UwePilz
Aktives Mitglied
Auf der Suche nach einem ernstzunehmenden Kometensucher stieß ich auf die Synta-Geräte. Zuerst hatte ich den 6-Zöller im Visier, der gar nicht sooo teuer ist. Allerdings brachte mich dessen Gewicht von über 8 kg schnell vom Erwerb ab: Das wäre dann nichts unproblematisch Handhabbares mehr gewesen. So fand der kleinere Bruder, ein 12 cm f/5 Fraunhofer den Weg in mein optisches Kabinett.
Technische Details
------------------
Das Gerät ist mit etwa 2,5 kg erstaunlich leicht und kann für den Transport auf 50 cm verkürzt werden. Somit ist es ein passables Reisegerät. Ich erwarb es gemeinsam mit einer AZ-3-Montierung. Insgesamt bekam ich bei Wolfi für 319 Euro:
- Die Optik mit Rohrschellen und Taukappe
- Ein 1,25" Amici-Prisma
- Einen Leuchtpunktsucher
- Zwei Okulare: Ein 25 mm Plössl und ein 10 mm Kellner, welche ich nicht benutzen werde
- die AZ-3-Montierung mit Alu-Stativ
Die Optik ohne Montierung und Stativ kostet 299 Euro.
Ich erwarb zusätzlich einen 2 Zoll Zenitspiegel der TS-Hausmarke.
Direktlink zum Anbieter:
http://www.teleskop-express.de/shop...-120-600mm-auf-azimutaler-Montierung-AZ3.html
Das Gerät wird auch von anderen Händlern angeboten.
Der optische Tubus
----------------------
Wer einen kurzbrennweitigen FH-Refraktor erwirbt, muss mit den Grenzen der optischen Leistung zufrieden sein können, insbesondere mit dem systemgegebenen Farbfehler bei mittleren bis hohen Vergrößerungen. Ich berichte weiter unten, wie sich das praktisch auswirkt. Aber dennoch muss auch ein solches System ordentlich kalbriert sein, um seine Leistung zu entfalten. Ich unternahm zwei Tests:
a) Sterntest bei Vergrößerungen zwischen 15x und 150x: Die intra- und extrafokalen Bilder waren *wirklich* gleich. Bei meinen Spiegelteleskopen gibt es da systembedingt Unterschiede, da sich der Fangspiegels intra- und extrafokal unterschiedlich auswirkt.
b) Ronchitest in drei Farben. Ich benutzte ein profesionelles 20 lpm-Gitter und schaltete erst einen Grünfilter, dann einen Blaufilter und schließlich einen Rotfilter davor. Als Teststern diente Kapella. Ich stellte das Gitter so ein, dass ich etwa 10 Liniepaare sah. Im Grünen waren die Linien exakt parallel, so dass dieses Gerät für den visuellen Gebrauch optimiert ist. In extrafokaler Sicht war das Blaubild kisenförmig verzeichnet, das Rotbild hingegen tonnenförmig. Das ist ganz normal für einen Fraunhofer, diese Farben können nicht exakt sein. Blau ist überkorrigiert und rot unterkorrigiert. Das rote Bild war übrigens schwer zu sehen, weil mein Rotfilter recht streng ist.
Das Instrument ist also ordentlich. Es sind auch alle benötigten Adapter und Klemmen dabei. Einzige kleine Kritik: Die Knöpfe der Fokussierachse sitzen schief drauf oder die Achse selbst ist verbogen. Seltsam, aber nicht kritisch, man kann ordentlich fokussieren.
Die Taukappe sitzt nicht sehr straff. Eigentlich kein Problem, aber Vorsicht, falls man vor die Kappe einen Sonnenfilter bastelt! Eine ungeschickte Bewegung, und sie kann abfallen. Leider passt der vordere Schutzdeckel nicht auf die blanke Optik, so dass man sich zum Transport etwas einfallen lassen muss.
Die Montierung
---------------
Gleich als estes viel mir auf: Duese Montierung ist der Größe des Gerätes angemessen. Oft werden unterdimensioniert montierte Geräte angeboten. Eine azimutale Montierung kommt ohnehin nur für den visuellen Gebrauch in Betracht und hierfür ist sie mehr als ausreichend.
