Sinn und Unsinn hoher Vergrößerungen

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Cereso

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In Zeiten der Werbeaussagen wie „60mm Refraktor mit bis zu 676-facher Vergrößerung“ und auch angeregt durch die Aussage „... alle Planetendetails sind bereits mit 1mm AP wahrnehmbar ...“, möchte ich hier etwas über Vergrößerung von Teleskopen referieren. Ich stelle es ins Einsteigerforum, da genau diese Frage doch häufig von Anfängern gestellt wird, und hoffe, mit den Erklärungen niemand zu überfordern. Vielleicht haben aber auch erfahrenere Leute ihre Freude daran. Und wenn ein Moderator es an anderer Stelle besser aufgehoben findet, dann möge er den kleinen Aufsatz verschieben.

Alle Details sind mit 1mm Austrittspupille sichtbar bedeutet, dass durch höhere Vergrößerungen keine Verbesserungen mehr erzielbar sind. Ich möchte ich dieser Behauptung einmal theoretisch nachgehen. Warum ist das denn so, und gilt dies wirklich universell, d.h. für alle Teleskope? Und nur für Planeten, oder generell? Was ist mit der Faustformel für die Maximalvergrößerung, 2mal Objektivdurchmesser in mm?

Zunächst die Grundlagen:
Die Austrittspupille berechnet sich nach

A = D/V (1)

Wobei A die Austrittspupille, D der Objektivdurchmesser und V die Vergrößerung ist.
Für das Verständnis weiter wichtig ist die Beugungsbegrenzung der Optik, die sich etwa (siehe auch unter dem Stichwort Rayleigh-Kriterium) zu

Phi = 140“/D[mm] (2)

in Bogensekunden ergibt. Etwa deshalb, weil sich dieser Wert mit der Wellenlänge ändert.
Damit das Auge dieses theoretische Auflösungsvermögen des Teleskops auch wahrnehmen kann, muss vergrößert werden, denn das Auge hat nur ein begrenztes Auflösungsvermögen. Die Vergrößerung ist bekanntermaßen

V = F/f (3)

Wobei F die Teleskopbrennweite und f die Okularbrennweite ist. Für kleine Winkel, und mit denen haben wir es hier zu tun, gilt dies auch für die Winkelvergrößerung:

V = Bildwinkel/Objektwinkel (4)

Das Auflösungsvermögen des Auges, dass wir als letzten Baustein noch betrachten müssen, ist allerdings keine Konstante. Es beträgt etwa eine Bogenminute bei sehr guter Beleuchtung (Zäpfchensehen, Farbsehen), etwa drei Bogenminuten bei schwacher Beleuchtung (Stäbchensehen), und an der Wahrnehmungsschwelle wird es noch wesentlich schlechter (Zusammenschaltung mehrerer Rezeptoren).

Jetzt können wir diese einzelnen Informationen in den Zusammenhang bringen:

Ein Instrument von 140mm Öffnung liefert eine Auflösung von bestenfalls einer Bogensekunde nach (2). Das ist der kleinste auflösbare Objektwinkel. Damit das Auge dieses Auflösungsvermögen ausnutzen kann, muss dieser Objektwinkel zu einem Bildwinkel von mindestens einer Bogenminute gemacht werden, erfordert nach (4) also eine Vergrößerung von 60-fach. Mit dem Objektivdurchmesser von 140mm ist die zugehörige Austrittspupille nach (1) damit 2,3mm.
Das gilt unabhängig von der Teleskopoptik, denn Phi wird als Randbedingung (kleinster aufzulösender Winkel) zum Objektwinkel, so dass sich für die Berechnung der Austrittspupille D herauskürzt und nur

