Sonntags-Teaser: Wachter Refraktor 60/1000 im Zulauf

Ursus corpulentus

Aktives Mitglied
Liebe Altglas-Sammler,

wie das Leben so spielt ... in den Tiefen des Netzes vernahm ich den verzweifelten Ruf des eingangs erwähnten Teleskops, ganz zart nur. Und ich habe beschlossen, es bei mir aufzunehmen, das Arme! Ganz alleine in seiner dunklen Originalkiste, sich nach weit entfernten Photonen sehnend und von niemandem mehr beachtet, seit der ursprüngliche Besitzer verstorben ist. Ein solch hartes Los ist für die meisten nur schwer vorstellbar.

Wachter korr.jpg

Zum guten Glück gibt es den Ursus!

Sobald ich das Teil hier habe, gucken wir mal, wie es sich gegen die anderen "Planeten-Killer" im Stall schlägt - wie ich den Manfred (Wachter) kenne, sicher nicht schlecht ... wobei mich das Gerät schwer an die alten Japaniker erinnert.

Vielleicht ein übriggebliebener Austausschüler aus den 1960ern?

;-)

Schönen Sonntag,
Urs
 
Erinnert mich an mein gutes altes Tasco....
Was mir etwas in den Augen schmerzt, ist die zur Alt/Az degradierte deutsche Montierung...
 
Hi Tom,
gratuliere zum angeblichen Wachter Refraktor ,der doch als 80 mm Teleskop angepriesen wurde??
Gruß
Micha
 
Von Wachter gab es nie einen 60/1000er. Wie Hannes schon ganz richtig bemerkt hat, handelt es sich um ein Carton Modell, was unschwer an der typischen Montierung zu erkennen ist.

Einen kleinen Bericht zu dem Gerät findet man auch bei Thomas Gade :

 
Liebe Altglasenthusiasten,

was interessiert es die Oberschwester des Kinderheims, aus welchem Stall der Arme kommt - solange er nur nicht mehr ganz alleine und im Dunklen sein kümmerliches Dasein fristen muss! Sie sind mir ALLE willkommen.
So ist es ein erfreulicher Neuzugang bei den Japanern - anstatt in der Deutschen Ecke ...

Schöne Grüße,
Ursus oberschwesteris
 
Oje Ursus,
wie konnte das passieren? hat man der Oberschwester einen Pumuckl statt der erhofften Prinzessin Wachter ins Nest gelegt?
Die Verkäuferin hatte mir jedenfalls letzte Woche in ihrem Irrglauben auch einen 80 mm Wachter angeboten. Oder meinte sie Wachteln?

lustige Grüße,
Micha
 
hat man der Oberschwester einen Pumuckl statt der erhofften Prinzessin Wachter ins Nest gelegt?
Nicht unbedingt:
wobei mich das Gerät schwer an die alten Japaniker erinnert.

Vielleicht ein übriggebliebener Austausschüler aus den 1960ern?
Im Grunde habe ich ja irgendwie damit gerechnet. Aber was Euch Oberspezialisten entgangen sein dürfte, ist die beeindruckend hohe Fertigungsqualität des gesamten Setups. Dagegen kann man die (meisten der) einschlägigen Towas und Kenkos echt vergessen.

Hannes, Du bist doch der Advocatus Diaboli, was alte Japanische Stative aus Holz angeht - das Stativ ist nicht nur praktisch neuwertig, sondern auch noch RICHTIG stabil. Das ist besser, als alle anderen, die ich bisher zusammengschraubt habe - mit Abstand-, zumindest in diesem alten "Japan-Segment". Wachter wusste wahrscheinlich ziemlich genau, worauf er sich mit diesem joint venture eingelassen hat.

Die Optik sieht ebenfalls sehr vielversprechend aus. Vor einige Tagen habe ich das Ding zusammen- und durch eine Wolkenlücke hindurch kurz in den Himmel gesteckt. Das Objekt war Alkor und Mizar (die standen gerade in der Lücke). Und siehe da: mit den alten einzölligen Tak- und Spectros-okularen war der Anblick ein wahrer Genuß! Die beiden Komponenten von Mizar schienen unterschiedliche Farben zu haben - welche weiß ich nicht mehr so richtig, irgendwie bläulich, es war spät ... aber sie waren ungleichfarbig.

