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Hallo liebe Astrogemeinde!
Nach einigen Monaten Abstinenz von der Astronomie hab ich nun endlich wieder Zeit mich mit Photonensaugen zu beschäftigen. Man kommt ja regelrecht aus der Übung...
Gestern war es soweit. Das Wetter spielte mit und gegen Nachmittag klarte es rundrum auf, sodass ich endlich mal wieder nach draussen konnte. Einfach zur "Wiedereingewöhnung" wild ein paar Objekte aus dem Karkoschka raussuchen und beobachten, was gerade am Himmel steht. Aufgrund des Frühlingshimmels sollte es wohl eine Galaxienacht werden. Mal abwarten.
Teleskop: 8" f/5 Newton, Okulare: 32mm, 15mm, 10mm, 6mm
fst: 5,5m
Rohr gegen 21.00 aufgebaut. Schon beim Aufbauen stellte ich fest, dass die Luft schön ruhig war. Sehr ruhig sogar. Beim betrachten von Sirius wurde klar: das ist die beste Luft, die ich seit langem hatte! Der Stern stand bis 10° über dem Horizont fast still. Und auch Prokyon und die Sterne in Leo tanzten nicht wie sonst einen Farbentanz. Sollte das so ein Spitzen-Planetenseeing sein, wie man es nur 1-2 mal im Jahr hat (wie zuletzt bei mir im März 2005)? Ich blinzelte zu Saturn und hob ihn mir als das Beste zum Schluss auf.
Doch nun zu den Objekten:
Venus: das erste Objekt des Abends, lange nicht mehr gesehen. Uui, ist die hell, sichtbare Hemisphäre ungefähr wie ¾ Mond, daher Scheibe relativ klein, erst bei 100x und mit Blaufilter als solche erkannt, aber wegen ungünstiger Beobachtungsposition unter dem Fernrohr nur ein sehr wackeliges beobachten
NGC 2264: hatte ich irgendwann schon mal gesehen, diente eigentlich nur als Aufsuchhilfe für NGC 2261, was ich noch vor Untergang von Gemini sehen wollte. Verdient es aber trotzdem mit aufgenommen zu werden: schöner, lockerer open cluster mit 5-6m Zentralstern, ca. 25 Sterne herum, nur im 32mm die Form des Weihnachtsbaumes erkannt
NGC 2261: das Objekt der Begierde, schon einmal verfehlt, doch diesmal klappte es. Ein kleiner kometenähnlicher Nebel, ziemlich lichtschwach, 90° zu NGC 2264 elongiert, leichte Helligkeitsunterschiede im Schweif, weitere Details blieben mir aufgrund der noch fortschreitenden Dämmerung verborgen
NGC 2392: dank der ruhigen Luft waren hohe Vergrößerungen möglich, im 15mm WA schon der Zentralstern, schön grünlicher Halo, der sich bei indirektem Sehen im Durchmesser verdoppelte, im 6mm um den Zentralstern ein fast kreisrunder Halo, der nach aussen hin an Helligkeit verliert, bei indirektem Sehen die bekannte Form, Gesicht nicht ganz eindeutig, aber erahnbar
Dann, um 21.53, ein ca. 0m Satellit, der von Sirius kommend über den Kopf der Hydra flog, Regulus knapp verfehlte und im Körper des Löwen langsam an Helligkeit verlor. Ein schön heller und langer Flare, sieht man nicht allzu oft. Nur vier Minuten später die nächste Überraschung: Ich sah vom Fernrohr auf in Richtung Zenit. Plötzlich kam vom hinteren Fuß des Großen Bären ein gleißend heller blauer Lichtblitz, der zweigeteilt schien. Er bewegte sich von da aus gen Norden und wurde schnell schwächer. Aber für einen kurzen Moment am Anfang war er verdammt hell, mit Sicherheit heller als die Venus, fast wie ein Blitzlicht. WAS WAR DAS??? Ich muss mich wegen den beiden Satelliten aber noch informieren.
