Schwerer britischer 8" Newton - nun mit Bildern

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NGC4711

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Hallo zusammen - endlich mit Bildern....,

ich möchte Euch ein etwas seltenes und möglicherweise auch verwegenes Projekt vorstellen, welches ich zurzeit bei uns in der Firma durchziehe:

Restaurierung eines schweren britischen 8“ Newton (es muss nicht immer ein ladenneues Instrument sein).

Ich hatte das Glück, dieses Prachtstück im November in einem Antiquitätenladen aufzustöbern und es war „Liebe auf den ersten Blick“.

Selten sieht man außerhalb von Sammlungen oder Museen ein altes Instrument, welches mit derart vielen - aus der Beobachtungspraxis stammenden - Details ausgerüstet ist und bei seinen 270 kg Gesamtmasse letztendlich recht erschwinglich war (lediglich € 2,78 für’s Kilo Newton).

Netterweise wurde es sogar für nur € 7,00 (!!) auf 2 Euro-Paletten durch eine Spedition frei Haus geliefert; es gibt doch noch gute Menschen…

Hier einige Bilder dieses fast brachial wirkenden Teleskops (viel schweres Metall unter Hammerschlaglack bzw. massive Messingteile). Allein der 70 cm lange Arm für die Feineinstellung in Deklination bringt stolze 4,4 kg auf die Waage.


Link zur Grafik: http://img137.imageshack.us/img137/6928/gesamtansicht.jpg

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Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man annehmen, dass es sich bei diesem Achtzöller mit all seinen Vernietungen und massiven Bauteilen um ein Instrument aus einem klassischen Jules Verne Roman handelt….


Link zur Grafik: http://img838.imageshack.us/img838/5692/tubus.jpg

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Link zur Grafik: http://img694.imageshack.us/img694/5441/montierung.jpg

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Bei diesen Abbildungen darf man sich nicht durch die Stellung des Suchers verwirren lassen; dieses Teleskop ist leider kein Kutter.

Optische Daten:

- Öffnung: 8“
- Brennweite: 68“
- Öffnungsverhältnis: 8,6
- Spiegelmaterial: Pyrex

Auf der Rückseite des Primärspiegels befindet sich eine eingravierte Inschrift mit weiteren Spiegeldaten, die aber noch von Verschmutzungen befreit werden muss.

Mechanische Daten:

- Spiegelhalterung: Mit Samt belegte Zelle mit 3 radial wirkenden langen gerundeten Backen, welche
den Spiegel zentrieren und unverrückbar festhalten.
- Die gesamte Spiegelzelle kann bei Bedarf über Fernwellen nachjustiert werden.
- Säule: Stahl (Schwingungennoch nicht bekannt; bei Bedarf: Sandfüllung)
- Parallaktische Montierung mit beidseitigem Handbetrieb (typisch britische Ausführung; also etwas
gewöhnungsbedürftig)
- Langbrennweitige Lupe zum Ablesen der Skala auf der Stundenachse
- Masse der Säule samt Montierung : ca. 150 kg
- Vier verschiebbare Ausgleichsgewichte (je ca. 300 g) entlang des Tubus
- Antrieb der Stundenachse: Schnecke mit manuell einstellbarem Andruck an das Schneckenrad
- Oberes Ende des Tubus via Schnellverschlüsse abnehmbar (Reinigung des Sekundärspiegels)
- Sucher (fast ein Hauptinstrument): 680 x 50 mm Refraktor mit 30-facher Vergrößerung (Gravur am
Okularauszug: „H&G 30 X“); dieser wird wiederum bei der Grobausrichtung durch einen Mini-Sucher
unterstützt.
- Kleine Rotlichtlampe beim Okular

Bei diesem Teleskop handelt es sich um eine wahrhaftig britische Eigenkonstruktion (keine einzige metrische Schraube vorhanden), was aber sicht allzu tragisch ist, da man bei http://www.schrauben-preisinger.de jede nur erdenkliche Schraube zu einem fairen Preis erhält.

Bis zum „First Light“ gibt es aber noch allerhand zu tun, was ich ab der nächsten Woche in loser Folge durchgeben werde.

