KlausZott
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Hallo Sternfreunde,
letzten Mittwoch, den 18. Aug bot sich wieder Mal die Gelegenheit am Spitzingsee (1100m) eine wunderschöne laue Alpen-Sommernacht von 22.00 bis 2.30 Uhr zu genießen. Die Grenzgröße lag bei etwa 6,3m im Kleinen Bären, die Milchstraße war fein strukturiert, später konnte ich mit bloßem Auge indirekt M 33 ausmachen.
Also fast ideale Voraussetzungen, um mit meinem 6“ f/5 Bino auf Wanderschaft zu gehen. Von einigen meiner kosmischen Begegnungen möchte ich berichten. Wenn nicht anders angegeben fanden die Beobachtungen bei 60- bzw 95-fach statt. Bei Gasnebeln verwendete ich diesmal eine Kombination aus UHC und OIII-Filter.
Weil schon horizontnah begann ich meinen Spaziergang im Schützen :
Lagunenennebel (M 20)
Reiche Nebellandschaft im O mit dem glitzernden OH 6538 eingebettet. Nicht nur die Lagune, sondern auch weitere Dunkelwolken im O und N erkennbar. Am hellsten der Sanduhrnebel SW von 9 Sgr. Zarte Nebelschwaden nach N.
Trifidnebel (M 8)
Sehr schön die Drei- oder fast Vierteilung durch die Dunkelbänder mit dem Mehrfachstern HN 40 im Zentrum, aufgrund des mäßigen seeings in Horizontnähe nur doppelt sichtbar.
Auch der Reflexionsnebel im N relativ einfach als unregelmäßige, rundliche Aufhellung.
Ein interessanter Kugelhaufenvergleich ließ sich nördlich von lambda Sgr anstellen:
M 28 ein heller, mittelgroßer Nebelfleck mit zentraler Aufhellung, der bei 95x am Rand erste Einzelsterne zeigt.
6638 und 6642 sind demgegenüber nur kleine, aber deutliche Nebelspots.
Ein kleiner Schwenk zu M 22 und ich war fast berauscht von dem Sternengewimmel. Riesig und schon bei 60x weitgehend aufgelöst. Dieses Prachtstück ist mein Lieblings-KH noch vor M 13.
Positiv überrascht haben mich die beiden Palomar-Kugelhaufen.
Pal 8 östlich von M 25 trotz seiner geringen FH von 14,2 indirekt noch als rundlicher Nebelfleck erkennbar und noch besser Pal 9 (6717) südlich von ny Sgr, der sich indirekt als einfaches Nebelbällchen abzeichnete.
Ein wirklich empfehlenswerter Offener Haufen begegnete mir nördlich von M 25. Es ist 6645 , eine große Sternansammlung, die sich zwar nicht besonders stark vom Hintergrund abhebt, aber viele gleich helle Sterne besitzt und bei 60x schon aufgelöst ist. Ich hatte den Eindruck zweier N-S angeordneter Kreise mit dunkleren Zentren.
Auf dem Weg in das NO-Eck des Schützen schaute ich bei einem netten Doppelstern-Pärchen vorbei, South 715 und 716 . Fast gleich helle 7-8m Sterne mit 8“ bzw 5“ Abstand und nur 6’ voneinander entfernt.
Die gute Durchsicht lohnte einen Versuch an der Barnards Glx 6822 . Nach kurzer Eingewöhnung zeichnete sich bei abgewandter Blickweise ein schwacher aber eindeutig ovaler (N-S-gerichteter) Lichtschimmer ab.
Der nördlich davon gelegene PN „Little Gem“ (6818) wirkte im Vergleich dazu wie ein winziges, blendendes, ausgestanztes Lichtloch mit bläulichem touch.
Den Abschluss im Schützen bildete ein schwächeres Glx-Pärchen 6835 und 6836 , die erste mit 12,5m relativ gut als kleines Lichtoval auszumachen, der südliche Partner als face-on-Glx mit 12,9m schon ein harter Brocken (nur blickweise indirekt).
Der Schütze tauchte unter zum SW-Horizont, so begab ich mich in etwas nördlichere Gefilde zum Adler .
