Second Light mit dem 20" AOM Dobson

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Mojo

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Nachdem das first light wegen diverser technischer und meteorologischer Probleme gründlich ins Wasser gefallen war, kam mir die Vorhersage für die Freitagnacht (23.1.2004) sehr gelegen.

Ausrüstung: 20" f/4 AOM mit DobDrive II. Mit dabei waren ausserdem Peter Surma (C11) und Michael Feierabend (114mm Newton)
Standort: etwas südlich vom Katzenbuckel/Odenwald knapp 500m hoch
Wetter: durchziehende Zirren, Seeing anfangs mies, später gut. fst ca. 5.8m. Temp. ca. -6 Grad bei einem fiesen NO-Wind
Okulare: 27mm Panoptic, 14mm Pentax XL, 9mm LV, 4mm Radian sowie Peter's 31mm Nagler



Erstes Objekt war Saturn. Trotz nicht ausgekühltem Spiegel war die Cassini-Teilung rundum zu sehen, sowie mehrere Wolkenbänder.

M42: Das Trapez mit den Komponenten E und F war sofort direkt zu sehen. Die direkte Umgebung des Trapezes zeigte bei 140x ein Geflecht von grünen Filamenten, welche bei 220x das gesamte Gesichtsfeld ausfüllten und alle Beteiligten in Staunen versetzte. Der UHC hob den Kontrast deutlich an, zeigte aber keine weiteren Details. Im Panoptic (74x) zeigte sich M42 als geschlossener Ring, dessen Ausläufer erst weit ausserhalb des Gesichtsfeldes (knapp 1 Grad) in den Hintergrund übergehen.

NGC 2158: Bei 74x eine Gruppe recht heller Sterne vor einem nebulösen Hintergrund. Bei 140x ansatzweise aufgelöst.

M1: Bei 74x hell, groß. Bei 140x ausgefranster Rand, bei 220x einige Strukturen im Inneren sichtbar.

IC434/B33: In Peter's C11 (Nagler 31mm, H beta-Filter) war der Pferdekopf zeitweise als strukturloser Fleck an der Grenze der Wahrnehmung sichtbar. Im 20" zog sich IC434 als direkt sichtbares Band quer durchs Gesichtsfeld (1.3 Grad). B33 war indirekt sofort als länglicher dunkler Fleck sichtbar. Nach kurzem konzentriertem Beobachten waren wir uns auch über die Orientierung des Kopfes einig. Ohne den Filter war übrigens nur eine helle Suppe zu sehen, keine Spur von IC434, geschweige denn B33. Der Grund war rasch gefunden: langsam machten sich Cirren breit.

Wir nutzen die Pause zum Aufwärmen in Peter's mit Standheizung ausgerüstetem Van. Nach 15 Minuten war der Spuk vorbei und uns erschien der Himmel sogar etwas dunkler als vorher, warme Füße steigern offenbar die Wahrnehmung.

Jupiter: Als ausgewiesener Deep-Skyler interessieren mich Planeten kaum, aber ein Vergleich mit dem C11 war natürlich interessant. Mittlerweile (0:30 Uhr) waren beide Teleskop ordentlich ausgekühlt, und Jupiter mit 30 Grad leidlich hoch über dem Horizont. Das C11 zeigte indirekt ansatzweise Strukturen im GRF und in den Bändern. Im 20" waren diese Strukturen bei 220x sofort und auch direkt zu sehen, sowie weitere feine Details.

M82: Als längjähriger Benutzer eines Skysensors hatte ich meine liebe Mühe, dieses Objekt mit dem Telrad einzustellen. Es dauerte rund 20 Minuten, dann war M82 im Panoptic sehr hell und groß. Bei 220x offenbarten sich ca. ein halbes Dutzend dunkle Bänder innerhalb der Galaxie. Leider zog es jetzt ordentlich zu und wir mußten abbauen.


