Spechteln in der Wüste - BB vom 28./29.10.

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DanielM

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Hallo Sternfreunde.

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub möchte ich wieder meine Begeisterung über das Erlebte mit Euch teilen. Während einer 3wöchigen USA Reise, die mit vielen sternklaren Nächten gesegnet war, habe ich zwei unvergessliche und atemberaubende Abende/Nächte im Death Valley verbracht - einen kurzen Bericht hierüber möchte ich Euch nicht vorenthalten!

Am Rande sei angemerkt: Jedem der Stille sucht und der sich für die wunderschöne Kargheit verschiedenefarbiger Sand und Gesteinsformationen begeistern kann, der sollte dorthin fahren. Schon bei der Einfahrt in den Nationalpark begeisterte mich die Weite und Leere, die bei Nacht fliessend in die Weite des nächtlichen Himmels übergeht.

Beobachtungstag: 28.10.2002 (21:30 - 23:30 Uhr)
Beobachtungsort: Panamint Spring Ressort RV Park - 2000 Fuß über NN, Death Valley National Park, CA, USA
Temperatur: 33 Grad bei Tag, ca. 8-10 Grad bei Nacht
Luftfeuchtigkeit unter 15%
Beobachtungsgerät: 10x50 Feldstecher (Pentax PCFIII) freihändig auf dem Rücken liegend (auf dem Dach des Wohnmobils, so richtig geheuer wäre mir ein Standort am Boden dann doch nicht...)

Nach dem Abendessen kletterte ich auf das Wohnmobildach, und wartete auf dem Rücken liegend, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Der Anblick des Sternenhimmels ist nicht zu beschreiben. Ein Meer von Sternen erstreckt sich da über mir, die Sommermilchstrasse knallhell im Südwesten. Der Schwan sieht aus wie ein riesiges Düsenflugzeug, mit zwei hellen Kondensstreifen hinter seinen Flügeln. Bis über den Horizont sieht man Sterne, ohne den Eindruck zu haben, dass die Sternenanzahl abnimmt oder am Horizont durch Dunstschichten o.ä. die Sterne "flackern" würden. Ich richte mich auf und blicke in die Wüste hinaus. Obwohl kein Mond am Himmel steht, erleuchten Sterne und Milchstrasse die Tiefebene vor mir in einem fahlen, grauen Schein. Nicht dass man viel sehen konnte, aber es war nicht schwarz wie die Nacht. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />

Nach einiger Zeit finde ich mich am Himmel zurecht, der auch wegen der südlicheren Breitengrades schon ein bisschen anders aussieht. Zu allererst versuche ich mit dem bloßen Auge nach den diffusen Fleckchen zu gucken, von denen wir lichtgeplagten Westeuropäer ja viele gar nicht mehr sehen können. Meine Suche versetzt mich sogleich in erstaunen. Überall sind kleine Fleckchen zu sehen!!! Als ich M33 mit bloßem Auge und indirektem Sehen ausmachen kann - ja spätestens dann war mir schon klar: Hier komme ich irgendwann wieder hin, und zwar mit dem ganzen optischen Fuhrpark <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />!!! Die nächste Sensation (ich traue mich kaum es zu schreiben, denn Ihr werdet mir vielleicht nicht glauben): Die Region des Nordamerika Nebels ist neben Deneb mit bloßem Auge als verdichteter hellerer Bereich der Milchstraße zu sehen!!!

Also - höchste Zeit den Feldstecher vorzuholen und drauflos zu spechteln. Sternkarten, Beobachtungsplanung, alles war jetzt egal, ich musste nur einfach gucken und die Eindrücke aufsaugen. Hier eine Auswahl:

M31 - mit dem Auge sehr hell, im 10x50 länger als das halbe Gesichtsfeld mit deutlichem hellen Kern. Auch M110 ist gut zu sehen.

M33 - hell, oval und groß, ca. 1/5 des Gesichtsfeldes.

NGC7000 - Ist riesig! Ohne jeglichen Filter erkennt man die Form, besonders deutlich im südlichen Bereich, wo sich der "Golf von Mexico abhebt".

NGC 6992/5 (Cirrus) - Nicht so einfach, wie der Nordamerika Nebel, aber mit einiger Konzentration deutlich zu sehen. Alle drei Teile (auch NGC 6960 - aber schwach) stehen im Gesichtsfeld.

Ein Streifzug Richtung Süden offenbart M20, M8, M22, M55

Ein Schwenk Richtung Norden, zeigt knapp über dem Horizont M51 und auch M81/M82

Aber ich lehne mich wieder zurück und fahre sicher eine Stunde durch die Milchstrasse und geniesse ohne die einzelnen Objekte zu identifizieren.

Beobachtungstag: 29.10.2002 (20:00 - 22:30 Uhr)
Beobachtungsort: Furnace Creek Camp Ground - 129 Fuß unter (!) NN, Death Valley National Park, CA, USA

An diesem Abend ist der Himmel wieder wie erwartet umwerfend. Diesmal sind alle drei Teile des Cirrusnebels deutlich zu erkennen. Auf meinem Streifzug durch den nächtlichen Himmel sehe ich wieder viele Bekannte - aber was heisst schon bekannt? Wenn ich ein Objekt in Deutschland mehrfach beobachtet habe und es jetzt hier sehe, dann muss ich sagen: Ich lerne es neu kennen! Viele Messiers kommen wieder vor die Linsen, im Pegasus kann ich NGC7331 ausmachen. Leider fangen irgendwann die Koyoten an, verdächtig nahe um mich herum zu heulen. Das ist weniger beängstigend als Ruhe störend. Aber vielleicht heulen Sie ja, weil Sie wissen, dass dieser wunderschöne Anblick mit Sonnenaufgang wieder vergehen wird...

Sternklare Nächte (trotz November in Deutschland)
Daniel

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P.S. Ich plane in unbestimmter Zukunft jetzt eine Astroexkursion ins Death Valley. Habe mich bei den Park Rangern bereits nach Wetter- und Bewölkungsstatistiken usw. erkundigt.

 
Hallo Daniel!

Umwerfend! Fantastisch! Hab mir das gerade richtig bildlich vorstellen koennen, wie Du da auf dem Wagendach einfach nur noch geschwelgt hast!

Danke, dass wir mit diesem wunderbaren Bericht an Deinen Urlaubsfreuden teilhaben durften!

Herzliche Gruesse

Birgit

 
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