sternengucker
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Hallo zusammen,
gestern abend war es endlich mal wieder soweit:
Der Himmel war wolkenlos, lediglich ein paar dünne Schleier waren zu sehen. Und so beschloss ich, mich gegen 21:45 auf den Weg zu meinem Beobachtungsplatz zu machen. Um 22:00 war ich angekommen, und hatte genügend Zeit, meine Utensilien auszupacken, da es noch sehr hell war.
Leila (Celestron Planetary 8") freute sich schon, nach vielen Wochen Entzug endlich wieder mal Richtung Himmel blicken zu können, und Rahel (TS 10x60) hatte ihr First-Light. Dann noch den Tisch, den Stuhl, rote Taschenlampe, Karkoschka, Sternkarte und Telradkarten ausgepackt, und schon konnte es losgehen. Sonstige Ausstattung:
Telrad, Okus: Celestron Ultima 30mm und 7.5mm, TS Kellner 20mm und 10mm. Grenzhelligkeit: ca. 5.0mag, Seeing ausgezeichnet, nur zum Horizont hin unruhig.
Auf dem Platz herrschte gähnende Leere, ich war der einzige an diesem Abend hier oben.
Bis zur völligen Dunkelheit, versuchte ich mich im Sternbildererkennen. Das ist gar nicht so einfach, wenn es noch nicht richtig dunkel ist, da die Sterne erst nach und nach am Himmel erscheinen, je nach deren Helligkeit.
Gegen 22:45 war es dann dunkel, und es konnte losgehen.
Ich war mir gar nicht recht bewusst, was ich eigentlich beobachten wollte, denn die letzte Beobachtungstour ist mindestens 8 Wochen her, und der Sternenhimmel hat sich seitdem erheblich verändert.
Aber nach kurzem Überlegen fand sich dann doch etwas, ich suchte mir M57 in der Leier aus.
Wega hatte ich schnell gefunden, aber wo ist der Rest der Leier? Irgendwie sah die Darstellung im Karkoschka, und auch auf der Sternkarte anders aus als am Himmel. Nach wenigen Minuten war mir klar, dass ich die Karten nur mal etwas drehen muss, und schon passt es. Also Karkoschka nicht aufrecht in der Hand, sondern eine Viertelumdrehung nach links, und schon sah es genauso aus wie am Himmel.
Der Rest ging schnell, M57 war im 30mm Oku schnell gefunden. Ich sah eine helle, grosse Scheibe, die am Rand heller zu sein schien als in der Mitte. M57 lässt sich nicht einfach scharfstellen, es ist mir am besten an Nachbarsternen gelungen.
Im 20mm Oku erscheint M57 recht diffus, schlecht abzugrenzen, die Hell-Dunkel-Struktur ist nur indirekt sichtbar. Das 10mm Oku liess die Helligkeitsunterschiede gut erkennen, das innere des Rings ist eindeutig dunkel, aber kein Stern erkennbar. Dann noch das 7.5mm probiert. Der äussere Ring ist nicht gleichmässig hell, es gibt einen wirklich hellen Ring, der aber nur manchmal aufblitzt. Der Rest des Ringes ist einheitlich grau. Alles in allem ist es ein wunderschöner Anblick, und mit einer besseren Transparenz lassen sich bestimmt weitere Details erkennen.
Nun konnte es weitergehen. Ich suchte mir M51 aus, die Whirlpool Galaxie. Diese war mittels Telrad schnell gefunden, im Sucher jedoch nur zu erahnen. M51 setzt sich zusammen aus NGC5194 und 5195. Im 30mm Oku sehe ich 2 Halos, das grössere südlich, das kleinere nördlich, am besten indirekt, beide mit hellem Kern. Im 20mm ist M51 hell und gross zu sehen, ein heller Stern etwas östlich stört bei der Beobachtung, somit muss der aus dem Blickfeld gehalten werden, wodurch M51 aber nicht mehr mittig zu sehen ist, sondern etwas zum Rand hin. Im 10mm Oku sind die Halos recht hell zu erkennen, sie scheinen ineinander überzugehen, sie sind nicht getrennt. Die Kerne sind nicht stellar, sondern etwas flächig und diffus. Danach habe ich das 7.5mm probiert, darin war M51 immer noch sehr hell zu sehen, die Kerne sind kompakt sichtbar, fast stellar. Die Halos sind auch direkt gut sichtbar, indirekt lässt sich vielleicht die Spiralstruktur von NGC5194 erkennen, vielleicht sind es aber auch nur Wunschträume... jedenfalls ein toller Anblick!