Mike-Alpha (@Michael Aaron): danke für den Hinweis, Thomas Gades Seiten sind, in Anbetracht ihrer vollumfänglichen inhaltlichen "Aufgeräumtheit", absolut wertvoll und ich nutze sie immer wieder. Den Bericht kannte ich. Allerdings stimme ich nicht mit seiner Einschätzung zu den "aufwändig produzierten Holzkisten", die aus "mehrschichtverleimten Hölzern" bestehen, überein. Die Kisten sind prinzipiell gut und sauber verarbeitet, das verwendete Sprerrholz wäre jedoch eher was, um Modellflieger zu beplanken, weil es regelmäßig recht (zu!) dünn ist.

Die Montierug war vermutlich so gut wie überhaupt nicht in Gebrauch, man findet keine Nutzungsspuren und das Fett ist ziemlich zäh. Aber alles läuft und scheint gut zu passen. Das gesamte Zubehör ist merklich hochwertiger, als das, was später beigelegt wurde. Okay, bis auf die Huygens-okulare, die sind derselbe Mist, wie alle anderen. Aber die Okularaufnahme mit Drehring zum Fixieren der Okulare (geschraubt und gegen ein 1.25''-Teil tauschbar) und die Barlow-Linse sind wirklich wertig.

Subsummiert ein tolles Teleskop und schöne Erweiterung meiner Japan-Sektion von "Planeten-Killern". Ich freue mich schon jetzt auf die kommenden Monate, wenn es am Nachthimmel wieder bunter wird.

Endlich!

Schöne Grüße,
Ursus
 
Hallo Ursus

Guter erklärter Bericht von der ganzen Sache, Holzkiste das Schmuckkästchens, Optik und Stativ.
Dein Sterntest bei Mizar und Alkor.

Die Japaner lieferten schon zufriedene Optiker, einige sehr viele dieser Geräte sind bestimmt heute noch im Einsatz.
Alte Oldtimer, soll man nicht Rosten lassen, schönes Gerät.
Erinnert an die 80ger Tasso Teleskope.

Es hängt auch davon ab , wie der vorige Besitzer damit umgeht, nicht jeder hat Pflege Erfahrung von Sachen die weiter gegeben werden können.
 
Guten Morgen Manfred,

das stimmt alles, was Du sagst.

Ich selbst habe hier mittlerweile bestimmt ein Dutzend "alte Japaner" in meiner Sammlung und Hannes Hase-Bergen vermutlich noch mehr, weil er sich in die Dinger verliebt hat, wie ich auch.
Die Optiken sind - im Kontext ihres Alters und Herstellungspreises - regelmäßig zumindest ziemlich gut, mit einer gewissen Streuung. Wenn man Pech hat, erwischt man auch mal einen grottenschlechten. Doch da ist meist die Optik verspannt oder einzelne Linsen sind falsch herum eingebaut.

Rosten tun sie bei mir nicht, fast alle sehen, zumindest sporadisch, den Nachthimmel. An der Nacht der offenen Kuppel am 19. Oktober (Tag der Astronomie in Deutschland) in meiner Sternwarte werde ich vermutlich genau diese alle auf mein Carport-Dach stellen, so dass die Besucher die Planeten damit angucken können.

P1020150.JPG

Und das 80er Tasco (Brennweite einen satten Meter und zwanzig!) ist sowieso der Hammer. Das Ding braucht sich auch vor heutiger Optik nicht zu verstecken.

Dir einen schönen Sonntag,
Urs
 
Hallo Tom,
es ist gut möglich das Manfred Wachter damals auch solche Fernrohre vertrieben hat.
Er hat nicht nur Teleskope hergestellt sondern auch Fernrohre aus Japan verkauft.
Ich habe im Frühjahr 1985 bei seinem Ausverkauf in Bodelshausen bei Tübingen mir ein neues 75mm Unitron Fernrohr abgeholt.
Grüssle aus dem Schwabenland, Gerd
 
Hey Gerd - gudda morga.

Schön von Dir zu hören!

Ja, ich bin mittlerweile sicher, dass Wachter das Teil selbst importiert hat, zumal zwei Bedienungsanleitungen mit dabei waren: eine in Japan gedruckte auf Englisch (ohne jeden Hinweis auf eine Marke, beziehungsweise einen Hersteller) und eine mit Schreibmaschine abgetippte, matritzenkopierte, auf Deutsch übersetzte mit Wachters Briefkopf. Außerdem ist das besagte Teleskop ("Jupiter 2") in seinem Prospekt beschrieben, der ebenfalls mit dabei war, sowie eine Preisliste von 1975. Damals hat dieses Fernrohr 695,-- DM gekostet - das war ein mittlerer Monatslohn.

