Skywatcher PDS 300 Newton - 12 Zöller Eindrücke | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Skywatcher PDS 300 Newton - 12 Zöller Eindrücke

praktikant

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Hallo,

ich bin seit Jahren bekennender Linsenfan, aber kein Millionär also habe ich nach einer Alternative für visuelles Deep Sky gesucht.
Hier erstmal die Überlegungen und Bedingungen die zu meiner Wahl geführt haben - dem Skywatcher 300pds Newton:

Die vorhandenen Montierungen sollten weiter benutzt werden und die Anfangsidee war beim Beobachten mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen. Bei meiner Größe von 1,68 ergibt das eine Einblickhöhe im Zenith von ca. 155 cm. Als Montierung war erstmal die APM Maxload azimutale Montierung geplant, die kann mit 30kg mit langem Hebel belastet werden. Eine kleine Besonderheit ist der Unterbau für die Montierung: eine elektrische Hubsäule. Das soll hier aber nicht das Thema sein.
Damit sind alle Großserien SCs und Newtons bis 14 Zoll möglich (Tubuslänge maximal 145 cm bei Newtons). Ich hatte schon mehrere SCs (Meade 10" SC, 14"ACF, Celestron C8, C11 und C14) die mich bis auf das C14 alle nicht wirklich überzeugt haben (Mechanische und Thermische Probleme), das C14 hätte ich wohl besser behalten sollen, aber nachher ist man immer schlauer.
Also SC vs Newton - mal ganz kurz pro SC: Einblick von hinten, kompakter Tubus … ? … ja tasächlich das wars schon.
Pro Newton: schnelles Öffnungsverhältnis, einfaches optisches Design (Preis, Serienstreuung, Justierung)
Also es sollte ein Newton werden, auch davon hatte ich schon einige (TAL 6"f5, GSO Dob, 8"f6, Skywatcher Dob 10"f5, Selbstbaudob 12"f5, "The Flying Dobson" (einfach mal googeln) 15"f5, Selbstbau 6"f8)
An dieser Stelle drängt sich dann die Frage auf: "Warum kein Dobson?" - wollte ich einfach nicht, sondern die vorhandenen Montierungen öffnungsmäßig voll ausnutzen. Einen Gitterrohrtubus wollte ich auch nicht, wegen der permanenten Aufstellung an der frischen Luft.
Also ein Volltubusnewton - da gabs auch einen gebraucht und weitgehend unverbastelt, sehr günstig und auch noch mit sehr gutem Test von einem bekannten fränkischen Optiktester. Also zugeschlagen, das Ding abgeholt und heim geschafft.