NGC 3115: die Spindel-Galaxie, schöne große Spindel mit hellerem Zentrum, aber ersäuft im südlichen Streulicht, Jupiter's Geist will ich gar nicht erst versuchen
U Hya: uui, ist der rot, der drittrötlichste Stern im Katalog
M48: ein großer offener Sternhaufen mit Sternenkette in der Mitte, schönster Anblick im 15mm WA
M108: der gewohnte Anblick, Galaxie in Kantenlage mit Stern im Vordergund, Staubband und Zweiteilung senkrecht zum Staubband
M97: schön rund und gleichmäßig, aber ohne Details und Augen
M101: wegen geringer Flächenhelligkeit immer schwer zu finden, auch heute, hellerer Kern und großer Halo mit 1-2 Sternassoziationen, Halo am Südrand etwas heller, mit den Fotos im Kopf ist die Form als Wagenrad erahnbar, wie sie wohl im 18“ aussehen mag??? (*träum*)
NGC 4490: die Zwillinge, schön die Form und Ausrichtung erkennbar, hoben sich stärker als sonst vom Hintergrund ab, leichter Helligkeitsverlust zum Rand, erweckten sonst immer bei mir den (falschen) Eindruck einer Materiebrücke, konnte diesmal aber direkt sehen, dass da tatsächlich keine ist
NGC 4449: eine kleine eckige Galaxie mit hellem Kern, nebelig, wieder nur Aufsuchhilfe für
M106: große Galaxie mit länglichem Kern und großer Halo, kleine Achse etwas lichtschwächer als große Achse, auf dem Weg von NGC 4449 zu M106 ist die Begleitgalaxie NGC 4220 zu finden, NGC 4217 steht etwas näher zu NGC 4449
NGC 4244: lichtschwache Galaxie in Kantenlage, bei indirektem Sehen ca. 1/3 Längenzuwachs, ohne Details
M63: die Sonnenblumengalaxie, als solche leider nur auf Fotos zu erkennen, hellerer Kern mit sehr gleichmäßiger Halo, 9m Stern in der Nähe
Y CVn: subjektiv etwas heller als U Hya, aber nicht ganz so rot
M51: der beste Anblick der Whirlpool-Galaxie, den ich je hatte, im 32mm Hintergrund etwas zu hell,deshalb das 15mm: groß und hell, eindeutig vom Hintergrund abgegrenzt, Spiralstruktur zwar nicht immer eindeutig gesehen, aber stets erahnbar gewesen, im 15mm war in der Galaxie hin und wieder ein schwacher Stern am aufblitzen, toller Anblick
Nun folgte das Glanzstück des Abends, der Herr der Ringe höchs selbst. War erst etwas skeptisch, ob die Luft wirklich so ruhig war wie gedacht, aber beim Anblick im 6mm waren alle Zweifel weg und ich sprang vor Freude in die Luft: da stand ein absolut knackscharfer Saturn ohne eine Spur von Seeing-Einflüssen! Selbst bei meiner bisherigen Grenzvergrößerung von 166x alles scharf abgegrenzt und ruhig im Okular. Zum testen nahm ich die Barlow dazu: selbst bei 333x war der Planet scharf wie ein Rasiermesser!! Cassini umlaufend war überhaupt kein Problem, die Schatten vom Ring und Planet scharf abgegrenzt, im inneren Ring das erste mal Details gesehen (innen etwas hellbrauner als in Richtung Cassini), die zweigeteilte Polarkappe und das Äquatorband Band eindeutig gesehen, Titan war als Scheibchen neben 3 anderen Monden westlich vom Planeten erkennbar (ich glaube Dione, Rhea und Thetys). Weitere Details wären garantiert möglich gewesen, scheiterten aber an der wackeligen Montierung und an einer verdreckten Barlow. Später wurde das Seeing leider etwas schlechter, sodass ich auf 166x zurückgehen musste. Aber diese Vergrößerung reichte allemal aus, um die beschriebenen Details ausführlich zu betrachten.
Ich verharrte bei Saturn bis ca. um 3.00, dann verschwand er hinter einem Kirschbaum. Das sollte fürs erste aber auch reichen, langsam wurde es kalt und mein Sucher sowie die Okulare waren zugetaut.
Da es zum Wochenende schön werden soll, kommt bestimmt noch eine Menge hinzu, ich hab ja noch viel nachzuholen... Hoffe, euch gefällt der Bericht.