Anstehende Restaurierungsarbeiten:

- Wechsel der Zugfeder in der Feineinstellung der Deklination
- Entfernen alter Schmierstoffe in allen Lagern und Antrieben -- Reinigung der optischen Oberflächen
- Neulackierung der Säule (dunkler Hammerschlaglack)
- Neulackierung des 22 kg (!!) Gegengewichtes und des Getriebegehäuses (schwarzer Schrumpflack)
- Festigkeitsüberprüfung aller Klemmungen und Schraubungen
- Entstauben der Tubusinnenflächen


Geplante Verbesserungen:

- Neuer Okularauszug (der Alte war leider nicht mehr vorhanden)
- Elektrischer Antrieb der Stundenachse durch einen entsprechend stark untersetzten Schrittmotor
und VCO-Ansteuerung
- Einfügen einer Skala für die Deklinationsachse
- Ausfahrbare Stützen für stabilen Stand und Nivellierung
- Ausbau mit einen 200 mm f/3 Astrographen aus dem Hause Wachter (Spiegel bereits vorhanden)


Soweit der aktuelle Stand der Dinge.

Ab der nächsten Woche werde ich hier im Forum berichten, wie es mit dem dann wieder komplettierten Instrument weitergeht.


Bis die Tage also und

viele Grüße


Volker
 
Re: Schwerer britischer Newton - nun mit Bildern

Gibt's die Bilder auch in groß?!
Warum machst Du einen zweiten Thread auf?
 
Re: Schwerer britischer Newton - nun mit Bildern

Weil im ersten keine Bilder zu erkennen waren
 
Re: Schwerer britischer Newton - nun mit Bildern

Hallo Volker,


was für ein Brocken! Der Gesamtzustand scheint auch noch ziemlich gut zu sein nach dem zu urteilen was man erkennen kann. Da läßt sich ein museumsreifes Schmuckstück draus machen! Berichte bitte weiter, das Teleskop macht ja schon beim Anschauen Spaß!

Welch wohltuender Gegensatz zu den modernen Pressspankonstruktionen... :D



Viele Grüße Felix
 
Hi Volker,

most impressive – indeed!

Wie gern wüsste man, wer da alles schon durchgeblickt hat. Das wird ein spannendes Projekt. Weißt du, was für Anbauteile zusätzlich an der Säule waren, da, wo die Umrisse ob der untergründigen Lackierung zu sehen sind?

Herzlich, Olaf
 
Hallo Volker,

wirklich Klasse. Das ist Optik mit Maschinenbau gepaart wie man das heute wohl kaum noch findet. Viel Spaß beim restaurieren.
Willst Du das Teil dann danach irgendwo fest installieren? So als Reiseteleskop und Schnellspechtelgerät ist es ja ein klein wenig zu schwer.

Grüße
Hans
 
Hallo Volker,

Tolle Bilder sind das. Ich hätte noch ein paar Fragen zu diesem wundervollen Oldtimer:

-Lässt sich das Instrument datieren?
-Soweit ich sehen kann, gibt es keine Vorrichtung zur Polhöheneinstellung. Ist der ursprüngliche Aufstellungsort bekannt, bzw. für welchen Breitengrad ist die Montierung eingestellt?
-Sind die Einzelteile des Tubus vernietet oder verschraubt?
-Wurde die Montierung elektrisch oder durch ein Uhrwerk angetrieben?

Das würde mich interessieren, wenn Du die Fragen nicht beantworten kannst ist es aber auch OK.
Willst Du das Gerät möglichst authentisch restaurieren oder modernisieren und für die heutige Zeit aktualisieren? Deine Planung mit modernem Antrieb deutet ja eher in die zweite Richtung.
Was für einen OAZ hast Du im Auge?

Neugierig und fasziniert:
Marcus
 
Glückwunsch Volker,

das Gerät macht schon beim Hinschauen Spaß, das ist noch ein Teleskop von der "Build it like a battleship" Fraktion.

CS Mike
 
Was für ein Brocken! :o
Möchtest du mit dem Newton denn auch beobachten?
Frage mich grade wie man das Teil nach draußen bekommt bei 270 kg ?!

mfg Nino
 
Hallo Volker

Das Teleskop erinnert mich an den Film, Die Zeitmaschine.

Die Messing Teile würde Ich so lassen, nur reinigen, kommt gut rüber.

Manfred
 
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