Da ich in Rottenburg studiert habe, wohnte ich einige Zeit bei einem Studienkollegen in Bodelshausen (aka "Blödelshausen"), bis ich selbst eine Bude gefunden hatte - was mir in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Allerdings 13 Jahre nach Deinem letzten Besuch dort.
Wenn ich mir die alten Bilder von Wachters Produktion ansehe, sein Sortiment, die hohe Fertigungsqualität, dann frage ich mich manchmal schon, ob diese Entwicklung im Zuge der Globalisierung immer so gut war (ist).
Klar, mit zuerst japanischer, dann chinesischer und heute taiwanesischer Fertigung ging quasi eine Proletarisierung der Astronomie einher, die vielen das Hobby finanziell erst ermöglicht hat (was allerdings auch mit einem völlig überzogenem Streben nach endloser Öffnung einher zu gehen scheint, anstatt sich aufs Wesentliche zu beschränken - dem Erleben; Anm. d. Red.). Auf der anderen Seite wird der Markt heute von so viel fabrikneuem Fernost-Müll überschwemmt, dass es mich einfach nur frustriert.

Aber über Systemkritik bin ich lange raus. Deswegen: be amused - buy used!

P1020142.JPG

Schönen Sonntag,
Ursus redivivus

P. S. Der Unitron 140 (75/1200) steckt in der hellen schlanken Kiste ganz links im Bild; der ist die Wucht in Tüten!
 
Ja, Manfred Wachter hatte auch importierte, etwas günstigere Japan-Modelle im Angebot, so das Jupiter 80/1000 mm und den klassischen 114/900 mm Newton, aber auch einen 60/1000 mm Refraktor. Diese liefen wohl alle unter dem Jupiter Label. Muss nochmal meine alten Wachter VK-Listen rauskramen.

MfG Michael
 
Auf dem alten Prospekt, den ich hier habe, sind drei Instrumente gelistet: ein 60/710, (m)ein 60/1000 und ein 114/900. Vielleicht kam das 80er später hinzu, drauf ist es nicht.
Es wäre toll, Mike-Alpha, wenn Du mal nachsehen könntest.

Schöne Grüße,
Urs
 
Hallo Urs,

auf die Schnelle habe ich jetzt nur schnell den 1979er Prospekt gegrabscht. Hier ist der 80/1000 mm Refraktor abgebildet. In der 1980er Preisliste taucht er auch auf. Provenienz ist mir unbekannt, die Bauart sieht mir aber nicht japanisch, sondern schon "wachterisch" aus.

In der letzte Preisliste von 1984 ( die muss ich noch suchen ) waren aber definitiv 3 Japaner unter dem Label "Jupiter"-Teleskope enthalten:

- ein 80/1000 mm Refraktor ( nicht der 1980er !! )
- ein 114/900
und ein 60 mm Modell, Brennweite will ich jetzt nicht beschwören ! Auf jeden Fall japanische Zukaufgeräte, die er günstiger anbot ! ( Neben den Unitrons ! )

* Bilder aus Urheberrechtsgründen von der Moderation entfernt - bitte unsere Bilderregeln beachten *

LG Michael Aaron ( nix Mike-Alpha ;) )
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Lieber @Michael Aaron,

bitte entschuldige!

Ich wollte Dich nicht foppen, suchte für mich jedoch ganz einfach nach einer Lösung, da ich über Gebühr viele Astro-Michaels kenne. Mit Dir inklusive sechs (!), um genau zu sein. Und nur zwei haben Spitznamen (Michel und Micha), der Rest ist mit Klarnamen unterwegs, was es manchmal kompliziert macht. Das Alter, wahrscheinlich ...

Wen ich mein Mutlifunktionsgerät dazu überreden kann, scanne ich später noch die Seite von Wachters Katalog ein und stelle sie hier online. Wie gesagt: von 1975.

Schöne Grüße,
Ursus suplex
 
Hallo Michael Aaron,

- edit: schicke ich Dir als PM.
Ich wurde von der Rennleitung auf eine potentielle Urheberrechtsverletzung hingewiesen.

Ach ja ...
 
Hannes, Du bist doch der Advocatus Diaboli, was alte Japanische Stative aus Holz angeht - das Stativ ist nicht nur praktisch neuwertig, sondern auch noch RICHTIG stabil. Das ist besser, als alle anderen, die ich bisher zusammengschraubt habe - mit Abstand-, zumindest in diesem alten "Japan-Segment". Wachter wusste wahrscheinlich ziemlich genau, worauf er sich mit diesem joint venture eingelassen hat.