CS Martin
Nach einigen Monaten Abstinenz von der Astronomie hab ich nun endlich wieder Zeit mich mit Photonensaugen zu beschäftigen. Man kommt ja regelrecht aus der Übung...
Gestern war es soweit. Das Wetter spielte mit und gegen Nachmittag klarte es rundrum auf, sodass ich endlich mal wieder nach draussen konnte. Einfach zur "Wiedereingewöhnung" wild ein paar Objekte aus dem Karkoschka raussuchen und beobachten, was gerade am Himmel steht. Aufgrund des Frühlingshimmels sollte es wohl eine Galaxienacht werden. Mal abwarten.
Teleskop: 8" f/5 Newton, Okulare: 32mm, 15mm, 10mm, 6mm
fst: 5,5m
Rohr gegen 21.00 aufgebaut. Schon beim Aufbauen stellte ich fest, dass die Luft schön ruhig war. Sehr ruhig sogar. Beim betrachten von Sirius wurde klar: das ist die beste Luft, die ich seit langem hatte! Der Stern stand bis 10° über dem Horizont fast still. Und auch Prokyon und die Sterne in Leo tanzten nicht wie sonst einen Farbentanz. Sollte das so ein Spitzen-Planetenseeing sein, wie man es nur 1-2 mal im Jahr hat (wie zuletzt bei mir im März 2005)? Ich blinzelte zu Saturn und hob ihn mir als das Beste zum Schluss auf.
Doch nun zu den Objekten:
Venus: das erste Objekt des Abends, lange nicht mehr gesehen. Uui, ist die hell, sichtbare Hemisphäre ungefähr wie ¾ Mond, daher Scheibe relativ klein, erst bei 100x und mit Blaufilter als solche erkannt, aber wegen ungünstiger Beobachtungsposition unter dem Fernrohr nur ein sehr wackeliges beobachten
NGC 2264: hatte ich irgendwann schon mal gesehen, diente eigentlich nur als Aufsuchhilfe für NGC 2261, was ich noch vor Untergang von Gemini sehen wollte. Verdient es aber trotzdem mit aufgenommen zu werden: schöner, lockerer open cluster mit 5-6m Zentralstern, ca. 25 Sterne herum, nur im 32mm die Form des Weihnachtsbaumes erkannt
NGC 2261: das Objekt der Begierde, schon einmal verfehlt, doch diesmal klappte es. Ein kleiner kometenähnlicher Nebel, ziemlich lichtschwach, 90° zu NGC 2264 elongiert, leichte Helligkeitsunterschiede im Schweif, weitere Details blieben mir aufgrund der noch fortschreitenden Dämmerung verborgen
NGC 2392: dank der ruhigen Luft waren hohe Vergrößerungen möglich, im 15mm WA schon der Zentralstern, schön grünlicher Halo, der sich bei indirektem Sehen im Durchmesser verdoppelte, im 6mm um den Zentralstern ein fast kreisrunder Halo, der nach aussen hin an Helligkeit verliert, bei indirektem Sehen die bekannte Form, Gesicht nicht ganz eindeutig, aber erahnbar
Dann, um 21.53, ein ca. 0m Satellit, der von Sirius kommend über den Kopf der Hydra flog, Regulus knapp verfehlte und im Körper des Löwen langsam an Helligkeit verlor. Ein schön heller und langer Flare, sieht man nicht allzu oft. Nur vier Minuten später die nächste Überraschung: Ich sah vom Fernrohr auf in Richtung Zenit. Plötzlich kam vom hinteren Fuß des Großen Bären ein gleißend heller blauer Lichtblitz, der zweigeteilt schien. Er bewegte sich von da aus gen Norden und wurde schnell schwächer. Aber für einen kurzen Moment am Anfang war er verdammt hell, mit Sicherheit heller als die Venus, fast wie ein Blitzlicht. WAS WAR DAS??? Ich muss mich wegen den beiden Satelliten aber noch informieren.