Über das Teleskop: Christian Meier verwendet für seine Teleskope ausschließlich Materialien höchster Qualität, und das zahlt sich aus: Alles ist extrem stabil. Selbst im 4mm (500x) war es kein Problem, den Dobson per Hand nachzuführen. Dank 7 Lüftern kühlt der Spiegel recht schnell aus. Der Feathertouch Okularauszug ist völlig spielfrei und dank 10:1 Untersetzung ist das Scharfstellen trotz f/4 kein Problem. Über den verwendeten Spiegel gibt es einen separaten Beitrag, es handelt sich nicht um einen Premium Spiegel, trotzdem ist die Qualität meiner Meinung nach sehr gut.
Leider hat die stabile Konstruktion auch einen Nachteil: das Teleskop ist unglaublich schwer. Die Spiegelzelle allein wiegt 45kg. Wegen dem recht schweren Korb (8kg) müssen noch Gegengewichte mit insgesamt 20kg an der Spiegelzelle angebracht werden, sodass wir auf ein Gesamtgewicht von knapp 90kg kommen. Es passt aber noch gut in einen Golf II, und ich kann es alleine innerhalb von 10 Minuten aufbauen.

Über den DobDrive: Diese kleine rote Box ist einfach genial! Die Funktionsweise ist einfach: man zentriert das Objekt im Okular, wartet ein paar Sekunden, zentriert wieder neu usw. nach ca. 1 Minute hat der DD genug Informationen und das Objekt bleibt auch bei hoher Vergrößerung mehrere Minuten lang im Gesichtsfeld. Sehr nützlich ist auch die Suchfunktion. Damit fährt das Teleskop eine Spirale um den Ausgangspunkt. Für mich als Anti-Starhopper unverzichtbar! Als nächstes werde ich die Goto-Funktion des DD testen.

-Udo.
 
Hallo Udo!

Na, auf DEN Bericht habe ich gewartet! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> Herzlichen Glueckwunsch zum wundervollen, wenn auch etwas schweren AOM-Dob. Mein ATLAS hat ja nur 12", ist aber auch ein strammes Buerschchen! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Es muss wunderbar sein, die Objekte nochmals um so vieles groesser und heller zu sehen! Ein gelungenes Second Light!!!

Über den DobDrive: Diese kleine rote Box ist einfach genial!

Musik in meinen Ohren! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> Hierzu haette ich noch ein paar Fragen:

- Wie schwierig ist der Einbau dieser Box?

- Einmal eingebaut, laeuft diese Nachfuehrung ruckelfrei? Ist das Bild ruhig genug, um z.B. Mond und Planeten zu fotografieren?

Uber Infos aus der Praxis wuerde ich mich freuen!

Herzliche Gruesse

Birgit



 
Das kann ich leider nicht direkt beurteilen, das hat der Christian Meier gemacht. Aber sowohl er, als auch ein anderer Sternfreund haben berichtet, daß es problemlos ging. Vielleicht schreibt Christian ja mal etwas dazu wenn er wieder aus dem Krankenhaus ist.
Einmal eingebaut, laeuft diese Nachfuehrung ruckelfrei? Ist das Bild ruhig genug, um z.B. Mond und Planeten zu fotografieren?
Absolut! Selbst bei 500x blieb Saturn nach knapp 2 Minuten Initialisierung wie angewurzelt in der Bildmitte stehen. Es gibt auch noch einen Guide-Modus, der deine Korrekturen direkt umrechnet. Normalerweise wird das erst 7 Sekunden nach dem letzten Tastendruck gemacht.

Allerdings solltest du bei deinem Teleskop wegen den Höhenrädern anstatt dem Rim-Drive den Belt-Drive kaufen. Denn der Rim-Drive ist zwar genauer, benötigt jedoch große, mit Alu o.ä. beschlagene Höhenräder.

-Udo.
 
Hallo Udo!

