Spektren von WR133 bis WR140

gateway

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Hallo liebe Astrokollegen,

eines meiner Projekte, das ich mir vorgenommen habe ist, alle für mich von meinem Standort und mit meinem Equipment beobachtbaren WR Sterne spektroskopisch zu erfassen. Außerdem möchte ich noch, dort wo es mir möglich ist, Bilder aufnehmen und diese dann mit den Spektren zusammenführen. Den ersten fertigen WR Stern hab ich schon hier gezeigt: NGC6888

Nun habe ich WR133 bis WR140 ausgearbeitet und möchte euch das Ergebnis zeigen.

Equipment:
Lacerta 80/500 mit 0.79x Reducer auf Az-GTi Montierung
Asi678MM, Star Analyser 100 und 3,8° Prisma mit Darks korrigiert
Mit Sharpcap aufgenommen und gestacked
Mit RSpec ausgewertet
Die Spektren sind wellenlängenkalibriert aber nicht flusskalibriert.

Für die Auswertung hab ich vor allem den Spectral Atlas for Amateur Astronomers von Richard Walker, aber auch Wikipedia und Chatgpt verwendet.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass man vor allem bei der Bestimmung der Unterklassen schon an die Grenzen dieses Setups stößt und etwas mehr Auflösung in Zukunft nicht verkehrt wäre :)
Trotzdem ist die Reise für mich mit dem Star Analyser extrem spannend und lehrreich.

WR133 (WN5 mit O Begleiter):
WN Typ eindeutig, O Begleiter durch einige Absorptionslinien sichtbar. NIII nicht sichtbar muss kleiner WN6 sein.

wr133_20250614.png


WR134 (WN6):
WN Typ eindeutig, NIII eindeutig sichtbar aber nicht > NIV

wr134_20250614.png


WR135 (WC8):
Noch mit altem Setup ohne 3,8° Prisma aufgenommen, daher schlechtere Auflösung.
C Typ eindeutig, CIII = CIV daher WC8

wr135_flusskalibriert_20240406.png


WR136 (WN6):
WN Typ eindeutig, NIII eindeutig sichtbar und wird wahrscheinlich wegen der geringen Auflösung des Star Analysers zu sehr hochgepushed... sollte unter NIV sein

wr136_20250614.png


WR137 (WC7):
WC Typ eindeutig, CIV > CIII aber CIII schon relativ stark folglich WC7.

wr137_20250614.png


WR138 (WN5):
WN Typ eindeutig, NIII und NIV sind im vorderen Teil des Spektrums fast gleich (bereinigt vom Kontinuum)

wr138_20250614.png


WR139 (WN5):
WN Typ erkennbar, schwer zu deuten, schlechte Aufnahme

wr139_20250614.png


WR140 (WC7):
WC Typ eindeutig, CIV > CIII und CIII >> OV daher eindeutig WC7

wr140_20250614.png


Ich hoffe euch begeistert das Thema genauso wie mich und wenn ich etwas weiter gekommen bin werde ich hier wieder ein Update einwerfen.

Liebe Grüße und CS
Philipp
 
Hallo Philipp,

das sind wirklich sehr schöne Ergebnisse! Ich möchte kurz nochmals nachfragen zu deiner Aussage
ohne 3,8° Prisma aufgenommen, daher schlechtere Auflösung

Ich verwende auch einen SA100 mit Prisma. Nach anfänglicher Begeisterung über das Prisma testete ich mehrmals am gleichen Stern unmittelbar hintereinander den SA mit und ohne Prisma (und sogar noch mit einem Tiltadapter, bzw. ohne Tiltadapter). Ich konnte im sichtbaren Spektralbereich nur marginale Verbesserungen feststellen. Nur im NIR ergaben sich, wenn das Seeing auch mitspielte, bessere Ergebnisse.

Klappt das bei dir mit Prisma (deutlich) besser?

Liebe Grüße
Florian
 
Hallo Philipp,

Deine Spektren der WR Sterne sind faszinierend!

Besten Dank,
Jiri
 
Hallo ihr beiden,

@FlorianV danke für das positive Feedback :)
Zu deiner Frage: ich hab mich da unklar ausgedrückt... es war nicht nur ohne Prisma, es war auch mit der Asi485MC, die natürlich durch die Bayer-Matrix viel schlechtere Auflösung hat.
Ich habe nie explizit getestet wieviel das Prisma und wieviel der Kamerawechsel zum Ergebnis beiträgt.
Man muss auch noch dazu sagen, dass ich hier von einer Terrasse im Innenhof aus einer kleinen Stadt heraus aufnehme und damit immer auch viel Seeingeinfluss dabei ist. Ich hab auch einen SA200 für die Filterschublade, aber mit Farbkamera ist der genauso nur für Jux und Tollerei zu gebrauchen, essentiell ist und bleibt eine monochrome Cam.
Ich habe in meinen früheren Spektren nachgesehen, ob ich dir einen Vergleich geben kann zwischen Prisma und nicht Prisma, aber es existieren einfach keine Aufnahmen ohne Prisma seit ich es gekauft habe... ich werde aber Testen, jetzt hast du mein Interesse geweckt :)

