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SeFi auf dem kahlen Berge
Rückblick – irgendwann am 11. August 1999 im Elsass, meine Frau meint: „Wann ist die nächste Sonnenfinsternis? Die will ich sehen!“
Prolog
Anfang Januar 2026 in Osterath, wir sitzen mit unseren Freunden Ralph und Petra zusammen und sprechen über Urlaubsideen. Für mich ist da schon klar – ich will im August nach Spanien.
„Wie denn?“ wollen unsere Freunde wissen. „Per Wohnmobil – weil alles andere ist mir zu unsicher und zu unflexibel.“ Da die beiden mit ihrem Iveco schon auf Island, in Chile, Argentinien, Schweden, Norwegen, Frankreich und eben auch Spanien waren, steht der Entschluss – wir fahren als zwei Paare.
Auf geht’s!
Wohnmobil ist gemietet, los gehen soll es am 8. August, direkt am ersten Urlaubstag. Doch zwei Wochen vorher steht uns noch eine Planänderung in´s Haus: Der jüngste Sohn hat einen neuen Job, ist in der Probezeit, kann also nicht mit den Freunden auf Tour gehen – und wäre am 10.8. an seinem 19. Geburtstag allein zu Haus. Die Konsequenz: Wir fahren am 11. August früh morgens los – die SoFi ist ja am Abend des 12.8. Derweil sind Ralph und Petra schon zwei Tage voraus und wollen die Gegend erkunden. Ihr sardischer Hütehund ist auch mit.
Kurz hinter Bayonne kommt ein erster Standort – Ralph hat das Skigebiet von Valdezcaray auserkoren, da können wir auf befestigten Straße bis über 1.500 Meter hoch fahren und auch parken, es liegt knapp 90 km östlich von Burgos. Als wir dort gegen 23.00 Uhr nach gut 16 Stunden Fahrt (mit Wechseln alle vier Stunden) ankommen, erwartet uns ein überragender Bortle 1 – Sternhimmel und auch gleich der erste Perseide. Aber die Fahrt hat uns geschafft, noch einen Absacker, dann ab in´s WoMo-Bett.
12. August
Nach knapp 10 Stunden Schlaf bin ich im SoFi-Modus. Frühstücken und ´raus mit der Technik! Am Start sind:
Zu dritt fahren wir dorthin, der Einstieg zur Route auf den Berg ist fast nicht zu erkennen, aber im zweiten Anlauf wissen wir, wo es lang geht. Und auch Werner ist wieder da, weist uns den Weg zwischen getrocknete Kuhfladen und verdeckten Felsbrocken neben der Straße. Die Aussicht ist perfekt, das Wetter noch nicht, es ziehen viele Wolken durch. Und auf den letzten 20 Metern gibt es dann doch Ärger – erst zerkratze ich das WoMo an übel bestachelten Büschen, dann setze ich die Trittstufe auf.
Nicht zu ändern, jetzt erst einmal wieder aufbauen, durchatmen und das Abendessen auf dem Berg genießen. Wir stehen nicht direkt neben dem Sendemast, denn da böllert ein Dauerdiesel vor sich hin. Was ein weitere Schaulustige aber nicht davon abhält, sich dort auch einzufinden. Standort jetzt – wir stehen oberhalb von Fresneda de la Sierra Tiron.
Werner ist mit seinem Fiat an seinen ursprünglichen Standort gefahren, wir sehen sein Zelt gut 3 km entfernt am Hang. Hinter uns zieht eine Rinderherde auf, die Tiere interessieren sich aber nur für das dürre Gras und die Büsche. Die Wolken verschwinden langsam, der Wind nicht, die Sonne zittert ganz schön auf dem Monitor. Im Moment nehme ich noch ein Baader – Folienfilter zum Fokussieren, der soll dann natürlich beim 2. Kontakt ganz fix weg vom Objektiv.
19:33 Uhr MESZ – der erst Kontakt, fast wolkenloser Himmel, die Sonne wird angenagt – ja, das wird etwas mit der SoFi. Eigentlich wäre es jetzt Zeit, sie in Sessel-Finsternis = SeFi umzubennen, denn man kann dem Verlauf ganz bequem aus dem Campingstuhl per Schutzbrille verfolgen, während ich vor mir auf den Rechner schaue, der das Bild vom Refraktor zeigt. In der kommenden Stunde beschließe ich – die Farb-Fuji bleibt passiv, ich will mich nur auf die Corona- und Protuberanzenbilder konzentrieren. Die Gruppe am Sendemast hat ein paar Teleskope aufgebaut, etwas Partystimmung schwappt herüber.