Na, das hoert sich ja verheissungsvoll an! Da werde ich nciht widerstehen koennen und ATLAS bekommt auch so ein Wunderkaestchen! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Herzlichen Dank fuer Deine Infos und viele Gruesse

Birgit
 
Hallo Udo,
schöner Bericht! Wie groß ist Deine Abschattung?
Ich als bekennender AOM Dobsonaut bin ja kürzlich von 12" auf 14" hochmaschiert ... bei Deinem 20"er werde ich ganz blaß! Wie hoch ist denn Dein Einblick? Bei meinem f5er muß ich armers Kerlchen schon auf einen Minihocker ... wieviele Leiter bräuchte ich bei Dir?
Mein Überlegung ist es auf einen 18" f4 umzusetteln, auch wenn ich dann mit meinem Zeiss Zoom wahrscheinlich nur noch mit dem TeleVue Paracor auskommen werde.

CS
Philip
PS: Hast Du Bilder von Deinem 20"er?
 
Philip,
die Abschattung beträgt 20%. Ich bin 1,85m und brauche eine 40cm hohe Mini-Leiter um im Zenit ans Okular zu kommen.

F/4 ist nur bei langbrennweitigen WW-Okularen ein Problem. Z.B. produziert das 27mm Panoptic schon ab 50% Kometen. Aber bereits beim 14mm XL sieht man kaum noch was davon.

Hmmm...ein Foto könnt' ich mal machen, jo...
-Udo.
 
Hallo Mojo,

herzlichen Glückwunsch zu deinem mehr als gelungen Second Light. Jetzt haben wir auch einen unter uns, der einen Riesendobson besitzt. Ich warte jetzt schon ganz sehnsüchtig auf deinen nächsten Bericht. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" />

Ich würde auch mal gerne durch so ein großes Gerät schauen. Es ist wahrscheinlich total überwältigend, was man mit so einem Instrument so alles sehen kann. Besonders die Beschreibung von M1 hat mir sehr gefallen, da ich diesen Nebel nur als ovales Fleckchen kenne.

Christian
 
Ciao Udo + all,

ich bin ja im Astrostammtisch durchaus als amtlicher Frustrierer von Gross-Teleskop-Besitzern berüchtigt. Schon an Wolgang Ries' C14 hab ich immer rechnerisch rumgemäkelt, dass der Unterschied in der Grenzgrösse zum C11 ja nur 2.5 * log ((14/11)**2) = 0.5 mag sei (und ich deshalb gleich zum 30,.. äh 20-Zoll greifen wolle, wenn mal ein grösseres Teleskop ins Hau käme, also wenn schon denn schon... :-). Nein Wolfgang, bitte nicht schon wieder den Astrostuhl (!) als Knüppel missbrauchen !

So versuch ich also auch hier mein Glück mit diesem dunklen Handwerk.
Viel Feind viel Ehr.

Irgendwann steht auch die 18 oder 20" Tüte an bei mir, deshalb war ich hochinteressiert wieviel Udo's Monster bringt im Vergleich zum meinem im wahrsten Sinn des Wortes unterbelichteten C11 (rechnerisch +1.3 mag).

Mein ersten Eindrücke von jenem (doch etwas kurzen - wegen Cirren-Unterbrechung) Beobachtungs-Gig waren folgende:

Gigantische objekte wie M42 in der Übersicht (!) sind der Renner-Unterschied nicht. Das mag hauptsächlich auch daran liegen, dass wir unter dem gleichen (doch etwas aufgehellten) Himmel beobachten. Die Aufhellung lässt die ganz weit aussen liegenden und schwachen Details im C11 und im 20Zoll gleich im Himmel ertrinken. Der Kontrast Objekt zum Himmel wird durch die Öffnung eben nicht grösser. Das bestätigt meine alte Leier, dass der dunkle Himmel die Voraussetzung für den wahren Genuss ist, und nicht primär die Öffnung. Grosse Öffnung ohne guten Himmel verpufft.

