Sehfeld und Randschärfe

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas steve11
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

steve11

Aktives Mitglied
Hallo,

ich möchte hier einmal die Aussage eines Vertreters einer großen deutschen Optikfirma zur Debatte stellen und fragen, was ihr davon haltet. Es geht um die Spitzenprodukte der Fernglashersteller. Er sagte sinngemäß folgendes: Die Hersteller, welche eine hohe Randschärfe vorweisen, erreichen diesen Effekt, indem sie im Fernglas durch geeignete Einbauten die unscharfen Ränder einfach verdecken. Die Unschärfe wäre also da, sie wird uns durch Abdecken nur nicht gezeigt. Die Aussage war auf Swarovski und evtl. auch Nikon gemünzt. Und tatsächlich, wenn ich z.B. an Swarovskis EL und SLC sowie Nikons Ferngläser der SE und HG Reihe denke, dann könnte die Aussage stimmen, denn diese Gläser zeigen nach meinen Erfahrungen besonders bei den 10fachen Vergrößerungen zumindest subjektiv wirklich kleinere Sehfelder als die entspechenden Gläser von Leica und Zeiss. Provokant gefragt: Sind wir vielleicht alle zu sehr auf die Randschärfe fixiert und veranlassen die Hersteller zum Schummeln?

Steve
 
Hallo,

dieses Prinzip ist doch kein Schummeln. Es ist eine Feldblende. Die schützt zusätzlich gegen STreulicht und erhöht damit den Kontrast. Jedes gute Okular bringt so ne Feldblende mit und sei es nur der Okularstutzen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Da die Fernglashersteller ja das sichtbare Feld in Grad mittliefern, finde ich, dass alles fair ist.

Nebenbei bin ich mir ziemlich sicher, dass auch die superteuren Vertreter so ne Blende (oder gleich mehrere) haben. Nur sind die wegen der besseren Optik halt so ausgelegt, dass man etwas mehr Sichtfeld hat.

 
Hallo!
Das Nikon SE 10x42 hat ein Eigengesichtsfeld von 60 Grad, das Zeiss Victory 10x56 z.B. hat ca. 65 Grad Feld. Insofern stimmt deine Aussage.
Aber:
Ich sehe das mit den Weitwinkelgläsern so:
Der Unterschied von 52 Grad auf 60 Grad SG ist gewaltig! Dieser Sprung zum weitwinkligen Gesichtsfeld ist größer als die Zahlen annehmen lassen - besonders bei Sternfeldbeobachtungen!
Den Unterschied von 60 auf 65 Grad ist zwar spürbar - aber lange nicht so "dramatisch" wie von 50 auf 60 Grad!
Unter diesem Aspekt ist mir persönlich ein randscharfes 60 Grad-Feld (Nikon) viel lieber als ein >65 Grad-Feld, an dessen Rand sich die Unschärfe störend bemerkbar macht (Zeiss Victory 10x56)! Für den Jäger und Naturbeobachter, der hauptsächlich in der Bildmitte beobachtet ist das völlig wurscht, aber wenn man die Milchstraße betrachtet sieht das schon anders aus - zumindest empfinde ich das so.
Gruß
Matthias
 
Hallo Matthias,

was du sagst, kann ich gut nachvollziehen. Ich frage mich nur, ob nicht im Endeffekt das Feld, welches wir scharf sehen, bei beiden Varianten gleich groß ist.

Steve
 
Hallo,

irgendwie verstehe ich die Aussage auch nicht so ganz. Laut Hersteller haben das Leica 10x42 BN, das Zeiss 10x40 Victory und das Swarovski 10x42 EL jeweils ein Gesichtsfeld von 110m/1000m (6,3° wahres Gesichtsfeld). Das Nikon High Grade 10x42 allerdings "nur" 105m/1000. Ich weiss nun allerding nicht, wie gross jeweils die Bildverzerrung und somit das scheinbare Gesichtsfeld ist. Und soweit ich das beurteilen kann, haben alle diese Gläser eine leichte Randunschärfe (ist ja auch kein Wunder bei diesen kurzbrennweitigen Optiken).
Um diese Randunsch#ärfe zu beseitigen, müsste man wohl eine Bildfeldebnungslinse einbauen (Petzval-Design?), aber ich könnte mir vorstellen, dass die sich mit dem Umkehrprisma ins Gehege käme. Oder man müsste statt f4 einfach f10 Optiken bauen ;-). Ächz, stöhn, ziemlich lang, die Optik.

Gruß, stolpe
 
> Die Hersteller, welche eine hohe Randschärfe vorweisen, erreichen diesen Effekt, indem sie im Fernglas durch geeignete Einbauten die unscharfen Ränder einfach verdecken.