Leider müssen die Rohrschellen mit der Montierung verschraubt werden, das Werkzeug liegt sogar bei. Da sich außerdem der Stativkopf nicht auf einfache Weise von der Montierung trennen lässt, ist das Transportmaß dann doch recht groß. Natürlich kann man die Schellen abschrauben, und auch den Kopf wird man wohl heruntergeschraubt bekommen. Aber komfortabel ist das nicht.
Zum Stativ gehört eine Ablageplatte. Wenn man diese montiert, kann man das Stativ nicht mehr zusammenklappen. Also habe ich das gelassen.
Die Montierung hat Feintriebe mit biegsamen Wellen, die eine Nachführung für etwa einer Stunde zulassen. Danach muss man sie zurückleiern, vor allem im Azimut pasiert dies öfter. Bei steilen Blicken an den Himmel stört die eine Welle manchmal und stupst ins Gesicht. Man muss sie dann zur Seite biegen.
Die Höhen-Grobeinstellung war bei mir zu schlaff eingestellt, das Instrument kippte von selbst. Man kann das mit einem 19er Schlüssel (der diesmal nicht beiliegt) aber nachstellen. Die Azimutverstellung hat eine Klemmschraube, die auf einen Exzenter wirkt. Damit kann man die Gängigkeit einstellen.
Am besten beobachtet man im Sitzen, ein Anglerhocker genügt. Die unterschiedliche Okularposition kann man durch Ausziehen der Stativbeine korrigieren. Etwas umständlich, wegen des geringen Gewichtes von Gerät und Montierung aber machbar: Vor jeder Beobachtngsaufgabe erst mal die Stativhöhe anpassen. Auch voll ausgezogen ist das Stativ hinreichnend stabil.
Das mitgelieferte Amici-Prisma erschwert steile Beobachtungen, die Einblickposition ist dann unmöglich. Ich werde das Gerät mit Zenitprisma benutzen und mich mit dem Nachteil der seitenverkehrten Bilder anfreunden.
Wenn man im Zenit beobachten muss, dann geht dies nicht ohne Weiteres. Man muss dazu ein Stativbein kürzer stellen als die anderen beiden, dann bekommt man es hin. Wie im Dob ist diese Himmelsstelle eine Herausforderung.
Das größte Manko der Montierung ist, dass an einigen Stellen, besonders an der Azimutal-Grobverstellung, Fett austritt. Und zwar nicht irgendwelches fett, sondern das eklig-zähe Chinafett. Das hat man dann an den Händen und läuft Gefahr, die Okulare zu kontaminieren. Es ist aber recht praktisch, zunächst das Instrument samt Stativ in Richtung des Beobachtungszieles zu stellen. Man muss dan aufpassen, dass man nicht gerade dort anfasst. Irgenwann werde ich das sicher zerlegen und entfetten.
Praktische Erprobung am Tage
---------------------------
Ich habe das Instrument auf meine Terrasse gestellt und daneben zum Vergleich meinen 15cm f/12 Intes-Maksutov. Die Öffnung beider Geräte ist ähnlich, aber das wars auch schon -- ein Weitfeldgerät neben einem Vergrößerungsspezi. Aber ich wollte im Vergleich sehen, was sich bei mittleren bis hohen Vergrößerungen tut. Als Objekt benutzte ich einen außer Betrieb befindlichen Schornstein, der mehrere Kilometer entfernt steht.
Zunächst steckte ich ein 40-mm-Erfle-Okular in den Zenitspiegel, das ist eine Vergrößerung von 15x. Über 4° Gesichtsfeld! Das ist schon beeindruckend, das Gerät gleicht einem Riesen-Fernglas (wenn auch nur einäugig). Das Bild ist sehr kontrastreich und scharf bis fast an den Rand. Die Bildfeldwölbung ist gering.
Danach setzte ich das Amici-Prisma ein und steckte ein 20-mm-Erfle (eine "Goldkante") ein. Auch hier ein großes Gesichtsfeld, 2 1/2 Grad. Das Bild ist wieder kontrastreich und scharf, aber an harten Knaten sieht man bei genauem Hinsehen die ersten Farbsäume. Ein 15-mm-Erfle (wieder eine Goldkante) verstärkt diesen Effekt etwas, aber es bleibt ein gutes Bild.
Übrigens: Direkt in das Instrument kann man zwar 2-Zoll-Zubehör stecken, man bekommt dies aber nicht in den Fokus. Entweder das Zenit- oder das Amiciprisma müssen rein, das ist so konzipiert.
