Stadtnähe und M71

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Doppelstern

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Hallo,

gestern Nacht war bei uns in der Nähe von Heilbronn ein klarer Abend. Jedenfalls dann, wenn man von der Stadt wegschaute. Zur Stadt hin (Entfernung 8 km bis Audi-Werk NSU) ist der Himmel stark aufgehellt. In dieser Richtung lag getern um 23:15 Uhr das Sternbild Pfeil. Die Sterne alpha und beta waren indirekt zu sehen ... (beide haben 4.4mag) ... :(
Nun, ich wollte mir den M71 ansehen, da ich bisher ein reiner Herbst/Winter/Frühlingsgucker war.
Im 8*50mm Sucher waren jetzt doch einige Sterne zu sehen und nach einigem hin und her (okay, jetzt wäre eine Art Peilsucher, z.B. Leuchtpunkt gut gewesen) fand ich einen dunklen Fleck im Sucherfernrohr.
Tja, was soll ich sagen, im Teleskop (32mm Super Plössl = 28x = AP4) war ein verwaschener Fleck vor aschgrauem Himmel auszumachen. Das kann nicht der M71 sein und wechselte auf ein 20mm Okular (=45x = AP2,5). Der Himmel dunkler und der Fleck nahm Kontur an. Aha, diese Richtung gehen wir weiter. Im 15mm Okular (=60x =AP1,9) nahem das Fleckchen eine leicht dreieckige Gestalt an - aber aufgelöst erschien es mir nicht.
Okay, jetzt kommt das 9mm (=100x = AP1,1) und es begannen sich ein paar Sternchen aus dem dreieckig wirkenden Fleck zu lösen. Länger geguckt. Laser rausgeholt und nachjustiert. Es blieben ein paar Sternchen.
Das Sternbild Pfeil mit bloßen Auge angeschaut - mehr als 4.5mag sind in dieser Richtung nicht zu machen. Frust.
Heute habe ich mal nach-gegoogelt, was andere Leute am M71 mit einem 4.5"-Teleskop gesehen haben. Auch nicht mehr bei diesen Bedingungen.

In Richtung Nord-Osten stand die Cassiopeia - h und chi - Persei waren mit bloßem Auge fast direkt zu sehen. Die hätte ich mir anschauen sollen.

GRüße,
Stefan
 
Hallo Stefan,

es kann sicher sehr interessant und aufschlussreich sein, sich ein Deepsky-Objekt unter ungünstigsten Bedingungen anzusehen.
Dennoch ist es, gerade für Einsteiger, wesentlich sinnvoller die Zeit abzuwarten, zu der das Objekt der Begierde günstig steht.
Den höchsten Stand erreicht Dein Objekt wenn es exakt im Süden steht, egal ob es zirkumpolar ist oder nur zu gewissen Zeiten über den Horizont klettert.
Dies ist mit jedem Sternkartenprogramm zu verfolgen, auch in Zeitschriften und Jahrbüchern werden ausgewählte Objekte "zu ihrer Zeit" vorgestellt.
Wenn man aber im Süden eine Lichtglocke hat, so kann man die besten Beobachtungen halt ein bis zwei Monate vorher oder nachher machen, je nach dem, ob man im Osten oder im Westen eventuell einen Streifen mit weniger Lichtverschmutzung findet.
Ich hänge z.B. immer ein wenig hinterher, weil von Süd/Südwest bis West/Südwest mein bester Himmelsstreifen ist.
Wäre ich ein Frühaufsteher könnte ich natürlich früher dran sein, auch Beobachtungen zwischen 02.00 Uhr und 05.00 Uhr haben ihren Reiz, wenn das Objekt eben erst dann am günstigsten Beobachtungsort steht.
Nur bei extrem südlichen Objekten und in den kurzen Sommernächten kann es zeitlich schon Mal eng werden, aber nächstes Jahr ist auch noch Zeit, wenn es halt Mal nicht klappt.

Unabhängig von Teleskopöffnung und grundsätzlich vorgefundener Himmelsqualität lohnt es sich sehr, auf diese günstigsten "Fenster" zu warten und sich gründlich vorzubereiten.

Das fängt schon mit einem Blick nach Osten am Ende eines Beobachtungsabends an, denn dort am Horizont taucht auf, was ein bis zwei Monate später, also zum nächsten oder übernächsten Neumond interessante Höhe erreicht.
Ganz nebenbei nimmt man bei solcher Vergehensweise fast automatisch eine Vertiefung der eigenen Kenntnisse über "Himmelsmechanik" mit und kann sich immer besser und schneller orientieren.

Gruß und CS
*entfernt*
 
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Günther,

irgendwann mach' eich einen *entfernt*GMS/Sven Wienstein Fanclub auf!!
Ich finde es total beachtlich, wie Ihr zwei immer wieder freundlich und sachbezogen auf Anfragen und Probleme von uns (mehr oder weniger) Astroneulingen eingeht.