Der Unterschied mit HBeta-Filter war dagegen deutlich zwischen den beiden Öffnungen. Das bestätigt mein Argument von oben. Streulicht wird mit dem Filter praktisch irrelevant und die 2 x grössere Öffnung kann voll zur Geltung gebracht werden. Ich hatte den Pferdekopf tatsächlich erst im C11 gefunden (so wars nämlich, gell :-) und die Kollegen waren mehr als skeptisch ob das wohl stimme, zumal ich parallel dazu dauernd irgendwas von Super-Karottensalat-Diät faselte. Nachdem ich ihnen den (mit letzter, indirekt-visueller Kraft) erkennbaren dunkleren Kater im schon dunklen Tunnel mithilfe der umliegenden Sterne verbal beschrieben und damit festgenagelt hatte, sahen sie ihn schliesslich im C11. Die Hell-Dunkel Kante des umliegenden Nebels konnte man auch gerade so (!) sehen (alles natürlich mit HBeta + Nagler 31mm + kürzlich von Andy Bender fachmännisch bidest-geputzter Schmidt-Platte).

Im 20Zoll dagegen war die Hell-Dunkel Kante ziemlich deutlich zu erkennen. Und daran dann auch der Pferdekopf - deutlich elongiert und mit zwei separierten dunklen Kernen (Vorder/Hinterkopf - oder waren es schon die Nüstern ....?). Klar dass das grössere Gesichtfeld auch half (f/4 versus f/10) - damit grössere Flächenhelligkeit. Das nächste mal werd ich am C11 mal mit Giant Easy Guider versuchen (dann ist das C11 ca. f/6). Ausserdem werden wir mal den California
angehen müssen, damit sich der Hbeta lohnt !

Ganz anders sieht es aus was Auflösung anbetrifft. Die Details im Nebel M42 waren mit dem 20Zoll wirlich super sichtbar. Man sah wirkliche Wirbel und scharfkantige filament-artige Strukturen (ähnlich wie man sie von Photos des Cirrus kennt). Im Prinzip sehe ich das im C11 auch (wenn ich missmutig vom 20Zoll herüberkomme :-), aber viel viel unschärfer und nicht so schlagend. Im 20Zoll sieht das fast wie im HST aus (um mal grenzenlos zu übertreiben). Ich denke hier schlägt ganz einfach zu, dass die MTF weit oberhalb der 11Zoll-MTF liegt und die Details einfach viel besser übertragen werden von der grossen Öffnung. Ausserdem hat das C11 eben ziemlich viel Obstruktion (weil SCT) und somit miese MTF. Ein bisschen dekollimiert war das C11 aber leider auch und ich war zu faul zum Kolimieren, nur um die Nachbarschaft (Jupiter) schärfer sehen zu können. Im nachhinein muss mal sagen, sollte man auch für DeepSky eben gut kollimieren (Filamente, MTF !) !

Was lernen wir aus all dem:
- Je grösser im Quadrat und logarithmiert desto hell, aber nur wenn man dunklen Himmel hat oder schmalbandige Filter einsetzt.
- Karottensalat macht ca 10-20% Öffnung wett (ungefähr!)
- C11 ist doch nicht so schlecht für Deep Sky, nur kollimieren muss man's auch dafür mal
- Verdammte 20Zoll Kisten Herrgottsackeramentige !

Aber das nächste Mal ist endlich mal intensives Galaxienstudium angesagt, und dann zeigt Dir mein C11 mal so richtig ...

Elfzollgrüsse,
Peter
 
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Hi Peter,

ich kann Dir nur zustimmen. Große Teleskope hängen übelst am Seeing und Hintergrund. Ersteres war wegen Zwischenhoch nicht so doll, Letzeres wegen dem Standort, geschlossener Schneedecke und durchziehenden Zirren ebenfalls suboptimal. Und darunter leiden großflächige Objekte sicher am meisten. Aber der Tag, oder besser die Nacht, wird kommen...!

Das mit dem Pferdekopf im C11 war schon so 'ne Sache. Ich wollt meinen Text noch ändern, aber das erlaubt die Forensoftware irgendwann nicht mehr. Ich wollte "an der Grenze der Wahrnehmung" ändern in "im Grenzbereich zwischen Wahrnehmung und Auto- bzw. Fremdsuggestion" <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

-Udo.
 
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