Schmuckstücke

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luetten

Moin und hallo,

die letzten Nächte konnten leider mit den fast frühlingshaften Tagen nicht ganz mithalten. Vom 26. auf den 27.2. sah das etwas anders aus. Nach Mitternacht wurde der Himmel immer besser. Die Luftfeuchtigkeit sank unter 70% und die visuelle Grenzgröße lag bei ca. 5.5mag. Das sind für unsere norddeutschen Verhältnisse schon ordentliche Bedingungen. Nur die Luftunruhe nahm nicht ab, die Sterne flackerten die ganze Nacht. So wurde also der 16er Dobson in den Garten geschoben und von 0.30 Uhr bis zum Mondaufgang beobachtet. Ich hatte mir keinen Beobachtungsplan gemacht und wollte auch nicht die Leistungsgrenze meines Teleskops ausloten, einfach nur genussvoll spazieren sehen war mein Vorhaben. Dazu boten sich um diese Uhrzeit natürlich die Galaxien und Kugelsternhaufen des Frühlingshimmels an.

Mein erster Blick galt aber wie immer den erreichbaren Kometen. C/2018 Y1 (Iwamoto) war in der Nähe von M36 leicht zu finden, ein großer Wattebausch ohne Struktur mit leichter Aufhellung zum Zentrum. Er scheint schwächer zu werden. 123P/West-Hartley im Großen Bär war wesentlich schwächer und nur indirekt zu sehen.

Von den Galaxien kam zuerst M51 an die Reihe. Dass der Himmel besser war als sonst, sah man sofort. Bei ~140-facher Vergrößerung stand sie groß und mit viel Struktur im Gesichtsfeld. Ein Genuß.

Mit M101 war es ähnlich. Meistens bietet diese große Galaxie ja einen eher enttäuschenden Anblick. Diesmal konnte ich sie aber bei V~90x gut strukturiert bewundern.

So hangelte ich mich von einem Schmuckstück zum anderen. Ich zähle sie mal nacheinander ohne nähere Beschreibung und Anspruch auf Vollständigkeit auf: M102 – NGC5907 – M81 – M82 – NGC2976 – M106 – Leo-Triplett – M64 – NGC4565- NGC4627 und NGC4631. Auch M104 kam natürlich nicht zu kurz, bot aber bei meinem deutlich aufgehellten Südhimmel keinen so berauschenden Anblick wie die anderen Galaxien. Der Wegweiser dort hin, das „Stargate“, war dafür aber hübsch anzusehen.

Bei größerer Öffnung machen auch die Kugelsternhaufen richtig Spaß. Bis ~ 200-fach konnte ich trotz des nicht so guten Seeings problemlos vergrößern, bei ~ 300-fach waren die Sterne schon leicht aufgebläht. Aufgelöst in unzählige Einzelsterne und Sternenketten kann man sich lange an deren Anblick erfreuen. Bis zum Aufgang des Mondes kurz vor 3Uhr begeisterten mich M3, M53 und sein schwacher Nachbar NGC 5053, natürlich M13 mit der kleinen Begleitgalaxie und zum Schluß M5.

Diese Tour hat mir sehr viel Freude bereitet, auch wenn ich wegen der Fülle der Objekte nicht jedem genügend Aufmerksamkeit widmen konnte. Der Anblick dieser Schmuckstücke im großen Teleskop ließ die Zeit wie im Fluge vergehen, und auch die Kälte habe ich nicht gespürt, ja sogar das Trinken habe ich vergessen.

Mein Fazit: Es müssen nicht immer die Funzeln am Rande der Wahrnehmbarkeit sein, um nach einer langen Beobachtungsnacht beseelt ins Bett zu fallen.



Zufrieden grüßt Wolfgang.



Zum Einsatz kamen:

16“ Martini-Dobson

21mm, 14mm und 10,5mm Pentax XL-Okulare

7mm TSUWA, 82° (erstaunlich preiswert und gut)

alles gebraucht erworben.
 
hallo Forum,

Wolfgang:

0:30 MEZ , da räumte ich gerade sprichwörtlich das Feld nach einer 6 stündigen Aktion.
Der Himmel war immer wieder von Schleierwolken durchzogen. Es war zudem anfangs recht mild, später dann leicht frostig.
Der Himmel wurde , wie Du schreibst dann zusehends dunkler und klarer ( von SQL 20.5 auf 20.8mag).
Kurz vor 1 Uhr vor der Haustür max SQL 21.2mag.

Ich habe neben div. Kometen auch einige M`s und NGC´s mit dem 21"er beobachtet.
Toll waren bei 300x M 104 Sombrero, NGC 3242 und Eskimo bei 480x, M81 & 82 , M65/66 , M64 !
Aber auch zum Start M 42 leicht farbig und später M 3 und M 13.

