Sh2-115 und Abell 71 (PK85+4.1)

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pete_xl

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Hallo Leute,

gestern hatte ich mich auf eine klare Nacht ohne Mond gefreut, aber dann ist die Kiste wegen eines Gewitters und Regen doch zu geblieben. Um kurz nach 1 Uhr bin ich aber aufgewacht und siehe da - Sterne am Himmel. Aus dem eigentlich geplanten SHO von Sh2-115 wurde wegen der extrem knappen Zeit nur ein HO-Bicolor. Die anderen Kanäle will ich nachschieben. Weil unterhalb des gewählten Bildausschnittes noch Sh2-112 wartet, soll es irgendwann mal ein 2-3-panel Panorama werden.

Hier erst einmal das "Kurz-HOO" von weniger als 3 Stunden Belichtungszeit:

Sh2-115-HOO-Bearbeitet.jpg

Auf Astrobin in voller Auflösung: https://astrob.in/full/3obaee/0/

25 x 200s Ha bei Gain 76 (Baader 7.5nm)
25 x 200s OIII bei Gain 76 (Chroma 3nm)
TS Photoline 130/910 mm Apo mit TSRED379 Reducer (0.79x)

Sh2-115 ist ein schön strukturierte Emissionsnebel, der eine Menge Inventar zeigt. Abell 71 befindet sich in der Nähe und musste einfach mit in's Bild - auch wenn es knapp war. Abell 71 trägt auch die Bezeichnung eines planetaren Nebbels (PK85+4.1) wobei meines Wissens diskutiert wird, ob es nicht nur ein kleiner Emissionsnebel ist.

Das OIII in Sh2-115 ist viiiiel schwächer, als es die bunten Aufnahmen im Netz vermuten lassen (so das heutige IOTD auf Astrobin). Ich habe es deshalb nur vorsichtig hochgezogen und versucht, in der Nähe dessen zu bleiben, was wohl ein lang belichtetes RGB zeigen würde. Ich wollte es auch in der Farbe nicht hoch ziehen sondern habe es blass gehalten.
Das im Vergleich zum Ha relativ strukturlose OIII würde bei starker Betonung auch zu viele features des schön strukturierten Sh2-115 zerstören.

Hoffentlich kommen bald noch ein paar klare Nächte für das Panorama (mein erstes mit N.I.N.A) und die anderen Kanäle.

Viele Grüße und CS!
Peter
 
Wirklich schöne Aufnahme, auch bei der kurzen Zeit!

Wir hast du die Kanäle zusammengefügt? R=Ha,G=0.5Ha,0.5Oiii,B=Oiii?

CS
 
...Wir hast du die Kanäle zusammengefügt? R=Ha,G=0.5Ha,0.5Oiii,B=Oiii?...

Es war etwas kompliziert diesmal. Deswegen muss ich ein wenig ausholen.

Im ersten Anlauf hatte ich ein HOO in APP zusammengesetzt (R=HA, G=OIII, B=OIII). Bei der späteren Bearbeitung in PS war ich damit aber nicht glücklich. Ich habe von der APP Version in PS zunächst nur den (entsternten) L-Anteil als Ausgangsbasis für die spätere Luminanz verwendet sowie am Schluss als separaten Sternlayer für die Sternfarben mit "negativ multiplizieren".

Die Farben für den Nebel und den Hintergrund habe ich in den RGB Kanälen noch einmal "von Hand" aus den sternlosen Ha und OIII Daten zusammengebaut. Es war die gleiche Mischung wie in APP, aber hier mit Gradationskurven (als Einstellungsebene) in den Kanälen individuell gewichtet. Es sollte "natürlich" wirken. Obenauf lag dabei eine "selective color" Einstellungsebene mit der ich die einzelne Farbanteile sukzessive nachreguliert habe. Ich habe dabei der Versuchung widerstanden, das OIII farblich zu sättigen - weil es das einfach nicht verdient hat ;). So habe ich dann den Layer für die Farbe erhalten.

Die HOO Luminanz aus APP hat zusammen mit dem neuen Farblayer schon ganz gut ausgesehen. Aber das schwache und sehr wenig strukturierte OIII hat in der Kombination doch für deutliche Strukturverluste gesorgt. Deswegen habe ich noch ein paar Prozent eines reinen Ha-Layers in die Luminanz eingemischt um die Strukturen zurückzuholen. Das hat es ziemlich gebracht. Den Strukturverlust durch das OIII an Sh2-115 sieht man beispielhaft in dem SHO auf Astrobin, das gestern IOTD geworden ist. Da hat man große Teile von Sh2-115 quasi mit OIII weggedampft.

Ganz zum Schluss habe ich das kaum gestreckte, originale APP-HOO für die Sterne eingerechnet. Obenauf lag dabei wieder eine "selective color" Einstellungsebene, aber als Schnittmaske auf den Sternlayer, um die HOO Sternfarben möglichst nahe an die natürliche Farbverteilung zu bringen. Das Ergebnis wurde in Lightroom auf Kontrast und Tonwertumfang optimiert.
 
