Stefan1960
Aktives Mitglied
Hallo Astrogemeinde,
bevor ich zu meinen eigentlichen Fragen komme, muss ich erst einmal Dampf ablassen.
In meinem langsamen Erkenntnisprozess der optischen Zusammenhänge habe ich zwar stückchenweise dazu gelernt, mir bislang aber noch nicht die Mühe gemacht, unter diesem Gesichtspunkt meinen 10" Skywatcher Dobson genauer unter die Lupe zu nehmen. Das ist jetzt anders geworden: Mir kam es immer schon merkwürdig vor, dass ich die Okulare sehr weit am OAZ herausdrehen musste, um in den Fokus zu kommen. Gestern nacht habe ich mal nachgemessen: Lage der Feldblende im 35mm Okular bestimmt und am Stern ins unendliche fokussiert. Die Feldblende liegt bei 131mm außerhalb der Tubusaußenwand. Da mein Testokular (35mm ED) kein Barlowelement aufweit, kann man wohl sagen: Lage der Feldblende = Lage der Brennebene des Systems, die auf diese Weise mit 131mm außerhalb der Tubusaußenwand bestimmt ist. Weiterhin habe ich den FS-Durchmesser gemessen, was im eingebauten Zustand nur grob ging. Demnach beträgt er (etwa) 58mm auf der kleinen Achse. Der Tubusaußendurchmesser beträgt 288mm. Der Hauptspiegel ist mit 254mm Durchmesser und einer Brennweite von 1200mm angegeben, was ich nicht überprüft sondern kritiklos übernommen habe.
Wenn man all diese Werte in MyNewton einträgt, bestätigt sich der zuvor bereits aufgekeimte Verdacht: Die ganze werksseitige Auslegung ist nicht stimmig und führt dazu, dass das Bild nicht einmal auf der Achse vollständig ausgeleuchtet ist :teufelgrr:!
Ist denn sowas möglich? Hat sonst noch wer diese oder eine ähnliche Erfahrung gemacht?
Jetzt zu meinen Fragen:
1. In einschlägigen Veröffentlichungen findet man als Richtlinie, dass für visuelle Anwendung das zu 100% ausgeleuchtete Bildfeld 10mm oder 15mm (je nach Quelle) betragen sollte. Das bedeutet, dass bei langbrennweitigen Okularen mit größerer Feldblende nur der mittlere Bildbereich voll ausgeleuchtet ist. Das Bild müsste zu den Rändern hin dunkler werden. Habs mal grob nachgerechnet: Am Bildrand einer Feldblende von 44mm Durchmesser dürfte gerade mal die Hälfte der Bildhelligkeit im Vergleich zur Bildmitte vorhanden sein. Beim Durchschauen durch eben dieses Okular ist mir aber nie ein solcher Helligkeitsabfall zum Rand hin aufgefallen? Wie ist das möglich? Ist das Auge nicht empfindlich genug, dies wahrzunehmen? Bin ich einfach nur nicht trainiert genug? Oder sind meine hier zusammengetragenen Überlegungen einfach nur falsch?
2. Kürzlich ist ein neuer Crayford-OAZ auf meinem Tisch gelandet (weiß auch nicht, wie er dahin gekommen ist :/ ), und wartet auf seinen Einbau. Da er deutlich niedriger baut, als der original Skywatcher Zahn- und Trieb OAZ, liegt folgende Umbauüberlegung nahe: Vergrößerung des Abstandes zwischen HS und FS (= Verlängerung des Tubus) führt erstens zu einer besseren Bildausleuchtung und zweitens dazu, dass die Brennebene näher an die Tubus-Außenwand rückt. Nachdem ich die Fokallage meiner Okularsammlung ausgemetert habe, führt ein Nachrechnen mit MyNewton zu folgendem Ergebnis:
a) sämtliche Okulare sind mit dem neuen OAZ fokussierbar und
b) das zu 100% ausgeleuchtete Bild misst etwa 15mm
wenn ich den Abstand zwischen HS und FS um stolze 70mm (!) vergrößere.
70mm sind kein Maß, dass man durch Versetzen des HS und/oder FS samt OAZ im Originaltubus rausholen könnte. Das wird nicht gehen, ohne den Tubus zu verlängern.
Hat jemand eine zündende Idee, wie man den Tubus ohne Neubau um das genannte Maß verlängern könnte?
3. Nur indirekt mit dem hier vorliegenden Thema hängt folgende Frage zusammen: Bei der genannten 70mm Verlängerung würde eigentlich auch ein 54mm FS ausreichen, sofern man mit 10mm voll ausgeleuchtetem Bild zufrieden ist. Der Bedarf an einem neuen, kleineren FS wäre nicht besonders groß, wenn nicht folgender Ansatz im meinem Hirn herumspuken würde:
Über die Auswirkungen und Vorzüge erstklassiger Hauptspiegel wurde hier ja schon viel diskutiert. Problematisch ist eigentlich nur, dass die Dinger einfach schweineteuer sind. Allerdings sieht das Licht im Newton zwei optische Flächen, nämlich den HS und den FS. Eigentlich müssten doch an den FS die gleichen optischen Anforderungen gestellt werden wie an den HS. Laienhaft nehme ich an, dass man die Fehler beider Spiegel grob addieren kann.
Ist es deshalb eine Option, das optische System zu tunen, in dem man einen einfachen Asien-FS gegen einen Edel-FS austauscht? Das wäre sozusagen die Billig-Tuningversion im Vergleich zu einem Edel-HS. Oder spielt die Fangspiegelqualität im Vergleich zum Hauptspiegel eine untergeordnete Rolle?