Die guten Sichtverhältnisse ließen mich etwas übermütig werden und so hangelte ich mich über die kleinen, aber relativ leichten PN IC 4846, 6751, 6772 und 6778 (letzterer mit interessanter Dunkelwolke NW) zum Kugelsternhaufen 6760 (einem kleinen runden Nebelbällchen mit geringer zentraler Verdichtung) und schließlich zum schwachen KH 6749 . Dieser sollte zwar mit 12m theoretisch zu sichten sein. Doch an besagter Stelle war nichts als gähnende Leere. Die nachträglich recherchierte FH von 16m erklärt das Ganze.
Auch der KH Palomar 11 erwies als Grenzfall. Südlich eines 8m-Sternes war nur mit Mühe eine schwache rundliche Aufhellung zu erhaschen.
Ergiebiger war dagegen die südlich davon gelegene Seyfert-Glx 6814, ein indirekt gut wahrzunehmener rundlicher Lichtfleck.
Ein kleines, aber interessantes, weil vielfältiges Sternbild stellt der Delphin dar.
Aus dem Angebot wählte ich
- Zwei Kugelhaufen : Der hellere 6934 (8,7m) ein eindrückliches Lichtbällchen, das bei 95x am Rand grieselig wurde, der schwächere 7006 (10,5m) ein kleiner, kompakter Nebel.
- Ein Glx-Pärchen : 6928 (12,2m) und 6930 (12,8m), beide 200 Mio Lj entfernt. Die hellere war indirekt als W-O-elongiertes Oval gut zu halten, die schwächere S davon dagegen ziemlich schwierig. Nördlich eines 12m-Sternes schimmerte blickweise immer wieder ein N-S-gerichteter Lichtstreif dieser fernen Welteninsel auf. Die angegebene FH von 12,9 konnte ich nicht nachvollziehen. Realistischer scheint mir ein später gefundener Wert von 14,3m.
- Ein DS-Pärchen : Gamma Del (4,3/5,1 9,2“) und Struve 2725 (6,1/7,6 6,1“) stehen in ähnlicher Entfernung von gut 100 Lj nur 15’ auseinander und haben beide als echte DS bereits bekannte Umlaufzeiten von grob je 3000 Jahren. Sind einen Besuch wert, noch dazu wo der Hauptstern von gamma als K-Überriese golden leuchtet.
- Einen Nebelcocktail : Man nehme ein Cocktailglas (sechs 10-12m Sterne) und fülle es mit stellarem Gas, dem PN 6905 , eine anregende Vorstellung für diesen attraktiven rundlichen Nebel vor dem galaktischen Gewimmel.
Zum Ausklang gönnte ich mir zwei altbekannte Nebelstars:
- Zuerst den Cirrusnebel im Schwan.
Mit 30-facher Vergrößerung, knapp 2,5° Gesichtsfeld und UHC/O3-Filter glaubte ich beinahe ein Foto vor den Linsen zu haben. Doch kein Abbild kann diese unmittelbare visuelle Begegnung ersetzen, diesen überwältigenden Eindruck von Be-wegung, von schaumgekrönten Wellen im glitzernden Sternenmeer. Das östliche Bugwelle (6992/95) kräftig, plastisch und reich strukturiert wie vom Winde zerzaust. Pickerungs Dreieck ein zartes Lichtgewebe spitz nach S zulaufend. Im W mein Sahnestück, der Sturmvogel (6990) um 52 Cyg mit kräftigen Schwingen in feine Filamente auslaufend, eine unwiderstehliche Aufforderung zu einem Flug in die Unendlichkeit.
- In der majestätischen Andromedagalaxie (M 31) kamen meine bewegten Sinne wieder etwas zur Ruhe. Sie präsentierte in dieser Gebirgsnacht ihre wahre Pracht und Größe. Um den fast stellaren Kern die weit (ca 4°) ausgreifenden Spiralarme als feine Lichtschleier im Wechsel von sanften Verdichtungen (am deutlichsten die HII-Region 206) und Staubstrukturen (am einfachsten die beiden Staubbänder nördlich des Zentrums).
In dieser Nacht spürte ich auch, dass ein nachhaltiges Gesamterlebnis einen runden Abschluss braucht. Oft werden durch Zusammenpacken und Autofahren die Eindrücke abrupt abgebrochen. So ließ ich eine Zeit lang bequem auf dem Rücken liegend meine Sternenreise ausklingen und die galaktischen Weiten als Ganzes auf mich wirken.
