spiegelsubstrat...
hallo,
das auskühlen selbst muß man etwas differenzierter betrachten.
es gibt dabei zwei punkte zu unterscheiden:
erster punkt ist, daß das glas des spiegels einfach eine
bestimmte zeit benötigt, bis es sich der umgebungstemeratur
angeglichen hat. die dauer dieser zeitspanne wird weniger
vom spiegelmaterial vorgegeben,als vielmehr von der lagerung
des spiegels (offene od. geschlossene spiegelzelle) sowie
von einer eventuell vorhandenen belüftung mittels ventilator.
zweiter punkt ist, daß sich der spiegel in dieser abkühlphase
nicht gleichmäßig, sonder am rand schneller auskühlt als in
der mitte, wodurch er während dieser zeit eine deformation
erleidet. bei diesem punkt spielt nun das spiegelmaterial
die entscheidende rolle. suprax und erst recht low-exp verformen
sich in dieser zeit weniger, bis praktisch gar nicht.
trozdem muß man auch beim spezielleren spiegelmaterial
mit dem einsatz von hohen vergrößerungen solange warte, bis
sich die spiegeltemperatur der umgebung angeglichen hat.
warum? solange der spiegel wärmer ist als seine umgebung steigen
warmluftschlieren von seiner oberfläche auf und verursachen
dadurch eine verschmierung der abbildung.
aus diesem grund bringt dir das teurere spiegelmaterial während
der abkühlphase selbst erstmal kaum einen vorteil.
vorteile bringt es dann aber während der weiteren beobachtungen,
weil nämlich im laufe der nacht die außentemperatur kontinuierlich
fällt und der spiegel sich diesem temperaturfall natürlich ständig
anpassen muß. ein spiegel mit teurem material von geringer
ausdehnung kann diese anpassung ohne weitere verformung mitmachen.
ebenfalls von vorteil ist das teurere material, wenn du das gerät
mit einer aktiven belüftung ausstattest. dann nämlich wird schon
während der auskühlphase die vom noch warmen spiegel aufsteigende
luft abgesaugt (od. weggeblasen) und der spiegel selbst arbeitet
ja wegen dem geringen ausdehnungskoeffizienten ohne deformation.
so kann praktisch sofort nach absaugen der warmluft aus dem
tubus mit hohen vergrößerungen beobachtet werden.
fazit zum abkühlverhalten ist also folgendes:
- nimm das teurere material (möglichst low expansion), wenn du
mit dem beobachten wirklich so schnell wie möglich loslegen
willst oder mußt (weil wegen familie od. job wenig zeit, ect.).
nach etwa 5-10min. ist das gerät einsatzbereit. dazu mußt du dann
aber im selbstbau hinten eine lüfter ranmachen.
- du nimmst das teurere material, wenn das gerät keinen lüfter
haben wird und du über mehrere stunden hinweg mit hoher vergrößerung
ohne gefahr von spiegeldeformation beobachten willst (zb. bei
spezialisierung auf planetenbeobachtung).
- nimmst du BK7, dann mußt du im winter ohne lüfter etwa 1h
warten (ganz grober richtwert), bis du uneingeschränkt hoch vergrößern
kannst. gibst du dem gerät dann aber einen lüfter, so verkürzt sich
diese zeit auf etwa 30min.
BK7 ist also im winter nach 30-60min einsatzbereit, je nachdem ob
mit oder ohne aktive belüftung, low-exp braucht etwa 5-60min, auch
je nachdem ob mit od. ohne belüftung, bleibt aber ohne belüftung
während der weiteren stunden stabil.
die qualität (genauigkeit, glätte) der oberfläche hat mit dem
substrat relativ wenig zu tun. wichtig bei allen substraten ist,
daß sie "innerlich" spannungsfrei sind. das hängt davon ab,
woher der hersteller das material bezieht und wie er es vor
dem polieren behandelt. generell kann man sagen, je teurer das
substrat, umso höher die wahrscheinlichkeit das es frei von inneren
spannungen ist. eine allgemeine regel gibt es da nicht, nur
erfahrungswerte.
achte während dem kauf auf eine ordentliche optische qualität.
der hauptspiegel muß auf jeden fall eine beugungsbegrenzte abbildung
liefern. weise deinen händler extra darauf hin, daß du hierauf
ganz besonders achten wirst. hast du dann das gerät in händen,
teste dessen optische qualität wenn möglich innerhalb der ersten
beiden wochen. solange hast du uneingeschränktes rückgaberecht.
danach hast du nur anspruch auf tausch, wenn das gerät wirklich
nicht beugungsbegrenzt abbildet. die versch. händler sind hier
mehr oder weniger kulant.
zum test des gerätes würde ich dir empfehlen, einen bereits
erfahrenen sternfreund hinzuzuziehen. überhaupt ist der kontakt
zu kollegen in der näheren umgebung der beste weg, um viel und
schnell zu lernen.
c.s. tom
BINOVIEWER
(Member of Albireo)