@j.gardavsky : Danke für die motivierenden Worte :)

Und zu guter Letzt, weils mich gerade Schmunzeln lässt... die Spektren werden sicher auch über die Zeit und mit dem Anspruch an sich selbst besser:

Arcturus aus 07/2023... eine meiner ersten Aufnahmen... und gefreut hab ich mich dass ich das sehe:
arcturus_20230702_mit_k1_3_referenz.png


Arcturus aus 02/2025... da hab ich mir gedacht es könnte schon noch etwas besser sein:
arcturus_20250222_normalized_beschriftung_k1III_referenz.png


Liebe Grüße und CS
Philipp
 
Hallo Philipp,

mein Star Analyser Patton Hawksley ist noch in der Schublade, noch nicht ausgepackt, aber Deine Ergebnisse sind wirklich sehr inspirierend.
Ich habe einfach keine Zeit gehabt, weil ich visuell die 50 galaktischen Supernova Remnants abhacken wollte. Jetzt bin ich bei 55, also ich kann wieder einmal was anderes beobachten.

Sonst, die Spektroskopie während des Physikstudiums hat mich fasziniert, villeicht auch wegen der alten Steinheil Monochromatoren aus glänzenden Messing. Später, während meines Promotionsstudiums, kamen die SPM-1 und SPM-2 Monochromatoren von Carl Zeiss Jena.
Jetzt habe ich nur das kleine CZJ Handspektroskop, um die Astronomiefilter zu beurteilen.


Der langen Rede kurzer Sinn, noch einmal einen großen Dank für die Inspiration,
Jiri
 
Hallo Philipp,

bei mir war es ähnlich. Ich habe auch neben Prisma auch noch das Teleskop und den Abstand Gitter - Sensor verändert und da war das Ergebnis gleich um Welten besser.
Irgendwann hat mich dann doch interessiert, was das Prisma alleine bringt und dann habe ich mehrere Male an einem Stern (unter anderem Arcturus) durchgetestet.
Hier mal meine Vergleichsreihe an Arcturus:
1752842342942.png

Die Spektren wurden mit der ASI 585m (ungekühlt) am 130PDS Newton von Skywatcher mit einem Sensor-Gitter-Abstand von ca. 14cm aufgenommen.
Die Beschriftung "mit Knick" bedeutet, dass die Kamera über einen Tiltadapter mit ca. 3.7° eingebaut war. Gestacked wurden jeweils ca. 15 - 20 Bilder a 3 Sekunden.

Von oben nach unten wäre das also die Konfiguration:
Prisma - SA100 - Tiltadapter
Prisma - SA 100
SA 100
SA 100 - Tiltadapter

aber mit Farbkamera ist der genauso nur für Jux und Tollerei zu gebrauchen
Ich bin zwar auch vor kurzem von Farb- auf s-w-Kamera umgestiegen, aber nicht wegen der Auflösung, sondern wegen den steilen Flanken in der Durchlasskurve der Bayer-Filter. Die Auflösung hängt meiner Meinung nach viel stärker vom richtigen Fokus und vom Seeing ab. In einer Nacht habe ich beispielsweise versehentlich den Tiltadapter um 180° verdreht eingebaut. D.h. der Sensor war um über 7° "falsch" rum geneigt. Die Ergebnisse waren kaum besser als ohne Adapter in der gleichen Nacht... mit leichter Zirrusbewölkung...

Ich finde Farbkameras auch bei der Spektroskopie gar nicht so verkehrt. Vor allem, wenn gerade noch eine Gruppe Leute (z.B. bei einer Führung) dabei steht, macht es schon was her, wenn die Beugungsordnung farbig am Bildschirm erscheint.

Und zu guter Letzt, weils mich gerade Schmunzeln lässt... die Spektren werden sicher auch über die Zeit und mit dem Anspruch an sich selbst besser:

Das kann ich gut nachvollziehen:-) Ich war vor einem Jahr bei diesen Spektren mega stolz eine Absorptionslinie zu sehen:D .

Liebe Grüße
Florian
 
Hallo zusammen,

wow! Beachtlich, was mit so einem einfachen Transmissionsgitter möglich ist. Ihr habt Euch ja richtig da rein gefuchst. Ich bekomme fast ein schlechtes Gewissen, denn mein SA100 liegt in der Schublade. Aber ich führe zumindest meine T-CrB Messungen weiter, neben einem etwas größeren nicht-astronomischen Projekt, aber da ist ein Ende abzusehen. Dann sollte ich mich auch mal wieder mit dem Thema befassen. Aber ist ja "nur" Hobby... ;)

Viele Grüße, CS und mehr davon,
Reinhard
 
Deine Spektren der WR Sterne sind faszinierend!

