Sonnenfilter am Okular wirklich gefährlich?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Martin_D1

Aktives Mitglied
Hallo,

ich lese immer wieder, dass man die bei den Teleskopen beiliegenden Sonnenfilter für das Okular nicht verwenden soll, da diese angeblich zerspringen können und die Augen gefährden.
Ist das Legendenbildung? Da ist doch dann immer noch die Linse vom Okular an sich vor dem Auge, oder?
Bei wem ist das den wirklich schon passiert?
Gruß

Martin
 
Hallo Martin,

das sind keine Legenden!
Hast Du schon mal mit einer Lupe das Sonnenlicht
gebündelt und Papier angezündet?
Dann stelle Dir mal statt des Papiers Dein Auge
vor!
Also schützt Dich das Okular vielleicht vor umherfliegenden Splittern aber nicht vor dem gebündelten Sonnenlicht.
Allerdings muss ich aus eigener Erfahrung sagen das ich mit
meinem ersten Teleskop 60/900 ebenfalls
einen dieser berüchtigten Filter nutzte (1988).
Da passierte auch nach stundenlangem Beobachten nichts.
Zum einen denke ich das wohl die rel. kleine Öffnung
von 60mm schlimmeres verhindert hat, zum anderen
hatte ich wohl einfach nur Glück.
Zum anderen frage ich mich warum Du das wissen möchtest?
Willst Du tatsächlich so ein Teil nutzen?
Es gibt für ein paar Euro schlichte Sonnenfilterfolie.
Da bist Du auf der sicheren Seite.
Alles andere ist echt Glücksspiel.
Ich bin hier zwar nocht nicht so lange angemeldet
lese aber schon seit ca. 2003 mit.
Und da waren immer mal Berichte von Leuten deren
Okularsonnenfilter geplatzt ist.

CS,

Arne
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Martin,

ja, es ist gefährlich. Sehr sogar! Diese Okularsonnenfilter sollten am Besten sofort zerstört und entsorgt werden!!!

Der Filter sitzt kurz vor dem Brennpunkt und wird sehr, sehr heiß. Irgendwann schmilzt der Kunststoff oder platzt das Glas, und dann ist nichts mehr zwischen dir und deinem Auge, was die Sonnenstrahlung abhält. Die Linse des Okulars wird das Sonnelicht in keinster Weise aufhalten!

Das dauert keine Sekunde, wenn so ein Filter platzt und das Auge ist dauerhaft blind. Das geht so schnell, dass du es nicht schaffen wirst, das Auge zu schließen oder vom Okular wegzunehmen.

Also lass es bitte!!!

Es gibt hier einige Personen, die bereits solche Filterunfälle erlebt oder die Filter getestet haben und davon berichten können.

Viele Grüße

Carsten
 
Zitat von Martin_D1:
Da ist doch dann immer noch die Linse vom Okular an sich vor dem Auge, oder?

Hi Martin

Ja - da da ist noch so einiges zwischen dem zerreißenden Glas und dem Auge. Man daher also schon eine gute Chance, dass einem keine Splitter ins Auge fliegen.
Das eigentliche Problem - und dass das passiert kann man fast schon garantieren, erst recht wenns Teleskop nicht allzu klein ist - ist das plötzlich ins Auge schießende gebündelte Sonnenlicht.
So ein A4-Bogen Folie kostet knapp 20€, gibts bei fast jedem Optiker. Das Bild ist besser (weil man die komplette Öffnung nutzt) und das Material für ein Teleskop kostet idr. weniger als ein großer Becher Bananensplitt.
Ich mag zwar Bananensplitt, aber wenn ich die Wahl hab ziehe ich mein Augenlicht vor.

cs
Jürgen
 
Hallo,

erstmal danke für die schnellen Antworten.
So eine Baaderfolie kostet ja nicht die Welt. Ich frage mich halt, warum sind die Teile in fast jedem Teleskop, auch welchen die deutlich über Tausend Euro liegen, dabei, wenn diese so gefährlich sind?
Da hätte doch schon längst irgendeine Behörde verboten die Filter mitzuliefern. Ich habe bei mir den Filter drauf geschraubt und mit dem Goto zwei Stunden auf die Sonne gehalten (ohne durchzuschauen) und nichts ist passiert.