Wer bis hierher gelesen hat, Danke für die Geduld, weiter geht's mit dem Skywatcher 300 PDS OTA f5.
Mechanik: Nagut Skywatcher... schwarzer Tubus mit lächerlichem Perleffekt und weißen Alugußteilen. Über Geschmack lässt sich ja streiten. Egal, wichtig war mir eine halbwegs ordentliche Lagerung des Spiegels, das ist hier durchaus des Fall. Die 9 Punkt Auflage ist für den relativ dicken Spiegel völlig ausreichend und Lagerungsastigmatismus wird recht gut verhindert. Der Hauptspiegel wird durch 3 federnd gelagerte Schrauben justiert und mit weiteren 3 Schrauben gekontert. Das ist eine konventionelle und erprobte Lösung die gut funktioniert. Die Justierung des Fangspiegels geht hier über Teflonrändelschrauben. Das ist nicht besonders feinfühlig aber funktioniert mit etwas Übung ausreichend gut. Der Tubus selbst ist aus dünnem Blech und bezieht seine Stabilität vorwiegend aus den schweren Grußringen an den beiden Enden, an denen auch die Optik selbst befestigt ist. Die Fangspiegelspinne ist konventionell ausgeführt, mit angenehm dünnen Streben. Dass das Vorteile hat, sollte mal Jemand der Firma aus Japan die hoffentlich nach einem Füchschen benannt ist sagen. Fangspiegelheizung oder Filterschieber hat das Gerät nicht. Die originalen Rohrschellen aus Guss halten den Tubus gut und sicher und sind mit M8 Schrauben mit einer 3 Zoll Schiene verbunden. Das ist alles massiv gebaut und auch notwendig um die 25 kg Gewicht bei 140cm Länge zu bändigen. Die Sucherhalterung und der 7x50 Sucher tun ihren Zweck auch wenn sie so einfach wie möglich aufgebaut sind. Der Okularauszug ist ein Crayford der sehr feinfühlig geht und dennoch auch 1,5 kg an Zubehör gut hält. Hätte ich nicht gedacht, aber da gibt's eindeutig schlechtere Auszüge die teurer sind. Mein größter Kritikpunkt an der ganzen Mechanik ist aber die Klemmung des Auszuges mit zwei Schrauben, die sich ohne Klemmring ins Zubehör bohren. Geht garnicht. Aber die Firma Baader hat da eine vernünftige Lösung mit der passenden Clicklockklemme. Aber auch dieses Wunderwerk der Ingenieurskunst ist nicht perfekt, denn es ist nicht möglich Zubehör mit einer langen Hülse durch die Klemme in den Tubus des OAZ zu versenken, weil ein 2 Zoll Filtergewinde im Weg ist. Außer man hat ne Drehbank an der Hand und schneidet die Engstelle weg. Sch.. auf … Das Filtergewinde ist mir nicht so wichtig.
Fazit Mechanik: Form Follows Function - edel ist das Finish nicht, aber es funktioniert. Bis auf die originale OAZ Klemme, die nicht - gleich weg damit!