Klare Spätsommernächte wünscht euch
Klaus
letzten Mittwoch, den 18. Aug bot sich wieder Mal die Gelegenheit am Spitzingsee (1100m) eine wunderschöne laue Alpen-Sommernacht von 22.00 bis 2.30 Uhr zu genießen. Die Grenzgröße lag bei etwa 6,3m im Kleinen Bären, die Milchstraße war fein strukturiert, später konnte ich mit bloßem Auge indirekt M 33 ausmachen.
Also fast ideale Voraussetzungen, um mit meinem 6“ f/5 Bino auf Wanderschaft zu gehen. Von einigen meiner kosmischen Begegnungen möchte ich berichten. Wenn nicht anders angegeben fanden die Beobachtungen bei 60- bzw 95-fach statt. Bei Gasnebeln verwendete ich diesmal eine Kombination aus UHC und OIII-Filter.
Weil schon horizontnah begann ich meinen Spaziergang im Schützen :
Lagunenennebel (M 20)
Reiche Nebellandschaft im O mit dem glitzernden OH 6538 eingebettet. Nicht nur die Lagune, sondern auch weitere Dunkelwolken im O und N erkennbar. Am hellsten der Sanduhrnebel SW von 9 Sgr. Zarte Nebelschwaden nach N.
Trifidnebel (M 8)
Sehr schön die Drei- oder fast Vierteilung durch die Dunkelbänder mit dem Mehrfachstern HN 40 im Zentrum, aufgrund des mäßigen seeings in Horizontnähe nur doppelt sichtbar.
Auch der Reflexionsnebel im N relativ einfach als unregelmäßige, rundliche Aufhellung.
Ein interessanter Kugelhaufenvergleich ließ sich nördlich von lambda Sgr anstellen:
M 28 ein heller, mittelgroßer Nebelfleck mit zentraler Aufhellung, der bei 95x am Rand erste Einzelsterne zeigt.
6638 und 6642 sind demgegenüber nur kleine, aber deutliche Nebelspots.
Ein kleiner Schwenk zu M 22 und ich war fast berauscht von dem Sternengewimmel. Riesig und schon bei 60x weitgehend aufgelöst. Dieses Prachtstück ist mein Lieblings-KH noch vor M 13.
Positiv überrascht haben mich die beiden Palomar-Kugelhaufen.
Pal 8 östlich von M 25 trotz seiner geringen FH von 14,2 indirekt noch als rundlicher Nebelfleck erkennbar und noch besser Pal 9 (6717) südlich von ny Sgr, der sich indirekt als einfaches Nebelbällchen abzeichnete.
Ein wirklich empfehlenswerter Offener Haufen begegnete mir nördlich von M 25. Es ist 6645 , eine große Sternansammlung, die sich zwar nicht besonders stark vom Hintergrund abhebt, aber viele gleich helle Sterne besitzt und bei 60x schon aufgelöst ist. Ich hatte den Eindruck zweier N-S angeordneter Kreise mit dunkleren Zentren.
Auf dem Weg in das NO-Eck des Schützen schaute ich bei einem netten Doppelstern-Pärchen vorbei, South 715 und 716 . Fast gleich helle 7-8m Sterne mit 8“ bzw 5“ Abstand und nur 6’ voneinander entfernt.
Die gute Durchsicht lohnte einen Versuch an der Barnards Glx 6822 . Nach kurzer Eingewöhnung zeichnete sich bei abgewandter Blickweise ein schwacher aber eindeutig ovaler (N-S-gerichteter) Lichtschimmer ab.
Der nördlich davon gelegene PN „Little Gem“ (6818) wirkte im Vergleich dazu wie ein winziges, blendendes, ausgestanztes Lichtloch mit bläulichem touch.
Den Abschluss im Schützen bildete ein schwächeres Glx-Pärchen 6835 und 6836 , die erste mit 12,5m relativ gut als kleines Lichtoval auszumachen, der südliche Partner als face-on-Glx mit 12,9m schon ein harter Brocken (nur blickweise indirekt).
Der Schütze tauchte unter zum SW-Horizont, so begab ich mich in etwas nördlichere Gefilde zum Adler .