A = 140“ / kleinster wahrnehmbarer Bildwinkel

unter der Randbedingung auflösungsbegrenzte Austrittspupille übrigbleibt.
Nun ist ein Planet sicher keine sehr gute Beleuchtung, aber ein gewisses Farbsehen ist unbestritten noch möglich. Nehmen wir also (begründet) an, dass unser Auge ein Auflösungsvermögen von etwa 2 Bogenminuten (=Bildwinkel) bei der Planetenbeobachtung hat, dann halbiert sich die oben berechnete Austrittspupille auf etwa 1,2mm, kommt also nahe an die eingangs genannten 1mm. Bei dieser Austrittspupille wird man also „alles“ sehen, wird sie kleiner, bzw. die Vergrößerung höher, dann wird man beugungsbegrenzte Unschärfen sehen, aber nicht mehr Details.
Damit lassen sich ein paar der Fragen schon beantworten:
1. Warum ist 1mm Austrittspupille geeignet, um alle Details erkennen zu können?
Das haben wir durch die Rechnung und die Erläuterungen gezeigt.
2. Gilt das für alle Teleskope?
Ja, denn der Objektivdurchmesser kürzt sich heraus.

Der dritten Frage, ob das nur für Planeten gilt, widmen wir uns jetzt.
Am Tage, bei guter Beleuchtung, ist das Auflösungsvermögen des Auges besser. Daher wird der Wert für die beugungsbegrenzte Austrittspupille bei Tagbeobachtungen höher, nämlich bei etwa 2,3mm liegen – man braucht also keine so hohe Vergrößerung, um bereits alle Details zu erkennen.
Für Objekte, die von ihrer Helligkeit her an der Wahrnehmungsgrenze liegen, könnte man nun vermuten, dass höhere Vergrößerungen förderlicher sind, da nun das Auflösungsvermögen des Auges weit schlechter wird. Leider wird dieser Effekt aber dadurch konterkariert, dass bei höherer Vergrößerung von Objekten die Flächenhelligkeit natürlich zurückgeht. Überspitzt gesagt, man könnte auflösungsbedingt zwar mehr Details erkennen, sieht aber leider gar nichts mehr. Das gilt zumindest für die weitaus meisten astronomischen Objekte, auch für Sterne, deren Licht sich auf ein immer größeres Beugungsscheibchen verteilt.
Zum Abschluss noch ein Wort zu der „Faustformel“ maximale Vergrößerung = 2mal Objektivdurchmesser in mm. Die hergeleitete auflösungsbegrenzte Vergrößerung ist eine Minimalvergrößerung, um alle Details sehen zu können. Es ist natürlich nicht verboten, höher zu vergrößern. Das ist oftmals eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man lieber eine kleineres, dafür helles und knackscharfes Bild haben möchte, oder ob man leichte erkennbare Unschärfen, kontrastärmere Abbildung und womöglich schwieriges Nachführen bei hoher Vergrößerung in Kauf nehmen möchte, um dafür entspannt und nicht mit Luchsaugen einblicken zu müssen. Die Faustformel hat für mich ihre Berechtigung, noch höher sollte man aber nicht vergrößern, dann überwiegen eindeutig die Nachteile.
Natürlich darf man auch weniger vergrößern. Man nutzt in diesem Fall nur nicht das theoretische Auflösungsvermögen des Instrumentes, aber nach wie vor sein volles Lichtsammelvermögen.

Ich hoffe, dass diese Ausführungen so manchen erfreuen und vielleicht auch lehrreich sind. Aber: Selbst beobachten macht schlau, die Theorie kann nur unterstützen!

Comments welcome!

Klare Nächte,

Carsten
 
Hallo Carsten,

ein schöner Artikel, der die Sache gut darlegt.
Nur am Schlußwort möchte ich Kritik üben: Das selbst beobachten geht leider oftmals auch schief, wie die bekannte Aussage "bei 240x noch knackscharf" für den 80mm China-ED hervorragend belegt. Das einzige, was da knackt, sind Abbes Gebeine.
Um es mal wenigstens etwas zu entschärfen: Warscheinlich geht die Auflösung des Auges bei dieser geringen Bildhelligkeit (0,33mm AP) so weit zurück, daß man schon unter 5 Bogensekunden Auflösungsvermögen ankommt. Ich kann aber nicht belegen, inwieweit man einen solchen Rückgang des Auflösungsvermögens belegen kann. Aber das können ja diejenigen übernehmen, die ein derart erzeugtes Bild für "knackscharf" halten - ich gehöre nicht dazu. Probiert habe ich sowas aber auch schonmal mit meinem 90/1000, der ein einziges mal für 5 Minuten 400x erleiden musste.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Carsten

Warum hoch vergrößern?