Optik:
der Hauptspiegel ist aus Pyrex und mit 98% Strehl vermessen und ziemlich glatt. Es gibt natürlich eine Serienstreuung in der Massenfertigung solch preiswerter Spiegel. Dieses Exemplar ist sicher ein sehr gutes, aber besser als Beugungsbegrenzt sind vermutlich doch die meisten Newton Optiken der beiden Marktführer aus China, auch meine anderen Newtons hatten alle sehr gute Spiegel. Mit f5 ist das Öffnungsverhältnis noch entspannt und nicht ganz so justiersensibel wie moderne extrem schnelle Newtons.
Koma ist systembedingt vorhanden - ich hasse Koma! Das ist ein sehr deutlicher und sehr störender optischer Fehler. Unter Anderem deswegen bin ich Linsenfan. Es gibt sicher Menschen die das nicht ganz so eng sehen - ich schon. Glücklicherweise gibt es dafür mittlerweile zwei gut funktionierende Lösungen: die Korrektoren von ES und von Televue. Über den ES kann ich nicht so viel sagen, funktioniert optisch auch gut, mechanisch nicht ganz so gut wie der Televue. Den Paracor gibt's auch zum Festeinbau mit einem Feathertouch OAZ, das ist sicher die perfekte Lösung aber (jeweils neu) ungefähr doppelt so teuer wie die komplette OTA. Den Paracor Typ II den ich nutze gab es relativ günstig im Angebot, der soll auch nicht das Thema sein, es geht nur um die Verhältnisse. Ich habe also ein sehr einfaches Teleskop mit dem Besten verfügbaren Zubehör getestet. Das ist vermutlich nicht repräsentativ, verdeutlich aber die Qualität der günstigen Optik. Also... guter Spiegel f5 + Paracor + Nagler T4 und Panoptik Okulare = Koma erledigt, ästhetische, randscharfe Abbildung.
Das Spiegelmaterial ist Pyrex oder Pyrex ähnlich, jedenfalls ein Quarz das sich sehr wenig thermisch verformt. Bei der permanenten Aufstellung in der Beobachtungshütte ist das nicht ganz so ausschlaggebend, aber der Spiegel läuft in der abkühlenden Nacht seiner Form doch weniger hinterher als z.B. die dicken Spiegel der üblichen SCs. Der Fangspiegel hat 70mm Durchmesser, dass ist ein Kompromiss. Weniger Obstruktion ist besser für den Kontrast mehr ist besser für die Ausleuchtung im Feld. Da ich mit dem Newton nicht fotografieren will, wäre ein 63mm Fangspiegel völlig ausreichend. Es wäre interessant wieviel die 2% weniger lineare Obstruktion an Kontrastunterschied ausmachen.
Soviel zur Theorie, in der Praxis schlägt sich die Optik hervorragend.
Am Planeten: Venus, hoch stehend, am Tag mit einem so guten Spiegel und Violett Filter zeigt tatsächlich feinste Wolkenstrukturen. Im Vergleich mit dem 6 Zoll APO ist das Bild heller, der Kontrast nimmt im Newton mit zunehmender Dunkelheit ab, gegen Mitte der Dämmerung zeigen sich die Spikes durch die Fangspiegelstreben. Durch den starken Filter wird der Effekt der Spikes deutlich gemildert. Bei Uranus sind hohe Vergrößerungen notwendig um einen guten Farbeindruck des kleinen Planentenscheibchens zu bekommen. Der 12er Spiegel schlägt hier die 6er Linse eindeutig. Die anderen Planeten stehen dieses Jahr noch zu tief um wirklich eine fundierte Aussage über den Newton machen zu können. Unter den schlechten Bedingungen nahe dem Horizont kann der Newton seinen Öffnungsvorteil nicht ausspielen und der Apo bringt ein eindeutig besseres, kontrastreicheres Bild zu Stande.
Das Seeing unseren Breiten ist zwar gefühlt die letzten Jahre wieder besser geworden, jedoch immer noch sehr selten gut genug um 12 Zoll Öffnung annähernd auszunutzen. Wenn aber einmal die Bedingungen stimmen ist ein guter 12 Zoll Spiegel am Planeten schon eine Offenbarung. Aber je heller das Objekt, desto störender sind die Spikes und je schlechter das Seeing, desto anfälliger die obstruierten Systeme.
An Doppelsternen: der 300PDS zeigt im Zentralgestirn des Orionnebel alle 6 visuellen Komponenten bei gutem Seeing. Der 6 Zöller zeigt das auch, nur nicht ganz so einfach wie der Newton. Im 5 Zöller wird es schwierig noch alle Komponenten zu erkennen, im 4 Zöller nur unter allerbesten Bedingungen. Wenn das Seeing einmal nicht so gut ist kann man im 12er sehr eindrucksvoll sogenannte Speckles bewundern. Das heißt das Auflösungsvermögen der Optik ist sehr viel größer als die Seeinggrenze und die Objekte sind hell genug um Beugungserscheinungen von den Fangspiegelstreben zu sehen und die Beugungsscheibchen der Sterne zerfallen in mehrere Punkte (Speckles) entlang der Achsen der Streben. An 78 Leonis kann der Spiegel seine Qualität beweisen, das System ist zwar nicht besonders eng beieinander (1,5 Bogensekunden) aber der große Helligkeitsunterschied von 2,7 Magnituden lässt den dunkleren Begleiter bei Optiken mit Obstruktion leicht im ersten Beugungsring der A Komponente verschwinden. Hier macht sich die mit 22 Prozent linear, geringe Obstruktion des 300PDS positiv bemerkbar, die gängigen SC haben mit diesem System so ihre Schwierigkeiten.
Galaxien: Für Galaxien ist der Skywatcher wie gemacht. Guter Kontrast ist auch hier wichtig um in den schwachen Objekten Details zu erkennen. M51 zeigt klare Strukturen, die Lichtbrücke und die aktuelle Supernova. Im 12mm Nagler Bildfüllend und beeindruckend. In der Region um den großen Wagen kann man sich Nächte um die Ohren schlagen, zenitnah unter dunklem Himmel macht das richtig Spaß. Der Okularauszug ist innen nicht vollständig geschwärzt, der Fangspiegel auf der Rückseite und am Rand gar nicht. Da der Paracor im OAZ Rohr verschwindet (hilfreich ist ein Stopring) ist die Schwärzung des Rohres nicht relevant, ohne den Korrektor wird der Kontrast aber deutlich negativ beeinflusst. Schwarze Farbe ist hier ein wirkungsvolles und günstiges Tuning.
Kugelsternhaufen: Ok gut das sieht im großen Newton schon echt viel besser aus als im kleinen Refraktor. Der 12er spielt hier seine Öffnung voll aus, die hellen Haufen im Herkules oder auch M3 sind schon gut aufgelöst und hell und deutlich sichtbar. M13 im 5mm Radian ein wahres Sternenmeer. So soll das sein.
Nebel: Orionnebel im 12 Zöller ist einfach beeindruckend. Umso mehr mit verschiedenen Filtern, den Pferdekopf sehe ich Filter hin oder her aber nicht. Im 30 Zöller hab ich diesen Dunkelnebel mal gesehen, sonst aber noch nicht. Wer da glaubt im 12er was zu sehen hat entweder viel bessere Augen oder eine viel größere Fantasie als ich. Im Spätsommer werden die Nebel im Schwan sicher interessant.