Gruß
Christian
 
Ja Christian,
mit 21 " sind die M´s und NGC´s noch um einiges imposanter. Bei Vergleichen auf div. Teleskoptreffen war das nicht zu übersehen. Ich werde mich aber auf meine "alten Tage" mit den 16" zufrieden geben.
Gruß,
Wolfgang.
 
hallo Wolfgang,

ich habe vor dem 21"er mehr als 10 Jahre mit versch. 16"er beobachtet.
Zwischendurch auch mal kurzweilig mit 18" und 17.5".

Sei mit Deinem 16"er einfach zufrieden !
Ist Preis Leistung optimal.

Der Himmel ist in den vergangene Jahren eh deutlich schlechter geworden aufrgund Beleuchtung,
Gewerbegebieten, Feinstaub, zunehmendem Luftverkehr etc..

Ok, 21" bringt 1/2 Grenzgröße mehr als 16" .
Aber gestern kamen zB. die Objekte nicht besser raus als mit 16" vor Jahren in einer Durchschnittsnacht.
Ich habe mir so nur etwas Himmel wieder "zurückgekauft" 21" zum Preis von 6500 Euro gegenüber
rund 2500 Euro eines damaligen 16"ers ...

Gruß
Christian
 
Hallo Wolfgang,
bin gern durch Deinen Bericht spaziert. Du beschreibst auch mein Empfinden ohne irgend was leisten zu müssen und einfach nur genüsslich spazieren zu gehen. Wenn der Himmel mal was zu bieten hat, halte ich mich auch nicht länger an einer Sache auf, sondern nehm mit was geht, wer weis, wann die Möglichkeiten mal wieder so günstig sind, nicht wahr? Meinen 16ner hab ich gegen einen 5er ed getauscht. Für meine Wiener Vorstadtverhältnisse war der Lichteimer einfach eben doch ein Lichtsammler im wahrsten Sinne des Wortes. An manchen Objekten erlebte ich wohl meine Offenbarung mit 16" ,doch Galaxien sind bei einem Himmel mit 4,5mag in guten Nächten nun nicht wirklich lohnenswert. Und ohne Leiter konnte ich denn im Zenit nie bedienen. Mit dem Kleinen nun beobachte ich öfter.
Also man merkt hier im Beob.Forum, dass das Hochdruckgebiet hier und da die Sterndelgucker rauslockt. Schön!!!!

LG
Anette
 
Moin Anette,
danke für Deine Antwort. Leider fehlt mir die poetische Ader, um meine gelegentlichen Beobachtungsberichte so auszuschmücken, wie Du es hier im Forum so schön demonstrierst.
Daß die Beobachtungsbedingungen gerade im Flachland immer schlechter geworden sind, ist eine Tatsache, mit der wir wohl zurecht kommen müssen. Deswegen haben sich meine Vorlieben auch verlagert. Nicht mehr die Jagd nach schwachen Details in noch schwächeren Galaxien steht im Vordergrund, vielmehr habe ich Offene Sternhaufen, Kugelsternhaufen, Planetarische Nebel und sogar den Mond neu für mich erschlossen. In diesen in der Vergangenheit vernachlässigten Objekten entdecke ich mit meinem Lichteimer immer wieder Dinge, die mir bisher entgangen sind. So bieten sich auch bei nicht so optimalen Bedingungen noch genug Gelegenheiten, den großen Dobson _DSC3408.jpg zu nutzen, zumal er in nur wenigen Minuten einsatzbereit ist.


Lieben Gruß,
Wolfgang.
 
Mit dem Flachland und der Schlechten Sicht hast so recht Wolfgang, das kommt mir auch mehr und mehr so vor, zumal Deutschland mit auf Platz Drei der weltweiten Feinstaubbelastungen steht, Stuttgart an vorderster Stelle. Aber schau Dir mal dieses Bild von einer WebCam an : ( http://www.schneeberg.tv/livebild/hsb/hsb_down_hi.jpg ), die von den Wiener Alpen bis zum Horizont schaut, wo das Wiener Becken so schön unter einer Drecks-Smog-Glocke liegt, da unten drunter fröne ich den Freuden eines Sterndlguckers.
Lieber Wolfgang, meine poetische Ader liegt aber auch daran, dass ich eine Lady bin und deshalb etwas emotionsbeladener, Männer (einige Frauen aber auch) haben hier einfach einen nüchternen Zugang, was Gott sei Dank auch sein muss.
Liebe Grüsse von Anette
 
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