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Spektroskopie mit einfachen Mitteln

Hallo in die Runde,

das hier ist mein erster Post in diesem Board, da ich mich bisher noch nicht so richtig mit dem Thema Spektroskopie befasst habe, obwohl es mich sehr interessiert.
In einem Beitrag über meine Spielerei mit einem einfachen Objektivgitter:

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... an der aktuellen Nova in Cassiopeia (gelb):

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... habe ich schon mal über meine bescheidenen Ergebnisse berichtet:

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... (siehe auch: https://forum.astronomie.de/threads/nova-in-cassiopeia.304253/post-1584303).

Durch diese Spielerei inspiriert, wollte ich austesten was mit Teilen aus meinem Fundus so geht.
Vor einiger Zeit hatte ich mir mal verschiedene Gitterfolien von Astromedia bestellt, diese gibt es mit 1000 Linien/mm und 500 Linien/mm für kleines Geld. Die Folie ist gedacht um Abschnitte davon in eine Art Karton-Diarahmen einzukleben, sie ist deshalb nicht sonderlich groß, vielleicht 45mm x 120mm für 4 bis 5 Rähmchen. Die Öffnung meines ED80 damit zu bestücken konnte ich mir abschminken, also aus der Not eine Tugend gemacht und eine Halterung für mein altes 135er/3,5 Zeiss Sonnar aus Zeichenkarton gebastelt:

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Meine EOS450Da mit dem Sonnar wurden dann mit einem Sucher zusammen auf die SP-DX in meiner Faltdach-Sternwarte montiert:

05.jpg

(Auf der Aufnahme fehlt das Objektivgitter)

Wie man sieht ist die Kamera um einen gewissen Winkel zum Sucher geneigt. Dadurch kann man einen Stern im Sucher auf das Fadenkreuz positionieren und das Spektrum 1. Ordnung liegt dann schön mittig auf dem Kamerachip. Etwas merkwürdig wirkt der Arm mit dem schwarzen Karton. Der Sinn dieser Konstruktion liegt darin zu vermeiden, dass im Spektrum Hintergrundsterne in direkter Sicht zu sehen sind, der Karton liegt also auf der optischen Achse des Objektivs. Der Stern dessen Spektrum aufgenommenen wird liegt ja außerhalb des direkten Sichtfelds der Kamera. Genau das ist aber auch ein potentielles Problem bei der weiteren Auswertung. Man hängt mit der Lage des Spektrums, abgesehen von der Farbe und evtl. sofort sichtbaren Linien, total in der Luft weil man keine Referenz hat.

Hier ein so aufgenommenes und im Rechner vertikal verbreitertes Spektrum der Wega, das auch als schmaler Streifen auf dem Kamera-Display schon sehr gut sichtbar ist:

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Mit diesem Aufbau habe ich dann versucht ein paar Sterne zu spektroskopieren und das Spektrum, zumindest einfach als Diagramm, darzustellen. Die dazu nötigen Schritte wurden in Fitswork ausgeführt:
- Ggf. mehrere Aufnahmen des Spektrums gestackt.
- Die Summenaufnahme auf 33% verkleinert, da die volle Auflösung keinen Mehrwert bietet.
- Die Aufnahme gedreht, sodass das Spektrum genau horizontal verläuft.
- Das Spektrum ausgeschnitten und ggf. verbreitert.
- Das Luminanzbild (schwarz/weiß) gebildet.
- Mit der Funktion "Pixellinie als Diagramm anzeigen" das Diagramm erzeugt. In dieser Funktion kann man auch die diskreten Werte als Textfile abspeichern, für eine evtl. weitere Auswertung.

Hier nun eine Aufnahme von Wega:

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Naja, schon ganz nett aber die Auflösung haut einen nicht grade vom Hocker.
Ich glaubte nicht, dass bei dem Versuch Brennweite und Öffnung der Engpass waren, da sich das gut sichtbare Spektrum über 2/3 der Kamera-Displaybreite erstreckte. Vermutlich ist die Qualität des Gitters nicht ausreichend, angefangen bei der Planlage der Folie. Die 500 Linien/mm erscheinen mir jedenfalls ideal für den Aufbau mit 135mm Brennweite und APS-C Chip.
An der Qualität der Folie selber kann ich nichts ändern, aber für eine bessere Planlage kann ich evtl. sorgen. Auf der Suche nach geeigneten Glasscheiben kam mir ein nicht benutzter Bilderrahmen in die Quere, der musste dran glauben. Aus der Frontscheibe wurden zwei Stücke mit 60mm x 60mm geschnitten und die Schnittkanten verschliffen. Zwischen die Scheibchen kam ein Stück der Gitterfolie und das Ganze wurde mit Foldback-Klammern auf dem Haltering für das 135er Sonnar befestigt. Mit diesem Aufbau wurde Wega ein weiteres mal aufgenommen. Bei der Darstellung habe ich das Spektrum gedreht, das scheint so üblicher zu sein (kurze Wellenlänge links, lange Wellenlänge rechts):

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Das sieht doch schon direkt viel besser aus :)

Wegen der Begrenzung auf 8 Bilder pro Posting, weiter im Anschluss...
 
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... und weiter:

Neben ein paar weiteren Sternen (Arktur, Spica und Regulus) habe ich zu guter Letzt noch Antares spektroskopiert. Antares ist ein interessanter Stern mit jeder Menge Spektrallinien, den Wust auseinander zu dröseln ist bestimmte eine interessante Herausforderung.

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Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Antares

So, das war mein kleiner Bericht über meine "low-budget"-Spektroskopie Spielereien. Vielleicht kann ich ja den Ein oder Anderen zur Nachahmung inspirieren.


Viele Grüße und saubere Linien,
Reinhard
 
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schmitzac

Mitglied
Reinhard, wenn es Dich interessiert: ich nehme sehr preiswerte, aber gute Plastikgitter von Astromedia. Kann mann einfach in eine Filterfassung schrauben. Auch das Handspektrospob zum selber bauen hat eine beachtliche Qualität.

Gruß von Aachener zu Aachener

Andreas
 
Hallo Andreas,

erst mal Danke für die Resonanz!

Wie ich im ersten Beitrag geschrieben habe, habe ich das improvisierte Objektivgitter nur bei der ersten Spielerei an der Nova eingesetzt. Danach bin ich auf die Gitterfolie von Astromedia umgestiegen. Brauchbar wurde die aber erst, nachdem ich sie zwischen zwei Glasscheiben "flach gelegt" hatte.

Viele Grüße zurück in die alte Heimat,
Reinhard

PS:
Das Astromedia-Handspektroskop kenne ich, habe es auch schon gebaut.
 
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