Der langen Rede kurzer Sinn, noch einmal einen großen Dank für die Inspiration

Danke schön und freut mich natürlich riesig... hätte mir jemand vor 10 Jahren gesagt, dass ich mal jemanden mit meinen Arbeiten inspiriere hätte ich maximal müde gelächelt ;)

Von oben nach unten wäre das also die Konfiguration:
Prisma - SA100 - Tiltadapter
Prisma - SA 100
SA 100
SA 100 - Tiltadapter

Ja da sieht man schon eindeutig, was viel bringt und was vielleicht nur minimal zum Ergebnis beiträgt... wie gesagt, ich hab niemals so fundiert verglichen, aber ich hab definitiv gemerkt, dass die Asi485MC wesentlich weniger sensitiv ist (Absoptionslinien sind viel tiefer mit der 678MM) und mir kam auch vor, dass die Linien doch noch breiter waren... aber auf jeden Fall hat man das beste Ergebnis mit allen Komponenten, egal wieviel jede Einzelne dazu beiträgt und das beruhigt mich gewisser Maßen :)
Ich werde aber auf deine Erfahrungen hin nochmal mit dem SA200 im Filterschieber und der Asi485MC experimentieren... vielleicht war in der einen Testnacht wirklich extrem schlechtes Seeing.

Die Auflösung hängt meiner Meinung nach viel stärker vom richtigen Fokus und vom Seeing ab
Der Fokus ist essentiell, ich habe auch mitbekommen, dass zumindest bei meinem ED-APO auch wichtig ist, wo im sichtbaren Spektrum man fokussiert. Bei O,A,B eher Richtung Blau und bei den anderen mittig bis zu Rot bzw. auch genau dort wo das Interesse genau liegt. Ich habe aber noch nie versucht, wie das mit einem Spiegel aussehen würde... in der Theorie sollte ja dort der Fokus aller Farben auf einem Punkt sein... müsste ich auch mal testen bzw. auch mal nachlesen.
Das Seeing ist bei mir auf der Terrasse leider sehr bescheiden... ich bin von hohen Häusern umgeben die immer Wärme abstrahlen... in der Heizsaison natürlich enorm.
Ich finde Farbkameras auch bei der Spektroskopie gar nicht so verkehrt. Vor allem, wenn gerade noch eine Gruppe Leute (z.B. bei einer Führung) dabei steht, macht es schon was her, wenn die Beugungsordnung farbig am Bildschirm erscheint.
Dafür verwende ich RSpec... dort kann man on-the-fly live das Spektrum auswerten und dann auch die Kurve und das Spektrum farbig anzeigen lassen. Das macht natürlich was her :)
Ihr habt Euch ja richtig da rein gefuchst
Mich hat das Thema ziemlich gepackt, auch wenn ich immer ganz klar an Grenzen stoße... an meinem Beobachtungsort mit Seeing und dann auch ganz stark bei der Auswertung an meinem physikalischen Wissen...
Ich kämpf mich auf jeden Fall immer wieder durch und das macht natürlich auch nicht dümmer... die Lernkurve war bisher ziemlich steil.
Schlechtes Gewissen brauchst du auf keinen Fall haben, alleine deine T CrB Auswertungen sind extrem detailliert... du hast da einen extrem langen Atem... Daumen hoch!


Liebe Grüße und CS
Philipp
 
Gratulation zu den Ergebnissen !
Erstaunlich was da geht mit so einem günstigen Transmissionsgitter. :y:

Und tatsächlich: man braucht gar keinen 100kg Boller&Chivens Langspaltspektrograph mehr für sowas... :)

LG, Peter
 
Hallo liebe Astrokollegen,

letzte Nacht habe ich mein kleines Wolf-Rayet-Hunting-Projekt wiederbelebt und hatte die Möglichkeit WR 141 aufzunehmen.

wr141_20260524.png


Das Spektrum zeigt klar die charakteristischen Emissionsmerkmale eines WN-Typ-Wolf-Rayet-Sterns und wirkt grundsätzlich konsistent mit einer WN5-Klassifikation.

Allerdings bin ich in den letzten Monaten deutlich vorsichtiger bei der Interpretation von niedrig aufgelösten slitless-Spektren geworden. Besonders bei SA100-Daten können Linienüberlagerungen und Kalibrationsunsicherheiten schnell zu Überinterpretationen führen. Daher würde ich es aktuell eher so formulieren, dass das Spektrum „mit einem mittleren WN-/WN5-Entwicklungsstadium konsistent erscheint“, anstatt eine exakte Unterklassifikation zu behaupten. Nichtsdestotrotz habe ich begonnen, meine Spektren relativ fluxzukalibrieren.

Ich habe auch versucht, WR 148 aufzunehmen, aber das dichte Sternfeld hat mein slitless-Setup diesmal komplett an seine Grenzen gebracht. Überlappende Spektren und Sternabbildungen werden in solchen Regionen schnell zu einer echten Einschränkung.
Ich denke ich muss mich demnächst Richtung Slit-Spektroskopie weiterentwickeln :)

Trotzdem hat es wieder großen Spaß gemacht, WR-Sterne aufzunehmen — die WR-Hunting-Season ist für mich offiziell eröffnet :)

Liebe Grüße,
Philipp
 
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