20:15 Uhr MESZ – das Licht wird immer fahler und farbärmer, die Schatten schärfer, die Sonnensichel schmaler. Der Hütehund schläft ein.
20:27 Uhr MESZ – Totalität!
Das Eintreffen des Erdschattens fühlt sich sehr diffus an, die Corona wird regelrecht angeknipst. Objektivfilter runter, die erste Bilderserie läuft noch mit minimaler Integratoinszeit, die fette Protuberanz Richtung Osten fällt sofort auf. Der Anblick im Fernglas – mein Highlight: Die feinen Helligkeitsabstufungen der Corona, das faserige Erscheinungsbild vor einem grauen Himmel, das Pink der Protuberanzen – absolt unbeschreiblich, Gänsehaut. Auch jetzt habe ich noch kein Foto gesehen, was die Ästhetik dieses Moments so einfängt, wie ich es gesehen habe. Aber das wird irgendeinem HDR-Hexer noch gelingen…
Ich springe immer zwischen Monitoranblick und Fernglasbild hin und her, alles im Sitzen, maximal bequem und total unwirklich. Biggi und Ralph sind auch begeistert vom Fernglasbild, Petra vergisst das Bino vor lauter Aufregung – und der Hund schläft immer noch. Was mich im Vergleich zu 1999 wundert – das aschgraue Mondlicht ist kaum zu sehen. Dafür dann aber die Venus und auch Jupiter.
20:29 Uhr MESZ – dritter Kontakt – Perlenschnur, schnell den Refraktor zur Seite drehen, Brille auf – ausatmen nicht vergessen. Es ist vollbracht! Jetzt erst stehen wir von unseren Sitzen auf, umarmen uns und entkorken den Cremant.
21:23 Uhr MESZ – bis zu diesem Zeitpunkt verfolgen wir die Sonne noch, wie sie partiell verfinstert hinter eine Windpark Richtung Burgos untergeht. Da kommt dann die Fuji XT-100 mit 135 mm – Brennweite zu Einsatz – ein faszinierender Abgang.
21:45 Uhr MESZ – Mein SoFi-Kit wird abgebaut, denn um uns herum wird es nun langsam richtig Finster – und ab 22:50 Uhr machen wir uns auf Perseiden-Jagd. Da wird nun die Nackenwirbelsäule gestresst, denn wir können Dutzende sehen und starren in alle möglichen Richtungen rechts und links des Zenits. So viele Perseiden habe ich Jahrzehnte nicht mehr gesehen – aber das mag am Standort liegen, der es heute immer noch auf Bortle 2-3 bringt. Viele sind sehr lang (über 40°), viele auch mit deutlichem Nachglühen – herrlich. Aber gegen 1.00 Uhr bin ich dann richtig platt und will nur noch schlafen….
13. August
Es wird gepackt und abgereist, noch einmal kommt Werner zu uns, ich erfahre, dass er aus Leverkusen ist, aber mittlerweile bei Quimper in der Bretagne lebt. Ein feiner Kerl, der uns einen tollen Beobachtungsort vermittelt hat – ja, SoFis bringen Menschen zusammen!
Nun geht es mit den Wohnmobilen weiter Richtung Burgos, Ebro-Tal, Isla am Atlantik, San Sebastian, quer durch Südfrankreich und Burgund, bis wir schließlich die letzte Übernachtung im Müllerthal in Luxembourg hinter uns haben. Aber das ist eine andere Geschichte…
19. August
Wir sind zurück, das Wohnmobil beim Vermieter, Ralph hatte noch die Trittstufe gefixt, aber die Kratzer auf Lack und Folierung werden meine Versicherung und mich noch beschäftigen. Aber wir sind uns sicher – nächstes Jahr sind wir wieder am Start!
Epilog
Mit Waldbränden hatten wir weder in Spanien noch in Frankreich zu tun. Aber auf der Rückfahrt waren wir dann in Kontakt mit unserem Sohn Johannes, dessen Schwiegereltern nur 1 km vom Vennbrand wohnen. Sie hatten Glück, nichts ist beschädigt worden, die Regengüsse der vergangenen Nacht haben zumindest den Gestank und die dicke Luft vertrieben. Was für ein Sommer in Europa…
Rückblick – irgendwann am 11. August 1999 im Elsass, meine Frau meint: „Wann ist die nächste Sonnenfinsternis? Die will ich sehen!“
Prolog
Anfang Januar 2026 in Osterath, wir sitzen mit unseren Freunden Ralph und Petra zusammen und sprechen über Urlaubsideen. Für mich ist da schon klar – ich will im August nach Spanien.