Schöne Grüße,
Ursus
Moinsen Tom,

ja diese Stativ-Nummer ... mich nervt das Gezitter bei der standardmäßigen Bedienung (Fokussieren bei auch mal etwas mehr Vergrößerung ;-)) total. Und - jou - ich hab schon so einige Japaner in den Händen gehabt, verschiedene Fabrikate mit einer Gemeinsamkeit: die das eigentliche Gerät völlig entwertenden Stative. Da hast ne echt gute Optik, meist solide verarbeitet ... und dann wackelt es beim Fokussieren. Wenn ich mir das Bild Deines Jupiters anschaue, würde ich Vergleichbares unterstellen. Aber da mag ich mich täuschen. Vielleicht bin ich da aber auch ne Pingel ... "brauchbar stabil" heisst für mich: maximales Nachzittern nach dem Fokussieren bei um die 200fach: 2 sek. Und bei Fokussieren selbst auch nicht ein den-Schärfepunkt-kaum-findbar starkes Gezittere. An besten ist das noch mit einer guten Säule hinzubekommen. Aber diese Baustative in Holz tun es auch ganz gut.

Greetzles Hannes
 
Hallo,
die Japanstative haben meiner Meinung nach eine große Schwachstelle. Die Stativbeine werden mit einer Schraube und einer Flügelmutter am Stativkopf befestigt. Schraubenkopf und Flügelmutter mit U-Scheibe auf Holz ist ne schlechte Lösung. Holz ist weich, das wackelt. Wie ich schon geschrieben hatte, habe ich jetzt auch so einen alten Japaner. Das Stativ ist eigentlich ganz gut, Wackelursache ist diese Verbindung. Ich habe jetzt provisorisch Blechstreifen untergelegt, das ist sofort besser geworden. Bei Berlebachstativen ist das besser gelöst: UNI-Autostativ mit Nivelliereinheit von Berlebach ® Stativtechnik , die haben noch ein Stück Blech zwischen den Schrauben und dem Holz, eigentlich keine große Sache, macht die Stative aber wesentlich steifer. Mal sehen, vielleicht bastle ich das Japanstativ noch ordentlich hin. Es ist sonst leicht und steif, da es zwei Klemmen hat.

C.S. Frank
 
Hallo Frank

Das damals gekaufte Tasso Teleskop Newton, T 11hate an den Stativbeinen Flügel Muttern, mit großer unterlagscheiben, bei mir war das fest, die Schwachstelle war da das Ablage 3eck mit den schwenkbaren verlängerungs, die an den Stativbeinen verschraubt werden, das wackelte schon, wen das Stativ nicht richtig ausgespreizt war,

Da Muste ich die Schrauben immer richtig anziehen.

Manfred
 
Hallo,
wo bekommt man denn noch einzeln diese Kette ,der die Stativbeine zusammenhält? Oder Selbstbau?
Gruß
Micha
 
Hallo Micha,

Ketten in lose und die passenden Verbindungsglieder gibt es in reicher Auswahl bei unserem lokalen Werkmarkt "Eisen Finger". Auf die möchte ich auch ansonsten nicht verzichten; wie oft kramen die nach einer besonderen Schraube oder beraten mit 3 Leuten ausführlich, was zu tun ist. Oft genug bekomme ich da ein Problem für ein paar Euronen gelöst. Das ist vielleicht der Vorteil, wenn man am "Gesäß" der Welt wohnt.

CS Gerhard
 
Danke Gerd und Gerhard,
an meinem antiken franz. Manent Teleskop ist die Originalkette natürlich nach über 100 Jahren schon reichlich verrostet.
Ich glaube ,da lohnt sich das entrosten nicht mehr. Obwohl es ja das Original wäre. Die speziellen Stativschrauben mit Vierkant
und Flügelmuttern versuche ich jedenfalls zu retten und mit Zitronensäure zu entrosten.
Gruß
Micha
 
Hallo Micha,

unter anderem veredeln wir auf Arbeit Oberflächen durch "Trowalisieren", einem recht trivialen und kostengünstigen Prozess... Möglicherweise gibt es in Deiner Gegend entsprechende Kompetenzen, um die 100-jährige Originalkette zu retten...

Viele Grüsse

Markus
 
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