Hallo Steve,

wäre ja mal interessant zu wissen, von wem diese Aussage stammt. Mit etwas anderen Worten und anderer Zielrichtung habe ich das auch schon mal gehört. Man solle sich doch vor Ferngläsern hüten, wo das Sehfeld künstlich auf Kosten der Randschärfe aufgeblasen wird ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Bei den "großen deutschen Firmen" und einigen namhaften Anbietern aus Japan gehe ich davon aus, daß man einen vernünftigen Kompromiss zwischen (mehr oder weniger) großem Sehfeld, Einblickverhalten und (mehr oder weniger) guter Randschärfe sucht. Soll ein für Brillenträger taugliches Fernglas WW Okulare haben, so ist der optische Aufwand bei akzeptabler Randschärfe wohl nicht gerade gering. Die einen suchen dann ihr Heil in beschränkten Sehfeldern (kostet weniger), die anderen lösen das Problem mit komplexeren Okularen (kostet halt mehr und ist nicht immer so erfolgreich). Die Beschränkung im Sehfeld bei Pentax mit ihren PCF V Gläsern führt zwar zu einer sehr guten Randschärfe, aber ein Hit sind die Gläser deswegen nicht. Es hat lange gedauert, aber mittlerweile hat man wohl bei Pentax die großen Sehfelder wieder für sich entdeckt (XCF-Serie). In der Beziehung finde ich die Lösung von Nikon eigentlich sehr gut. Mit der Beschränkung auf 56 bzw. 60 Grad Okulare bei gleichzeitig sehr guter Schärfe über das volle Sehfeld hat man doch einen gesunden Kompromiss gefunden.

Alles andere ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Die Palette der Ferngläser ist ja groß genug, so daß man sich das passende Glas aussuchen kann. Sehr große Sehfelder mit guter Schärfe, sehr große Sehfelder mit schlechter Schärfe, kleine Sehfelder mit guter Schärfe, kleine Sehfelder mit schlechter Schärfe ...... alles im Handel zu haben! Solange ich ein Fernglas freihändig nutze, ist die Randschärfe für mich persönlich nicht das wichtigste Kriterium. Zum einen entspricht die zum Rand abnehmende Schärfe ja den natürlichen Sehgewohnheiten unserer Augen und zum anderen beobachte ich normalerweise eh nur im zentralen Bereich des Sehfelds (auf Stativ sieht das möglicherweise wieder anders aus). Weitwinkelokulare erhöhen aber deutlich den Sehgenuss, nur randscharf müssen sie deswegen nicht unbedingt sein. Insofern ist es mir eigentlich ziemlich egal, wie der eine oder andere Hersteller die Ferngläser der Konkurrenz betrachtet ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Und ob man die Sehfeldblenden der Okulare als "geeignete Einbauten" zur "Verdeckung unscharfer Ränder" betrachten sollte, da könnte man sich noch streiten. Die Konstrukteure von Astrookularen haben doch die gleichen Probleme. Sie versuchen, eine für bestimmte Öffnungsverhältnisse möglichst gute Feldkorrektur hinzubekommen. Würde man manchem Erfle Okular die Sehfeldblende aufbohren, so sähe es wohl trübe aus. Es gibt aber wirklich Ferngläser, wo der Bohrer für die Sehfeldblende ein paar Nummern zu groß geraten ist <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />.

Frank.
 
Hallo Steve,

also dafür gibt es eben wie für alles das, was man bei uns früher "Standards" genannt hat und heute "benchmarks"
nennt: die Gläser, die zeigen wo's lang geht! Und da sind jeweils verschiedene Firmen präsent (oder auch nicht):

für Gläser mit Austrittspupille 7 (7x50; 8x56; 9x63; 10x70) ist der Marktstandard 52° Grad Sehfeld, etabliert bereits
durch Zeiss mit den Binoctem usw. Wer sich nicht daran hält, sind z.B. Pentax, Vixen und Olympus bei den besseren
Porro-Gläsern (mit BaK4 Prismen, die sind für größere Felder teuer) und das ist für mich ein absolutes "sine qua non"
(=ohne das läuft nix) Kriterium - mögen die Pentaxe im Regal verschimmeln, 40° tu ich mir nicht an. "Benchmark" ist
zur Zeit das Zeiss Victory 8x56 mit 60° (und für mich damit das mit Abstand beste Dämmerungsglas, da die
10° mehr die Orientierung gewaltig erleichtern, während die absolute Randschärfe außerhalb von ca. 40° eh niemand
mehr was nützt (wird bei Fixierung der Mitte sowieso nicht mehr scharf wahrgenommen).