Weils Spaß macht! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />

Hochvergrößern kann man nur, wenn man eine gute Optik sein eigen nennen kann.
Es kommen zwar keine Details in das Bild hinzu, doch braucht man gelegentlich eine hohe Vergrößerung, oder eine Übervergrößerung um bei bestimmten Objekten überhaupt mit einer gewissen Öffnung Details wahrzunehmen.
Schönes Beispiel wird für viele die Diesjährige Marsopposition sein. Der Planet mit 20" steht zwar höher als 2003, doch erscheint er uns wesentlich kleiner, was so seine schwierigkeiten mit sich bringt.
Umweltbedingungen und Objektzustant entscheiden oft mehr über eine erfolgreiche Beobachtung als nur Öffnung und die damit gesteigerte Auflößung!

Du gibst dein Auflösungskriterium mit "140" an.
Nach was richtet sich dieses, nach Raylight, Dawes (115,8), Linien...

Letzteres kann man sogar mit "23" rechnen (MTF). Denn eine Rille auf dem Mond, die im Vergleich wesentlich kleiner ist als das Airy Disk kann z.B. bei hoher Vergrößerung noch ausgemacht werden.

Das Raylightkriterium gilt nur für Doppelsterne, aber nicht für lineare Elemente. Der Grund dafür sind die sich gegenseitigen überlappenden verschieden hellen Beugungsscheibchen eines flächigen Objekts.
Auch muss man dieferenzieren zwischen Doppelstern und einem einzelnen Stern, da sich die überlappenden Beugungsscheibchen in der Lichtintensität Addieren.
Somit kann man die viel subtielere Erscheinung eines Planetenbildes nicht mit diesem Auflösungskriterium beschreiben.

Da die max. Detailerkennbarkeit viel mehr von anderen Faktoren als der Maximalvergrößerung, oder AP, abhängt, wie z.B., die Qualität der Optik, Zentralabschattung, Luftunruhe, Objektzustand, Beobachter, Öffnung, usw.
Kann eine AP von 1mm nur eine Näherung oder Richtlinie sein, mehr nicht.

Gruß Uwe
 
Hallo Sven,

danke für Deine Zustimmung!
Selbst beobachten kann man trotzdem jedem nur ans Herz legen. Mit Kenntnis der physikalischen Gegebenheiten wird man aber womöglich selbstkritischer...

Grüße,

Carsten
 
Hallo Carsten,

sehr schöner Bericht, dessen Quintessenz ich teile.
Beim Lesen (und auch angeregt von Svens Kommentar zum
Auflösungsvermögen des Auges) ist mir noch folgender
Punkt eingefallen:
In der Sky&Telescope im Sep/Okt war ein Artikel über
eine häufige, nächtliche Kurzsichtigkeit, in dem auch
Punktverbreiterungsfunktionen des Auges bei verschiedenen
Pupillendurchmessern angegeben waren. (Dabei handelt
es sich natürlich um "typische" Angaben, - individuelle
Sehstärke). Fazit war: bei 1mm Pupillendurchmesser gibt es
noch eine recht gute (fast theoretische) Punktverbreiterungs-
funktion. Auf einen mm abgeblendet löst das Auge also
typischerweise annähernd beugungsbegrenzt auf, und man versteht,
wie es zu den von Dir genannten wenigen Bogenminuten
kommt. Ein Vergrößern des Pupillendurchmessers verschlechtert
die Punktverbreiterungsfunktion jedoch in der Regel (=
bei den meisten Menschen) erheblich. Durch Nachtadaption
steigt damit nur unser Lichtsammelvermögen, nicht jedoch
das Auflösungsvermögen des Auges an.
Nun ergibt sich die Frage, ob man einen Teil der Diskussionen
hier im Forum über die sogenannte Übervergrößerung
zumindest teilweise mit der individuellen Punktverbreiterungs-
funktion des jeweiligen Benutzers erklären kann: Derjenige,
dessen Augen erst bei kleineren Pupillendurchmessern
wirklich beugungsbedingt sieht, mag eher einen Nutzen
aus sehr hohen Vergrößerungen ziehen.