Jetzt konnte der Trip weitergehen, aber was nun? Ein Auto kommt den Waldweg durchgefahren. Vielleicht ein weiterer Spechtler?? Da der Fahrer nicht mit Standlicht um die Ecke kommt, sondern mit voller Beleuchtung, scheint es sich nicht um einen Sternfreund zu handeln. Als er mich entdeckt hat, fährt er bis auf wenige Meter an mich heran, und wundert sich wahrscheinlich, was hier so los ist. Jedenfalls bleibt er ca. 15 Sekunden stehen, da hilft auch mein Augenzuhalten nichts mehr, meine Dunkeladaption ist gründlich hinüber! Als er dann abdreht und wieder in den Wald fährt, sehe ich kaum mehr etwas im Dunkeln. Ich schaue nochmal durch das Oku, aber von M51 nichts mehr zu sehen. Inzwischen war es bereits 23:45, und dank des freundlichen Autofahrers ohne Spechtelherz, beschloss ich einzupacken. Als ich Leila bereits verstaut hatte, nahm ich Rahel, mein neues Fernglas in die Hand. Damit sah ich mir die Milchstrasse, nordöstlich der Leier an. Und war beeindruckt - ein Meer aus Sternen, wie ein Teppich ausgebreitet, und scheinbar unendlich in die Tiefe gehend. Die Abbildungsleistung des 10x60 finde ich hervorragend, die Sterne werden bis fast zum Rand annähernd punktförmig abgebildet. Ich bin sicher, die werde ich mir noch öfter mit der Kleinen ansehen!
Damit war mein Beobachtungsabend abgeschlossen.
Fazit: Auch wenn ich nur 2 Objekte eingehend beobachtet habe, erscheint mir der Abend nach wochenlanger Abstinenz als voller Erfolg. Sommernächte, ich komme!
CS für alle und "dunkle Nächte"...! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
gestern abend war es endlich mal wieder soweit:
Der Himmel war wolkenlos, lediglich ein paar dünne Schleier waren zu sehen. Und so beschloss ich, mich gegen 21:45 auf den Weg zu meinem Beobachtungsplatz zu machen. Um 22:00 war ich angekommen, und hatte genügend Zeit, meine Utensilien auszupacken, da es noch sehr hell war.
Leila (Celestron Planetary 8") freute sich schon, nach vielen Wochen Entzug endlich wieder mal Richtung Himmel blicken zu können, und Rahel (TS 10x60) hatte ihr First-Light. Dann noch den Tisch, den Stuhl, rote Taschenlampe, Karkoschka, Sternkarte und Telradkarten ausgepackt, und schon konnte es losgehen. Sonstige Ausstattung:
Telrad, Okus: Celestron Ultima 30mm und 7.5mm, TS Kellner 20mm und 10mm. Grenzhelligkeit: ca. 5.0mag, Seeing ausgezeichnet, nur zum Horizont hin unruhig.
Auf dem Platz herrschte gähnende Leere, ich war der einzige an diesem Abend hier oben.
Bis zur völligen Dunkelheit, versuchte ich mich im Sternbildererkennen. Das ist gar nicht so einfach, wenn es noch nicht richtig dunkel ist, da die Sterne erst nach und nach am Himmel erscheinen, je nach deren Helligkeit.
Gegen 22:45 war es dann dunkel, und es konnte losgehen.
Ich war mir gar nicht recht bewusst, was ich eigentlich beobachten wollte, denn die letzte Beobachtungstour ist mindestens 8 Wochen her, und der Sternenhimmel hat sich seitdem erheblich verändert.
Aber nach kurzem Überlegen fand sich dann doch etwas, ich suchte mir M57 in der Leier aus.
Wega hatte ich schnell gefunden, aber wo ist der Rest der Leier? Irgendwie sah die Darstellung im Karkoschka, und auch auf der Sternkarte anders aus als am Himmel. Nach wenigen Minuten war mir klar, dass ich die Karten nur mal etwas drehen muss, und schon passt es. Also Karkoschka nicht aufrecht in der Hand, sondern eine Viertelumdrehung nach links, und schon sah es genauso aus wie am Himmel.