Die guten Sichtverhältnisse ließen mich etwas übermütig werden und so hangelte ich mich über die kleinen, aber relativ leichten PN IC 4846, 6751, 6772 und 6778 (letzterer mit interessanter Dunkelwolke NW) zum Kugelsternhaufen 6760 (einem kleinen runden Nebelbällchen mit geringer zentraler Verdichtung) und schließlich zum schwachen KH 6749 . Dieser sollte zwar mit 12m theoretisch zu sichten sein. Doch an besagter Stelle war nichts als gähnende Leere. Die nachträglich recherchierte FH von 16m erklärt das Ganze.
Auch der KH Palomar 11 erwies als Grenzfall. Südlich eines 8m-Sternes war nur mit Mühe eine schwache rundliche Aufhellung zu erhaschen.
Ergiebiger war dagegen die südlich davon gelegene Seyfert-Glx 6814, ein indirekt gut wahrzunehmener rundlicher Lichtfleck.
Ein kleines, aber interessantes, weil vielfältiges Sternbild stellt der Delphin dar.
Aus dem Angebot wählte ich
- Zwei Kugelhaufen : Der hellere 6934 (8,7m) ein eindrückliches Lichtbällchen, das bei 95x am Rand grieselig wurde, der schwächere 7006 (10,5m) ein kleiner, kompakter Nebel.
- Ein Glx-Pärchen : 6928 (12,2m) und 6930 (12,8m), beide 200 Mio Lj entfernt. Die hellere war indirekt als W-O-elongiertes Oval gut zu halten, die schwächere S davon dagegen ziemlich schwierig. Nördlich eines 12m-Sternes schimmerte blickweise immer wieder ein N-S-gerichteter Lichtstreif dieser fernen Welteninsel auf. Die angegebene FH von 12,9 konnte ich nicht nachvollziehen. Realistischer scheint mir ein später gefundener Wert von 14,3m.
- Ein DS-Pärchen : Gamma Del (4,3/5,1 9,2“) und Struve 2725 (6,1/7,6 6,1“) stehen in ähnlicher Entfernung von gut 100 Lj nur 15’ auseinander und haben beide als echte DS bereits bekannte Umlaufzeiten von grob je 3000 Jahren. Sind einen Besuch wert, noch dazu wo der Hauptstern von gamma als K-Überriese golden leuchtet.
- Einen Nebelcocktail : Man nehme ein Cocktailglas (sechs 10-12m Sterne) und fülle es mit stellarem Gas, dem PN 6905 , eine anregende Vorstellung für diesen attraktiven rundlichen Nebel vor dem galaktischen Gewimmel.
Zum Ausklang gönnte ich mir zwei altbekannte Nebelstars:
- Zuerst den Cirrusnebel im Schwan.
Mit 30-facher Vergrößerung, knapp 2,5° Gesichtsfeld und UHC/O3-Filter glaubte ich beinahe ein Foto vor den Linsen zu haben. Doch kein Abbild kann diese unmittelbare visuelle Begegnung ersetzen, diesen überwältigenden Eindruck von Be-wegung, von schaumgekrönten Wellen im glitzernden Sternenmeer. Das östliche Bugwelle (6992/95) kräftig, plastisch und reich strukturiert wie vom Winde zerzaust. Pickerungs Dreieck ein zartes Lichtgewebe spitz nach S zulaufend. Im W mein Sahnestück, der Sturmvogel (6990) um 52 Cyg mit kräftigen Schwingen in feine Filamente auslaufend, eine unwiderstehliche Aufforderung zu einem Flug in die Unendlichkeit.
- In der majestätischen Andromedagalaxie (M 31) kamen meine bewegten Sinne wieder etwas zur Ruhe. Sie präsentierte in dieser Gebirgsnacht ihre wahre Pracht und Größe. Um den fast stellaren Kern die weit (ca 4°) ausgreifenden Spiralarme als feine Lichtschleier im Wechsel von sanften Verdichtungen (am deutlichsten die HII-Region 206) und Staubstrukturen (am einfachsten die beiden Staubbänder nördlich des Zentrums).
In dieser Nacht spürte ich auch, dass ein nachhaltiges Gesamterlebnis einen runden Abschluss braucht. Oft werden durch Zusammenpacken und Autofahren die Eindrücke abrupt abgebrochen. So ließ ich eine Zeit lang bequem auf dem Rücken liegend meine Sternenreise ausklingen und die galaktischen Weiten als Ganzes auf mich wirken.
Klare Spätsommernächte wünscht euch
Klaus