Viele Grüße
Christoph
 
Hallo Uwe,

in meinem Beitrag wird ja nicht von einer guten oder schlechten Optik, sondern sogar von einer perfekten Optik ausgegangen - und noch dazu von perfekten Beobachtungsbedingungen. Die Physik setzt nun mal Grenzen.
Das Auflösungskriterium von 140"/D ist wie geschrieben nach Rayleigh, es gilt für eine Wellenlänge von rund 555nm.
Die Modular Transfer Function (MTF) oder Kontrastübertragungsfunktion läßt sich ebenso zugrunde legen und ist in der Tat für flächige Objekte eine bessere Beschreibung. Sie läßt sich zum Rayleigh-Kriterium aber in Beziehung setzen und ist hier äquivalent zu einem Wert der MTF von 15,8%. Das ist nahe dem Wert, der in der MTF üblicherweise als "erkennbare Struktur" zugrunde gelegt wird. Der liegt, soweit ich das weiß, bei 10%, d.h. ein 10%iger Kontrastunterschied wird als unterste Erkennbarkeitsstufe angesehen. Die von Dir genannten 23 für die MTF kann ich mir nur als den Wert der Grenzfrequenz erklären, wo die Kurve 0 erreicht. Das ist weit entfernt von Detailerkennbarkeit.
Summa summarum: Man kann an der 140"/D-Definition rütteln, aber nicht nennenswert. Auch wenn man 120"/D odergar 100"/D zum Stein der Weisen erklärt, ändert das an der Sache nicht viel.
Ich will aber wie gesagt niemandem verbieten, höher zu vergrößern (wie sollte ich auch?), oder ihn deswegen verdammen. Der Beitrag sollte nur die physikalischen Gegebenheiten klären.

Grüße,

Carsten
 
Tja, da waren unsere lieben und berühmten Altvorderen, die mit über 1000facher Vergrösserung über Mond und Mars spazieren gingen, wohl alle auf dem Holzweg, hatten ihre Teleskope (= unvergütete Refraktorenoptiken und dazu noch einfache Fraunhofer) doch nur maximal 66cm Durchmesser (Asaph Hall, Mars), Lowell, Schiaparelli (nur 21cm, deshalb wohl die Marscanali), Scheiner, Gassendi, Schröter, Beer, Mädler und wie sie alle hießen..

Übrigens, die Zeissens gaben als Auflösungslimit (Doppelsterne) für ihre Refraktoren 110"/mm Öffnung an.
Für die Erkennung linearer Strukturen findet man einen Wert, der etwa 1/7 bis 1/20 dieses Limits beträgt. Nimmt man einen Wert um 115-120"/mm an und setzt den in Beziehung zu einer Auflösung des Auges von 1' ergibt sich die von Stoyan in der IS genannte optimale AP von etwa 0,66mm.....also etwa 0,7mm AP.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Christoph,

ja, so unterhalb von 2mm Pupillendurchmesser wird die Beugung entscheidend, darüber ist es einfach der Abstand der Sehzellen, der die Auflösung begrenzt. Das ist also praktisch immer der Fall, wenn man sich nicht gerade im prallen Sonnenlicht aufhält. Dieser Abstand ist wohl relativ unabhängig von der Person, nicht aber natürlich die "Qualität" der Augenlinse. Inwieweit persönliche Fehlsichtigkeiten durch Übervergrößerung eventuell ausgeglichen werden können, kann ich aber nicht sagen.