„Wie denn?“ wollen unsere Freunde wissen. „Per Wohnmobil – weil alles andere ist mir zu unsicher und zu unflexibel.“ Da die beiden mit ihrem Iveco schon auf Island, in Chile, Argentinien, Schweden, Norwegen, Frankreich und eben auch Spanien waren, steht der Entschluss – wir fahren als zwei Paare.
Auf geht’s!
Wohnmobil ist gemietet, los gehen soll es am 8. August, direkt am ersten Urlaubstag. Doch zwei Wochen vorher steht uns noch eine Planänderung in´s Haus: Der jüngste Sohn hat einen neuen Job, ist in der Probezeit, kann also nicht mit den Freunden auf Tour gehen – und wäre am 10.8. an seinem 19. Geburtstag allein zu Haus. Die Konsequenz: Wir fahren am 11. August früh morgens los – die SoFi ist ja am Abend des 12.8. Derweil sind Ralph und Petra schon zwei Tage voraus und wollen die Gegend erkunden. Ihr sardischer Hütehund ist auch mit.
Kurz hinter Bayonne kommt ein erster Standort – Ralph hat das Skigebiet von Valdezcaray auserkoren, da können wir auf befestigten Straße bis über 1.500 Meter hoch fahren und auch parken, es liegt knapp 90 km östlich von Burgos. Als wir dort gegen 23.00 Uhr nach gut 16 Stunden Fahrt (mit Wechseln alle vier Stunden) ankommen, erwartet uns ein überragender Bortle 1 – Sternhimmel und auch gleich der erste Perseide. Aber die Fahrt hat uns geschafft, noch einen Absacker, dann ab in´s WoMo-Bett.
12. August
Nach knapp 10 Stunden Schlaf bin ich im SoFi-Modus. Frühstücken und ´raus mit der Technik! Am Start sind:
- 60/360 mm - TS – Mini-Apochromat auf Skywatcher AZGTIx-Montierung
- QHY533M – Mono-CMOS-Kamera
- Fuji XT100 mit diversen Objektiven
- 8x50 Leica Ultravid, Vixen Apex 7x36, Minolta 8x30, Noname 8x44-ED (noch ein Photokina-Warenmuster…)
Zu dritt fahren wir dorthin, der Einstieg zur Route auf den Berg ist fast nicht zu erkennen, aber im zweiten Anlauf wissen wir, wo es lang geht. Und auch Werner ist wieder da, weist uns den Weg zwischen getrocknete Kuhfladen und verdeckten Felsbrocken neben der Straße. Die Aussicht ist perfekt, das Wetter noch nicht, es ziehen viele Wolken durch. Und auf den letzten 20 Metern gibt es dann doch Ärger – erst zerkratze ich das WoMo an übel bestachelten Büschen, dann setze ich die Trittstufe auf.
Nicht zu ändern, jetzt erst einmal wieder aufbauen, durchatmen und das Abendessen auf dem Berg genießen. Wir stehen nicht direkt neben dem Sendemast, denn da böllert ein Dauerdiesel vor sich hin. Was ein weitere Schaulustige aber nicht davon abhält, sich dort auch einzufinden. Standort jetzt – wir stehen oberhalb von Fresneda de la Sierra Tiron.
Werner ist mit seinem Fiat an seinen ursprünglichen Standort gefahren, wir sehen sein Zelt gut 3 km entfernt am Hang. Hinter uns zieht eine Rinderherde auf, die Tiere interessieren sich aber nur für das dürre Gras und die Büsche. Die Wolken verschwinden langsam, der Wind nicht, die Sonne zittert ganz schön auf dem Monitor. Im Moment nehme ich noch ein Baader – Folienfilter zum Fokussieren, der soll dann natürlich beim 2. Kontakt ganz fix weg vom Objektiv.
19:33 Uhr MESZ – der erst Kontakt, fast wolkenloser Himmel, die Sonne wird angenagt – ja, das wird etwas mit der SoFi. Eigentlich wäre es jetzt Zeit, sie in Sessel-Finsternis = SeFi umzubennen, denn man kann dem Verlauf ganz bequem aus dem Campingstuhl per Schutzbrille verfolgen, während ich vor mir auf den Rechner schaue, der das Bild vom Refraktor zeigt. In der kommenden Stunde beschließe ich – die Farb-Fuji bleibt passiv, ich will mich nur auf die Corona- und Protuberanzenbilder konzentrieren. Die Gruppe am Sendemast hat ein paar Teleskope aufgebaut, etwas Partystimmung schwappt herüber.
