Sommerspechteln im Virgo-Haufen - was geht in "Weißen Nächten"?

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StKorth_privat

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Am 2.6. hatte ich meine letzte Deep-Sky-Nacht, bei 51° nördlicher Breite war die gewohnt kurz, dem hellen Meerbusche Himmel sei Dank hält sich der Einfluss der Mitternachtsdämmerung in Grenzen :-/ ...
Hier mein Blick ins Fahrtenbuch, alles Galaxien im westlichen Virgo-Haufen:
M 60 115x, 214x kräftiges Oval mit gut abgegrenzter Zentralregion
NGC 4647 115x, 214x definierter, aber lichtschwacher Kern, diffuse Außenregion, besser als gestern, Supernova ca. 14.5 mag
M 59 115x, 214x ovale Galaxie, erkennbar heller als M 60, der Übergang zum Zentrum ist "softer"
M 58 115x, 214x relativ gut definierte Zentralregion, Spiralarme nur als diffuser runder Schimmer darum
NGC 4638 115x, 214x sehr längliche Ellipse, erkennbare "Verdickung" zum Zentrum
NGC 4660 115x, 214x längliches Oval, diffuser Rand, sonst nichts…
NGC 4762 115x, 214x Vorzeige-Edge-On, hohe Flächenhelligkeit, kräftiger Kern, Wischer zu beiden Seiten, hoch vergrößern
NGC 4754 115x, 214x runder und diffuser als die Nachbargalaxie, aber gut zu sehen, auch im hoch vergrößerten Sehfeld
NGC 4654 115x, 214x einfaches Objekt, ovaler Umriss mit diffuser, aber getrennter Kernregion
NGC 4689 214x im ersten Anlauf schwierig, diffus, nur indirekt sichtbar
NGC 4694 214x kaum fassbar, nur indirekt zu knacken
NGC 4639 214x im Feld bei NGC 4654, nur indirekt erkennbar, dann aber gut zu fixieren
NGC 4608 214x rund, mäßig heller Kern, bei niedriger Vergrößerung bratzt rho Virginis in das Gesichtsfeld
NGC 4596 214x, 375x kräftige Kernregion, leicht länglich und verschwommen
M 49 214x, 375x Ei-förmig, Fake-Supernova östlich des Kerns
NGC 4770 115x, 214x sicher erkennbar, aber nur indirekt sichtbar, fluffig
NGC 4526 115x, 214x zwischen zwei Sternen 9. Größe, längliche Form, Fake-Supernova Richtung Süden
NGC 4570 115x, 214x Edge-On gut sichtbar, gut definierter Kern, schwache Ausläufer
NGC 4612 115x, 214x rundlich, diffuser Kern, am Ende einer netten Sternkette

Teleskop: 12" GSO-Dobson mit 13mm-Nagler + 7mm-Nagler, Bortle 5-Himmel
Hilfsmittel: Uranometria 2000.0

Noch ein paar Nachgedanken dazu:
- Der Spaß mit dem 1.000-Euro-Rohr hört einfach nicht auf. Wenn man sich auf kurzen Wegen über den Himmel hoppelt, dann reicht eine gute Sternkarte, es geht auch ohne GoTo. Für mich ist das einfach ein wenig Hirnjogging, per Starhopping am Himmel klarzukommen.
- Ist das Abgrasen vieler Objekte Stress? Mitnichten - und spannend dazu, weil sie halt doch immer ein klein wenig anders aussehen.
- Wie sag ich´s den anderen? Egal wie, einfach aufschreiben und posten. Natürlich hat der visuelle Spechtler keine bunten Pixel vorzuweisen, aber er oder sie hat trotzdem etwas zu erzählen - raus damit!
- Visuelle Deep-Sky-Beobachtung ist wie gutes Essen, eben ein Instant-Erlebnis, dass man aber nicht konservieren kann. Mir egal, es ist der unmittelbarste Zugang zu entfernten Himmelsobjekten, zwischen mir und dem Objekt liegen nur ein paar Gramm Glas und jede Mange Lichtjahre, jetzt und gleich.
- Und nicht vergessen - wenn man sich durch ein Rudel Galaxien 10 - 13. Größe geackert hat, dann bitte zum Abschluss noch einmal auf M 13 oder den Ring-Nebel schauen. Gönn Dir!

So, nun ein wenig Vollmond-Sommersonnwend-Pause, dann geht es weiter, bald kommt der Schwan mit seinen Sternhaufen an die Reihe... Oder PNs? Oder HII-Regionen?

Clear Skies,
Stefan
 
Hallo Stefan,

wirklich ein toller Bericht, Danke !
Ich habe ja auch den GSO 12" Dobson, werde mir deine Objekte auch nochmal in Stellarium ansehen und mir wahrscheinlich demnächst ein paar davon vornehmen.

Vielleicht sind auch ein paar Sachen für meinen Mini Dobson dabei, da bin ich ja immer auf der Suche nach geeigneten Objekten.

Gruß,
Holger
 
Mach´ das, Holger, aber man muss sich sputen, denn die Region rutscht so langsam in die Abenddämmerung.

BTW, das da oben war natürlich der OST-Teil des Virgo-Haufens, nicht der Part im Westen...

Gruß,
Stefan
 
Dieser Bericht spricht mir aus der Seele! Genau, wie sags ich den anderen? Geht nicht!!! Damit kann keiner, der nicht selbst Astroinfiziert ist was anfangen. Aber wie du das beschreibst kann nicht besser gesagt werden! Erst gestern Nacht wurde mir wieder klar, was mit einem Stückchen Glas an Dimensionen gereist werden kann....unfassbar! Und von diesem Wunder zehre ich immer und immer wieder.
Ein toller Bericht, so gern gelesen!!!
Liebe Grüsse von Anette
 
Danke für die freundlichen Worte, Anette!
Und ich wiederhole noch einmal: Gucken und Posten! Es ist ein wenig schade, dass dem Spechtler hier (ganz egal, ob er nach Sonne, Planeten, Kometen, Nebeln, Sternhaufen, Galaxien u.a. Ausschau hält) in a.de nur ein Forum zum Austausch bleibt, während sich die Pixeljünger in zig-Unterforen austoben dürfen. Andererseits behält man dann aber auch den Blick auf all das, was nur begafft wird, ohne sich mit "Workflows" zu befassen. Von daher will ich keinen Unmut streuen, wenn wir dieses Forum vollposten, mag sich das ja künftig vielleicht noch ändern ;-)

CS und ... der nächste Neumond kommt bestimmt!

Stefan
 
Hi Stefan,

letztens war auch ich verblüfft, was in der Dämmerung geht. Ebenfalls mit 12" Newton, aber noch 2° nördlicher und mit Bortle-6-Himmel gestraft.
Als Nachgang einer Kleinplanetenbeobachtung habe ich dann in nahen Galaxien gebadet und war total fasziniert, was man da alles sieht.
Und in 4 Wochen gibt's Schwan im Zenit. Erstmal mit dem 30mm in die Milchstraße, Overkill, 1 Mill. Sterne im Gesichtsfeld, hoffentlich falle ich nicht vor Begeisterung von der Leiter.
Ob sich da das OIII-Filter lohnt, habe ich noch nicht probiert...

CS Niko
 
...nur zu, es wird Dir gefallen... Aber ein Tipp noch - sieh zu, dass Du (angesichts Bortle 6-Himmel) auch mit einem 12 - 15 mm-Okular losziehst, es gibt genug kleine Sternhaufen, die man dann noch besser durch den aufgehellten Himmelshintergrund drücken kann!
Und - OIII lohnt bei PNs und Supernovaresten immer - gerade bei so Objekten wie Hantelnebel oder Zirrusnebel.

CS, Stefan
 
Hallo Stefan,
ausgerechnet das 14mm habe ich nicht, 11mm und 18mm... Aber egal, werde Deinen Tipp ausprobieren und dann hier berichten.

CS Niko
 
Hey Stefan,

deine Nachgedanken sprechen mir aus der Seele. Eine wunderschöne Zusammenfassung.

Und ich handhabe es wie Du, meist treibe ich mich in einer Nacht nur auf einer Seite von meinem Atlas rum und springe dabei von Objekt zu Objekt … und gönne mir am Ende einen Blick auf ein, zwei Eyecatcher.

Beste Grüße

Rene
 
Hallo Stefan,

nun wird es wieder dunkel, es ist knackend klar und mondlos, außerdem muss ich morgen erst um 6.30 Uhr aufstehen... Höchste Zeit, Deine Tipps auszuprobieren und den schmalbandigen 2" OIII reinzuschrauben.
Hantelnebel hatte ich schon mal mit OIII probiert und war begeistert. Habe ich heute wieder angepeilt und dachte - hat der vielleicht mal als Vorlage für eines der lebendigen Nebel bei Roddenberrys Star Trek gedient? Der schien sich zu bewegen! Das kann aber an meiner unbequemen "Astrogymnastik " oben auf der Leiter gelegen haben... der Nebel sah echt mystisch aus.

