Spiegel reparieren - wer kann helfen?

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André_Knöfel

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Folgendes Problem: ein Spiegel an unserer Sternwarte ist in keinem guten Zustand mehr. Der Rand ist etwas matt, aber schlimmer noch: die alte Oberfläche ist oxidiert und lässt sich nicht mehr vollständig ablaugen, so das bei einer Neubeschichtung Flecken vorprogrammiert sind. Nun meine Frage: wer kann so einen Spiegel (32cm f/5.7) nachschleifen/nachpolieren und was würde das etwa kosten?

Gruß
André

PS: das ist das Instrument zu besseren Zeiten, immerhin wurden damit schon 11 Asteroiden entdeckt...

Link zur Grafik: http://www.sternwarte-essen.de/instrumente/32er.jpg
 
Hallo Andre,

da kannst Du nur auf den Dienst eines idealistischen Spiegelschleifers hoffen. Kommerziell ist eine Aufarbeitung des Spiegels sonst nicht darstellbar.

Wenn die Oberfläche so schlecht ist, daß nachgeschliffen werden muß besteht zunächst das Problem, ein Schleiftool mit genau dem passenden Krümmungsradius zu bekommen. Man kann mit Gips die Form abnehmen, das Gipstool mit Fließen bekleben und dann schleifen. Dann muß man aber mit grober Körnung beginnen, bis sich Tool und Spiegel völlig angepaßt haben. Der Aufwand ist dann praktisch identisch mit einem Neuschliff, die Brennweite wird hierdurch auch etwas verändert.

Ist die Glasoberfläche nur sehr wenig angegriffen, kann man dies u.U. mit Polieren schaffen.

Eine grobe Aufwandsabschätzung:

Pechhauttool herstellen 3 - 5 Stunden
Politur: ca. 15h
Herstellen Zonenmaske: 1 h
Parabolisieren: 10h - 20h incl. Zwischenmessungen (kann auch wenig kürzer oder viel länger dauern)
Materialaufwand bestenfalls hierfür ca. 30 bis 50 Euro bei vorhandenen Foucaulttester.

Beschichten mit Reflektions- und Schutzschicht incl. Transport und Verpackung ca. 200 Euro.

Durch das Polieren / Parabolisieren wird die ursprünglich vorhandene Brennweite praktisch nicht verändert.

Fazit: Im 1. Fall ist der Spiegel nur noch als Rohling verwendbar
Im 2. Fall ist mit ca. 250 Euro plus 20 bis 30h Einsatz eines Spiegelschleifers kann wieder ein guter Teleskopspiegel entstehen. 32cm und f/5,7 ist nicht banal, aber auch nicht ausgesprochen schwierig, wenn Erfahrung vorhanden ist.

Viele Grüße

Achim
p.s. ich beginne gerade mit einem neuen Spiegelschleifprojekt, da bin ich auf Monate beschäftigt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />
 
Hallo,

habt ihr das ablauge schon versucht ? Ich habe vor ein paar Tagen selbst einen Spiegel mit schwarzen Flecken am Rand abglaugt - die gingen ganz gut weg. Was habt ihr denn überhaupt als Belag auf dem Spiegel ? Wenn es Silber sein sollte würde sich vielleicht ein Versuch mit Salpetersäure anbieten. Schildere die Problematik vielleicht mal etwas genauer.
 
Hallo Frank,

abgelaugt wurde der Spiegel bei Beford in Wetzlar und die bekommen die Stellen nicht weg. Leider waren es keine kleinen Stellen am Rand sondern große Flecken im wichtigen Bereich. Die Leute bei Beford meinen, das man bei einer Neubeschichtung in kürzester Zeit wieder mit Fleckenbildung rechnen muss. Ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/mad.gif" alt="" />

Ich werde den Spiegel nächste Woche abholen, mal sehen wie er aussieht, denn ich habe ihn noch nicht gesehen.

Der Spiegel hat übrigens eine Aluminium-Beschichtung.

Hinter den Kulissen wird aber jetzt schon an einer Lösung gefeilt... hoffentlich bekommen wir den wieder hin...

Gruß
André
 
Hallo Achim,

besten Dank für Deine Ausführungen. War sehr interessant mal den Aufwand kennenzulernen. Ich hab von der Materie nämlich keine Ahnung... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />

Gruß
André
 
Parabolisieren: 10h - 20h incl. Zwischenmessungen
Das hat der Achim noch schön optimistisch abgeschätzt. Damit kommt man in der Regel nur hin, wenn alles auf Anhieb glatt geht. Allein die Messorgien um die letzten Zehntausendsatel dauern bei mir immer ewig lange und treiben mir die Tränen in die Augen.

Die Tränen werden besonders groß, wenn man kurz vor Schluss sich irgendeine Zone oder abgesunkenen Rand einfängt und das Spielchen nochmal von vorn losgeht.

Achim ergänzt ja auch ganz diplomatisch:
(kann auch wenig kürzer oder viel länger dauern)
Leider kommt letzteres viel häufiger vor. Aber wie heisst es so schön - der Weg ist das Ziel. --> Jetzt gehe ich besser schlafen, sonst kommen noch mehr so furchbare Pechhaut Philosophien aus der Tastatur.
 
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