Der Rest ging schnell, M57 war im 30mm Oku schnell gefunden. Ich sah eine helle, grosse Scheibe, die am Rand heller zu sein schien als in der Mitte. M57 lässt sich nicht einfach scharfstellen, es ist mir am besten an Nachbarsternen gelungen.
Im 20mm Oku erscheint M57 recht diffus, schlecht abzugrenzen, die Hell-Dunkel-Struktur ist nur indirekt sichtbar. Das 10mm Oku liess die Helligkeitsunterschiede gut erkennen, das innere des Rings ist eindeutig dunkel, aber kein Stern erkennbar. Dann noch das 7.5mm probiert. Der äussere Ring ist nicht gleichmässig hell, es gibt einen wirklich hellen Ring, der aber nur manchmal aufblitzt. Der Rest des Ringes ist einheitlich grau. Alles in allem ist es ein wunderschöner Anblick, und mit einer besseren Transparenz lassen sich bestimmt weitere Details erkennen.
Nun konnte es weitergehen. Ich suchte mir M51 aus, die Whirlpool Galaxie. Diese war mittels Telrad schnell gefunden, im Sucher jedoch nur zu erahnen. M51 setzt sich zusammen aus NGC5194 und 5195. Im 30mm Oku sehe ich 2 Halos, das grössere südlich, das kleinere nördlich, am besten indirekt, beide mit hellem Kern. Im 20mm ist M51 hell und gross zu sehen, ein heller Stern etwas östlich stört bei der Beobachtung, somit muss der aus dem Blickfeld gehalten werden, wodurch M51 aber nicht mehr mittig zu sehen ist, sondern etwas zum Rand hin. Im 10mm Oku sind die Halos recht hell zu erkennen, sie scheinen ineinander überzugehen, sie sind nicht getrennt. Die Kerne sind nicht stellar, sondern etwas flächig und diffus. Danach habe ich das 7.5mm probiert, darin war M51 immer noch sehr hell zu sehen, die Kerne sind kompakt sichtbar, fast stellar. Die Halos sind auch direkt gut sichtbar, indirekt lässt sich vielleicht die Spiralstruktur von NGC5194 erkennen, vielleicht sind es aber auch nur Wunschträume... jedenfalls ein toller Anblick!
Jetzt konnte der Trip weitergehen, aber was nun? Ein Auto kommt den Waldweg durchgefahren. Vielleicht ein weiterer Spechtler?? Da der Fahrer nicht mit Standlicht um die Ecke kommt, sondern mit voller Beleuchtung, scheint es sich nicht um einen Sternfreund zu handeln. Als er mich entdeckt hat, fährt er bis auf wenige Meter an mich heran, und wundert sich wahrscheinlich, was hier so los ist. Jedenfalls bleibt er ca. 15 Sekunden stehen, da hilft auch mein Augenzuhalten nichts mehr, meine Dunkeladaption ist gründlich hinüber! Als er dann abdreht und wieder in den Wald fährt, sehe ich kaum mehr etwas im Dunkeln. Ich schaue nochmal durch das Oku, aber von M51 nichts mehr zu sehen. Inzwischen war es bereits 23:45, und dank des freundlichen Autofahrers ohne Spechtelherz, beschloss ich einzupacken. Als ich Leila bereits verstaut hatte, nahm ich Rahel, mein neues Fernglas in die Hand. Damit sah ich mir die Milchstrasse, nordöstlich der Leier an. Und war beeindruckt - ein Meer aus Sternen, wie ein Teppich ausgebreitet, und scheinbar unendlich in die Tiefe gehend. Die Abbildungsleistung des 10x60 finde ich hervorragend, die Sterne werden bis fast zum Rand annähernd punktförmig abgebildet. Ich bin sicher, die werde ich mir noch öfter mit der Kleinen ansehen!
Damit war mein Beobachtungsabend abgeschlossen.
Fazit: Auch wenn ich nur 2 Objekte eingehend beobachtet habe, erscheint mir der Abend nach wochenlanger Abstinenz als voller Erfolg. Sommernächte, ich komme!
CS für alle und "dunkle Nächte"...! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
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