Ich wollte als nächstes wissen, wie sich das Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen im Vergleich zum Maksutov benimmt. Dessen Mindestvergrößerung ist 56x, welche mit einem 32-mm-Plössl erreicht wird. Am Skywatcher benutzte ich ein 10-mm-Weitwinkel, das gibt 60x. Hier sieht man schon bedeutende Unterschiede. Der Mak bietet bedeutend mehr Detail, vor allem in den Schatten. Diese sind im Refraktor durchgehend aufgehellt,so dass Strukturen (z.B. der Unterschied zwischen "dunkel" und "ganz dunkel") nicht erkennbar sind. Als nächstes versah ich den Refraktor mit einem Gelbfilter. Dadurch wurde das Bild etwas besser und die Schattendetails waren mit Mühe erkennbar. Im Mak waren die hingegen deutlich zu sehen. Ein Baader Kontrastbooster bringt ein ähnliches Ergebnis, mit weniger Verfärbung freilich. Schließlich verglich ich die Geräte, beide ausgestatte mit einem Gelbfilter. Dieser Unterschied war viel geringer.
Ich erhöhte die Vergrößerung noch auf 120x bei beiden Geräten. Das Bild im Refraktor war nicht mehr brauchbar: Matschig und weich. Daran änderten auch Filter wenig. Das Bild im Mak war immer noch akzeptabel. Schließlich durchzuckte mich ein Geistesblitz und ich tauschte das Amiciprisma gegen den Zenitspiegel. Ah ja! Ein deutlich besseres Bild, wenn einer der Filter benutzt wird! Solche Prismen dürfen nicht überstrapaziert werden, habe ich eben gelernt. Dass der Mak dennoch das Rennen gewann, brauche ich nicht zu erwähnen.
Erprobung nachts
----------------
Das Schlechtwettergebiet hatte sich gestern schon angekündigt und schickte immer mal paar Wolken durch. Dennoch konnte ich an einem recht dunkeln Beobachtungsstandort (Bortle 4) das Gerät etwa eine Stunde erproben. mehr kann man vom Wetter nach einem Neukauf nicht erwarten.
Der Skywatcher ist ein Weitfeldgerät. Mit dem 40er Okular durch die Milchstraße surfen, ist wirklich wundervoll. Strukturen treten plastisch hervor, obwohl die Wintermilchstraße nicht mehr all zu hoch steht. Die Sternabbildung ist ordentlich, ich habe nichts zu meckern.
Eine Galaxie knapp 12. Größe (NGC 3628) war einfach zu sehen, 12m3 (NGC 3655) erforderte Konzentration. Beide Sternsysteme waren bei 30x am besten zu erkennen. Darüber brauche ich aber eigentlich nicht zu berichten: Diese Tugenden des Gerätes lassen sich am Datenblatt ablesen.
Wenn man einen kurzbrennweitigen Fraunhofer als Reisegerät benutzt, dann wird man sicherlich auch hin und wieder einen Blick auf Planeten und den Mond werfen wollen. Ich sah mir Saturn an und verglich den Anblick wieder mit meinem Mak. Als Vergrößerung wählte ich bei beiden Geräten 150x, ab dieser Vergrößerung kann man einiges an Einzelheiten erwarten.
Schon am Tage war aufgefallen, das die Fokussierung am Skywatcher nicht einfach ist, wenn man hoch vergrößert. Der Trieb hat keine Untersetzung und es ist Feingefühl gefragt. Man bekommt es aber hin. Erstaunlicherweise zeigte sich um den Saturn herum keine Farbe. Kein Lila, kein blau, kein gelb. Ich hatte erwartet, dass ich nur bunte Kleckse zu sehen bekäme. Aber Saturn ist nicht allzu hell, und das Auge ist wohl zu unempfindlich für dieses defokussierte Licht. Der Ring war recht kontratreich zu sehen, auch der Ringschatten kein Problem. Das war es allerdings auch an Einzelheiten.
Der Mak zeigte alles klarer und vor allem Einzelheiten der Planetenkugel. Die Abdunkelungen der Pole waren leicht erkennbar, mit etwas Mühe auch ein Wolkenband. Der Refraktor hatte hierfür keine Chance. Ein Gelbfilter oder der Kontrastbooster änderten hieran nichts. Vielleicht auch deshalb, weil der Saturn nicht genügend Lichtreserven für Filterung hat.