Abschließend kann ich die Optik nur erstaunt loben, kaum zu glauben was für das kleine Geld möglich ist. Die Mechanik ist "you get what you pay for", die Produktdesigner haben es aber verstanden sinnvoll zu sparen und die wichtigen Funktionen dabei nicht zu beeinträchtigen.

Eigentlich wollte ich den großen und schweren Newton ja azimutal einsetzen, aber die Optik hat mich so überzeugt, dass ich den Tubus auch mal auf meine Titan geschnallt habe. Auf den Bildern sieht man leicht, dass die Dimensionen dieser günstigen Optik nichts für Anfänger sind. Auf einer ordentlichen Rockerbox montiert ergibt sich sicher ein veritabler Dobson, der noch einigermaßen gut transportabel ist, parallaktisch montiert wird das Teleskop aber schon ein Sternwartengerät.
Für Alle die sich fragen ob das geht: Eine AZ/EQ6 ist zu wackelig für diesen 12er. Eine G11 auf einer kurzen Säule könnte gerade so gehen, fotografisch ist aber definitiv eine EQ8 oder stabiler angesagt. Durch eine solche kostspielige Montierung relativiert sich der günstige Preis der Optik dann auch wieder. Ich habe mir auch die Flextube Dobsons und den 12er Dobson von GSO mal angeschaut. Ich würde in jedem Fall die Rockerbox selber bauen, die OTA sind alle brauchbar und der Vorteil des Volltubus ist dass man sich den unter Umständen langwierigen Zusammenbau spart.
Ich kann den Skywatcher 300PDS also durchaus empfehlen, mit Selbstbaurockerbox auch noch mobil, aber nur für Fortgeschrittene, die sich der Ausmaße dieser OTA bewusst sind.

CS Alex
 

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Maiko

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Hallo, welche Himmelsdunkelheit hast du (auf der Bortleskala)? M51 mit Details in 12 Zoll liest sich gut...

CS, Maiko
 

praktikant

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Bortle 3-4 und sqm 21.72 laut lightpollutionmap. Ist für Deutschland schon garnicht schlecht und ich habe eine kleine Sternwarte. Leider gibts ein paar neue Leuchtreklamen in der Stadt auf der anderen Seite des Berges, das nervt schon ganz schön.
Bei M51 kommt es auf einen hohen Stand an und bei Neumond geht schon was.

CS Alex
 

Maiko

Mitglied
danke Alex,

habe hier im Besten Fall gute Bortle 4 und hoffe, in kommenden 12 Zoll M51 endlich mit Struktur zu sehen.

CS Maiko
 
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