Für Gläser mit der Pupille 6 (7x42 und 8x50 wohl die einzigen üblichen) das Zeiss Dialyt mit auch 60° (alle anderen
haben weniger, aber zum Teil nicht sehr viel - z.B. das Leica, trotzdem würde ich mir auch hier ein Fernglas mit
nur 50° oder gar weniger zum normalen Preis gar nicht mehr angucken).

Pupille 5 ist dagegen wieder sehr üblich: 7x35, 8x40, 10x50, 12x60, hier kann man jetzt auch wirklich von allen
60-65 Grad erwarten (trotzdem bringen einige nur 50°). Zeiss, Leica, Nikon, Minolta sind OK. Vixen, Pentax
Olympus (EXPII-Serie) und viele andere nicht. Wenn jemand 70° oder mehr bringt, kann das entsetzlich
schlecht sein (hatte ein Vistamar 8x40, das hatte am Rand einen ganz anderen Fokus als in der Mitte und
zeigte daher massenhaft Nebel wo nur Sterne waren), es gibt auch gute (z.B. Zeiss Dekarem 65°).
Volle Randschärfe bei kurzen Objektivbrennweiten (das ist, worum es geht) geht leider meist nur über optisch
aufwändige Konstruktionen randscharf (z.B. Zeiss und Leica mit mehrlinsigen Objektiven = Apochromaten), da
das ebene Bildfeld viel größer sein muß als für ein 40° Glas. Die 40° reichen für jemand, der nur tags ein fixes
Objekt vergrößert anguckt - wer bewegte Objekte finden muß oder Objekte hat, die alle gleich aussehen (Sterne)
braucht mehr Gesichtsfeld, um sich orientieren zu können! Und das muß nicht 100% randscharf sein, wichtiger ist,
daß die Mitte (so 30-40°) "sauscharf" ist (entspricht "extrem kontrastreich und hochauflösend").

Gläser mit noch kleinerer Pupille haben meist hohe Vergrößerungen, damit langbrennweitige Objektive und können
ein noch weiteres Gesichtsfeld scharf zeigen: z.B. 20x60 Tento 70° oder manche 20x80 Gläser auch bis ca. 70°.

So, jetzt kannst Du selbst beurteilen, ob Swarowski in dieser Beziehung was taugt. Ich will nur noch erwähnen,
daß man natürlich bei der für Naturbeobachter üblichen Angabe des Gesichtsfelds in m auf 1000m nur Gläser
gleicher Vergrößerung vergleichen kann. Bei verschiedenen Vergrößerungen muß man umrechnen auf °
Gesichtsfeld. Bei 7fach entsprechen 65° ca 160m/1000m bei 10fach ca, 115m/1000m.

Da die "Randschärfediskussion" für mich eine Marotte fehlgeleiteter Geldanleger ist, die ihre Entscheidung
irgendwie objektiv begründen wollen, ist nur schade, daß gerade diese Käuferschicht oft bereit ist, bis
über 1000€ zu zahlen und damit die ganze Entwicklung in diese Richtung lenkt. Gerade bei der Schärfe ist
ein Kompromiß zwischen der möglichen Randschärfe und einem vernünftigen Gesichtsfeld für alle Anwendungen
im Dunkeln (Astro, Jagdgläser usw.) das einzig vernünftige. Und für tags tut es ja auch ein 10x25 vom Lidl
für 15€ oder (viel besser) ein Leica 10x25 für 250€ (=1980, heute?) , da müssen es keine 1500€ sein.

Gruß
 
Und soweit ich das beurteilen kann, haben alle diese Gläser eine leichte Randunschärfe (ist ja auch kein Wunder bei diesen kurzbrennweitigen Optiken).

Richtig! Allerdings gibt es schon quantitative Unterschiede was die Randschärfe angeht. Aber da muß halt jeder für sich entscheiden, wieviel Randunschärfe akzeptabel ist und ob es dann Nikon, Zeiss, Swarovski, Fujinon oder Leica sein soll...
Gruß
Matthias
 
das kann durchaus sein (müsste man mal direkt nebeneinander vergleichen)
Letztendlich ist dann für jeden was dabei:
1) sehr großes Feld - evtl. etwas mehr Randunschärfe sichtbar
2) etwas kleineres Feld (z.B. 60 Grad) - weniger Randunschärfe sichtbar

Ich halte mich an 2)! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Zumindest bei Ferngläsern - beim Teleskop sind die Nagler-Okulare mit 82 Grad Feld (scharf bis zum Rand - bei f/6) das Maß der Dinge!
Gruß
Matthias
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben