Schwärzen des Tubus

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andreasi

Mitglied
Hallo, Sternenschauer!
So, haha, nun bin ich schon drei Foren von den Einsteigerfragen zum Selbstbauforum runtergewandert. Fühl mich schon richtig erwachsen...
So nun aber zu meiner vielleicht doch eher kindlichen Frage:
Es geht um das Schwärzen des Tubusinnerem. Da gibt es ja zu einem die beiden Alternativen Velour und Antireflexfarbe. Ich will keinen Glaubenskrieg anzetteln, aber was ist wohl besser zu empfehlen? Fusselts jetzt oder nicht? Kleckerts jetzt oder nicht?
Ach ja, und muss der Okularauszug auch geschwärzt werden?
Und dann noch ein zweites Anliegen: Könnt Ihr mir die Angst vom Auseinandernehmen des Teleskops nehmen? Gibt es da Gefahrenquellen? Sind die Spiegel wirklich wieder einfach zu justieren? Was nehme ich am besten her?
Vielen Dank für eure Antworten, wünsche uns allen eine baldige klare Sicht nach oben!!!
Andreas
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hi Andreas,

ich habe das Decifix-Velours verwendet. Mit Pressluft abgeblasen fuselt es nicht. Die Schwarze "Astrofarbe" von Berger soll sehr gut sein, einen direkten Vergleich kenne ich leider auch nicht.

Ach ja, und muss der Okularauszug auch geschwärzt werden?

Naja, man muß nicht, aber jede Stelle die evtl. reflektieren kann ist eine "Fehlerquelle" die sich mit eigentlich wenig Aufwand beheben läßt. Auch Schräubchen usw. sind wenn sie geschwärzt sind einfach als erledigt zu betrachten.

Viele Grüße Felix



 
Hallo Andreas,

Zitat von andreasi:
Könnt Ihr mir die Angst vom Auseinandernehmen des Teleskops nehmen?

Nein. Mit ein bisschen Angst macht man sich mehr Gedanken über das, was man tut.

Zitat von andreasi:

Immer! - aber es gibt auch Mittel und Wege, sie zu entschärfen.
Vorher überlegen, wie man den Tubus gegen Wegrollen sichert und wo und wie man die Teile, ins Besondere die Spiegel, sicher verstaut.
Sicherstellen, dass keine Stolperfallen um den Arbeitsplatz herum existieren, vor allem beim Ein- und Ausbau der Spiegel.
Am Tubus nur Herumschrauben, wenn er sich in gesicherter horizontaler Lage befindet, dann fällt auch kein Werkzeug auf den Spiegel.

Zitat von andreasi:
Sind die Spiegel wirklich wieder einfach zu justieren? Was nehme ich am besten her?

Einfach wird es, wenn man es ein paar Mal gemacht hat. Übung macht den Meister. Zur Justierung rate ich zum Justierokular. Anleitungen gibt es zu Hauf im Netz.

Wenn Dich das nun etwas abschreckt, hier eine einfachere Lösung:
Es genügt vollkommen, den OAZ und die gegenüberliegende Seite des Tubus auszukleiden. Im Grunde genommen alles, was man mit bloßem Auge durch den OAZ sehen kann, inkl. des OAZ-Inneren selbst. 99% des Streulichtes, das von innerhalb des Tubus zum Okular gelangen kann, hast Du damit unterdrückt. Dafür reicht eine Rolle Velour.
Wenn Du durch den OAZ auch über den Rand des Tubus hinausschauen kannst, ist es angebracht eine Abschirmung aus schwarzem Karton oder Moosgummi (Taukappe) anzubringen.
Dann hast Du auch das Streulicht von außerhalb des Tubus eliminiert.
Farbe - insbesondere bei den Schrauben - ist m.E. absolut überflüssig.
Diese Arbeiten kannst Du alle ausführen ohne den Fangspiegel oder Haupspiegel auszubauen und ohne Gefahr zu laufen, mehr mit Farbe zu versauen, als Dir evtl. lieb ist.
Einziger Nachteil: es sieht halt nicht so schön aus, als wenn der ganze Tubus geschwärzt ist. Aber Du willst ja wohl hauptsächlich durch den OAZ schauen und nicht vorne in den Tubus - oder? ;)

CS
Chris
 
Hallo Chris,

nein, es genügt nicht.

Wenn Du schon wegen des Streulichts skeptisch bist und selbst da ist ein Gewinn durch die Vollauskleidung und Komplettschwärzung bei Beobachtung heller Objekte (Mond/Planeten) und(oder in deren Nähe gegeben, auch bei Beobachtung an störlichchtbelasteten Orten (z.B. Nähe Straßenlampen) gegeben, wenn man das noch mit einer Tau-/Streulichtkappe kombiniert, mindesten 1,5 x D-Tubus über FS-Kante und leicht trichterförmig öffnend um Vignettierung zu vermeiden, dann sollte der Hinweis auf die nicht unerhebliche isolierende Wirkung einer Vollauskleidung mit Veloursfolie eigentlich zum Umdenken anregen.

Die Tuben annähernd aller "modernen" Newtons sind zu kurz und zu eng. Die Kürze bedingt die Streulichtfalle und die Enge bedingt, dass Nicht nur der hintere Glasklotz (Spiegel) für Tubusseeing sorgt, sondern in hohem Maße auch der kalte Blechtubus selbst, dessen zum Himmel gewandte Oberseite stets kälter ist als die Unterseite. Die entstehenden, chaotischen Luftströmungen wirken durch die Enge im Tubus stark im Strahlengang, der zu allem Überfluss den Tubus auch noch doppelt durchläuft. Eine funktionsfähige, saugende Lüftuung UND eine Tubusisolierung wirken dem in ganz entscheidendem Maße entgegen.

Nach der guten Justierung eines Newtons ist seine thermische Beherrschung das zweite wichtige Kritierium zur Ausnutzung des Öffnung und Qualität vorgegebenen Potenzials.

Die einfache Lösung bringt etwas für den Anfang. Mangelde Schönheit ist aber bei Weitem nicht ihr einziger Nachteil.

Gruß und CS
*entfernt*
 
Hi Günter,

ich gebe Dir in allen Punkten Recht. Ich habe mir auch eine Außenisolierung aus den von Dir genannten Gründen aufgebracht.
Trotzdem: für einen Einsteiger, der hinsichtlich der Arbeiten bei Vollauskleidung Bedenken hat und Unsicherheit äußert, ist eine Teilauskleidung immer noch besser, als gar keine.

Viele Grüße
Chris
 
Hallo Andreas,

mir gehts genauso wie dir. Ich hab auch großen Bammel davor die Teile nicht mehr richtig ranzukriegen. Allerdings habe ich mich entschlossen die Nummer diesen Sommer durchzuziehen! Ich werde Veloursfolie nehmen - und mir vorher genau überlegen, was ich jetzt wie mache.

Und wenn´s schief geht!? ...Egal, für 350 € gibts doch schon ein neues Scope :confused:

Gruß & CS
Peter
 
Hallo,

sehr wichtig ist es, beim Zerlegen des Teleskops ja nicht in die Versuchung zu kommen, den jetzt sichtbaren Staub auf den Spiegeln beseitigen zu wollen.
Dann kann normalerweise auch nix schiefgehen...

Gruß Norbert
 
Hi,

die Justierarbeit kann man ein wenig reduzieren, wenn man sich an der Hauptspiegelhalterung markiert, wo der Tubus seinen Falz hat. Dann weiß man wie der Spiegel eingebaut war.

Das Zerlegen ist gar nicht so tragisch, beim Hauptspiegel einfach ein Kissen unterlegen, wenn er ausgebaut wird, dann fällt er weich. Der Rest ist dann eh eher unproblematisch.

Die Zuordnung (beim Zusammenbauen) der einzelnen Teile ist auch nicht so schwer, da passt eigentlich jedes nur an eine Stelle, also kann auch nix schiefgehen.

Gruß und CS,

Stefanie
 
Hallo Andreas,

die Schwärzung des Okularauszuges und der gegenüberliegenden Tubusseite ist sogar die wichtigste Maßnahme! Das bringt vielleicht 80% der Streulichunterdrückung.

Justage: Sehr problematisch, auch wenn hier immer wieder das Gegenteil behauptet wird. Die meisten Newton Nutzer justieren entweder gar nicht oder falsch, was aufs selbe hinaus kommt. Klar, es gibt Leute die beherrschen das, diese sind hier natürlich überproportional vertreten, weil wer scheitert, hält den Mund (wie bei den vielen Spiegelschleifaufgebern). Aber der Weg zur perfekten Justage ist schwierig, Anleitungen meist unverständlich, weil der Blick durch den offenen Okularauszug sehr schwer zu verbalisieren ist.

Viele Grüße
Andreas
 
Hi,

es gibt eine ganz gute Anleitung für die Kollimation von Uwe Pilz als PDF zu runterladen: http://home.arcor.de/piu58/technik/justg.pdf.

Damit habe ich das sehr gut hinbekommen und ich habe noch nie zuvor einen Newton kollimiert.

Nach dem Auskleiden mit Velours musste ich nur den Fangspiegel wieder Zentrieren, sonst nix.

Gruß und CS,

Stefanie
 
Hallo, Stefanie!
Danke für deine Hinweise! Eine Frage dazu: Zum Bekleben des Tubusinneren, hast du da den Hauptspiegel auch ausgebaut oder nur den Fangspiegel? Muss man denn das ganze Teleskop auseinander nehmen?
mit besten Grüßen,
Andreas
 
Hi Andreas,

ich habe alles abgebaut, damit nix schief gehen kann. Es macht sich auch ganz gut, wenn man beide Enden vom Tubus offen hat, denn dann kann man zu zweit super die Folie verlegen, ohne dass man zu sehr in die Röhre kriechen muss.

Zusammenbauen ist wie gesagt recht einfach.

Gruß und CS,

Stefanie
 
Hallo Leute,

hier
http://joebifi.npage.de/velours_mod_92442467.html
wurde ALLES ausgebaut und fand wieder unbeschädigt seinen richtigen Platz.
Eine Anleitung zum Lüfter findest sich da auch.