Cirrusnebel hatte ich immer abhehakt: Bei meinem Himmel zwecklos.
Falsch. Mit OIII erst recht falsch.
Einfach nur irre: Feinste Fasern mit einer enormen Ausdehnung über gut 70'; habe dann sogar das 30mm / 82° ES eingesetzt, dann passt er fast ins Bildfeld... Um die Struktur zu sehen, war das 18mm 82° besser.
Dagegen ist M57 ein echter Langweiler, auch mit OIII. Der Zentralstern ist mit einem 12"er wohl jenseits der Möglichkeiten.

CS,
Niko
 
Hi Niko,

laut Christian (alias Heidescoper) ist der mit 14" machtbar. Da bist du ja nicht soweit weg davon. Du benötigst halt optimale Bedingungen und die Höchstvergrößerung. (> 300x)
Ich bin nun auch auf 14" umgestiegen und werde den Zentralstern in M57 mal probieren.

cs
Lothar
 
Moin Lothar,
gestern waren die Bedingungen für meine Verhältnisse optimal; sogar das Seeing in h~55°. Ich war mit dem 4,7mm dran (d=305, f=1500; V~320). Mit und ohne OIII-Filter habe ich den Zentralstern M57 nicht gesehen. Das Innere des Rings war zu hell... Mit mehr Vergrößerung hätte es vielleicht geklappt, habe ich aber nicht zu bieten... Das Wetter ist eh seltenst gut genug für 300x.

CS,
Niko
 
Hi Nico,

Der Zentralstern geht nur OHNE O-III Filter.
Ich werde über meinen Versuch mit 14" und 353x berichten.

cs
Lothar
 
Egal wie, einfach aufschreiben und posten. Natürlich hat der visuelle Spechtler keine bunten Pixel vorzuweisen, aber er oder sie hat trotzdem etwas zu erzählen - raus damit!
- Visuelle Deep-Sky-Beobachtung ist wie gutes Essen, eben ein Instant-Erlebnis, dass man aber nicht konservieren kan
Perfekt auf den Punkt gebracht.
Bin selbst erstaunt, wie gut ich mich nach einem Jahr mit Hilfe vom Deep Sky Reiseatlas und dem Deep Sky Führer und ab und zu Stellarium am Nachthimmel orientieren kann.

Gruss Thomas
 
Einfach nur irre: Feinste Fasern mit einer enormen Ausdehnung über gut 70'; habe dann sogar das 30mm / 82° ES eingesetzt, dann passt er fast ins Bildfeld... Um die Struktur zu sehen, war das 18mm 82° besser.
Dagegen ist M57 ein echter Langweiler, auch mit OIII. Der Zentralstern ist mit einem 12"er wohl jenseits der Möglichkeiten.

CS,
Niko
Hi Niko, siehste woll! Cirrus ist auch unter Vorstadthimmel ein Genuss, immer wieder - ich habe dazu noch ein paar Zeilen in den Äther zu tippen, weil ich da neulich einmal eine ganze Stunde durch das Objekt gesurft bin. Und ja, den Hinweis auf M 57 kann ich im Prinzip bestätigen, aber ich habe das Teil immer schnell zur Hand, wenn sich dann doch einmal ein Korth-Kind oder meine Frau beim Spechteln in den Garten verirrt...

CS,
Stefan
 
Hallo Stefan,
Deinen Hinweis auf Cirrus habe ich inzwischen mehrfach weitergegeben; für alle war es überraschend: "Ach, den kann man gut sehen?" Man kann. Zumindest mit OIII. :giggle:


CS,
Niko
 
ja, man kann. Es hängt halt auch sehr stark ab, mit welchem OIII Filter. Ich hatte mit einem Baader OIII genau gar nichts gesehen, mit einem Astronomik OIII sah ich feinste Details. Baader OIII ist eher für "schnelles" Öffnungsverhältnis, Astronomik eher für "langsameres".

Ich war überrascht, wie viel das ausmacht. Auch beim Helixnebel, Lagunennebel, etc...

Ausprobieren ist hier wohl die Devise.... also wenn man einen Freund mit OIII Filter hat ist es gut, diesen mal zu probieren was damit geht ...
 
...wobei ich einen mit 10nm recht schmalbandigen Baader OIII habe, am "schnellen" 12" Newton f/5.
Das es bei Interferenzfiltern Unterschiede zwischen "langsamen" und "schnellen" ÖVs gibt, leuchtet ein.

Ich habe keinen Vergleich, bin aber zufrieden (nur wegen des fehlenden Vergleichs..?).
Über die "richtigen" Filter gab es im Forum schon endlose Diskussionen. Das ist nicht zu Letzt Geschmackssache.
Vorher ausprobieren ist halt immer das Beste; dafür gibt's die Teleskop-Treffen... ;-)

CS,
Niko
 
Hallo Stefan,
habe heute realisiert, dass ich als Cirrus bisher nur NGC 6992/5 gesehen habe. Den wiederzufinden war auch eine Sache für sich. Die Kuppel war dunkel, Rotlicht und Monitor aus, ich musste noch das Licht aus der Umgebung abschirmen, aber dann tauchte er im Gesichtsfeld mit V~83 langsam auf. Im Newton sah der helle, südliche Teil wie ein seltsames Tier aus. Mit besserer Dunkeladaption nahmen die Details zu, die man sehen konnte.
Bei einem Schwenk nach Osten taucht das viel dunklere und größere Nebelfeld bei 20h 49,7' / 31° 23' auf und, noch weiter südöstlich, natürlich der Bogen bei 52 Cyg... Letzterer ist ja zum von-der-Leiter-fallen: Wie ausgestreckte Schwingen, die Gabelung am Südende, nur 52 Cyg stört mit seiner Helligkeit. Das Nebelfeld zwischen NGC 6992 und 6960 (in Guide als S 103 bezeichnet) zeigte auch einiges an Strukturen. Wolkig-fluffig, an ein Myzel erinnernd...
Das mit besagtem OIII und V=50 (30mm/82° ES). Ohne OIII sehe ich nur einen kleinen Bereich im NGC 6992/5. Hat schon Suchtpotenzial, dieser Cirrusnebel...

#Lothar: Erneuter Anlauf für Zentralstern M57 mit 12": Mit V~320 nichts; bin auch nicht 'nahe dran'.

CS,
Niko
 
In den vergangenen Tagen blieb mir aufgrund der 620 km, die zwischen mir und meinem Dobson liegen, nur mein 7x36-Bino, um am Südrand von Dresden den klaren Himmel der vergangenen Nächte zu genießen. Donnerwetter, da war die Knochenhand auch ohne Filter richtig gut zu sehen. Schlussfolgerung - ich muss bei Gelgenheit den Dob wirklich einmal ins Auto packen, was ich da wohl alles sehen kann <seufz>...

Weitermachen!
Stefan
 
Hallo Niko und Lothar,

der Zentralstern in M57 geht auf jeden Fall mit 12-14“. Außer Vergrößerung um die 300x und drüber ist es wichtig, das ihr recht gutes Seeing habt. Der Himmel muss nicht einmal optimal dunkel sein.

Viel Grüße
Werner
 
Hallo Werner,

der Zentralstern in M57 geht auf jeden Fall mit 12-14“.
meine 320-fach reichen nicht, das Ring-Innere ist zu hell. Außerdem ist mein Newton nicht ideal gut kollimiert, da muss ich mal ran.
Und...: Visuell ist ja subjektiv. Ich weiß aus vergangenen Zeiten, dass ich beim Meteore gucken immer eine Magnitude weniger Grenzgröße hatte als der Durchschnitt der Gruppe. Woran genau das auch liegt - das kann ja auch am Teleskop so sein; so brauchst Du vielleicht nur einen 12", ich aber einen 14" oder gar 16".
Pluto habe ich auch nie visuell erwischt; naja, mit dem 12" in Norddeutschland wird das in diesem Leben eh nix mehr. ;-)

CS,
Niko
 
Hallo Niko,

natürlich gibt es da manchmal deutlichere individuelle Unterschiede in der Wahrnehmung schwächster Sterne. Diese Erfahrung habe ich bei größeren Teleskoptreffen ebenfalls gemacht. Bei ca. 1 mag Differenz wird das erst mit knapp 1,6 facher Öffnung wieder ausgeglichen.

Ich bin davon ausgegangen wie sich das Verhalten des Zentralsterns in M57 generell ergibt. Da habe ich festgestellt, dass ein sehr dunkler Himmel mit vergleichsweise schlechtem Seeing nicht ausreicht, den Zentralstern mit ca. 12“ Öffnung sicher zu sehen. Meine Wahrnehmung mit freiem Auge lag dabei besser als 7 mag.

Man darf bei 12“ nicht allzuviel erwarten, zumal diese Beobachtung meist grenzwertig ist und es in aller Regel nur zu einem blickweise Erkennen reicht.

Den Zentralstern sicher halten kannst du unter optimalen Bedingungen erst in deutlich größeren Geräten.

Viele Grüße
Werner
 
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