Fazit
-----
Das Gerät ist ein vernünftiges Reisegerät, wenn man in dunkle Gegenden fährt. Für die Montierung und vor allem das Stativ gilt dies nur eingeschränkt. In einem PKW passt dies alles aber in eine Ecke des Kofferraums, auch wenn andere Familienmitglieder mitreisen. (Deutlicher werde ich jetzt nicht.)
Ich bin recht sicher, dass dieses Gerät meinem beabsichtigten Verwendungszweck gut entsprechen wird: Ein unkompliziertes Kometengerät. Insgesamt ist es ein schönes Gerät für Milchstraßenbeobachtungen. Zum Beispiel die beobachterisch vernachlässigten Dunkelnebel springen hiermit ins Auge. Die großflächigen Gasnebel werden auch eine Offenbareung sein, ggf. mit Filter. Galaktische Paradeobjekte waren aber gerade nicht in vernünftiger Beobachtungsposition.
Es ist von den optischen Daten her völlig klar, das Planeten und der Mond problematische Objekte für dieses kurzbrennweitige Gerät sind. Problematische, aber nicht völlig aussichtslose. Am härtesten betroffen wird wohl Jupiter sein, weil die Einzelheiten der Oberfläche von pastellartiger Feinheit sind. Und schon meine Tagbeobachtungen am Schornstein zeigte die erhebliche Kontrastminderung. Für Satun gilt ähnliches, wenn man nicht nur den Ring und die Monde sehen will.
Für Mars erwarte ich mehr Möglichkeiten. Hier verwende ich oft Filter, was die optische Leistung verbessert. Hoffnungsvoll stimmt hier nicht allzu große Unteschied zum Mak, als beide einen Gelbfilter verpasst bekamen. Uranus und Neptung kaum beeinträchtigt, Merkur und Vernus nur ästhtisch. (Das aschfahle Venuslicht wird man sicher nicht sehen können.)
Am Mond kann man einiges herausholen, wenn man filtert. Der Mond ist hell, mit einem mitteldichtes Grünfilter betreibt man den FH dort, wo er am besten korrigiert ist. Den gefärbten Mond muss man dann akzeptieren.
Insgesamt ist es erstaunlich, wieviel Optik man für 300€ geboten bekommt. In einer alten Interstellarum kam ein Test eines 6-Zoll-Refraktors zu einem ähnlichen Resultat. Allerdings kostete das Gerät damals 5000 DM! So ändern sich die zeiten, nicht alles wird nur schlechter.
Technische Details
------------------
Das Gerät ist mit etwa 2,5 kg erstaunlich leicht und kann für den Transport auf 50 cm verkürzt werden. Somit ist es ein passables Reisegerät. Ich erwarb es gemeinsam mit einer AZ-3-Montierung. Insgesamt bekam ich bei Wolfi für 319 Euro:
- Die Optik mit Rohrschellen und Taukappe
- Ein 1,25" Amici-Prisma
- Einen Leuchtpunktsucher
- Zwei Okulare: Ein 25 mm Plössl und ein 10 mm Kellner, welche ich nicht benutzen werde
- die AZ-3-Montierung mit Alu-Stativ
Die Optik ohne Montierung und Stativ kostet 299 Euro.
Ich erwarb zusätzlich einen 2 Zoll Zenitspiegel der TS-Hausmarke.
Direktlink zum Anbieter:
http://www.teleskop-express.de/shop...-120-600mm-auf-azimutaler-Montierung-AZ3.html
Das Gerät wird auch von anderen Händlern angeboten.
Der optische Tubus
----------------------
Wer einen kurzbrennweitigen FH-Refraktor erwirbt, muss mit den Grenzen der optischen Leistung zufrieden sein können, insbesondere mit dem systemgegebenen Farbfehler bei mittleren bis hohen Vergrößerungen. Ich berichte weiter unten, wie sich das praktisch auswirkt. Aber dennoch muss auch ein solches System ordentlich kalbriert sein, um seine Leistung zu entfalten. Ich unternahm zwei Tests:
a) Sterntest bei Vergrößerungen zwischen 15x und 150x: Die intra- und extrafokalen Bilder waren *wirklich* gleich. Bei meinen Spiegelteleskopen gibt es da systembedingt Unterschiede, da sich der Fangspiegels intra- und extrafokal unterschiedlich auswirkt.