Wer sich für einen Newton entscheidet muss sich ohnehin irgendwann der Justierthematik stellen, die Anleitungen von Uwe und Ekkehard "Pteng" sind richtungsweisend und unterstütztend mag dieser kleine Film
http://www.andysshotglass.com/Collimating.html
zeigen um was es geht.

Dieses Thema zu mystifizieren bringt ebenso wenig, wie (preisklassenorientiert) auf kleinere, billige, oft dezentrierte und farbwerfende Linsenteleskope auszuweichen, nur da wird es wirklich auch problematisch, das wesentlich geringere Potenzial zu holen. Sie sind, ganz im Gegensatz zum Newton, eben nicht darauf ausgelegt, dem Nutzer simple Justiermöglichkeiten zu bieten.
Die Möglichkeiten der Justierung am Newton sind nicht immer optimal gelöst, so ist bei GSO die "über Kreuz Anordnung" der HS-Halte- und Justierschrauben ein Langzeitärgernis, aber machbar ist es allemal.
Wenn man nun den Anleitungen Schritt für Schritt und sinnerfassend folgt, wozu z.B. gehört, sich auch zu vergewissern, was passiert, wenn Schraube x gedreht wird und warum es passiert, dann stellt sich nach und nach auch die Sicherheit beim Verfolgen der Abläufe ein, weil der Sinn offensichtlich/sichtbar zu verfolgen ist.

Fakt ist, dass selbst unter Leuten, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, anfangs eine gewisse Unsicherheit da ist, ob man wirklich alles richtig gemacht hat. Da spielen die ständigen, kontraproduktiven Warnungen und Negierungen des Systems eine Rolle, ebenso der Wunsch, eben das bestmögliche herauszuholen.

Beim Rundgang über die Treffen sieht man aber immer wieder, dass Leute die sich an die Justierung herantrauen und bemühen, wesentlich näher am Optimum sind als solche, die sich schon seit dem Kauf auf die "Werksjustierung" verlassen haben.
Die Einen brauchen eigentlich nur eine Bestätigung und eventuell noch ein oder zwei kleine Tips, bei den Anderen ist man erstaunt, wie massiv verstellt ein Newton sein kann und er liefert trotzdem noch ein Bild. Sie sind dann auch recht häufig höchst erstaunt, was ihr Newton tatsächlich kann, wenn er auf die Schnelle Mal annähernd sauber justiert wird.

Gruß und CS
*entfernt*

 
Der Newton hat den Vorteil, dass man ihn auch ohne Stern mit einem Cheshire-Okular sauber (im Warmen und in aller Ruhe) justieren kann.

Ein weiterer "Vorteil" komabehafteter Systeme ist, dass man ihnen eine Dejustage bei einem Sterntest sofort anmerkt.

Unter Umständen sieht man bei auskorrigierten oder mehrelementigen Systemen (eventuell beim Rutten-Mak) eine leichte Dejustage beim Sterntest gar nicht auf Anhieb, da der Stern nur vergrössert und unschärfer erscheint ohne die sofort ins Auge springende "Koma-Figur".

Gruß Norbert
 
Hallo Sternenschauer!
Erst mal vielen Dank für Eure Antworten. Nachdem es im Netz so viele Anleitungen gibt (die Tiefhimmelbrüder und der pteng und piu, das sind schon Hund!) werd ich das jetzt mal angehen, mit dem Velour. Und ich denke ich habe euch richtig verstanden, wenn es besser ist, gleich ein Chesire so kaufen, weil damit eine Komplettjustage möglich, die Laserlösung hingegen nix für den Fangspiegel ist, oder?
Mit himmelsaufklarenden Grüßen
Andreas
 
Hallo Andreasi

Nur keine Angst. Ich als Anfänger (Dobsionist) hab das auch mit dem Velours hingekrigt. Das machte mir solch großen Spass, das ich mit basteln nicht mehr aufhören kann. :schwitz:
Und danke an Günter *entfernt* der dir meine Internet Seite empfohlen hat.
Ich muß auch erwähnen, dass Onkel Günther :super: die Idee hatte, diese Umbauten für Umbauwillige zu präsentieren.
Das war eine gute Idee.

http://joebifi.npage.de/

Demnächst stelle ich mein Foucault Messer vor, den ich aus einer 12 er Welle und einem Stullenbrett bastelte.
Eine Spiegelschleifmaschine aus einem Computertisch, steckt auch schon in den Kinderschuhen...


Ich freu mich auf euren Besuch

Gutes gelingen wünscht Steffen "der Dobsionist"





 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo, Sternenschauer!
Geschafft, mein Vorredner hat recht! So richtig Spaß hat es gemacht an dem eigenen Teleskop rum zuschrauben. Hat alles gut geklappt, die Justierung passt, der Kontrastgewinn erstaunlich. Danke an alle!
Andreas
 
Hallo Andreas,

danke für die Rückmeldung. Das sind gute Nachrichten und für Leute, die Ihre Scheu vor ein wenig Bastelei noch nicht abgelegt haben, wichtige Nachrichten.

Gruß und CS
*entfernt*
 
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