Grüße,

Carsten
 
Tja, da waren unsere lieben und berühmten Altvorderen, die mit über 1000facher Vergrösserung über Mond und Mars spazieren gingen, wohl alle auf dem Holzweg, hatten ihre Teleskope (= unvergütete Refraktorenoptiken und dazu noch einfache Fraunhofer) doch nur maximal 66cm Durchmesser (Asaph Hall, Mars), Lowell, Schiaparelli (nur 21cm, deshalb wohl die Marscanali), Scheiner, Gassendi, Schröter, Beer, Mädler und wie sie alle hießen..
Hallo Randolf,

warum? Mit 66cm Öffnung ergibt sich nach der Faustformel ja eine Maximalvergrößerung von 1320-fach (mit AP 0,5mm). Es wird mir nur auf ewig ein Rätsel bleiben, wie die damals die Luftunruhe in den Griff gekriegt haben...

Grüße,

Carsten
 
Hallo Carsten

Ja, da hast du recht, mit 23 kann man nur rechnen, wenn wirklich alles stimmt!
Ansonsten tue ich mich manchmal etwas schwer mit theoretischen Idealen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/blush.gif" alt="" />
Ich habe mal etwas in SuW gelesen, wo der Mindestkontrast für die Wahrnehmungsschwelle des Auges bei niedrigen Ortsfrequenzen für 5% anstatt mit 10% angegeben war.
Erwähnenswert in Bezug auf das Auflösungsvermögen, ist die Tatsache, dass dem Auge, nahe dem theoretischen Auflösungsvermögen ein immer höherer Kontrast geboten werden muss, um z.B. zwei Linien noch voneinander trennen zu können! Deshalb fällt dann in der Praxis das gesteigerte Auflösungsvermögen durch Zentralabschattung auch nicht ins Gewicht, weil viele Faktoren den Kontrast drücken.



Link zur Grafik: http://www.ex-astris-scientia.org/misc/tutorial/mtf-chart.jpg

Gruß Uwe
 
Mal was zu "Einzeldetails" und "Mondrillen"

Hallo Uwe,

ich möchte mal unbedingt und bitte zum hinter die Ohren schreiben festhalten, daß die Erkennbarkeit einer "Mondrille", die eigentlich in ihrer Ausdehnung unterhalb der Auflösungsgrenze liegt, nichts ungewöhnliches ist. Die Erkennung funktioniert nämlich, wenn diese Rille das einzige Detail ist, welches sich von einer ansonsten "eintönigen" Umgebung abhebt. Während zwar die Rille als solche nicht aufgelöst werden kann, so geht doch ihr Kontrast zur Fläche (also ihre Helligkeitsunterschied) in die Flächenhelligkeit dieses Bildbereiches ein. Man erhält also z.B. bei einer dunklen Rille einen Weichzeichnereffekt, also eine "Rille" die in etwa so breit ist, wie das Auflösungsvermögen des Teleskopes mit einer dementsprechend schwächeren "Abdunklung". Ist diese zu schwach, so geht die Rille unter.

Man muß also unterscheiden zwischen der Fähigkeit, zwei Linien oder zwei Beugungsscheibchen zu trennen, und der Fähigkeit, einen freistehenden Peak erkennbar zu machen.

Clear Skies
Sven
 
warum? Mit 66cm Öffnung ergibt sich nach der Faustformel ja eine Maximalvergrößerung von 1320-fach (mit AP 0,5mm). Es wird mir nur auf ewig ein Rätsel bleiben, wie die damals die Luftunruhe in den Griff gekriegt haben...

Grüße,

Carsten


Hallo Carsten
Jau, mit 0,5mm AP bei 66cm schon, aber Mädler hat z.B. auch mit 36cm und 1500fach gespechtelt.