NGC 3115: die Spindel-Galaxie, schöne große Spindel mit hellerem Zentrum, aber ersäuft im südlichen Streulicht, Jupiter's Geist will ich gar nicht erst versuchen
U Hya: uui, ist der rot, der drittrötlichste Stern im Katalog
M48: ein großer offener Sternhaufen mit Sternenkette in der Mitte, schönster Anblick im 15mm WA
M108: der gewohnte Anblick, Galaxie in Kantenlage mit Stern im Vordergund, Staubband und Zweiteilung senkrecht zum Staubband
M97: schön rund und gleichmäßig, aber ohne Details und Augen
M101: wegen geringer Flächenhelligkeit immer schwer zu finden, auch heute, hellerer Kern und großer Halo mit 1-2 Sternassoziationen, Halo am Südrand etwas heller, mit den Fotos im Kopf ist die Form als Wagenrad erahnbar, wie sie wohl im 18“ aussehen mag??? (*träum*)
NGC 4490: die Zwillinge, schön die Form und Ausrichtung erkennbar, hoben sich stärker als sonst vom Hintergrund ab, leichter Helligkeitsverlust zum Rand, erweckten sonst immer bei mir den (falschen) Eindruck einer Materiebrücke, konnte diesmal aber direkt sehen, dass da tatsächlich keine ist
NGC 4449: eine kleine eckige Galaxie mit hellem Kern, nebelig, wieder nur Aufsuchhilfe für
M106: große Galaxie mit länglichem Kern und großer Halo, kleine Achse etwas lichtschwächer als große Achse, auf dem Weg von NGC 4449 zu M106 ist die Begleitgalaxie NGC 4220 zu finden, NGC 4217 steht etwas näher zu NGC 4449
NGC 4244: lichtschwache Galaxie in Kantenlage, bei indirektem Sehen ca. 1/3 Längenzuwachs, ohne Details
M63: die Sonnenblumengalaxie, als solche leider nur auf Fotos zu erkennen, hellerer Kern mit sehr gleichmäßiger Halo, 9m Stern in der Nähe
Y CVn: subjektiv etwas heller als U Hya, aber nicht ganz so rot
M51: der beste Anblick der Whirlpool-Galaxie, den ich je hatte, im 32mm Hintergrund etwas zu hell,deshalb das 15mm: groß und hell, eindeutig vom Hintergrund abgegrenzt, Spiralstruktur zwar nicht immer eindeutig gesehen, aber stets erahnbar gewesen, im 15mm war in der Galaxie hin und wieder ein schwacher Stern am aufblitzen, toller Anblick
Nun folgte das Glanzstück des Abends, der Herr der Ringe höchs selbst. War erst etwas skeptisch, ob die Luft wirklich so ruhig war wie gedacht, aber beim Anblick im 6mm waren alle Zweifel weg und ich sprang vor Freude in die Luft: da stand ein absolut knackscharfer Saturn ohne eine Spur von Seeing-Einflüssen! Selbst bei meiner bisherigen Grenzvergrößerung von 166x alles scharf abgegrenzt und ruhig im Okular. Zum testen nahm ich die Barlow dazu: selbst bei 333x war der Planet scharf wie ein Rasiermesser!! Cassini umlaufend war überhaupt kein Problem, die Schatten vom Ring und Planet scharf abgegrenzt, im inneren Ring das erste mal Details gesehen (innen etwas hellbrauner als in Richtung Cassini), die zweigeteilte Polarkappe und das Äquatorband Band eindeutig gesehen, Titan war als Scheibchen neben 3 anderen Monden westlich vom Planeten erkennbar (ich glaube Dione, Rhea und Thetys). Weitere Details wären garantiert möglich gewesen, scheiterten aber an der wackeligen Montierung und an einer verdreckten Barlow. Später wurde das Seeing leider etwas schlechter, sodass ich auf 166x zurückgehen musste. Aber diese Vergrößerung reichte allemal aus, um die beschriebenen Details ausführlich zu betrachten.
Ich verharrte bei Saturn bis ca. um 3.00, dann verschwand er hinter einem Kirschbaum. Das sollte fürs erste aber auch reichen, langsam wurde es kalt und mein Sucher sowie die Okulare waren zugetaut.
Da es zum Wochenende schön werden soll, kommt bestimmt noch eine Menge hinzu, ich hab ja noch viel nachzuholen... Hoffe, euch gefällt der Bericht.
CS Martin