Besonders freundliche Grüße aus BW,

Bernd

 
Hallo Bernd,

danke für das Lob. :blush:
Ich hab mir nun Mal in den Kopf gesetzt, dass Leute die zu unserem Hobby gefunden haben, möglichst lange und begeistert dabei bleiben sollten und dafür mache ich das.
Hinzu kommt, dass ich selbst noch sehr wenig weiß und hier viel lernen kann.
Viele begeisterte Hobbyastronomen bringen eventuell viele andere Leute zumindest so weit, dass sie sich auch an einem schönen Sternenhimmel erfreuen und so z.B. für eine Eindämmung der Lichtverschmutzung zu gewinnen sind.
Das ist aktiverer Umweltschutz als alle Lippenbekenntnisse von Hinz und Kunz.
Reiner Eigennutz also. :biggrin:

Zur Sache ein paar Ausnahmen gefällig?

Es gibt Ausnahmenächte wo der relativ ungünstige Stand von Objekten nicht so dramatisch ins Gewicht fällt.
-Nach Hochdrucklagen, kurz vor den Wolken herrscht häufig gutes Seeing, ruhige Luftströmungen auch in großen Höhen.
-Nach heftigen Regengüssen und wenn der Wind abflaut, ist die Luft sehr sauber, nicht nur in der Stadt steigt die Grenzgröße, am Horizont werden Sterne sichtbar die sonst im Dunst hängen.
-Längerer Regen kühlt auch eine Stadt, wenn die Sonne einen ganzen Tag gebrutzelt hat wabert selbst um 01.00 Uhr noch alles, nach einem bedeckten regnerischen Tag ist das besser.
-Planetenbeobachtung geht schon in der Dämmerung sehr gut weil manchmal das Seeing zu dieser zeit recht ordentlich ist und komplette Dunkeladaption bei der Planetenbeobachtung (auch Mond) und bei Beobachtungen mit mehr als ca. 1 mm AP zu Detailüberstrahlung/Blendung führt.
Man müsste dann Licht durch Grau-/var. Polfilter dämpfen oder eben die Dunkeladaption vermeiden.

Gruß und CS
*entfernt*
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Günther

Dennoch ist es, gerade für Einsteiger, wesentlich sinnvoller die Zeit abzuwarten, zu der das Objekt der Begierde günstig steht.

Blick ich´s gerade nicht? Aber ich glaube gestern um 23:15 Uhr stand M71 nahezu in bestmöglichster Position. :gutefrage:

@Stefan: Ich habe ihn mir gestern auch mit einem 4,5"er angeschaut und er hat mich ebenfalls nicht vom Hocker gehauen (bei einem guten 5m Himmel). Bin dann recht zügig weiter zu M27, der kam wesentlich besser.

CS
Volker
 
Hallo Volker,

weiterlesen, nicht Zitate aus dem Zusammenhang reißen.
Er hat genau da einen "Lichtkleks" (Stadt).
Also muß er früher oder später ran.
Ich habe es nur chronologisch gebaut um das Thema kompletter zu "beleuchten".

Gruß und CS
*entfernt*
 
Hallo Günther,

oops! Sorry, der Absatz zwischendrin ist mir tatsächlich raus.
Habe aber heute eh irgenwie was an den Augen, weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund kommt ziemlich verschwommen bei mir an, muss mich beim Lesen richtig konzentrieren.

Vermutlich letzte Nacht zu viel gespechtelt. :/

Nix für ungut.
Volker
 
Hi Stefan,

das war schon M71, nur ist halt bei aufgehellten Himmel (~4m5) nicht mehr drinnen.

Gruß

Lots

P.S. Wenn es dich tröstet auch mit 8" oder 10" hätte er bei 4m5 nicht viel anders ausgesehen. :)
 
Hallo Günther,

gen Osten ist bei mir besser gucken, jedenfalls vom Licht her. Aber im Garten steht das Haus davor ... übel. Nach Nordosten ist der beste Blick, doch da wechseln die Sternbilder nicht so schnell. Da ich selten nach 24 Uhr in der Woche gucken gehe, habe ich im Sommer immer schlechte Karten.

Früher habe ich nur im Winter geschaut und wohnte im Norden auf einem kleineren Dorf. Der Himmel war klasse!
Leider lag das Hobby 15 Jahre brach.

Als Wiedereinsteiger hatte ich vor einiger Zeit einen 4.5" geholt, gehe aber bei weitem nicht so oft nach draußen, wie es vielleicht andere tun. Naja, da hatte der M71 noch keine Gelegenheit gefunden sich zu präsentieren.

Aber einen 6.5mag Himmel wünsche ich mir nicht ... ich würde wohl verrückt werden ...

Grüße,
Stefan
 
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