Danke für die Ausführliche Erklärung und wow, da hast du ja viel Arbeit investiert ;)

Hast du mit Starnet++ Entsternt, oder hat APP sowas?

Wie lang hast du für so eine Bearbeitung gebraucht?

CS
 
Das hört sich nach viel Arbeit an, wenn man es so hinschreibt. Es geht mir aber ganz gut von der Hand meistens mache ich ein Bild an einem Abend fertig.

Die Basis für dieses Bild hat APP gebaut und da musste ich nicht viel dazutun. Starnet++ in den jeweiligen Kanälen läuft auch als "no brainer! Ich arbeite fast immer mit starnet++. APP hat so etwa nicht, liefert aber eine toll kalibrierte, vorgestreckte Basis für die Sternentfernung (zumindest bei meinem Refraktor). Beide Programme erfordern nicht viel Input und ich steuere sie oft von unterwegs über Google Remote um "Zuhausezeit" zu sparen.

Die Zeit für das Stacken und Kalibrieren in APP richtet sich i. W. nach der Anzahl Lights und liegt meist so zwischen 1-2 Stunden. In PS arbeite ich sehr schnell und intuitiv. Ich schätze, dass es bei diesem Bild in PS etwa 2 Stunden gedauert hat. Das Hochladen und Beschreiben der Bilder auf mehreren Plattformen hat bestimmt genauso lang gedauert :rolleyes:.

CS Peter
 
Welche Starnet Variante nutzt du?

Ich hab bis jetzt immer das Pix Insight Plugin genutzt, aber das füllt die Sterne nicht so schön.

CS
 
Ich benutze die stand alone Version von starnet++ mit Parameter 128. Sie hinterlässt bei Schmalbandaufnahme im Durchschnitt vielleicht 10-50 kleine helle Pünktchen und an den sehr hellen Sternen Flecken mit einem pixeligen Muster. Diese Reste sind in PS sehr leicht und sauber (unsichtbar) mit dem Patch Tool oder dem Pickelstift zu beseitigen. Bei RGB Aufnahmen bleiben besonders bei hellen blauen Sterne gern Farbringe übrig. Die kann man auf die gleiche Weise beseitigen. An die geflickten Stellen kommen ja hinterher wieder die echten Sterne so dass dieser kosmetische Eingriff kein Thema sein sollte.

Ich weiß nicht, wie die Ergebnisse von starnet++ in PI und/oder bei Aufnahmen mit Spikes aussehen. Für Aufnahmen mit anständigen Refraktoren und bei Benutzung der stand alone ist es jedenfalls super.

Die Sternresiduen von starnet++ zu beseitigen dauert bei mir ca. 1/4 Std. und es ist lästig. Aber man wird dafür mit völlig neuen Bearbeitungs- und Ergebnismöglichkeiten belohnt. In PI ist der Umgang vielleicht schwieriger bzw. man ist innerhalb der Anwendung begrenzt. In PS jedenfalls ist das kleine Programm aber ein echter game changer.
 
Ja so mach ich das auch ab und zu ;) aber eher selten. Wann erstellst du dir dann das Stars Only Image? Vor deinen Anpassungen an der Starless Version oder danach? Die Spikes bleiben meist im Bild enthalten:

spikes.png


Wenn ich dann die Spikes entferne sieht es so aus:
spikes_removed.png


Und der Staronly so:
spikes_star.png


Dort kann man eben gut die Kontur der Korrektur sehen ...

CS
 
Zuletzt bearbeitet:
Leider wurde Starnet nur mit Bildern von Refraktoren trainiert - soweit zumindest mein letzter Wissensstand. Mit Sternen mit Spikes kommt es deshalb nicht so gut klar, es bleiben wesentlich mehr Artefakte übrig. Kann man meist auch wegputzen, aber ist deutlich mehr Aufwand.
 
@steffens Hab ich mir gedacht. Das geht dann wahrscheinlich ja nur mit Geduld und Akribie.

@pmneo85 Ich benutze kein "stars only" Bild. Das habe ich aufgegeben. Ich hatte nämlich immer einen schwachen, aber hässlichen Rest der Sternumgebung am Stern kleben, der mich bei der späteren Einarbeitung beschränkt hat (vielleicht habe ich das auch falsch gemacht). Ich nehme normalerweise das originale nur leicht gestreckte Bild, mit dem ich starnet füttere, auch als Sternlayer. Wenn ich sehr fette Sterne im Frame habe, mache ich mir in APP eine eigene, weniger gestreckte Version für die Sterne. Das Sternebild blende ich komplett im Modus "negativ multiplizieren" ein und lege eine Einstellungsebene zum Wiederabdunkeln darüber. Manchmal muss es vorher etwas entrauscht werden. Dass da ein bisschen DSO mit drinnen ist, stört beim Einblenden in diesem Modus meist nicht oder hilft sogar für einen natürlichen Effekt. Das separate Sternebild hat auch den großen Vorteil, dass man die Größe und Farbe der Sterne mit den einschlägigen Mitteln beeinflussen kann. Wenn es geht, verzichte ich am Ende gern auf das Verschmelzen der Ebenen zu einem Gesamtbild um auch bei eventuellen nachträglichen Eingriffen einen separaten Zugriff auf Hintergrund und Sterne zu haben. Wichtigste Voraussetzung für diese Methode ist eine flaches Sternebild ohne Gradienten, wie es m. W. nur von APP oder PI geliefert wird. Mit Gradienten im Bild lässt sich der Layer nicht wie beschrieben einblenden.
 
Ich bin mir nicht ganz sicher ob ich es verstanden habe was genau du dann mit dem Ergebnis von Starnet machst _affeaugen:

Wenn ich Starnet gemacht habe dann um den Nebel ohne die Sterne zu stecken und zu schärfen. Beim hinzufügen der Sterne kommen dann aber oft Artefakte hinzu die das Bild nicht schöner machen ...

Wenn ich dich richtig verstanden habe, legst du dann das originale nicht weit gestreckte Bild über das Sternlose?

CS
Philip
 
Ja genau. Aber erst ganz am Ende der Bildbearbeitung. Das Wenig Gestreckte Sternenbild als Ebene im Mischmodus negativ multiplizieren drüber legen. Das blendet auch schwache Sterne sauber ein, auch wenn der Hintergrund relativ heller ist. Der Sternhintergrund im Originalbild sollte nicht heller als so etwa 30/30/30 sein. Durch den Mischmodus wird das gesamte Bild aufgehellt. Deswegen muss darüber eine Tonwertkorrekturebene gelegt werden, mit der man es wieder abdunkelt. wenn das damit nicht hinreichend gut klappt, Ebenen verschmelzen und das Ergebnis im Camera RAW Filter justieren oder das Bild mit Ebenen speichern und in Lightroom editieren.
 
Hallo Peter,

das sieht klasse aus, die starke Betonung von OIII gibt dem Bild zusätzlich zu den guten Details auch schöne Farben. Bei mir sieht die Gegend einfach nur rot aus. Den PN hast du auch sehr schön dargestellt.
 
Hallo Peter,

das sieht klasse aus, die starke Betonung von OIII gibt dem Bild zusätzlich zu den guten Details auch schöne Farben. Bei mir sieht die Gegend einfach nur rot aus. Den PN hast du auch sehr schön dargestellt.
Hallo Stefan,
ja, das H-alpha hat überraschend viele Details gezeigt. Was mir noch fehlt sind schöne Sternfarben und mehr Tiefe - was mit Schmalband nicht erreichbar ist. Wäre gut, noch 2 Stündchen RGB nachzulegen sofern sich die Wolken irgendwann noch verziehen. Dazu würde ich die ASI294mcp nehmen.

Vielleicht kann jemand sagen, ob es sich an Sh2-115 lohnt, vor einem Kameratausch noch den SII Filter vor die ASI1600mmp zu schalten? Gibt es da ein vernünftiges Signal?

Viele Grüße
Peter
 
Ich hoffe und warte auf ein paar Wolkenlöcher heute Nacht. Die Wartezeit habe ich mir mit dem Basteln einer anderen Farbpalette vertrieben. Ich finde, der an ein typisches SHO angelehnte Sienna-Farbton für Halpha erlaubt es, dem Bild durch Kontrastanhebung mehr Tiefe und Struktur zu geben, als es in der roten Version möglich war. Ich fand es erstaunlich, was da noch drinsteckte. Das kann man aber besser in der Vollversion beurteilen: https://astrob.in/full/7ch1i3/0/.

Das OIII habe ich wieder blass gehalten, um keinen Bonbonfarbeneffekt zu bekommen.

Sh2-115-HOO _Sienna.jpg


CS
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Peter,

sehr feine Bearbeitung und der "nebel-graue" OIII Schleier passt sehr gut zum Gesamtbild.
Von Deiner EBV kann man sich einiges abschauen :)
 
Hallo Peter,

sehr feine Bearbeitung und der "nebel-graue" OIII Schleier passt sehr gut zum Gesamtbild.

Danke für das Lob, Edmund! Durch die Zurückhaltung beim Einmischen des OIII ist eine Art "nebulöse" Stimmung entstanden. Und ein tiefere Bildeindruck, weil die Schleier die detaillierteren Ha-Strukturen umwölken. Ich dachte, das bringt dem Bild mehr als alle zwanghaften Variationen von Grünblau, die ich ausprobiert habe.
 
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