Gruß

Martin
 
Hallo Jürgen,

mein TAL-200k hat 8" Öffnung, da bräuchte ich dann eine A3 Folie und die liegt ohne Halterung allein schon bei ein paar und 60 Euronen. Da überlege ich halt schon mal, ob das wirklich notwendig ist.

Gruß

Martin
 
Hi Martin

Wenn Du die 8" komplett nutzt zerreists den Okularfilter nicht nur "vermutlich", sondern garantiert.
Du musst ja auch nicht die komplette Öffnung mit der Folie nutzen - der Folienhalter kann ja überwiegend aus Sperrholz/Pappe sein, dann reicht auch ein A4-Stück.
Aber auch wenn das nicht so wäre: Daran zu sparen ist definitiv keine gute Idee. Andererseits spart man ja eigentlich erst recht wenn man da knausert:
Man muss sich nach der Beobachtung keinen Binoansatz mehr kaufen, statt einer Brille reicht ein Monokel, Ferngläser muss man auch nicht mehr kaufen sondern kann stattdessern den Sucher als Fernglas nutzen etc. - und ma wäre der König unter den Blinden.

cs
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

das ist eine gute Idee, nur ein Teil der Öffnung zu nutzen.
Da geht sicherlich was vom Auflösungsvermögen verloren, aber Licht genug ist ja da. ;-)

Ihr habt mich überzeugt.
Danke.

Gruß

Martin
 
Hallo Martin,

mir ist das vor etwa 30 Jahren passiert passiert, am 114/900mm Newton.
Zum Glück habe ich gerade nicht ins Okular hineingeschaut,
weil ich das Okular wechseln wollte :erschreck:

Diese Okularsonnenfilter sind saumäßig gefährlich!

CS,Karsten
 
Hallo Martin!

Ich kann alles , was die anderen davor geschrieben haben, nur unterschreiben!

Als ich mein Einstiegsteleskop ( 50/600) vor 5 Jahren hatte , dachte ich mir : Hey! Wenn da schon sowas dabei ist, kann man das sicher auch benutzen!
Denkste:
Billiges Huygens-Okular und Okularfilter geplatzt!
Ich hatte richtig viel Glück!

Jetzt ist ein gescheider Sonnenfilter!

MfG,
Sebi
 
Moin Martin!

Die Warnhinweise hast Du ja alle schon gelesen. Die solltest Du natürlich auch beachten, wenn Dir Dein Augenlicht etwas wert ist. Zersprungene Okularfilter sind keine Legende.

Das Problem ist leider, daß diese alterümlichen Einschraubfilter immer wieder falsch benutzt werden. Sind solche Teile bei Billig-Teleskopen dabei oder findet man sie bei bei den besseren Japan-Teleskopen aus den 60er und 70er Jahren, fehlt es immer wieder an der richtigen Bedienungsanleitung.
Mir ist in den ganzen >30 Jahren mit mehreren Dutzend Teleskopen, die ich in Besitz hatte, nur eins (!) mit einer vernünftigen Anleitung zum Einschraubsonnenfilter begegnet. Das war bei einem Tasco 66T (Refraktor 50/600 mm) aus japanischer Produktion (70er Jahre). Darin stand sinngemäß:

- Diesen Filter nur mit abgeblendeter Öffnung (max. 50 mm) benutzen. Anmerkung: Dehalb findet man bei vielen Tubusdeckeln fernöstlicher Teleskope diesen ominösen Innendeckel, den man rausnehmen kann - denn für die Verwendung mit so einem Sonnenfilter war er ursprünglich gedacht.