20:15 Uhr MESZ – das Licht wird immer fahler und farbärmer, die Schatten schärfer, die Sonnensichel schmaler. Der Hütehund schläft ein.
20:27 Uhr MESZ – Totalität!
Das Eintreffen des Erdschattens fühlt sich sehr diffus an, die Corona wird regelrecht angeknipst. Objektivfilter runter, die erste Bilderserie läuft noch mit minimaler Integratoinszeit, die fette Protuberanz Richtung Osten fällt sofort auf. Der Anblick im Fernglas – mein Highlight: Die feinen Helligkeitsabstufungen der Corona, das faserige Erscheinungsbild vor einem grauen Himmel, das Pink der Protuberanzen – absolt unbeschreiblich, Gänsehaut. Auch jetzt habe ich noch kein Foto gesehen, was die Ästhetik dieses Moments so einfängt, wie ich es gesehen habe. Aber das wird irgendeinem HDR-Hexer noch gelingen…
Ich springe immer zwischen Monitoranblick und Fernglasbild hin und her, alles im Sitzen, maximal bequem und total unwirklich. Biggi und Ralph sind auch begeistert vom Fernglasbild, Petra vergisst das Bino vor lauter Aufregung – und der Hund schläft immer noch. Was mich im Vergleich zu 1999 wundert – das aschgraue Mondlicht ist kaum zu sehen. Dafür dann aber die Venus und auch Jupiter.
20:29 Uhr MESZ – dritter Kontakt – Perlenschnur, schnell den Refraktor zur Seite drehen, Brille auf – ausatmen nicht vergessen. Es ist vollbracht! Jetzt erst stehen wir von unseren Sitzen auf, umarmen uns und entkorken den Cremant.
21:23 Uhr MESZ – bis zu diesem Zeitpunkt verfolgen wir die Sonne noch, wie sie partiell verfinstert hinter eine Windpark Richtung Burgos untergeht. Da kommt dann die Fuji XT-100 mit 135 mm – Brennweite zu Einsatz – ein faszinierender Abgang.
21:45 Uhr MESZ – Mein SoFi-Kit wird abgebaut, denn um uns herum wird es nun langsam richtig Finster – und ab 22:50 Uhr machen wir uns auf Perseiden-Jagd. Da wird nun die Nackenwirbelsäule gestresst, denn wir können Dutzende sehen und starren in alle möglichen Richtungen rechts und links des Zenits. So viele Perseiden habe ich Jahrzehnte nicht mehr gesehen – aber das mag am Standort liegen, der es heute immer noch auf Bortle 2-3 bringt. Viele sind sehr lang (über 40°), viele auch mit deutlichem Nachglühen – herrlich. Aber gegen 1.00 Uhr bin ich dann richtig platt und will nur noch schlafen….
13. August
Es wird gepackt und abgereist, noch einmal kommt Werner zu uns, ich erfahre, dass er aus Leverkusen ist, aber mittlerweile bei Quimper in der Bretagne lebt. Ein feiner Kerl, der uns einen tollen Beobachtungsort vermittelt hat – ja, SoFis bringen Menschen zusammen!
Nun geht es mit den Wohnmobilen weiter Richtung Burgos, Ebro-Tal, Isla am Atlantik, San Sebastian, quer durch Südfrankreich und Burgund, bis wir schließlich die letzte Übernachtung im Müllerthal in Luxembourg hinter uns haben. Aber das ist eine andere Geschichte…
19. August
Wir sind zurück, das Wohnmobil beim Vermieter, Ralph hatte noch die Trittstufe gefixt, aber die Kratzer auf Lack und Folierung werden meine Versicherung und mich noch beschäftigen. Aber wir sind uns sicher – nächstes Jahr sind wir wieder am Start!
Epilog
Mit Waldbränden hatten wir weder in Spanien noch in Frankreich zu tun. Aber auf der Rückfahrt waren wir dann in Kontakt mit unserem Sohn Johannes, dessen Schwiegereltern nur 1 km vom Vennbrand wohnen. Sie hatten Glück, nichts ist beschädigt worden, die Regengüsse der vergangenen Nacht haben zumindest den Gestank und die dicke Luft vertrieben. Was für ein Sommer in Europa…
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