Zur Luftruhe: Wusstest du, das die Ringfeinstruktur des Saturn bereits vor der Fotografischen Entdeckung visuell beobachtet wurde? Auch die visuelle Beobachtung der Speichen in den Saturnringen gelang lange vor der offiziellen wissenschaftlichen Entdeckung und Bestätigung! Nur wurden leider diese Beobachtungen als schier unmögliche Spinnereien abgetan...Das muß in Momenten absoluter Luftruhe passiert sein, sonst kanns nicht funktionieren.
Zur Sichtung feinster Kontrastdetails zitier ich mal Roger Gordon vom Brayebrook Observatory:
Laboratory experiments have shown that lines on a high contrast sine target can be seen at 1/100th Dawes' limit. Under good atmospheric conditions the limit is usually 1/10 to 1/20th Dawes' limit. Low contrast targets reduce detection. This however is detection, not resolution.
 
Den (Johann Heinrich Mädler) sollte man allerdings kennen!. Du kennst doch auch bestimmt Dreyer oder Marth oder Friedrich Georg Wilhelm Struve ??
http://www.manfredholl.de/maedler.htm

Mädlers Cross wäre noch ein Stichwort...
ähhh, lese gerade, dass er einen 97cm Refraktor zur Verfügung hatte....
 
Under good atmospheric conditions the limit is usually 1/10 to 1/20th Dawes' limit. Low contrast targets reduce detection. This however is detection, not resolution.

Hallo Randolf,

das stellt hier niemend in Frage. Die Frage ist nur, welche Vergrößerung ist notwendig, um diese Strukturen zu erkennen. Dazu folgendes:
Eine Linie der Breite 0,1" wird in einem 140mm Instrument durch Beugung auf etwa 1" verschmiert bzw. weichgezeichnet. Der Kontrast ist daher nicht mehr 100%, wenn man hier harte weiß/schwarz Übergänge hat, sondern aufgrund der Verbreiterung um den Faktor 10 auf 10% gemindert. Zu betrachten habe ich aber nun eine Struktur der Ausdehnung 1", was mit einer Austrittspupille von 1mm erreicht wird. Es sind also, bei harten Kontrasten wie Mondrillen oder Lücken in den Saturnringen, kleinere Strukturen als die Beugungsbegrenzung zuläßt wahrnehmbar. Aber dazu braucht es keine immensen Vergrößerungen.
Aber eigentlich wiederhole ich damit nur Svens Posting.

Grüße,

Carsten
 
Hallo,

ohne eine theoretische Erklärung parat zu haben, möchte ich behaupten, dass die sog. unsinnige Vergrößerung (über 2,5 x D[mm]) sinvoll bei der Separation enger Doppelstern ist, sofern die Optik sehr gut ist. In meinem 6-Zöller kann ich z.B. nur das Dawes-Kriterium unterbieten, wenn ich über 380x gehe (epsilon Equ als "8", gamma CrB getrennt etc.).
Wie ist Eure Meinung/Erklärung dazu?

Viele Grüße
Cord
 
Hallo Cord,

also der CrB Doppelstern war eine sehr harte Nuß für mich und meinen 8" Newton.
Ich habe ihn erst 1x getrennt,bei sehr gutem Seeing und 300x. Vorher hatte
ich es schon mehrfach versucht und war an der luftunruhe gescheitert.
Allerdings bin ich auch kein ausgesprochener Doppelsternfreak.

MfG,Karsten
 
Hallo Cord,

da es ja bei der Doppelsterntrennung auch darauf ankommt, die Form des Beugungsbildes zu erkennen, ist hier ja eine übervergrößerung nützlich. Und das steht ja direkt im Gegensatz dazu, daß man es bei der sonstigen Beobachtung gerade vermeiden will, das Beugungsscheibchen erkennen zu können.

Clear Skies
Sven
 
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