Gruß,
Stefan.
bevor ich zu meinen eigentlichen Fragen komme, muss ich erst einmal Dampf ablassen.
In meinem langsamen Erkenntnisprozess der optischen Zusammenhänge habe ich zwar stückchenweise dazu gelernt, mir bislang aber noch nicht die Mühe gemacht, unter diesem Gesichtspunkt meinen 10" Skywatcher Dobson genauer unter die Lupe zu nehmen. Das ist jetzt anders geworden: Mir kam es immer schon merkwürdig vor, dass ich die Okulare sehr weit am OAZ herausdrehen musste, um in den Fokus zu kommen. Gestern nacht habe ich mal nachgemessen: Lage der Feldblende im 35mm Okular bestimmt und am Stern ins unendliche fokussiert. Die Feldblende liegt bei 131mm außerhalb der Tubusaußenwand. Da mein Testokular (35mm ED) kein Barlowelement aufweit, kann man wohl sagen: Lage der Feldblende = Lage der Brennebene des Systems, die auf diese Weise mit 131mm außerhalb der Tubusaußenwand bestimmt ist. Weiterhin habe ich den FS-Durchmesser gemessen, was im eingebauten Zustand nur grob ging. Demnach beträgt er (etwa) 58mm auf der kleinen Achse. Der Tubusaußendurchmesser beträgt 288mm. Der Hauptspiegel ist mit 254mm Durchmesser und einer Brennweite von 1200mm angegeben, was ich nicht überprüft sondern kritiklos übernommen habe.
Wenn man all diese Werte in MyNewton einträgt, bestätigt sich der zuvor bereits aufgekeimte Verdacht: Die ganze werksseitige Auslegung ist nicht stimmig und führt dazu, dass das Bild nicht einmal auf der Achse vollständig ausgeleuchtet ist :teufelgrr:!
Ist denn sowas möglich? Hat sonst noch wer diese oder eine ähnliche Erfahrung gemacht?
Jetzt zu meinen Fragen:
1. In einschlägigen Veröffentlichungen findet man als Richtlinie, dass für visuelle Anwendung das zu 100% ausgeleuchtete Bildfeld 10mm oder 15mm (je nach Quelle) betragen sollte. Das bedeutet, dass bei langbrennweitigen Okularen mit größerer Feldblende nur der mittlere Bildbereich voll ausgeleuchtet ist. Das Bild müsste zu den Rändern hin dunkler werden. Habs mal grob nachgerechnet: Am Bildrand einer Feldblende von 44mm Durchmesser dürfte gerade mal die Hälfte der Bildhelligkeit im Vergleich zur Bildmitte vorhanden sein. Beim Durchschauen durch eben dieses Okular ist mir aber nie ein solcher Helligkeitsabfall zum Rand hin aufgefallen? Wie ist das möglich? Ist das Auge nicht empfindlich genug, dies wahrzunehmen? Bin ich einfach nur nicht trainiert genug? Oder sind meine hier zusammengetragenen Überlegungen einfach nur falsch?
2. Kürzlich ist ein neuer Crayford-OAZ auf meinem Tisch gelandet (weiß auch nicht, wie er dahin gekommen ist :/ ), und wartet auf seinen Einbau. Da er deutlich niedriger baut, als der original Skywatcher Zahn- und Trieb OAZ, liegt folgende Umbauüberlegung nahe: Vergrößerung des Abstandes zwischen HS und FS (= Verlängerung des Tubus) führt erstens zu einer besseren Bildausleuchtung und zweitens dazu, dass die Brennebene näher an die Tubus-Außenwand rückt. Nachdem ich die Fokallage meiner Okularsammlung ausgemetert habe, führt ein Nachrechnen mit MyNewton zu folgendem Ergebnis:
a) sämtliche Okulare sind mit dem neuen OAZ fokussierbar und
b) das zu 100% ausgeleuchtete Bild misst etwa 15mm
wenn ich den Abstand zwischen HS und FS um stolze 70mm (!) vergrößere.
70mm sind kein Maß, dass man durch Versetzen des HS und/oder FS samt OAZ im Originaltubus rausholen könnte. Das wird nicht gehen, ohne den Tubus zu verlängern.
Hat jemand eine zündende Idee, wie man den Tubus ohne Neubau um das genannte Maß verlängern könnte?
3. Nur indirekt mit dem hier vorliegenden Thema hängt folgende Frage zusammen: Bei der genannten 70mm Verlängerung würde eigentlich auch ein 54mm FS ausreichen, sofern man mit 10mm voll ausgeleuchtetem Bild zufrieden ist. Der Bedarf an einem neuen, kleineren FS wäre nicht besonders groß, wenn nicht folgender Ansatz im meinem Hirn herumspuken würde:
Über die Auswirkungen und Vorzüge erstklassiger Hauptspiegel wurde hier ja schon viel diskutiert. Problematisch ist eigentlich nur, dass die Dinger einfach schweineteuer sind. Allerdings sieht das Licht im Newton zwei optische Flächen, nämlich den HS und den FS. Eigentlich müssten doch an den FS die gleichen optischen Anforderungen gestellt werden wie an den HS. Laienhaft nehme ich an, dass man die Fehler beider Spiegel grob addieren kann.
Ist es deshalb eine Option, das optische System zu tunen, in dem man einen einfachen Asien-FS gegen einen Edel-FS austauscht? Das wäre sozusagen die Billig-Tuningversion im Vergleich zu einem Edel-HS. Oder spielt die Fangspiegelqualität im Vergleich zum Hauptspiegel eine untergeordnete Rolle?
Gruß,
Stefan.