden Vorkehrungen kann diese Bohrung aber auch nach dem Schleifprozess ausgeführt werden.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Hallo an Alle,

vielen herzlichen Dank für Eure intensiven Anregungen, Tipps, Links... !!!
Würde mich sehr freuen, wenn sich evt. jemand melden würde, der mal selbst eine Schmidt-Platte geschliffen hat. Gibt es zur Original-Methode vom Hamburger Schmidt noch weitere Alternativen ?

Sternenfreundliche Grüße,
Christian
 
N`Abend Loide,

im "Best of Amateur Telescope Making Yournal" Vol 1 oder 2
wird eine andere Methode beschrieben.

CS,Karsten
 
im "Best of Amateur Telescope Making Yournal" Vol 1 oder 2 wird eine andere Methode beschrieben.

Damit ist anscheinend dieser Artikel gemeint:

"Notes on the Construction of an F/1 Schmidt Camera"
by Harold A. Lower, San Diego, California,
Amateur Telescope Making (Book 2), Scientific American, 1972, page 410-416.


Darin wird die Herstellung einer Schmidt Camera mit 8" Korrektorplatte und 16" sphärischem Hauptspiegel mit F/1 skizziert. Über die Größe des Filmhalters wird nichts verraten, aber er dürfte kaum größer als Kleinbildgröße erreichen.

Für ein so schnelles System wie F/1 kommt die Vakuummethode zur Herstellung der Korrektorplatte nicht in Frage. Die Glasplatte müsste dafür so stark gekrümmt werden, dass sie schlicht und einfach dabei zerbricht. Stattdessen wurde die Korrektorplatte mit verschieden großen "subaperture tools" bearbeitet. Die 1" bis 5" großen Schleifwerkzeuge bestanden aus flexiblem Schwammgummi, welches mit 1/2" großen Quadraten aus gewöhnlichem Fensterglas bedeckt waren. Zum Polieren wurden ebenfalls flexible Werkzeuge aus Bienenwachs auf Schwammgummi eingesetzt.

Zum Testen der Korrektorplatte wurde eine vereinfachte Form der Ronchi Methode verwendet. Dafür wurde die Korrektorplatte zusammen mit dem Hauptspiegel wie im endgültigen System installiert. Anstelle eines Ronch Gitters wurde eine Lampe mit einem einzelnen geradlinigen Lichtschlitz am Ort des Filmhalters montiert. Das Bild dieses Lichtschlitzes wurde dann von vorne durch die Korrektorplatte aus einiger Entfernung von mindestens 6 Metern betrachtet. Für eine perfekte Optik zeigt das Bild des Schlitzes dann bei großer Entfernung keine Krümmung mehr.

Für einen erfahrenen Optiker mögen diese knappen Hinweise vielleicht genügen, für Anfänger reicht das sicher nicht. Ich selbst habe eine Zeit lang unter wesentlich besserem Himmel eine 14" Schmidt Kamera im Einsatz gehabt. Aus dieser Erfahrung bin ich mit solchen Systemen ziemlich gut vertraut und weiß sie zu schätzen. Aber ich habe nie versucht, eine Schmidt Korrektorplatte selbst herzustellen. Nach allem, was ich darüber weiß, würde ich sowas auch nicht versuchen.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Hans-Joachim Stief hat letztes Jahr eine 8" Schmidtplatte für einen Schmidt-Cassegrain ebenfalls nach der Korrekturmethode geschliffen.

Google -> "Schmidtplattenprojekt fertig"
Google -> "Schmidtplatte selbst herstellen?"

Grüße
Thomas
 
Hallo Christian,

Die Herstellung einer Schmidtplatte ist kein Pappenstiel. Es kommt alles sehr genau um die richtige Schmidtplatte zu bekommen die man haben will.
Schau mal in Kurt Wenskes "Spiegeloptik", da steht auch die Rechnung wie man die Durchbiegung die man braucht rechnet und der Radius der Sphäre die reingeschliffen uns sehr sauber poliert werden muß.

Besser ist es um keine Aluminiumscheibe zu drehen weil die innenrand hochgenau flach und rund sein soll. Besser ist es eine dicke Glasplatte zu nehmen (ein Spiegelrohling( da eine saubere Sphäre reinschleifen und polieren. Dann diese Form flach fazettieren und dann hat man ein sehr genauer und runder Rand.

Wie schon erwähnt nicht mit Luft aber mit Öl das ist viel stabieler. Beachte aber das die Tiefe der Wanne nur wenig mehr ist als man braucht, sonst werden Temperatureffekte merkbar wegen der Ausdehnung des Öls.

Meines erachtens eine Arbeit für sehr erfahrene Optikschleifer.

Gruß,
Harrie
 
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