Moin Martin!
Die Warnhinweise hast Du ja alle schon gelesen. Die solltest Du natürlich auch beachten, wenn Dir Dein Augenlicht etwas wert ist. Zersprungene Okularfilter sind keine Legende.
Das Problem ist leider, daß diese alterümlichen Einschraubfilter immer wieder falsch benutzt werden. Sind solche Teile bei Billig-Teleskopen dabei oder findet man sie bei bei den besseren Japan-Teleskopen aus den 60er und 70er Jahren, fehlt es immer wieder an der richtigen Bedienungsanleitung.
Mir ist in den ganzen >30 Jahren mit mehreren Dutzend Teleskopen, die ich in Besitz hatte, nur eins (!) mit einer vernünftigen Anleitung zum Einschraubsonnenfilter begegnet. Das war bei einem Tasco 66T (Refraktor 50/600 mm) aus japanischer Produktion (70er Jahre). Darin stand sinngemäß:
- Diesen Filter nur mit abgeblendeter Öffnung (max. 50 mm) benutzen. Anmerkung: Dehalb findet man bei vielen Tubusdeckeln fernöstlicher Teleskope diesen ominösen Innendeckel, den man rausnehmen kann - denn für die Verwendung mit so einem Sonnenfilter war er ursprünglich gedacht.
- Einschraubfilter nur bei tiefstehender Sonne und maximal 5 Minuten am Stück benutzen. Danach mindestens eine Viertelstunde abkühlen lassen!
Klar dürfte auch sein, daß man sich lieber auf ältere Einschraubfilter und auch Okulare aus Japan (bzw. Deutschland) mit entsprechender Dicke bzw. Metallfassung verläßt. Den chinesischen Nachbauten würde ich keinesfalls trauen. Im Zweifelsfall setzt man den Filter lieber nicht ein.
Nochwas zur Legendenbildung:
Selbst bei der gemeinhin als "sicher" eingstuften Baader-Sonnenfilterfolie für den vis. Gebrauch steht auf dem Beiblatt, daß die 100%ige Unschädlichkeit der Sonnenbeobachtung durch diese Folie nicht garantiert werden kann. (Man möge mich korrigieren, wenn das nicht stimmt, aber so habe ich das in Erinnerung.)
Wirklich sicher ist also nur die indirekte Beobachtung der Sonne, entweder durch Projektion oder mittels Kamera. - Oder Herschelkeil / Sonnenprisma - hatte ich vergessen...