b) Ronchitest in drei Farben. Ich benutzte ein profesionelles 20 lpm-Gitter und schaltete erst einen Grünfilter, dann einen Blaufilter und schließlich einen Rotfilter davor. Als Teststern diente Kapella. Ich stellte das Gitter so ein, dass ich etwa 10 Liniepaare sah. Im Grünen waren die Linien exakt parallel, so dass dieses Gerät für den visuellen Gebrauch optimiert ist. In extrafokaler Sicht war das Blaubild kisenförmig verzeichnet, das Rotbild hingegen tonnenförmig. Das ist ganz normal für einen Fraunhofer, diese Farben können nicht exakt sein. Blau ist überkorrigiert und rot unterkorrigiert. Das rote Bild war übrigens schwer zu sehen, weil mein Rotfilter recht streng ist.
Das Instrument ist also ordentlich. Es sind auch alle benötigten Adapter und Klemmen dabei. Einzige kleine Kritik: Die Knöpfe der Fokussierachse sitzen schief drauf oder die Achse selbst ist verbogen. Seltsam, aber nicht kritisch, man kann ordentlich fokussieren.
Die Taukappe sitzt nicht sehr straff. Eigentlich kein Problem, aber Vorsicht, falls man vor die Kappe einen Sonnenfilter bastelt! Eine ungeschickte Bewegung, und sie kann abfallen. Leider passt der vordere Schutzdeckel nicht auf die blanke Optik, so dass man sich zum Transport etwas einfallen lassen muss.
Die Montierung
---------------
Gleich als estes viel mir auf: Duese Montierung ist der Größe des Gerätes angemessen. Oft werden unterdimensioniert montierte Geräte angeboten. Eine azimutale Montierung kommt ohnehin nur für den visuellen Gebrauch in Betracht und hierfür ist sie mehr als ausreichend.
Leider müssen die Rohrschellen mit der Montierung verschraubt werden, das Werkzeug liegt sogar bei. Da sich außerdem der Stativkopf nicht auf einfache Weise von der Montierung trennen lässt, ist das Transportmaß dann doch recht groß. Natürlich kann man die Schellen abschrauben, und auch den Kopf wird man wohl heruntergeschraubt bekommen. Aber komfortabel ist das nicht.
Zum Stativ gehört eine Ablageplatte. Wenn man diese montiert, kann man das Stativ nicht mehr zusammenklappen. Also habe ich das gelassen.
Die Montierung hat Feintriebe mit biegsamen Wellen, die eine Nachführung für etwa einer Stunde zulassen. Danach muss man sie zurückleiern, vor allem im Azimut pasiert dies öfter. Bei steilen Blicken an den Himmel stört die eine Welle manchmal und stupst ins Gesicht. Man muss sie dann zur Seite biegen.
Die Höhen-Grobeinstellung war bei mir zu schlaff eingestellt, das Instrument kippte von selbst. Man kann das mit einem 19er Schlüssel (der diesmal nicht beiliegt) aber nachstellen. Die Azimutverstellung hat eine Klemmschraube, die auf einen Exzenter wirkt. Damit kann man die Gängigkeit einstellen.
Am besten beobachtet man im Sitzen, ein Anglerhocker genügt. Die unterschiedliche Okularposition kann man durch Ausziehen der Stativbeine korrigieren. Etwas umständlich, wegen des geringen Gewichtes von Gerät und Montierung aber machbar: Vor jeder Beobachtngsaufgabe erst mal die Stativhöhe anpassen. Auch voll ausgezogen ist das Stativ hinreichnend stabil.
Das mitgelieferte Amici-Prisma erschwert steile Beobachtungen, die Einblickposition ist dann unmöglich. Ich werde das Gerät mit Zenitprisma benutzen und mich mit dem Nachteil der seitenverkehrten Bilder anfreunden.
Wenn man im Zenit beobachten muss, dann geht dies nicht ohne Weiteres. Man muss dazu ein Stativbein kürzer stellen als die anderen beiden, dann bekommt man es hin. Wie im Dob ist diese Himmelsstelle eine Herausforderung.
Das größte Manko der Montierung ist, dass an einigen Stellen, besonders an der Azimutal-Grobverstellung, Fett austritt. Und zwar nicht irgendwelches fett, sondern das eklig-zähe Chinafett. Das hat man dann an den Händen und läuft Gefahr, die Okulare zu kontaminieren. Es ist aber recht praktisch, zunächst das Instrument samt Stativ in Richtung des Beobachtungszieles zu stellen. Man muss dan aufpassen, dass man nicht gerade dort anfasst. Irgenwann werde ich das sicher zerlegen und entfetten.
Praktische Erprobung am Tage
---------------------------
Ich habe das Instrument auf meine Terrasse gestellt und daneben zum Vergleich meinen 15cm f/12 Intes-Maksutov. Die Öffnung beider Geräte ist ähnlich, aber das wars auch schon -- ein Weitfeldgerät neben einem Vergrößerungsspezi. Aber ich wollte im Vergleich sehen, was sich bei mittleren bis hohen Vergrößerungen tut. Als Objekt benutzte ich einen außer Betrieb befindlichen Schornstein, der mehrere Kilometer entfernt steht.
Zunächst steckte ich ein 40-mm-Erfle-Okular in den Zenitspiegel, das ist eine Vergrößerung von 15x. Über 4° Gesichtsfeld! Das ist schon beeindruckend, das Gerät gleicht einem Riesen-Fernglas (wenn auch nur einäugig). Das Bild ist sehr kontrastreich und scharf bis fast an den Rand. Die Bildfeldwölbung ist gering.
Danach setzte ich das Amici-Prisma ein und steckte ein 20-mm-Erfle (eine "Goldkante") ein. Auch hier ein großes Gesichtsfeld, 2 1/2 Grad. Das Bild ist wieder kontrastreich und scharf, aber an harten Knaten sieht man bei genauem Hinsehen die ersten Farbsäume. Ein 15-mm-Erfle (wieder eine Goldkante) verstärkt diesen Effekt etwas, aber es bleibt ein gutes Bild.
Übrigens: Direkt in das Instrument kann man zwar 2-Zoll-Zubehör stecken, man bekommt dies aber nicht in den Fokus. Entweder das Zenit- oder das Amiciprisma müssen rein, das ist so konzipiert.
Ich wollte als nächstes wissen, wie sich das Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen im Vergleich zum Maksutov benimmt. Dessen Mindestvergrößerung ist 56x, welche mit einem 32-mm-Plössl erreicht wird. Am Skywatcher benutzte ich ein 10-mm-Weitwinkel, das gibt 60x. Hier sieht man schon bedeutende Unterschiede. Der Mak bietet bedeutend mehr Detail, vor allem in den Schatten. Diese sind im Refraktor durchgehend aufgehellt,so dass Strukturen (z.B. der Unterschied zwischen "dunkel" und "ganz dunkel") nicht erkennbar sind. Als nächstes versah ich den Refraktor mit einem Gelbfilter. Dadurch wurde das Bild etwas besser und die Schattendetails waren mit Mühe erkennbar. Im Mak waren die hingegen deutlich zu sehen. Ein Baader Kontrastbooster bringt ein ähnliches Ergebnis, mit weniger Verfärbung freilich. Schließlich verglich ich die Geräte, beide ausgestatte mit einem Gelbfilter. Dieser Unterschied war viel geringer.
Ich erhöhte die Vergrößerung noch auf 120x bei beiden Geräten. Das Bild im Refraktor war nicht mehr brauchbar: Matschig und weich. Daran änderten auch Filter wenig. Das Bild im Mak war immer noch akzeptabel. Schließlich durchzuckte mich ein Geistesblitz und ich tauschte das Amiciprisma gegen den Zenitspiegel. Ah ja! Ein deutlich besseres Bild, wenn einer der Filter benutzt wird! Solche Prismen dürfen nicht überstrapaziert werden, habe ich eben gelernt. Dass der Mak dennoch das Rennen gewann, brauche ich nicht zu erwähnen.
Erprobung nachts
----------------
Das Schlechtwettergebiet hatte sich gestern schon angekündigt und schickte immer mal paar Wolken durch. Dennoch konnte ich an einem recht dunkeln Beobachtungsstandort (Bortle 4) das Gerät etwa eine Stunde erproben. mehr kann man vom Wetter nach einem Neukauf nicht erwarten.
Der Skywatcher ist ein Weitfeldgerät. Mit dem 40er Okular durch die Milchstraße surfen, ist wirklich wundervoll. Strukturen treten plastisch hervor, obwohl die Wintermilchstraße nicht mehr all zu hoch steht. Die Sternabbildung ist ordentlich, ich habe nichts zu meckern.
Eine Galaxie knapp 12. Größe (NGC 3628) war einfach zu sehen, 12m3 (NGC 3655) erforderte Konzentration. Beide Sternsysteme waren bei 30x am besten zu erkennen. Darüber brauche ich aber eigentlich nicht zu berichten: Diese Tugenden des Gerätes lassen sich am Datenblatt ablesen.
Wenn man einen kurzbrennweitigen Fraunhofer als Reisegerät benutzt, dann wird man sicherlich auch hin und wieder einen Blick auf Planeten und den Mond werfen wollen. Ich sah mir Saturn an und verglich den Anblick wieder mit meinem Mak. Als Vergrößerung wählte ich bei beiden Geräten 150x, ab dieser Vergrößerung kann man einiges an Einzelheiten erwarten.
Schon am Tage war aufgefallen, das die Fokussierung am Skywatcher nicht einfach ist, wenn man hoch vergrößert. Der Trieb hat keine Untersetzung und es ist Feingefühl gefragt. Man bekommt es aber hin. Erstaunlicherweise zeigte sich um den Saturn herum keine Farbe. Kein Lila, kein blau, kein gelb. Ich hatte erwartet, dass ich nur bunte Kleckse zu sehen bekäme. Aber Saturn ist nicht allzu hell, und das Auge ist wohl zu unempfindlich für dieses defokussierte Licht. Der Ring war recht kontratreich zu sehen, auch der Ringschatten kein Problem. Das war es allerdings auch an Einzelheiten.
Der Mak zeigte alles klarer und vor allem Einzelheiten der Planetenkugel. Die Abdunkelungen der Pole waren leicht erkennbar, mit etwas Mühe auch ein Wolkenband. Der Refraktor hatte hierfür keine Chance. Ein Gelbfilter oder der Kontrastbooster änderten hieran nichts. Vielleicht auch deshalb, weil der Saturn nicht genügend Lichtreserven für Filterung hat.
Fazit
-----
Das Gerät ist ein vernünftiges Reisegerät, wenn man in dunkle Gegenden fährt. Für die Montierung und vor allem das Stativ gilt dies nur eingeschränkt. In einem PKW passt dies alles aber in eine Ecke des Kofferraums, auch wenn andere Familienmitglieder mitreisen. (Deutlicher werde ich jetzt nicht.)
Ich bin recht sicher, dass dieses Gerät meinem beabsichtigten Verwendungszweck gut entsprechen wird: Ein unkompliziertes Kometengerät. Insgesamt ist es ein schönes Gerät für Milchstraßenbeobachtungen. Zum Beispiel die beobachterisch vernachlässigten Dunkelnebel springen hiermit ins Auge. Die großflächigen Gasnebel werden auch eine Offenbareung sein, ggf. mit Filter. Galaktische Paradeobjekte waren aber gerade nicht in vernünftiger Beobachtungsposition.
Es ist von den optischen Daten her völlig klar, das Planeten und der Mond problematische Objekte für dieses kurzbrennweitige Gerät sind. Problematische, aber nicht völlig aussichtslose. Am härtesten betroffen wird wohl Jupiter sein, weil die Einzelheiten der Oberfläche von pastellartiger Feinheit sind. Und schon meine Tagbeobachtungen am Schornstein zeigte die erhebliche Kontrastminderung. Für Satun gilt ähnliches, wenn man nicht nur den Ring und die Monde sehen will.
Für Mars erwarte ich mehr Möglichkeiten. Hier verwende ich oft Filter, was die optische Leistung verbessert. Hoffnungsvoll stimmt hier nicht allzu große Unteschied zum Mak, als beide einen Gelbfilter verpasst bekamen. Uranus und Neptung kaum beeinträchtigt, Merkur und Vernus nur ästhtisch. (Das aschfahle Venuslicht wird man sicher nicht sehen können.)
Am Mond kann man einiges herausholen, wenn man filtert. Der Mond ist hell, mit einem mitteldichtes Grünfilter betreibt man den FH dort, wo er am besten korrigiert ist. Den gefärbten Mond muss man dann akzeptieren.
Insgesamt ist es erstaunlich, wieviel Optik man für 300€ geboten bekommt. In einer alten Interstellarum kam ein Test eines 6-Zoll-Refraktors zu einem ähnlichen Resultat. Allerdings kostete das Gerät damals 5000 DM! So ändern sich die zeiten, nicht alles wird nur schlechter.