- Einschraubfilter nur bei tiefstehender Sonne und maximal 5 Minuten am Stück benutzen. Danach mindestens eine Viertelstunde abkühlen lassen!

Klar dürfte auch sein, daß man sich lieber auf ältere Einschraubfilter und auch Okulare aus Japan (bzw. Deutschland) mit entsprechender Dicke bzw. Metallfassung verläßt. Den chinesischen Nachbauten würde ich keinesfalls trauen. Im Zweifelsfall setzt man den Filter lieber nicht ein.

Nochwas zur Legendenbildung:
Selbst bei der gemeinhin als "sicher" eingstuften Baader-Sonnenfilterfolie für den vis. Gebrauch steht auf dem Beiblatt, daß die 100%ige Unschädlichkeit der Sonnenbeobachtung durch diese Folie nicht garantiert werden kann. (Man möge mich korrigieren, wenn das nicht stimmt, aber so habe ich das in Erinnerung.)
Wirklich sicher ist also nur die indirekte Beobachtung der Sonne, entweder durch Projektion oder mittels Kamera. - Oder Herschelkeil / Sonnenprisma - hatte ich vergessen...
 
Zitat von Martin_D1:
mein TAL-200k hat 8" Öffnung, da bräuchte ich dann eine A3 Folie und die liegt ohne Halterung allein schon bei ein paar und 60 Euronen. Da überlege ich halt schon mal, ob das wirklich notwendig ist.

Mit dieser Öffnung hättest du genug Auflösungsvermögen um an kleine Details heranzukommen, natürlich vom Seeing und Standort abhängig.

Eine Filterfolie ist bei normaler Pflege/Umgang eine langfristige Anschaffung, die 60 Euro muss man ja nicht Monatlich ausgeben...
Ich würde die volle Öffnung nutzen, es lohnt sich!

Gruß
*entfernt*
 
Moin Martin!

Eine Anmerkung noch:
Wo ich gerade lese, daß Du ein TAL 200K besitzt... - TAL ist wohl noch der einzige ernstzunehmende Hersteller, der so
gefährliches Zubehör beilegt. Die können's einfach nicht lassen. Die TALianer haben schon vor vielen Jahren vor Verwendung des Russenfilters gewarnt und Tips zur Entsorgung gegeben. --> Klick mich!
Das Teil ist brandgefährlich bei voller Öffnung - auch wenn bei Deinem Test angeblich nichts passiert ist. Mein Auge würde ich da nicht hinterklemmen!
 
Hallo,

da hab ich ja eine richtige Welle losgetreten. ;-)
Aber Ihr habt mich überzeugt, König bei den Einäugigen ist nicht so ganz meine Berufsvorstellung.

Ich hab auch schon ein bißchen im Web nach fertigen Aufsetzfiltern gesucht und bin bei Ebay auf ein Angebot von Astro Martini gestoßen, der die Teile auf Maß fertigt. Auf den Bildern hat er aber auch immer gut Rand dabei.
Hat jemand bei ihm ein Aufsetzfilter für 8" bestellt und kann mir sagen wieviel Zoll da nachher übrig bleiben?

Gruß

Martin
 
Moin Dietrich!

> Am auf 40mm abgeblendeten Refraktor geknackt.

...wie lange hat's gedauert?
 
Hallo Martin,
und noch einer der einfach nur Glück hatte. Auch mir ist das vor ca. 35 Jahren am 114/900 Quelle Newton passiert, der Filter platzte. Das sah exakt so aus wie auf dem Bild von Dietrich. Glücklicherweise erging es mir wie Karsten und ich schaute gerade nicht durch, aber der Oberhammer war dann, ich habe das Filter geklebt und sekundenweise weiterbeobachtet. Ich wußte genau, dass es brandgefährlich war aber Folie gab es damals nicht, Internet, wo man sich hätte informieren können, auch nicht. Es ist zum Glück alles gutgegangen. Also, stopf das Ding in die Tonne, kaufe Dir die Baaderfolie und gut ist.

Gruß
Ralf
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben