Sommer-Blues am Nordhimmel

Ursus corpulentus

Aktives Mitglied
Liebe Glasaugen,

da soll doch einer sagen, der Ursus sei nicht flexibel ... heute waren sage & schreibe zwei Dinge anders als sonst, als ich aufs Dach bin:
Zum ersten Mal saß ich heute in meinem Korbstuhl Richtung Nordosten, meinen doofen Nachbarn den Rücken zeigend - weil ich langsam einfach keine Lust mehr habe, durch ein flüchtig angeknippstes Vorratskammerlicht immer mal wieder für ein halbes Stündchen zurückgeworfen zu werden, was meine Stäbchen (oder Zäpfchen? - ich kann es mir einfach nicht merken; egal) angeht.
Eat this!

Außerdem war heute der erste Abend, an dem ich mir ein Hemd (welches die letzten vier Monate über dem Stuhl in meinem Spielzimmer hing) überzog und die alte Fliegerjacke vom Haken nahm ... $hit: der Sommer kippt gerade hinten über.
Und das fühlt sich jedes Jahr so an, wie die letzten drei Tage der Großen Ferien.
Da war es wieder: mein Schultrauma.
Gleich zur Fremdenlegion oder doch lieber nach Südamerika auswandern?

Das Schönste an diesem Sonntag war hingegen der Besuch eines Astro-Freundes, der mir heute ganz nebenbei wieder einige tolle Sachen "gesteckt" hat. Als bekennender Doppelstern-Fan hat er mich heute nochmal auf Epsilon Lyrae geschubst, und dieses Mal habe ich angebissen.
Zum Glück!
Denn dieser Doppelstern, beziehungsweise dieser, ich will fast sagen Dopplestern-"Komplex", zu dem auch noch Zeta Lyrae und Vega gehört, ist einfach traumhaft schön am Himmel und von einer seltsamen Eleganz. Die einzelnen Komponenten machen den subjektiven Eindruck, als gehörten sie alle zusammen; irgendwie.
Toll!

Mein Buddy machte heute im Vorbeigehen eine Bemerkung über den kleinen Vixen, der zusammen mit einigen seiner Geschwister auf dem Gästebett im Spielzimmer liegt.

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Ob ich den regelmäßig verwenden würde, wollte er wissen.
"Klar!!" log ich (im Brustton der Überzeugung), der zwar ständig etwas Neues ausprobiert, momentan aber in alten Teleskopen ersäuft, die er alle irgendwann noch ausprobieren sollte.
Der gute Ursus.
Und putzen.
Und fotografieren.
Und, und, und.
Und so kam er heute Abend wieder einmal mit aufs Dach, zusammen mit der Serie 82° Okulare von Explore Scientific. Zum Epsilon Lyrae gucken.
Und das war EXTREM COOL!


Beobachtungsobjekt Epilon Lyrae
Zeit von ca. 21.30 Uhr bis 23.00 Uhr
Vixen ED-81 (81/625; f/7.7) auf AZ Pronto

P1010721.JPG

mit Explore Scientific 82° Okularen.

P1310825.JPG

Und der Atlas... von Karkoschka, ein Buch, ohne das ich nicht mehr leben könnte.

Zunächst interessierte mich, wie gut die Okulare mit dem Refraktor harmonieren würden.
Sie tun es, und zwar ganz ausgezeichnet!
Die Bilder waren wirklich gut, sehr scharf bis zum Rand, ohne merkliche Verzerrungen. Bei den langen Brennweiten hatte ich manchmal das Gefühl, wie durch ein Fenster zu gucken. (Wie aus dem Fenster des Thronsaals dieses alten schrumpeligen Bösen aus "Star Wars"; mit den Wachen, die die komischen, roten PVC-S&M-Klamotten anhaben; wie hieß der Kerl nochmal? - der hässliche alte Knochen in der verranzten, alten Kutte mit den milchigen, blutunterlaufenen Augen. Hat der roter Star?).
Egal.
Man blickt auf jeden Fall von links nach rechts, weil das Feld so groß ist - echt beeindruckend, vor allem nach einigen Sessions mit den alten Einzöllern. Die sind zwar richtig gut (die Taks und Spectros zumindest) aber ich hatte vergessen, wie genial dieser weite Blick ist.
Für die Seele gewissermaßen.

Dabei bin ich die gesamte Palette durchgegangen: 40, 30, 24, 18, 14, 11, 8.8 und der Rest war nicht mehr so der Burner.
Der Einstieg mit dem 40er ist grandios! Selbst nach mehreren Abenden hinterm Bino ist der Blick durch diese Kombination auf h und chi Persii beispielsweise wirklich eindrücklich. Bei Epsilon Lyrae sorgte sie dafür, dass ich das Objekt zumindest sofort fand, bei dem großen Ausschnitt. Fein.
Dann die erste Orientierung - wo bin ich, wo ist oben und unten und der Rest. Ah ja ... okay.

Und dann schön langsam nach unten tasten, immer auf der Suche nach den Sweet Spots - in puncto Auflösung, Helligkeit und Farbe.
Farbig war es für mich zwischen 24 und 8.8 Milimeter Brennweite, also zwischen rund 26- und 70-facher Vergrößerung, wobei das beste Bild subjektiv bei knapp 60-facher Vergrößerung lag.
Auch die restlichen Parameter wie Klarheit der Abbildung, Präsenz der schwächern Sterne im Umfeld des "Hauptthemas", Ausschnitt und gefühlte Schärfe lag bei etwas unter 60-facher vergrößerung mit dem 11er Okular. Das übrigens "nur" 1.25'' Steckdurchmesser hat, was geschickt war bei dem steilen Winkel.

Besonders harmonisch und ästetisch war jeweils der Blick durch/mit 40/16-fach, 24/26-fach und, wie gesagt, 11/57-fach. Die Farben waren erkennbar - zumindest subjektiv - und die Abbildung war jedes mal tip-top. An beiden Objekten - Epsilon und Zeta - kam ich übrigens auf dieselben Ergebnisse.
So macht visuelle Astronomie Spaß!
Mir zumindest.

Mir sind an diesem Abend noch ein paar Sachen in puncto Beobachtungstechnik aufgefallen, aber das würde jetzt den Rahmen sprengen. Ich schreibe morgen drücber.

Eine geruhsame Nacht wünscht,
Ursus v. D. (vom Dach)
 
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